Zwengel | Der Butler 12: Alte Schule | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 12, 176 Seiten

Reihe: Der Butler (Kriminalromane)

Zwengel Der Butler 12: Alte Schule


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-516-6
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 12, 176 Seiten

Reihe: Der Butler (Kriminalromane)

ISBN: 978-3-95719-516-6
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Lady Marbely und ihr treuer Butler James suchen Entspannung. Sie wollen eine Kreuzfahrt antreten. Doch eine banale Panne verhindert, dass sie rechtzeitig an Bord des Schiffes gelangen. Kurz darauf erhält die Reederei eine Lösegeldforderung. Unter den Passagieren befinden sich mehrere Entführer, die sich bisher nicht zu erkennen gegeben haben. Niemand an Bord weiß von der Entführung. Sollten die Behörden eingeschaltet werden, drohen die Gangster damit, das Schiff zu versenken. Lady Marbely erfährt, dass die Reederei ihr gehört, und denkt nicht daran, untätig abzuwarten. Gemeinsam mit dem Butler will sie unbemerkt an Bord des Kreuzfahrtschiffes gelangen, um die Entführer zu enttarnen und unschädlich zu machen.

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Kapitel 1

Der Butler hielt mit einer Hand die Melone auf seinem Kopf fest, während das Taxi durch die Kurve rauschte. Im nächsten Moment musste der Fahrer eine Vollbremsung vollführen, weil vor ihnen ein Stauende auftauchte. Der Mann fluchte derbe und auch seinen beiden Fahrgästen lag so mancher Kraftausdruck auf der Zunge. Die Zeit wurde langsam knapp.

Hinter ihnen schloss der folgende Verkehr auf und kam ebenfalls zum Stehen. Der Butler drehte sich um und blickte aus dem Rückfenster, wo sich Autos auf vier Fahrspuren stauten. „Können wir diesen Stau umgehen?“, erkundigte er sich bei dem Fahrer.

„Wie soll das gehen, Chef? Wir sind mittendrin!“

Sie würden ihr Schiff verpassen. Es sei denn, ein Wunder geschah und alle anderen Verkehrsteilnehmer bildeten eine Gasse für sie. Aber damit war höchstens zu rechnen, wenn ihr Fahrer ein Blaulicht auf sein Dach zaubern konnte. Der Mann schien allerdings keine großen Ambitionen zu haben und rückte sich bereits für eine längere Wartezeit in seinem Sitz zurecht.

„Können Sie nicht einen anderen Weg nehmen? Es darf auch ein Umweg sein“, versuchte ihn Lady Marbely zu locken.

„Die einzige Richtung, die uns momentan noch offensteht, ist nach oben“, brummte der Fahrer. „Aber dafür sitzen Sie in der falschen Art Taxi. Und hundert Jahre zu früh.“

„Ich werde mir das Problem einmal ansehen“, sagte der Butler und öffnete die Tür.

„Soll ich Sie begleiten?“, fragte Lady Marbely. „Das ist sicher interessanter, als hier untätig herumzusitzen.“

„Moment mal, wenn Sie beide gehen, wer sagt mir dann, dass sie wiederkommen.“

„Glauben Sie, wir verschwinden einfach, ohne zu bezahlen?“

„Alles schon passiert.“

Lady Marbely zog ein paar Scheine aus ihrer Geldbörse. „Das sollte für die gesamte Fahrt reichen“, sagte sie. „Und noch für eine Rundreise um die ganze Stadt.“

„Nehmen Sie bitte in der Zwischenzeit keine anderen Fahrgäste an“, bat der Butler beim Aussteigen.

Der Taxifahrer quittierte den Scherz mit einer unwilligen Grimasse. Ein Stau war für ihn immer geschäftsschädigend und zermürbend.

Der Butler und Lady Marbely gingen zu beiden Seiten ihrer Autoreihe nach vorne, wo sie logischerweise die Ursache des Staus erwarteten. Sie rechneten natürlich nicht damit, ihn beheben zu können, sondern wollten nur eine ungefähre Einschätzung, mit welcher Verzögerung sie zu rechnen hatten. Ob es überhaupt lohnte, auf das Auflösen des Staus zu warten. Wenn er noch eine Stunde oder sogar noch länger anhielt, dann sollten sie besser auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen.

„Können Sie etwas sehen, James?“

„Leider ja“, antwortete der Butler. Er war auf die Mittelleitplanke geklettert und sah ein ganzes Stück voraus einen Lkw, der auf die Seite gekippt war und seine Ladung gleichmäßig über beide Fahrtrichtungen verteilt hatte. „Das wird dauern.“

„Wir können nicht den ganzen Weg bis zum Hafen laufen“, sagte Lady Marbely. „Ich würde vorschlagen, die U-Bahn zu nehmen.“

Der Butler sprang wieder auf die Straße. „Ich sehe keine Station.“

„Vielleicht auch Bus oder Straßenbahn. Momentan wäre mir sogar eine Rikscha recht.“

„Glücklicherweise müssen wir unser Gepäck nicht mit uns herumschleppen.“

„Richtig, aber wenn wir das Schiff nicht erreichen, wird es ohne uns nach New York fahren.“

Der Butler schüttelte entschieden den Kopf. „Auf keinen Fall. Ich habe schon zu lange die Gastfreundlichkeit dieser Stadt genossen.“

„Ach, kommen Sie schon, außer diesem Keller, in dem man Sie festgehalten hat, haben Sie doch nicht viel von Hamburg gesehen.“1

Nach seiner Entführung waren sie in Hamburg geblieben, um auf die Abfahrt ihres Schiffes zu warten. Nach dem unfreiwilligen Ausflug in seine Vergangenheit konnte der Butler gut etwas Urlaub gebrauchen und die nächsten zwei Wochen an Bord sollten auch ihm ausreichend Gelegenheit zum Ausspannen bieten. Auf dem Schiff gab es so viele Angebote, dass man überhaupt nicht alle wahrnehmen konnte. Sie würden die nördliche Route nehmen. Nach Island und anschließend südlich von Grönland über den Atlantik nach Neufundland.

„Man könnte annehmen, dass es Ihnen wichtiger ist, das Schiff rechtzeitig zu erreichen, als mir“, sagte Lady Marbely über ein Autodach zwischen ihnen hinweg.

„Sagen wir doch einfach, dass wir uns beide sehr auf diese Reise freuen“, erwiderte der Butler, während er seinen hochgereckten Kopf suchend in alle Richtungen drehte. „Dort entlang!“

Sie gaben dem Taxifahrer durch Handzeichen zu verstehen, dass sie sich alleine durchschlagen würden, dann führte der Butler seine Arbeitgeberin zu einer Treppe, die zu einer Fußgängerüberführung hinaufführte. Wo es Fußgänger gab, gab es auch öffentliche Verkehrsmittel. Er nahm immer zwei Stufen auf einmal und sprach oben eine junge Frau an, um den schnellsten Weg zur nächsten U-Bahn-Station zu erfragen. Bis Lady Marbely ihn eingeholt hatte, kannte er bereits den Weg.

Dieses Prinzip behielten sie bei. Bis Lady Marbely in verträglichem Tempo die Station erreichte, hatte der Butler bereits die Fahrpläne studiert und kannte den richtigen Weg. Auf dem Bahnsteig angekommen, stand der Butler in der offenen Tür des Wagens, um sie für Lady Marbely zu blockieren. Die Fahrkarten steckten in der Tasche seines Frackrocks. Lady Marbely trat an ihm vorbei in den Wagen und ließ sich schwer atmend auf eine Sitzbank nieder. „Ich hatte eigentlich keinen Abenteuerurlaub im Sinn. Vor allem nicht, bevor der richtige Urlaub beginnt.“

„Ein letztes Hindernis vor zwei Wochen Entspannung“, sagte der Butler.

„Richtig, aber vor unserer Ankunft müssen wir noch einmal den Terminplan durchgehen. Ich muss meine Ansprachen üben und mit allen Geschäftsführern im Vorfeld wenigstens ein kurzes Telefongespräch führen. Ich nehme an, Ihre Aufgaben sind bereits alle erledigt?“

Der Butler nickte lächelnd.

„Die Alte hat ihren Alten ja ganz schön unter der Fuchtel“, kommentierte eine hohntriefende Stimme von der Seite. Der Butler und Lady Marbely wandten ihre Köpfe und sahen zwei Fußballfans in vollem Ornament, die sich jeweils mit einer Hand an den Haltestangen hielten und mit der anderen an einer Bierdose.

„Ein Trauerspiel“, bestätigte der zweite Fan und wischte sich die Nase an seinem Ärmel ab. Die beiden waren höchstens Ende zwanzig, gaben sich aber bereits wie viel ältere Männer. Der eine trug einen Schnauzbart, der selbst in den Achtzigern als unmodern bezeichnet worden wäre, und der andere hatte die Haare zu einem Borstenschnitt gekürzt, den nur zwei Millimeter von einer Glatze trennten. Die beiden schienen schon kräftig gezecht zu haben, denn sie folgten jeder Bewegung der U-Bahn sehr nachgiebig. Breit grinsend betrachteten sie das seltsame Paar vor sich, ohne zu erkennen, dass sie selbst ein solches abgaben.

„Mann, wenn meine Frau so mit mir reden würde“, sagte Schnauzbart. „Der würde ich aber sofort eine einschenken.“

Lady Marbely wandte sich an den Mann. „Was ist Ihr Problem?“

„Ich bevorzuge Frauen, die ihren Platz kennen“, sagte Schnauzbart und nahm einen tiefen Schluck aus seiner Bierdose.

Lady Marbely hob eine Augenbraue. „Einen solchen Spruch hätte ich eher von einem viel älteren Mann erwartet.“

Der Fußballfan zuckte mit den Achseln. „In meiner Familie waren wir schon immer eher konservativ.“

„Konservativ ist nicht gleichbedeutend mit rückständig, engstirnig und ignorant. Jedenfalls nicht immer.“

„Auch noch eine Emanze“, stöhnte die Fast-Glatze.

Lady Marbely lächelte nachsichtig. „Aber weshalb sollte mir daran gelegen sein, die Meinung von zwei verwöhnten und überheblichen Machos zu ändern, die ihre Mütter als kleinen Prinzen verhätschelt haben und die nun alle Frauen für ihr Personal halten? Sie dürfen gerne weiter glauben, was Sie wollen. Mir tun nur die Frauen in Ihren Leben leid, die sich das bieten lassen müssen. Aus welchen Gründen auch immer.“

Schnauzbart wurde erst blass, dann feuerrot. Er formte in Gedanken Antworten, hielt aber keine für ausreichend, um seine Empörung auszudrücken. Man sah ihm an, dass er Lady Marbely am liebsten geschlagen hätte und es nur deshalb nicht tat, weil er fürchtete, deshalb das Ansehen seines Begleiters zu verlieren. Aus keinem anderen Grund.

Vielleicht noch den einen Grund: Er bemerkte den Blick des Butlers, der ihm deutlich verriet, was ihm blühte, wenn er es wagen sollte, seine Hand gegen die alte Dame zu erheben.

Sein Kumpan hatte den warnenden Blick ebenfalls bemerkt, hielt den älteren Mann aber dummerweise für harmlos. Er trat neben den Butler und äffte ihn nach, seine Haltung, seine Sprache und auch seinen Gesichtsausdruck.

„Ist hier eigentlich ein Maskenball?“, spottete Fast-Glatze.

Der Butler musterte die Aufmachung des Mannes: Strickmütze, Fan-Schal, Vereinstrikot und eine passende Flagge wie ein Superhelden-Cape um die Schultern gebunden. „Sehr interessant, dass ausgerechnet Sie eine solche Frage stellen.“

„Wir sind gerade etwas in Eile“, versuchte Lady Marbely an die Vernunft ihrer Gesprächspartner zu appellieren. Der Butler hatte bereits begriffen, dass dies ein sinnloses Unterfangen war, aber er hatte in seinem Leben auch schon wesentlich mehr negative Erfahrungen mit Menschen gemacht. Allerdings betrachtete er es auch als seine...



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