Zwengel | Raumschiff Promet - Sternenabenteuer 04: Der Weiße Prophet | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 4, 158 Seiten

Reihe: Raumschiff Promet - Sternenabenteuer

Zwengel Raumschiff Promet - Sternenabenteuer 04: Der Weiße Prophet


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-057-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 4, 158 Seiten

Reihe: Raumschiff Promet - Sternenabenteuer

ISBN: 978-3-95719-057-4
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Jörn Callaghan und die Überlebenden seiner Crew versuchen, Peet Orell zu warnen, um den drohenden interstellaren Krieg zwischen Terra und Katai abzuwenden. Doch die Rückkehr der Promet III aus dem Katai-Sektor droht zu scheitern. Shalyn Shan ist mit der Promet IV nach Toschawa unterwegs, dem diplomatischen Zentrum Katais. Dabei trifft sie auf den Raumschiff-Konvoi des führenden Präkognikers der Yikritschen, der sie bereits erwartet. Er kann die Zukunft sehen, in allen möglichen Varianten.

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Katai, am Rande des Tosch-Systems, 28.04.2107 Terra-Zeit

Ich hatte mein Versprechen gegenüber dem zynidischen Lebensmeister Grochmor erfüllt. Die Örgön Gör hatten in nächster Zeit anderes zu tun, als eine Untersuchung der Ereignisse durchzuführen. Sie würden die Angelegenheit einfach zu den Akten legen, falls sie überhaupt so etwas wie Akten führten. Bisher hatten sie auf mich den Eindruck gemacht, als ob sie eher aus dem Bauch heraus handelten, angestachelt von markigen Sprüchen und billigem Pathos. Die perfekten Gefolgsleute, wenn man keine selbstdenkenden Anhänger wollte.

Im Gegenzug hatte mir Grochmor vor der Flucht aus dem Ora-System geraten, zum Planeten Toschawa zu fliegen. Es handelte sich um die Heimatwelt der Uang’tosch, den Diplomaten und Philosophen der Avatara, außerdem um den Tagungsort des Tribunals der Häuser. Toschawa war gleichzeitig der beste Ort, um unser Ziel zu erreichen. Und der gefährlichste. Aber mir blieb keine andere Wahl, wenn ich die Katai-Bewohner von den friedlichen Absichten der Menschheit überzeugen wollte.

Ich brauchte Unterstützung seitens der Avatara und wer war da besser geeignet als ihre eigenen Diplomaten? Laut Grochmor waren die Uang’tosch unter den heimischen Völkern sehr einflussreich. Wenn wir ihre Unterstützung gewannen, hatten wir den Kriegstreibern etwas entgegenzusetzen. Also in erster Linie dem Haus der Örgön Gör und dem Haus der Yikritschen.

Wir entgingen zweimal kurz hintereinander bei den Transitionen nur knapp der Entdeckung durch Schiffe der Örgön Gör. Sie patrouillierten verstärkt in Katai, deshalb beschlossen wir, eine Verschnaufpause einzulegen.

Takagawa suchte uns einen ruhigen Platz in einem Mondschatten und behielt die Umgebung im Auge. Sämtliche Kontroll-, Funk- und Ortungssysteme waren ringförmig um die Zentrale installiert und konnten notfalls auch von einer einzigen Person überwacht werden.

Cyberjohn Five hielt mich über seine Fortschritte bei den Reparaturarbeiten auf dem Laufenden, die immer noch nicht vollständig abgeschlossen waren. Bei der Gelegenheit fiel mir auf, wie gut sich der Cyborg mit unserem Bordcomputer verstand. Kip und Cy tauschten sich in aller Ausführlichkeit über vielerlei technische Dinge aus. Nicht wie menschliche Kameraden, sondern sachlich und kühl, aber ich hatte Cy in der Zeit, in der ich ihn kannte, noch nie so viel reden hören, wie mit unserer Bord-KI.

Überhaupt war die Stimmung an Bord trotz unserer Lage momentan eher entspannt. Der Professor und Vanessa schienen sich über ihre Fachgebiete glänzend zu unterhalten. Vielleicht lag es auch daran, dass beide große Labore zur Verfügung hatten, in denen sie forschen und experimentieren konnten. Ebenso wie Cy im Maschinenraum, wo er vollkommen glücklich zu sein schien. Der Major verfügte über etwas Vergleichbares mit dem Fitnessraum, den er in jeder freien Minute nutzte, um seine Muskeln in die gewünschte Form zu bringen.

Ich zog mich in meine Unterkunft zurück. Wir wollten die freien Stunden nutzten, um unsere Batterien aufzuladen. Es war sinnlos, wenn alle auf ihren Posten verharrten, solange es nichts zu tun gab. Außerdem war es schon eine Weile her, seit ich mich zuletzt in meinen Privaträumen aufgehalten hatte.

Als erstes nahm ich die Porträtfotos der Promet-III-Besatzung von der Wand. Ich hatte sie dort befestigt, um sie während unserer Suche immer vor Augen zu haben. Inzwischen hatten wir die Crew gefunden, aber das Ereignis war nicht so erfreulich wie erwartet. Mehr als die Hälfte von ihnen kehrte nicht mehr nach Hause zurück. Ich betrachtete jedes einzelne Foto lange, bevor ich es in einer Mappe verstaute. Zuletzt nahm ich das Bild meines Ehemannes ab. Jörn gehörte zu den Glücklichen, die die Gefangenschaft bei den Örgön Gör überlebt hatten, dennoch blieb uns etwas gemeinsame Zeit noch verwehrt. Wenn alles gutgegangen war, sollte er inzwischen auf Riddle angekommen sein.

Ich legte mich auf mein Bett und schloss die Augen. Ich sehnte mich nach einem Jahr Trennung nach Jörn. Seinem Lachen, seinen trockenen Sprüchen, aber auch nach seinem Körper. Irgendwann musste ich mit diesem Gedanken eingeschlafen sein, denn ich wurde von der Bordcom geweckt. Die Pause war vorüber.

Als ich die Zentrale betrat, fand ich dort meine Besatzung vollständig versammelt vor. „Gibt es einen Anlass?“, fragte ich überrascht.

„Ich habe etwas Seltsames entdeckt“, sagte der Major.

„Geht es etwas genauer?“

„Ein Konvoi aus sechs Schiffen. Sie sehen aus wie der Chechuden-Transporter, mit dem ihr von Eisenfaust entkommen seid, aber dies hier scheinen Passagierschiffe zu sein.“

„Wie kommst du darauf?“, fragte ich.

„Sie haben Fenster.“

„Klingt logisch. Und was ist so seltsam an ihnen?“

„Sie treiben antriebslos im interstellaren Leerraum. So etwas geschieht nicht ohne Grund.“

Ich betrachtete den Konvoi. Wie Geisterschiffe bewegten sie sich langsam durchs All, unbeirrt einem unbekannten Ziel entgegen.

„Eines der Schiffe funkt uns an“, sagte der Major. „Seltsam.“

„Was ist denn diesmal so seltsam?“, fragte ich belustigt. „Du benutzt dieses Wort ziemlich häufig. Ich glaube nicht, dass wir dasselbe darunter verstehen.“

„Seltsam ist, dass sie uns als Promet IV anrufen und speziell nach dir fragen, Shalyn.“

Ich runzelte die Stirn. „Okay, das ist wirklich seltsam. Hören wir uns an, was sie wollen!“

Der Major stellte eine Holoverbindung her, damit wir unseren Gesprächspartner sehen konnten. Als das Gesicht erschien, hörte ich, wie Cy scharf die Luft einsog. Auch ich war sofort halb aus meinem Sitz heraus. Das Holobild zeigte ein Wesen, dessen Gesichtszüge sehr einer Fledermaus ähnelten. Das Gesicht wirkte merkwürdig starr und etwas unnatürlich, aber trotzdem dynamisch. So als ob sich alle Aktivitäten unter der Oberfläche abspielten. Ein aktives Gesicht unter einer starren Maske.

„Willkommen.“ Die Stimme klang leise und brüchig. Das Wesen krächzte die Worte, als bereiteten sie Schmerzen in der Kehle. Es sprach so schleppend, als sei es müde und erschöpft. Der Eindruck mochte täuschen, denn die Stimme passte überhaupt nicht zu seinem übrigen Erscheinungsbild. „Wie ihr inzwischen erkennen solltet, gehöre ich zum Volk der Yikritschen. Mein Name ist Vochotek-Daschar, man nennt mich den Weißen Propheten.“

„Das ist mal ein treffender Name“, raunte Takagawa.

Ich musste ihm recht geben. Vochotek machte seinem Beinamen alle Ehre, denn er war weißhäutig, bleich wie ein menschlicher Albino. Jedenfalls, soweit es der knappe Bildauszug auf Gesicht und Schulterpartie erkennen ließ. „Was können wir für dich tun, Vochotek-Daschar?“

„Ich habe euch erwartet.“

„Woher wusstest du, dass wir kommen?“, fragte ich. „Nein, warte, vergiss die Frage. Ihr seid Präkogniker und kennt die Zukunft.“

„Nicht nur eine Zukunft, wir sehen alle möglichen Varianten der Zukunft voraus.“

„Eine beeindruckende aber wohl auch ziemlich belastende Fähigkeit, könnte ich mir vorstellen.“ Was ich mir nicht vorstellen konnte war, wie dies praktisch ablief. Sahen sie ständig mögliche Verläufe und mussten dann entscheiden, welchem sie folgten? Konnten sie sich für einen entscheiden und diesen bewusst herbeiführen?

„Ich lade dich zu einem persönlichen Gespräch an Bord meines Schiffes ein, Shalyn Shan.“

„Du verstehst, dass ich etwas misstrauisch bin?“, erwiderte ich.

„Natürlich. Du kennst bisher nur einen einzigen Yikritschen und weißt, was er deinem Freund Schlimmes angetan hat. Aber ich darf dir versichern, wir sind nicht alle so.“

„Dann weißt du auch schon, wie unser Gespräch ausgeht?“

„Ich kenne ein paar mögliche Verläufe, aber letztlich entscheiden nur wir beide über den tatsächlichen Ausgang.“

Ich zögerte. Takagawa schüttelte unauffällig den Kopf. Er hielt es für keine gute Idee, an Bord des fremden Schiffes zu gehen. Ich sollte mich auf seine Instinkte verlassen, es gab wohl niemanden an Bord, der in seinem Leben aus mehr Hinterhalten entkommen musste als er.

„Ich sichere der Promet IV freies Geleit zum Tosch-System zu, während wir uns unterhalten“, sagte Vochotek-Daschar, dem mein Zögern aufgefallen war.

Ich glaubte ihm, ohne Gründe dafür benennen zu können. Außerdem hatte es keinen Sinn, das Angebot abzulehnen. Die Yikritschen wussten inzwischen, dass wir uns in ihrem System aufhielten und konnten uns jagen, wenn sie es wollten. Die Gelegenheit, mit einem hochrangigen Mitglied dieses Volkes zu sprechen, war genau der Anlass, aus dem wir hierher gereist waren. Vochotek-Daschar hatte uns zwar überrumpelt und das Treffen fand nicht unbedingt zu unseren Bedingungen statt, aber es war eindeutig eine Chance.

„Ich komme sehr gerne an Bord deines Schiffes“, sagte ich.

„Schön, ich lasse dich sofort abholen.“

Ich wollte antworten, aber für einen Sekundenbruchteil hatte ich das Gefühl, als würde sich irgendetwas in meine Gedanken drängen, um dort nach Informationen zu suchen. Es handelte sich um ein leichtes Ziehen im Kopf, das an verschiedenen Stellen auftauchte und rasch den Standort wechselte. Kaum hatte ich es bemerkt, war es auch schon wieder verschwunden.

Ich bemerkte, dass die Holoverbindung beendet war. Vochotek-Daschar hatte sich auf seiner Seite abgemeldet. „Habt ihr das bemerkt?“, fragte ich in die Runde.

Der Major sah mich irritiert an. „Was meinst du? Es...



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