E-Book, Deutsch, Band 13, 164 Seiten
Reihe: Der Butler (Kriminalromane)
Zwengel Der Butler 13: Dirty Old Town
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-517-3
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 13, 164 Seiten
Reihe: Der Butler (Kriminalromane)
ISBN: 978-3-95719-517-3
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Desert Plains ist ein abgelegenes Dörfchen in Arizona. Fernab der Zivilisation haben sich dort einige Aussteiger und Exzentriker niedergelassen. Eines Tages trifft eine junge Frau ein, die angeblich nur nach Ruhe sucht. In Wahrheit ist sie auf der Flucht. Und dies ist nicht ihr einziges Geheimnis. Bald kommen zahlreiche weitere Besucher in die Ortschaft, darunter auch eine englische Lady und ein Butler mit ihrem Luxuswohnmobil. In Desert Plains ist es mit der Ruhe vorbei.
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Kapitel 1
Der kleine Privatflugplatz lag fünf Meilen von Phoenix, Arizona, entfernt, nahe der Interstate 10. Wer nichts von seiner Existenz wusste, musste sich sehr anstrengen, um in dem alten Gebäude und der winzigen, asphaltierten Fläche einen Hubschrauberlandeplatz zu erkennen.
Die junge Frau mit dem weißblonden Haar und dem grünen Sommerkleid schirmte ihre Augen mit der Hand vor dem grellen Sonnenlicht ab und blickte über das Flugfeld. Es war früher Nachmittag und sie konnte weit und breit niemanden entdecken. Der Taxifahrer, der sie gebracht hatte, hupte zum Abschied. Sie drehte sich herum und überlegte, ob sie ihn zum Warten auffordern sollte. Dabei verrutschte der Ledergurt, den sie unter ihrem Kleid trug, und schabte schmerzhaft über ihre Haut. Sie schob ihn rasch in die ursprüngliche Position zurück, obwohl niemand da war, der ihn hätte bemerken können. Selbst wenn jemandem die leichten Wölbungen an ihren Hüften aufgefallen wären, hätte derjenige eher an kleine Fettpölsterchen gedacht.
Sie hatte mittlerweile annähernd 2.000 Meilen zurückgelegt und bisher war alles gut gegangen. Allerdings sah es im Moment nicht so aus, als würde es von hier aus bald weitergehen. Sie stand allein auf einem verlassenen Landefeld. Die einzigen Geräusche, die zu hören waren, kamen von den Autos, die in einiger Entfernung über den Highway brausten.
Ein Blick auf ihre Armbanduhr bestätigte ihr, dass sie pünktlich war. Aber wo blieb der Hubschrauber? Die Hitze trieb ihr den Schweiß aus allen Poren und das Kleid begann, an ihrem Körper zu kleben. Entschlossen griff sie ihren Koffer und marschierte auf die Halle zu, die etwas Schatten versprach.
Die Eingangstür war unverschlossen, also trat sie ein. Ein kühler Luftschwall kam ihr entgegen. In der Halle herrschten angenehme Temperaturen, doch das ungute Gefühl in ihrem Magen wurde wieder stärker. Kein Hubschrauber, nicht einmal Werkzeug gab es zu sehen. Der Hangar war völlig leer. Für einen Moment war sie wie benommen. Sollte sie jetzt scheitern, weil sich diese unbedeutende Flugfirma als eine Scheinadresse entpuppte? Hatte sie sich von irgendeinem kleinen Betrüger hereinlegen lassen? Das ständige Gefühl der Bedrohung, das sie während der bisherigen Reise nicht hatte zur Ruhe kommen lassen, drohte sich nun in Wut zu verwandeln. Am liebsten hätte sie angefangen zu schreien, aber das würde auch nichts ändern. Sie saß fest.
„Was tun Sie hier?“
Sie zuckte erschrocken zusammen und drehte sich zu dem Mann um, der sie überraschend angesprochen hatte. Er stand kaum drei Meter von ihr entfernt und trug einen ölverschmierten Overall. Dem Aussehen nach war er Mexikaner, seiner Kleidung nach Mechaniker. Das gab Anlass zur Hoffnung.
„Sind Sie Mister Schroeder?“
Er sah sie amüsiert an, seine Mundwinkel zuckten leicht. „Sie wollen zu Schroeder? Das wird noch etwas dauern, bis er kommt.“
„Er ist aber schon auf den Weg hierher?“, fragte sie hoffnungsvoll.
„Wer weiß das schon. Er ist nicht gerade für seine Zuverlässigkeit bekannt.“ Der Mann kramte eine Schachtel Zigaretten aus der Brusttasche seines Overalls. Er steckte sich eine in den Mund und hielt ihr dann auffordernd die Schachtel hin. Sie griff dankbar zu und nahm mit zitternden Fingern eine Zigarette heraus. Eigentlich hatte sie aufgehört zu rauchen, aber inzwischen brauchte sie etwas, um ihre Nerven zu beruhigen.
Er musterte sie, als er ihr Feuer gab. „Nervös?“, fragte er scheinbar gleichgültig.
Sie hustete. Verdammt, war das so offensichtlich? „Nein, nein“, beteuerte sie eilig. „Wie kommen Sie darauf?“
Er zuckte mit den Schultern. „Nur so ein Gedanke.“
Sie schwiegen und rauchten. Ihr wurde die Ruhe unangenehm. „Sie arbeiten also für Mister Schroeder“, sagte sie, nur um die Stille zu unterbrechen. Doch sie bereute es schon eine Sekunde später.
Er sah sie an und seine Augen blitzten. „Für diesen Idioten?“, sagte er empört und warf die Zigarette auf den Boden. „Der kann froh sein, dass ich ihn noch hier bei mir landen lasse. Mit allen anderen hat er es sich nämlich schon verdorben.“
„Dann gehört Ihnen das Gelände?“
Er nickte. „Ich bin Carlos.“
„Cathy“, antwortete sie automatisch und ärgerte sich im nächsten Moment, dass sie ihm ihren richtigen Namen genannt hatte. „Ein schöner Platz“, lobte sie wenig überzeugend.
Der Anflug eines Lächelns umspielte das Gesicht des Mannes. „Was wollen Sie in dem Nest, Cathy?“
„Welchem Nest“, fragte sie erstaunt.
„In Desert Plains. Ich nehme doch an, dass er sie dorthin bringen soll.“
„Äh ja, nun, äh, mein Freund lebt dort, wir werden heiraten.“
In der Eile fiel ihr nichts Besseres ein. Sie hatte nicht mit der Frage gerechnet. Genau genommen hatte sie nicht damit gerechnet, überhaupt ein Gespräch führen zu müssen. Wo blieb dieser Schroeder?
Carlos nahm eine weitere Zigarette aus der Schachtel und zündete sie sich an, ohne ihr noch eine anzubieten. „Ein Freund? In Desert Plains? Soviel ich weiß, leben da nur Gauner und Verrückte, allen voran dieser Schroeder. Wie heißt ihr Freund, ich kenne die meisten Leute von dort.“
Na los, du wirst doch wohl den Namen deines Freundes kennen, spornte sich Cathy innerlich an. „Sein Name ist Tatum. Channing Tatum.“
Carlos überlegte. „Gehört habe ich den Namen schon mal. Wohnt ihr Freund schon länger in der Gegend?“
„Nein, er ist erst vor Kurzem zugezogen und hat eine Hütte im Ort gekauft, die er seitdem renoviert. Wir werden dort einziehen.“ Je mehr sie erzählte, desto leichter fiel ihr das Lügen. „Er hat mir geschrieben, wie nett die Leute sein sollen. Chany hat schon viele Freunde gefunden, und sie sind sehr neugierig auf mich.“
„Sind Sie sicher, dass Ihr Freund dieses Desert Plains meint? Normalerweise haben die Leute dort etwas gegen Fremde, und erst recht gegen welche, die auch noch bleiben wollen. Nicht, dass das viele wollten.“
Aus der Ferne war ein leises Geräusch zu hören, das sich aber deutlich vom Lärm der Autos unterschied. Die Rettung nahte.
„Das ist er“, sagte Carlos. „Ich werde mich dann mal wieder an die Arbeit machen. Schroeder und ich pflegen, uns aus dem Weg zu gehen. Viel Glück für die Zukunft. Wenn Sie meinen Rat hören wollen, überreden Sie Channing, mit Ihnen nach Chester zu ziehen. Der Ort besitzt wenigstens einen Hauch von Zivilisation.“
Cathy war erleichtert, dass er keine Zeit mehr hatte, sie weiter über ihren Freund auszufragen. Das Geräusch des näherkommenden Hubschraubers wurde immer lauter. Sie nahm ihren Koffer und trat ins Freie.
Der gewaltige Hubschrauber vom Typ S-618 kreiste einmal über dem Platz und sank dann langsam herab, bis die Räder den Boden berührten. Erst jetzt fiel ihr das Emblem auf der hinteren Seite der Maschine auf. Daneben stand in verblasster schwarzer Schrift: KÜST NWA HE DE VERE NI TEN TA TEN V N AME ICA. Einige Buchstaben fehlten, doch man konnte immer noch erkennen, dass es sich um einen Hubschrauber der Küstenwache handelte. Cathy wusste nicht, was sie davon halten sollte, deshalb beschloss sie zu warten, bis der Pilot ausstieg.
Die schwingenden Rotorblätter wurden langsamer, und Cathy trat näher an die Maschine heran. Hinter dem Plexiglas der Kanzel konnte sie einen großen Mann erkennen, der gerade die Cockpittür entriegelte und seine langen Beine aus der Maschine schwang. Sie sah eine Kakihose, die in schwarzen Springerstiefeln steckte. Dann kam der Rest des Mannes zum Vorschein. Er war wirklich groß, mindestens einsneunzig, dafür aber unglaublich hager. Ein dünner Oberlippenbart verlieh seinem schmalen Gesicht eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Schauspieler Donald Sutherland. Nur, dass das Gesicht des Piloten weicher und weniger ernst wirkte.
Mit ausgebreiteten Armen kam er auf sie zu, und sie wich instinktiv zurück. „Sie sind Cathy Madigan“, sagte er voller Überzeugung und fasste sie sanft an den Schultern.
Cathy nickte.
„Ich bin Schroeder“, stellte er sich fröhlich vor.
„Angenehm, Mister Schroeder.“
„Lass den Mister ruhig weg, ich nenne dich dafür Cathy. Einverstanden?“
„Einverstanden.“
„Dann kann es ja losgehen“, sagte Schroeder und klatschte eifrig in die Hände. Er wies auf ihren Koffer. „Ist das dein ganzes Gepäck?“
„Ja, mehr brauche ich nicht.“
Schroeder hob den Koffer auf, trug ihn zur hinteren Einstiegsluke des Hubschraubers und stellte ihn hinein. Dann stieg er ins Cockpit und öffnete ihr von innen die Tür. Cathy kletterte auf den Platz des Kopiloten und schnallte sich sofort an.
„Du scheinst nicht viel von meinen Fähigkeiten zu halten“, bemerkte Schroeder ironisch.
„Man hat mich bereits vor dir gewarnt“, sagte Cathy.
„War es zufällig ein verbitterter Mexikaner namens Carlos? Wir gehen uns jetzt schon seit über drei Jahren erfolgreich aus dem Weg. Ich weiß überhaupt nicht mehr warum. Aber er weiß es mit Sicherheit noch, denn er ist der nachtragendste Mensch, den ich kenne. Ich muss ihn bei Gelegenheit einmal danach fragen.“
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass du eine Antwort von ihm bekommst.“
„Das weiß man bei Carlos nie. Hinter seiner harten Schale steckt ein weiches Hirn“, sagte Schroeder und lachte. Die Rotoren begannen, wieder schneller zu kreisen, und das Motorengeräusch schwoll gleichmäßig an.
„Außerdem hat er behauptet,...




