Zwengel | Der Regional-Krimi 09: Mörderisches Windeck | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 9, 248 Seiten

Reihe: Regional Krimi

Zwengel Der Regional-Krimi 09: Mörderisches Windeck


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-387-2
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 9, 248 Seiten

Reihe: Regional Krimi

ISBN: 978-3-95719-387-2
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der Bonner Geschäftsmann Roland Berghoff kaufte vor Jahren in der Gemeinde Windeck eine Villa. Eines Tages wird er dort erschlagen aufgefunden. Einflussreiche Freunde des Toten entsenden daraufhin einen erfahrenen Kommissar, der zusammen mit einer ortsansässigen Polizistin den Fall lösen soll. Doch die Ermittlungen erweisen sich als schwierig, denn jeder, der mit Berghoff zu tun hatte, besaß offenbar auch ein Motiv, ihn zu ermorden. An erster Stelle sein Sohn Finn, der zudem flüchtig ist. Dem Windecker Ländchen stehen unruhige Zeiten bevor.

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TAG 3

Das Blaulicht von Polizei und Krankenwagen wanderte über die Fassade der Villa und schuf eine hektische Atmosphäre in der ansonsten ruhigen Nacht. Es war vier Uhr morgens, als sich Hauptkommissar Paul Walden, ein Endvierziger in einem dunklen Anzug, schwerfällig aus seinem Fahrzeug quälte. Eine leichte Rippenprellung zwang ihn momentan zu wohlüberlegten und langsamen Bewegungen. Das zeitlupenartige Aussteigen aus dem SUV verursachte ein Stirnrunzeln bei der Polizistin, die ihn am Tatort erwartete.

„Arbeitsunfall“, erklärte Walden knapp. Gerne hätte er behauptet, es sei die Folge einer wilden Verfolgungsjagd durch die Bonner Innenstadt, bei der er einen halb so alten Parcours-Fan geschnappt hatte. Es wäre weniger peinlich gewesen, als die Wahrheit.

Die Polizistin war höchstens Mitte zwanzig und ziemlich hübsch. Walden überlegte, was sie in die Provinz verschlagen hatte. Entweder stammte sie von hier oder man hatte ihr in der Stadt das Leben zu schwer gemacht. Für eine gutaussehende Frau war dieser Beruf nicht einfach. Nicht nur wegen der Klientel, auch einige der lieben Kollegen leisteten ihren Beitrag. Entweder nahmen sie Frauen in diesem Job nicht ernst oder versuchten, sie ins Bett zu bekommen. Walden hatte Sprüche mitanhören müssen, bei denen Fremdschämen noch seine mildeste Reaktion gewesen war.

„Paul Walden“, stellte er sich vor und streckte ihr die Hand entgegen.

„Nathalie Bellock.“ Falls sie erstaunt darüber war, dass Waldens Scheitel kaum bis zu ihrer Nasenspitze reichte, ließ sie es sich nicht anmerken. Nathalie ergriff seine Hand und schüttelte sie so sehr, dass er schmerzhaft das Gesicht verzog. Erschrocken ließ sie los.

„Was haben wir hier?“, fragte Walden, bemüht um Sachlichkeit.

„Die prominenteste Leiche, die Windeck zu bieten hat.“

Er musterte sie wegen ihres Tonfalls. „Und wohl nicht der beliebteste Einwohner, hm?“

Sie lächelte. „Bei dieser Bezeichnung würden die meisten Leute hier widersprechen.“

„Beliebt?“

„Einwohner. Roland Berghoff war hier bestenfalls ein Wochenendgast.“ Sie wies auf die Villa vor ihnen, die sich erhöht auf einem Hügel befand, abseits des Ortes. „Er hat sich das schönste Haus in der Gegend gekauft und nutzte es kaum. Das haben ihm viele hier übelgenommen. Er hielt sich meist in Bonn auf und interessierte sich kaum für Windeck. Die Einheimischen glaubten, dass er nichts mit ihnen zu tun haben wollte.“

„Was wohl auch zutraf.“

„Ganz sicher sogar“, bestätigte Nathalie.

„Wer hat die Leiche gefunden?“

„Mein Kollege und ich. Ein Spaziergänger hat gestern Nacht Schreie aus der Villa gehört.“

„Also nur ein Ohrenzeuge, kein Augenzeuge.“

Nathalie nickte. „Der Zeuge besitzt kein Handy, deshalb musste er erst in den Ort laufen, um uns zu verständigen.“

„In der Zeit ist der Täter verschwunden.“

„Irgendwann vor unserem Eintreffen um Nulldreißig. Wir fanden die Tür offen und den Hausherrn tot im Flur. Anschließend haben wir das zuständige Kriminalkommissariat verständigt und bekamen kurz darauf mitgeteilt, dass Sie unterwegs seien.“

Walden wies auf den hell erleuchteten Hauseingang, wo zwei Mitarbeiter des Erkennungsdienstes arbeiteten. „Sollen wir?“

„Sie sind ziemlich schnell hier eingetroffen. Von Bonn aus, meine ich“, sagte Nathalie, als sie die Villa betraten.

„Man hat mich sofort losgeschickt, als die Meldung kam. Die Nachricht von Berghoffs Tod muss sich schnell herumgesprochen haben. Mächtige Männer haben mächtige Freunde.“

„Aber auch mächtige Feinde. Wo ist der Rest Ihrer Leute?“

„Ich bin die Vorhut.“

Nathalie blieb an der großen Zwischentür stehen. „Ich beneide Sie nicht um Ihre Aufgabe, Herr Hauptkommissar.“

Sie duckten sich unter dem rot-weißen Absperrband hindurch und bedienten sich aus den bereitstehenden Boxen mit Einweghandschuhen und Schuhüberziehern.

„Nennen Sie mich Paul. Das ist einfacher, wo wir doch in nächster Zeit viel miteinander zu tun haben.“

„Wie ist das gemeint?“ Nathalie blickte auf, nachdem sie die Plastikhandschuhe über ihre Hände gestreift hatte.

„Sie werden mir doch bei der Lösung des Falls helfen, Frau Kollegin?“

„Sehr gerne. Und: Nathalie.“

Er nickte. „Ich möchte hier keine Kompetenzstreitigkeiten, Nathalie. Auch wenn Sie das Gefühl haben, hier übergangen zu werden.“

„Ich verstehe das schon. Jemand mit Einfluss hat Sie geschickt, weil es sich um eine wichtige Persönlichkeit handelt. Ich habe kein Problem damit, Hilfe anzunehmen, wenn es der Aufklärung des Falles dient.“

Sie war wirklich hübsch und das Interessante daran war, dass Walden nicht sagen konnte, ob sie geschminkt war. Nicht, ohne sie genauer anzusehen, was zu auffällig gewesen wäre. „Sie können nur profitieren“, versprach er. „Berghoff hatte einflussreiche Freunde und die möchten, dass der Fall schnell geklärt wird. Die machen oben Druck und der wird nach unten weitergegeben, bis er bei mir ankommt. Aber sobald wir den Fall gelöst haben, wird das auch Ihre Karriere beflügeln.“

Nathalie lächelte. „Sie brauchen mich nicht zu überreden. Ist ja nicht so, als könnte ich mich hier vor interessanten Fällen nicht retten.“

„Sie stammen aus Windeck?“

„Geboren, aufgewachsen und aller Voraussicht nach, werde ich hier wohl auch als hoffentlich sehr alte Frau sterben.“

„Hoffen wir mal das Beste.“ Walden ließ ihr mit einer angedeuteten Verbeugung den Vortritt.

Drinnen lag die Leiche ausgestreckt auf dem Bauch. Mitten im hallenartigen Eingangsbereich am Fuß der breiten Holztreppe. Der Körper war abgedeckt, doch die Blutflecken, die das Tuch durchdrungen hatten, vermittelten einen Eindruck von den Verletzungen, die es verbarg.

Walden grüßte die Kollegen und nickte einem von ihnen bestätigend zu, damit er das Tuch von der Leiche hob. Der Erkennungsdienst hatte die Leiche erstaunlicherweise bereits vollständig entkleidet, um nach weiteren Wunden außer den offensichtlichen zu suchen. Es war kaum genug vom Schädel übrig, um ihn noch als solchen zu bezeichnen. Langsam ging der Hauptkommissar um die Leiche herum, während er aufmerksam dem Bericht des Fachmanns lauschte. Die Todesursache hatte den Fachmann vor kein großes Rätsel gestellt. Berghoff war an zahlreichen Schlägen auf den Hinterkopf gestorben.

Walden sah Nathalie fragend an und wies dabei mit dem Daumen hinter sich zu einem stark übergewichtigen Mann im Jogginganzug, den er sicher nicht zum Joggen trug. Der Mann saß auf einer Stufe der breiten Holztreppe die zu den oberen Zimmern führte.

„Doktor Hiller hat den örtlichen Notdienst“, sagte Nathalie. „Er hat den Tod festgestellt.“

„Wofür man kein Medizinstudium braucht“, sagte der Arzt und zog sich ächzend am Treppengeländer hoch. „Wer immer Berghoff getötet hat, konnte ihn wirklich nicht leiden. Das war kein eiskalt ausgeführter Mord, sondern eindeutig etwas Persönliches. Derjenige muss einen richtigen Hass auf ihn gehabt haben, um sich so ins Zeug zu legen. Ich würde behaupten, da hat sich jemand abreagiert, bei dem sich eine Menge aufgestaut hat. So wie bei einem ungeliebten Sohn.“

„Nur die Fakten bitte“, ermahnte Nathalie den Arzt.

„Das ist eine durchaus naheliegende Vermutung“, beschwerte der sich.

Nathalie seufzte. „Möglich. Aber da Finn etwas mit deiner Tochter hatte und die beiden nicht als Freunde auseinander gegangen sind, bist du nicht ganz unvoreingenommen.“

Doktor Hiller grummelte. „Meine Arbeit hier ist dann wohl getan“, sagte er und watschelte zur Haustür.

„Ich wusste sofort, dass sich Ihr Hintergrundwissen bezahlt machen wird“, sagte Walden und nickte zufrieden. Er wandte sich an den Kollegen vom Erkennungsdienst. „Was könnte die Tatwaffe gewesen sein?“

„Da kommt praktisch jeder stumpfe Gegenstand in Frage. Ich gehe davon aus, dass der Mörder sie mitgenommen hat.“

„Nur, weil sie nicht neben der Leiche liegt?“, fragte Walden. „Ich fürchte, etwas mehr Mühe werden wir uns bei der Suche schon geben müssen.“ Er wandte sich an Nathalie. „Wie viele Kollegen können Sie aufbringen, um das Gelände abzusuchen?“

„Zwei Kollegen. Und eine Kollegin.“

Er lächelte. „Entschuldigung. Mein alter Gender-Defekt.“

Nathalie mochte den kleinen Kerl. Er war nur knapp mittelgroß, versuchte aber nicht, seine bescheidene Größe durch eine straffe Körperhaltung zu kaschieren. Stattdessen hielt er seinen Kopf immer leicht zur Seite geneigt, als würde er bestimmte Details prüfend betrachten.

Der leitende Erkennungsdienstler räusperte sich. „Der Täter wollte nicht, dass es schnell ging, sonst hätte er sich zuerst den Kopf vorgenommen. Stattdessen hat er ihm die Kniegelenke zertrümmert. Er hat das Opfer durchs Haus kriechen lassen und dabei immer wieder auf ihn eingeschlagen. Es ist ziemlich gut zu erkennen, an welcher Stelle im Erdgeschoss er sich welchen Teil des Körpers vorgenommen hat.“

„Bis zu der Stelle hier, wo er ihm den Rest gab.“

„Ja. Das Opfer ist flach über den Boden gekrochen. Gehen war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich. Der Täter stand breitbeinig über ihm und hat durchgezogen. Wie ein Golfer.“

Walden blickte auf.

Der Erkennungsdienstler zuckte mit den Schultern. „Sorry, blöder Witz. Ein Schlag traf seitlich den Kopf...



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