Zwengel | Nützliche Idioten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 7021, 444 Seiten

Reihe: Thriller, Krimi und Mystery

Zwengel Nützliche Idioten


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-787-0
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 7021, 444 Seiten

Reihe: Thriller, Krimi und Mystery

ISBN: 978-3-95719-787-0
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der mächtige Spielzeugkonzern LupoTek macht mit Konkurrenten kurzen Prozess. Nur an der kleinen Firma olek-BroSis beißt er sich die Zähne aus. Eine Geschichte wie David gegen Goliath, wenn David ein psychopathisches Geschwisterpärchen wäre. Das Projekt ist phänomenal. LupoTek hat angeblich das attraktivste Spielzeug aller Zeiten entwickelt und will es bei der Eröffnung seiner größten Filiale präsentieren. Dies ruft den Problemlöser Hüskers auf den Plan, der für den Konzern stets alle Hindernisse aus dem Weg räumt. Doch diesmal muss er die Grenzen von Legalität und Moral noch weiter als je zuvor dehnen und einen alten Freund, den abgehalfterten Fernsehclown Arlo Panofsky, ins Gefecht schicken. Wenn Helden zu schade sind, schickt man Nützliche Idioten.

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Istanbul

Drei Wochen später lauschte Hüskers den Geräuschen im Hotelzimmer nebenan. Sein Einsatz auf der Toyzeria, der wichtigsten Spielwarenmesse Eurasiens, war von langer Hand geplant. Er und sein Team überwachten das Vorstandsmitglied einer Tochterfirma von LupoTek seit zwei Tagen. Keiner der Schritte des Mannes blieb undokumentiert. Hüskers schaute auf den Monitor, der den Nachbarraum im Split-Screen-Verfahren aus vier verschiedenen Perspektiven zeigte. Seibold, ihr Lockvogel, saß in einem Sessel und zappte durch die Kanäle, während er auf den entscheidenden Anruf wartete. Es war ein Routineauftrag. Eine weitere Episode im nie endenden Spiel zwischen den Sicherheitsabteilungen der Konzerne. Wenn die Konkurrenz irgendwo ein neues Gebäude errichtete, hatte LupoTek sofort Leute auf der Baustelle, um Wanzen mit einbetonieren zu lassen. Die Konkurrenz versuchte, sie daran zu hindern und gleichzeitig ihre eigenen Wanzen in den Neubauten von LupoTek anzubringen. Daraus ergaben sich langweilige und aufregende Missionen, wichtige und völlig belanglose Aufträge, bei denen es nicht selten um Millionen ging.

Hüskers drehte sich zu seinen beiden Mitarbeitern um. „Wir sollten die Sache etwas beschleunigen.“

In diesem Moment erhielt er auf seinem Handy eine Benachrichtigung, dass es neue Aktivitäten auf seinem Rollenspiel-Account gab. Hüskers nutzte diesen Kommunikationsweg, damit seine Mitarbeiter Kontakt zu ihm aufnehmen konnten. Sie besaßen seine Zugangsdaten und konnten so Nachrichten für ihn im Entwürfe-Ordner hinterlassen. Solange diese nicht abgeschickt wurden, war auch niemand in der Lage, sie abzufangen.

Patrick hatte ihm eine codierte Nachricht hinterlassen, die eine Telefonnummer enthielt. Hüskers rief sofort an. „Was ist passiert?“, fragte er, als Patrick sich meldete.

„Lehmann ist tot. Man hat seine Leiche auf Malta gefunden, sie sah wohl nicht gut aus.“

Der Einsatz auf Malta lag nur drei Wochen zurück, aber für Hüskers fühlte sich das bereits wie ferne Vergangenheit an. Die Oleks dürften inzwischen herausbekommen haben, wem sie die verpatzte Übergabe zu verdanken hatten. Er überlegte, ob er sich Vorwürfe machen sollte, weil er Lehmann seinem Schicksal überlassen hatte, entschied sich aber dagegen. Bei seinen Missionen bestand immer die Gefahr, mit jedem gelösten Problem sofort ein neues zu erschaffen, denn immer blieben am Ende zwei Parteien. Eine, deren Problem er gelöst hatte, und die andere, die das Problem verursacht hatte, infolgedessen eine Schlappe einstecken musste und fortan, bis ans Ende aller Zeit auf Rache sann.

„Nur eine Leiche?“

„Keine Spur von Emilia, falls du das meinst“, sagte Patrick und Hüskers verspürte Erleichterung. Offenbar hatte sie seinen Rat befolgt, mit ihrer Entlohnung unterzutauchen.

„Mir ist außerdem eine ganze Reihe von Suchanfragen aufgefallen, die LupoTek betreffen“, fuhr Patrick fort.

„Weißt du, von wem und über was?“

„Keine Ahnung wer, aber das was kenne ich.“

„Worum geht es?“

„Weißt du, wo sich der Vorstand von LupoTek aufhält?“

„Natürlich nicht“, sagte Hüskers. „Niemand weiß das. Sie leben sehr zurückgezogen an unbekannten Orten.“

„Tja, jemand gibt sich momentan große Mühe, ihren Aufenthaltsort herauszufinden. Da meint es jemand ernst.“

„Du glaubst, olek-BroSis steckt dahinter?“

„Es sei denn, du bist in letzter Zeit noch jemandem so kräftig auf die Zehen getreten.“

Hüskers schwieg einen Moment, dann sagte er: „Ich habe schon damit gerechnet, dass uns diese Geschichte noch einmal beschäftigen wird. Als ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt wurde, hat mir das zu denken gegeben.“

„Ein Kopfgeld? Wie hast du davon erfahren?“

„In meinem Hotel sind Leute aufgetaucht, die es sich verdienen wollten.“

Patrick schwieg einen Moment. Als er weitersprach, klang seine Stimme leise und ernst. „Muss ich beunruhigt sein?“

Jeder kannte den Ruf der olek-BroSis, bei geschäftlichen Niederlagen besonders nachtragend zu sein. Hüskers hatte den Zwillingen nicht nur geschäftlich geschadet, sondern sie durch den Virus auf ihrem Laptop auch gedemütigt. Dass er im Grunde eine kriminelle Handlung vereitelt hatte, spielte für sie sicher keine so große Rolle.

„Sie sind nur hinter mir her. Lehmann kannte nur mein Gesicht.“ Und das von Emilia, ergänzte er in Gedanken. „Von deiner Beteiligung wissen sie wahrscheinlich nicht einmal.“

„Netter Versuch, mich zu beruhigen, aber wenn die Zwillinge ihrem Ruf auch nur ansatzweise gerecht werden, dann besitzen sie längst die gesamten Überwachungsaufnahmen des Hotels von diesem Tag.“

„Halt dich einfach bedeckt“, riet Hüskers, aber er wusste, dass Patrick mit seiner Vermutung richtig lag.

Goran und Valerija Olek waren beileibe keine Unschuldsengel, aber im Konkurrenzkampf mit ihnen hatte sich auch LupoTek bisher nicht mit Ruhm bekleckert. Bevor olek-BroSis eigene Fachgeschäfte betreiben konnte, war die Firma darauf angewiesen gewesen, in das Sortiment bestehender Läden aufgenommen zu werden. LupoTek hatte sanften Druck auf einige Vertriebspartner ausgeübt, damit die Produkte der Tschechen nicht in ihren Läden anboten wurden. Viele Firmen blieben durch solche Methoden auf der Strecke, aber olek-BroSis konnte sich halten. Goran und Valerija Olek hatten sich auf ihrem Weg viele Feinde in der Branche geschaffen, aber ihr Selbstbewusstsein war über die Jahre so ungebremst gewachsen, dass sie auch nicht davor zurückschreckten, sich mit einem Giganten wie LupoTek anzulegen. Und der Konkurrenzkampf drohte inzwischen die Züge einer familiären Blutfehde anzunehmen. Es war eindeutig persönlich geworden, obwohl aufseiten von LupoTek keine konkreten Personen standen. Der Weltkonzern wahrte nach außen hin seine Anonymität. Erst auf Malta hatte LupoTek für die Oleks endlich ein Gesicht bekommen. Und zwar das von Hüskers.

Plötzlich schrie Patrick am anderen Ende der Leitung auf und riss Hüskers aus seinen Gedanken. Er hörte ein Poltern und ein heftiges Klatschen auf nackter Haut.

„Hüskers …“

„Was …?“

„Sie sind hier bei mir“, unterbrach Patrick ihn mit erstickter Stimme.

„Was?“

„Sie sind bei mir im Apartment. Keine Ahnung, wie sie mich gefunden haben.“

„Wer ist bei dir?“, fragte Hüskers aufgeregt.

„Zwei Männer. Ich … Sie geben mir Zeichen, dass ich auflegen soll.“

„Gib sie mir, ich will mit ihnen reden … Hallo?“

Hüskers sah auf das Display. Die Verbindung war unterbrochen. Als er aufblickte, waren alle Augen im Hotelzimmer auf ihn gerichtet. Hüskers ließ sich nie zu emotionalen Kurzschlussreaktionen hinreißen. Egal, was geschah. Sein Gehirn schien einen Puffer zu besitzen, der es ihm erlaubte, alle Ereignisse zunächst einmal rational zu betrachten und zu bewerten, bevor seine Gefühle dazugeschaltet wurden. Deshalb hatte er auch den Ruf, ein eiskalter Hund zu sein. Also, je nach Interpretation, entweder lässig und kontrolliert oder abgestumpft und gefühlskalt.

Sein Handy vibrierte.

„Guten Abend, Hüskers“, sagte eine Frauenstimme. „Wir wollen die Pläne.“

Das war Valerija Olek, er erkannte ihre Stimme aus diversen Interviews. „Wann und wo?“

„Du fragst gar nicht, wie es deinem Freund geht?“

„Ich gehe davon aus, dass Sie sich professionell verhalten und Ihr Druckmittel gut behandeln.“

Er konnte förmlich hören, wie sie darüber lächeln musste. „Dann höre ich wohl auch keine Drohungen für den Fall, dass ihm etwas zustoßen sollte?“ Valerija klang ein wenig enttäuscht. „Das überlasse ich Ihrer Fantasie. Denken Sie sich selbst ein paar Drohungen aus, die fallen sicher wesentlich bedrohlicher aus als meine. Wie soll die Übergabe ablaufen?“

„Wir melden uns.“

„Schon klar, ich soll mich nicht auf den Ort vorbereiten können. Verraten Sie mir wenigstens, wann sie stattfinden soll.“ „Wieso, hast du denn noch etwas Wichtigeres vor?“, fragte Valerija Olek. Sie unterbrach die Verbindung, ohne die Antwort abzuwarten.

Hüskers nahm über Skype Kontakt zu seinem Vorgesetzten in Frankfurt auf, dem Abteilungsleiter der Problemlöser. Während seines Berichtes blickte er in das Gesicht des unscheinbaren Mannes, der sein dünnes Haar mit Gel zurückkämmte und dessen faltiges Gesicht erschlafft wirkte. Wie immer zeigte es einen Ausdruck von erschöpfter Geduld.

Hüskers wusste im Voraus, wie sinnlos seine Bitte war. Auf keinen Fall gab man Firmeninterna heraus. Noch dazu für jemanden, der nicht einmal ein offizieller Mitarbeiter von LupoTek war.

„Haben Sie sich die Daten angesehen, die Lehmann gestohlen hatte?“, fragte ihn sein Vorgesetzter.

Hüskers schüttelte den Kopf. „Dazu bestand keine Notwendigkeit.“ Das war natürlich eine Lüge, aber es war nicht immer von Vorteil, zu viel Wissen zu besitzen und dies auch noch zuzugeben.

„Ausgezeichnet“, sagte sein Vorgesetzter, obwohl er davon ausging, dass Hüskers log. „Tun wir mal so, als seien Sie ein braver Junge und hätten sich die Daten tatsächlich nicht angesehen. Es handelt sich um ein Projekt, an dem man in Darmstadt schon seit Jahren arbeitet. Sie nennen es SpyPet™. Gedacht zur unauffälligen Überwachung des Nachwuchses.“

„Petzende Kuscheltiere“, fasste Hüskers das Konzept zusammen.

„Ja, aber nicht nur für Kleinkinder nutzbar. Die Technologie lässt...



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