Zwengel | Der Butler 09: Die Jäger | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 9, 200 Seiten

Reihe: Der Butler (Kriminalromane)

Zwengel Der Butler 09: Die Jäger


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-513-5
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 9, 200 Seiten

Reihe: Der Butler (Kriminalromane)

ISBN: 978-3-95719-513-5
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Schattenchronik wächst unter der Leitung von Topagent Richard Wallburg. Für Lady Amanda Marbely ist er weiterhin der Butler. Als enge Mitarbeiter des Butlers angegriffen werden und ein Anschlag auf Claire passiert, scheint der Butler die Kontrolle zu verlieren. Er entführt den Leiter einer unbedeutenden Sicherheitsfirma, der in die Überfälle verwickelt zu sein scheint. Martin Anderson, Leila Dahlström und Mick Bondye sind gezwungen, Jagd auf ihren Chef zu machen. Doch offenbar sind sie alle Opfer einer gewaltigen Verschwörung geworden. Die Printausgabe umfasst 148 Buchseiten

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Kapitel 1

Das Zusammenleben mit einem Vampir war gar nicht so einfach, wie Eddie Heesters es sich vorgestellt hatte. Ziemlich schnell machten sich die unterschiedlichen Lebensumstände bemerkbar. Er saß auf der Couch und massierte Harriets Füße auf seinem Schoß. Mit seinen Händen konnte er keinen Fehler machen, doch sobald er den Mund öffnete, befand er sich in einem Minenfeld. Manchmal brauchte es nur zwei Sätze, bis es knallte. Zwei Sätze, von denen er mindestens einen für absolut harmlos gehalten hätte.

Woher besaß er nur diese Fähigkeit, andere Menschen auf die Palme zu bringen? Hatte er sie entwickelt oder handelte es sich einfach um ein Gottesgeschenk? Falls letzteres der Fall sein sollte, wo konnte man es umtauschen?

Sie verbrachten einen ruhigen Abend vor dem Fernseher und vertieften dadurch ihre Spanischkenntnisse. Es gab nichts Neues zu erzählen, was Eddie allerdings nicht vom Reden abhielt. Das Problem war ihm auch selbst bekannt, aber er war unfähig, etwas dagegen zu unternehmen. Das Schlimmste dabei war, dass er weiterredete, während er solche Überlegungen anstellte. Manchmal schlüpften ihm dabei ein paar unbedachte Sätze heraus, und als er spürte, wie sich ihre kalten Beine verkrampften, wusste er, dass es wieder einmal so weit war. Harriet zog die Beine an und stieß ihm ihre Füße schmerzhaft in die Seite. Dann rollte sie von der Couch herab und marschierte in die Küche. Allein an ihrem Schritt konnte er das Ausmaß ihrer Verärgerung erkennen. Eddie sollte jetzt besser kein Wort mehr sagen.

Er war ein übergewichtiger ältlicher Komiker, der mit einer Vampirin zusammenlebte, die nicht nur jung aussah, sondern auch noch genauso jung war, weil ihre Verwandlung noch nicht lange zurücklag.

In ihrem alten Leben war sie die Journalistin Harriet Wells gewesen, die auf Teneriffa eine Clique hedonistischer junger Männer und Frauen traf, die ihr Leben in vollen Zügen genoss. Ihr untotes Leben, wie sich bald herausstellte, denn bei ihnen handelte es sich um Vampire. Sie machten Harriet zur einer von ihnen. Ihr Anführer, Idris Audiel, war kein gewöhnlicher Vampir gewesen, sondern ein Voodoo-Vampir. Harriet hatte ihn getötet und wollte sich anschließend selbst das Leben nehmen, um sich ein Dasein als Vampir zu ersparen, doch Mick Bondye, der Butler und Eddie hatten das verhindert.

Eddie hielt sein Versprechen und half ihr, ein neues Leben zu beginnen. Es klang auf den ersten Blick widersinnig, ausgerechnet auf Teneriffa zu bleiben, anstatt im Norden Norwegens oder Alaskas, mit langen Phasen von Dunkelheit, doch die Äquatornähe bot andererseits das ganze Jahr über sehr konstante Nachtzeiten und keine Sommersonne bis weit nach 22:00 Uhr.

Aber dieses Leben wurde nicht so einfach, wie sie es sich vorgestellt hatten. Sie waren zu verschieden. Auch wenn ein einschneidendes Erlebnis sie zusammengeschweißt hatte, waren sie doch kein Liebespaar geworden. Eher eine Zweckgemeinschaft, wobei Eddie noch nicht die Vorteile für sich herausgefunden hatte. Eigentlich musste er vielmehr ihre schlechte Laune ertragen, wenn sie wieder einmal mit ihrem Schicksal haderte. Und sie beklagte sich fast ununterbrochen über sein dauerndes Gerede und die schlechten Witze. Solche Paare gingen in der Regel schnell wieder auseinander oder blieben ein Leben lang leidend zusammen. Dazwischen gab es nichts. Wobei ihr Fall ein besonderer war, da er älter werden würde, während sie immer gleich jung blieb.

Ihr Haus in Buenavista del Norte an der Nordwestküste Teneriffas war nicht besonders groß und völlig unzureichend, um sich bei Streit aus dem Weg zu gehen. Eddie blieb nur der Wechsel ins obere Stockwerk, wo sich Schlafzimmer und Dachterrasse befanden. Also ging er nach oben, legte sich aufs Bett und überlegte, wie er die Stimmung zwischen ihnen wieder heben konnte. Am besten, er versuchte es nicht mit einem Witz.

Zu der angespannten Stimmung zwischen ihnen kam es auch durch ein so profanes Problem wie Geld. Eddie Heesters hatte bereits zuvor mehr schlecht als recht verdient und die Nachfrage war in den letzten Wochen kaum gestiegen. Harriet hatte versucht, ein paar Artikel zu veröffentlichen, aber sie wagte sich kaum aus dem Haus und das machte es für sie recht schwierig, über Dinge zu berichten, die außerhalb dieses Hauses geschahen. Dieses Problem konnte aber bald durch ein anderes abgelöst werden. Wenn sie nicht das Geld für die Miete zusammenbekamen, würden sie die längste Zeit in diesem Haus gewohnt haben. Obwohl es kein besonders schönes Haus war, wollten die Vermieter trotzdem Geld dafür haben.

Geld hatte es ihnen bisher auch ermöglicht, möglichst unauffällig Harriets spezielle Ernährung zu gewährleisten. Sie hatte bisher noch keinem Menschen das Blut ausgesaugt. Nicht nur, weil Mick Bondye ihnen für diesen Fall angedroht hatte, nach Teneriffa zurückzukehren, um sie zur Rechenschaft zu ziehen, sondern auch aus dem einfachen Grund, dass sie es nicht wollte. Sie war nicht einmal gezwungen, ihre Opfer zu töten, aber sie wollte dies anderen Menschen nicht antun. Deshalb begnügte sie sich mit Tierblut, und in ganz dringenden Fällen stellte sich Eddie als Spender zur Verfügung. Doch auch das Blut von Tieren bekam man nicht geschenkt. Im Gegenteil, man musste sich mehrere Quellen halten, weil der Verbrauch doch auch Probleme mit sich brachte. Einige Metzger hatten Eddie schon seltsame Fragen zu dem Zweck gestellt, für den er das Blut benötigte. Er verfügte über mehrere Geschichten. Exotische Tiere, die er damit fütterte, einen exzentrischen Maler, der seine Gemälde ausschließlich mit Blut anfertigte, eine spezielle Wurst, die Eddie daraus anfertigte, und so weiter und sofort. Er bekam immer mehr den Eindruck, dass ihm keiner mehr seine Geschichten abnahm und sie früher oder später auffliegen würden.

Eddie bemerkte, wie Harriet das Licht im Erdgeschoss löschte und dann tauchte ihr Kopf hinter dem Geländer an der Treppe auf. Sie hatte einen ausgestreckten Finger über ihre Lippen gelegt, und er hob fragend die Augenbrauen.

„Jemand schleicht ums Haus“, flüsterte sie kaum hörbar. „Mehrere Männer.“

Eddie schwang die Beine vom Bett. Mit einem Vampir im Haus hatte er sich bisher immer sicher gefühlt. Ein Einbrecher würde sein blaues Wunder erleben, wenn er Harriet begegnete. Aber ihr Haus lockte nicht unbedingt Einbrecher an, es unterschied sich nicht von den Nachbarhäusern und bot keinerlei Hinweis auf Reichtum im Inneren. Wenn nun gleich mehrere Männer um ihr Haus schlichen, kam für Eddie nur eine Möglichkeit in Frage: Ihr Interesse galt Harriet. Entweder in ihrer Eigenschaft als attraktive Frau oder als Vampir. Hatte man sie enttarnt? Hatte es mit den anderen Vampiren auf Teneriffa zu tun? Eddie war davon ausgegangen, dass damals alle die Insel verlassen hatten. Handelte es sich um rachsüchtige Überlebende, die ihnen den Tod ihres Anführers anlasteten?1

Eddie sah sie fragend an und formte mit den Lippen lautlos das Wort Vampire. Harriet zuckte mit den Achseln. Sie versuchte ununterbrochen, ihre neuerworbenen Fähigkeiten zu vertiefen. Sie fragte sich, ob sie schon in der Lage war, andere Vampire aus der Entfernung zu wittern. Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder beherrschte sie diese Fähigkeit noch nicht gut genug oder die Eindringlinge waren keine Vampire.

Vordertür und Hintereingang ihres Hauses wurden gleichzeitig aufgebrochen. Die Türen boten keinen Widerstand. Sie roch vier Männer, die in das Haus eindrangen. Schweiß, Aftershave und Waffenöl. Das waren keine Vampire, sondern bewaffnete Männer. Offenbar keine Diebe, denn der Geruch des Waffenöls überlagerte alles andere. Die Männer mussten ein größeres Arsenal bei sich tragen. Das brauchten sie nicht, um ein harmloses Paar zu überfallen, für einen Vampir schon.

„Wir gehen aufs Dach“, flüsterte sie Eddie zu und war mit einem Satz zur Tür hinaus auf der Dachterrasse. Von ihrem Flachdach aus konnten sie die Altstadt überblicken. An ihren Freisitz schloss sich das ziegelgedeckte Dach ihrer Nachbarn an. Theoretisch konnte man die ganze Straße entlang über die Dächer klettern. Der Komiker bewegte sich allerdings so langsam und unsicher, dass es schon nicht mehr komisch war. Trotz der Todesgefahr, in der er sich zweifellos befand, stand er mit zitternden Knien auf dem Dach. Die neue Bedrohung half ihm nicht über seine Höhenangst hinweg.

Harriet nahm ihn kurzerhand auf den Arm und trug ihn zum First hinauf. Der Anblick der schlanken jungen Frau, die mühelos einen großen, schweren Mann über die Ziegel trug, wirkte nicht nur unglaublich, sondern physikalisch unmöglich. Sie setzte ihn zwei Dächer weiter ab und kehrte dann blitzschnell in ihr Schlafzimmer zurück, um sich die Eindringlinge genauer anzusehen. Der Ausflug hatte keine zehn Sekunden gedauert.

Harriet besaß die Stärke und Schnelligkeit eines Vampirs, was ihr noch fehlte, war die Kampferfahrung, um beides bestmöglich einzusetzen. Bei ihr überwog immer noch der Impuls, vor Männern mit Gewehren davonzulaufen. Aber Eddie befand sich nicht in der körperlichen Konstitution, um solchen Kerlen zu entkommen, deshalb musste sie sich den Einbrechern stellen. Sie verschloss die Terrassentür wieder und brach mit dem Daumen den Schlüssel ab, so einfach wie andere einen Zahnstocher zerknicken. Falls sie tatsächlich überwältigt wurde, wollte sie es Eddies Verfolgern nicht zu einfach machen, ihn einzuholen.

Sie entdeckte den roten Strahl eines Laserzielgerätes, der die Treppe herauf ins Schlafzimmer leuchtete. Dann tauchte der Oberkörper des ersten Eindringlings auf. Harriet legte eine Hand auf die Kommode...



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