E-Book, Deutsch, Band 10, 184 Seiten
Reihe: Der Butler (Kriminalromane)
Zwengel Der Butler 10: Die sieben Aufgaben
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-514-2
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 10, 184 Seiten
Reihe: Der Butler (Kriminalromane)
ISBN: 978-3-95719-514-2
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Nach den aufregenden Ereignissen der letzten Zeit hat sich Lady Marbely in ihr Haus auf Föhr zurückgezogen. Butler James versucht vergebens, sie aufzumuntern. Er weiß, dass sie eine Aufgabe benötigt, eine Herausforderung, die sie ablenkt. Im Führungsstab eines weltweit operierenden Verbrechersyndikats ist eine Stelle frei geworden. Gangster aus aller Welt wollen den Platz unbedingt besetzen. Sieben Aufgaben sollen über den geeigneten Kandidaten entscheiden. Unter den Bewerbern befindet sich auch eine reiche englische Lady, die gemeinsam mit ihrem Butler angereist ist.
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Kapitel 2
Burg Frankenstein lag auf dem Schlossberg, einem nördlichen Ausläufer der Bergstraße, südöstlich von Darmstadt. Neben der Burgruine lockte das Restaurant mit seiner beeindruckenden Aussicht über die Rheinebene die Besucher an. Der Saal war hoch und lichtdurchflutet, da sich in der oberen Hälfte rundum Panoramafenster befanden. Er bot einen angemessenen Rahmen für besondere Anlässe, und normalerweise konnten dort bis zu 150 Gäste bewirtet werden. Doch an diesem Tag gab es nur eine einzige Tafel für etwa fünfundzwanzig Personen.
Bei der kleinen Gruppe, die an diesem Tag den Saal gemietet hatte, handelte es sich weder um eine Hochzeitsgesellschaft noch um Literaturfreunde oder Gourmets. Offiziell fand eine geschäftliche Konferenz statt. Die Bezeichnung war nicht völlig falsch, aber sie kratzte nur an der Oberfläche.
Die Gäste standen paarweise im Saal zusammen, mit Ausnahme eines einzelnen Mannes, der mit einem freundlichen Gesichtsausdruck am Rand stand und beobachtete. Man hätte ihn für einen Leibwächter halten können, auch wenn er bereits etwas zu alt für eine solche Aufgabe erschien. Außerdem wirkte er auch nicht besonders Furcht einflößend. Der Name des Mannes lautete Maxwell Quiller, und man sah ihm weder seine Tätigkeit noch seinen Rang innerhalb des weltweit operierenden Syndikats an.
Quiller war die entscheidende Hürde zur Teilnahme an diesem Treffen gewesen, da er alle Bewerber überprüft hatte. Gesuchte Verbrecher und Clanchefs mit jahrzehntelanger Berufserfahrung hatten natürlich keine Probleme, die Zulassung zu bekommen. Schwieriger wurde es bei unbekannten Bewerbern und solchen, die bisher nicht durch kriminelle Tätigkeiten in Erscheinung getreten waren und sich erst noch beweisen mussten.
Die Anwesenden im Saal stellten die Auswahl aus 120 Bewerbungen dar, die Quiller hatte überprüfen müssen. Die Hälfte von diesen 120 wäre nicht einmal in die engere Wahl gekommen und hätte auch nicht von dem Treffen erfahren sollen. Doch auf verschlungenen Wegen war es natürlich trotzdem geschehen. Das lag daran, dass viele Verbrecher geschwätzig waren und entweder andere beeindrucken wollten oder jemandem einen Gefallen schuldeten und ihm im Gegenzug diesen wertvollen Tipp schenkten.
Quiller hatte nicht damit gerechnet, sein Vorhaben völlig geheim halten zu können, aber nach dieser Erfahrung hatte er die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal erhöht. Von dem Treffen auf Burg Frankenstein wussten nur die zehn geladenen Teams. Wenn etwas durchsickerte, musste folglich einer der Teilnehmer das Leck sein.
Alle Wege zur Burgruine waren gesperrt worden. In der Zufahrt zum Parkplatz standen zwei gepanzerte Limousinen quer. Die vier Männer, die um die Fahrzeuge herumstanden, verhielten sich so bedrohlich, dass niemand wagen würde, sich zu beschweren.
Bisher war Quiller allen Gesprächen ausgewichen. Solange noch nicht alle Teams eingetroffen waren, wollte er keine Auskunft geben. Aber er beobachtete die Anwesenden ganz genau. Parteien aus verschiedenen Ländern waren eingeladen worden: Italiener, Griechen, Österreicher, Japaner, Dänen und Afrikaner. Viele bekannte Gesichter befanden sich darunter. Allen voran Mario Cucchini, ein Mafiapate der vierten Generation, der wie eine Karikatur wirkte. Er trug ausnahmslos schwarze Anzüge mit einer Rose im Knopfloch und strahlend weiße Hemden. Wenn er nicht aussehen würde wie ein langweiliger Buchhalter mit Essstörung, hätte er durchaus als Brando-Imitator durchgehen können.
Doch seine Vorstellung von einem Mafioso war noch unauffällig, verglichen mit der seines Sohnes Sergio, der wirklich alle Klischees in sich vereinte. Öliges Haar, Narbe auf der Wange und Nadelstreifenanzug. Man hielt unwillkürlich nach einem Geigenkasten Ausschau. Cucchini nippte an seinem Rotwein und betrachtete missbilligend seinen Sohn, der gerade sein zweites Glas zügig geleert hatte und sich schon wieder nachschenkte. Sergio trank zu viel, und wenn er betrunken war, neigte er dazu, seinen Vater zu beschuldigen, ihm keine Verantwortung für seine Geschäfte zu übertragen. Allerdings würde Cucchini Senior den Teufel tun und einem Trinker Verantwortung übertragen. Das nannte man wohl einen Teufelskreis.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Saals stand Cucchinis alter Rivale Nikolos Pachis und tat so, als würde er die Anwesenheit des Italieners nicht bemerken. Der Grieche schien ebenfalls ein Vorbild für seine Aufmachung gewählt zu haben. Einen Landsmann, berühmten Reeder und Ehemann einer ehemaligen Präsidentengattin. Nikolos trug sein weißes Haar gegelt und streng nach hinten gekämmt. Zwischen den dünnen Strähnen war tief gebräunte Kopfhaut zu erkennen. Seine schwarze Sonnenbrille war so groß wie eine dieser Virtual-Reality-Brillen, die den halben Kopf verdeckten. In seinem Fall ging es aber eher darum, die Zeichen des Alters zu verbergen.
Der Grieche war in Begleitung seines Bruders Jannis erschienen. Ein Nachzügler in der elterlichen Familienplanung, deshalb wirkten sie optisch eher wie Vater und Sohn. Während der jüngere Pachis ein passionierter Sportler war und auf seine Ernährung achtete, was Nikolos ein ausgesprochener Genussmensch, der höchstens beim Essen ins Schwitzen geriet.
Zwei hochgewachsene Afrikaner traten ein und marschierten grußlos durch den Saal bis zur gegenüberliegenden Wand. Dort blieben sie stehen und drehten sich um. Sie grüßten niemanden und sahen auch keinen an. Ihre Blicke waren starr geradeaus gerichtet. In dieser Haltung warteten sie ab, was als Nächstes geschah, aber sie waren ganz eindeutig nicht hier, um neue Bekanntschaften zu schließen.
Den nächsten Kandidaten kannte Quiller nur von Fotos, aber der attraktive Mittvierziger sorgte auch stets dafür, dass genug Bilder von ihm im Umlauf waren. Valdemar Paulsen war ein dänischer Medienmogul, der seine illegalen Aktivitäten dadurch tarnte, dass er sie niemals publik werden ließ. Selbst wenn die Konkurrenzsender über einen Vorfall berichteten, streute Paulsen so viele Falschmeldungen in seinen eigenen Nachrichtensendungen und Zeitungen, dass irgendwann die eigentliche Meldung in Vergessenheit geriet oder zumindest völlig verfälscht worden war. Er verfügte über eine Unmenge nützlicher Kontakte. Jeder in der Branche schien ihm einen Gefallen zu schulden oder seine Gunst erlangen zu wollen. Sein Einfluss auf den europäischen Nachrichtenmarkt machte ihn zum aussichtsreichsten Kandidaten für eine Mitgliedschaft im Syndikat. Paulsen war zusammen mit seinem Neffen Malthe erschienen und hatte gleich einen spektakulären Auftritt hingelegt, indem er mit einem Helikopter in der Ruine gelandet war.
Nun betraten zwei riesige Gestalten den Saal und blieben im Eingang stehen, den sie dadurch komplett versperrten. Iwan und Mikail Renko waren eineiige Zwillinge. Die beiden Russen hatten sich als Schläger und Killer unter verschiedenen Paten nach oben gedient, bis sie Ambitionen entwickelten, selbst in die obere Führungsebene aufzusteigen. Trotz ihres Jobs galten die Zwillinge als umgängliche Kerle, die nur gegen Bezahlung aktiv wurden. Dann allerdings kannten sie keine Hemmungen. Gegen Cash würden sie jeden umbringen, den man ihnen wies. Deshalb lohnte es sich auch nicht, mit ihnen Freundschaft zu schließen, um sich sicher fühlen zu können. Die Friedhöfe waren voll mit Leuten, die sich für Freunde der Renkos gehalten hatten.
Maxwell Quiller wechselte seine Position im Saal und bewegte sich dichter an die japanischen Bewerber heran, die sich leise und in ihrer Muttersprache über die Konkurrenz unterhielten. Sie störten sich nicht an der Nähe ihres Gastgebers, da sie arrogant genug waren, zu glauben, dass niemand sie verstehen konnte.
Haruki Kento war ein Gangster, der auch international erfolgreich sein wollte. Er war zusammen mit seinem Sohn Maximus erschienen, dessen Name bereits die Ambitionen des Vaters verdeutlichte. Maximus selbst schien seinen Namen nicht sonderlich zu mögen und hätte wohl einen traditionellen japanischen Namen bevorzugt. Jedes Mal, wenn er mit seinem Namen angesprochen wurde, verzog er das Gesicht, als würde es ihm Schmerzen verursachen.
„Wer ist der Dicke?“, fragte Maximus und blickte zu einem korpulenten Mann im Maßanzug. Die gut geschnittene Kleidung schaffte es tatsächlich, das krankhafte Übergewicht recht vorteilhaft zu verhüllen. Der Mann sah dadurch nicht dünner aus, aber er machte einen stattlichen Eindruck.
„Das ist Alphonse Stegmueller aus Graz“, erklärte sein Vater. „Er betreibt eine Spezialistenagentur, die einen äußerst guten Ruf besitzt. Das unscheinbare Männlein neben ihm ist sein Assistent Burkhart. Ein schüchterner Typ, der meiner Meinung nach keinen ersichtlichen Nutzen bei diesem Treffen hat.“
Maximus grunzte. „Körperliche Fähigkeiten können es jedenfalls nicht sein.“
„Was ist das denn für eine lahme Veranstaltung?“, dröhnte eine Stimme vom Eingang des Saals.
Quiller lächelte innerlich. Die beiden Amerikaner legten Wert auf einen großspurigen Auftritt. Damit hatte er bereits gerechnet, als er die Namen der Bewerber gelesen hatte: Rex Baxxter und Tank Colorado. So hießen Wrestler oder Pornodarsteller, aber keine ernst zu nehmenden Geschäftsleute. Nicht einmal in Gangsterkreisen oder in Amerika.
Ähnlich dachten wohl auch die beiden Franzosen, die direkt hinter ihnen eintraten.
„Merde, muss man denn wirklich jedes Klischee erfüllen“, sagte der Ältere auf Englisch, damit die beiden bulligen Kerle es auch verstanden. Allerdings war sein Englisch so sehr Französisch eingefärbt, dass die beiden Amerikaner nicht einmal bemerkten, dass sie gerade in ihrer...




