E-Book, Deutsch, Band 10, 154 Seiten
Reihe: Schattenchronik - Gegen Tod und Teufel (Mystery Thriller)
Zwengel Schattenchronik - Gegen Tod und Teufel 10: Tempel des Todes
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-570-8
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 10, 154 Seiten
Reihe: Schattenchronik - Gegen Tod und Teufel (Mystery Thriller)
ISBN: 978-3-95719-570-8
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Im Jahr 1926 macht sich die Expedition einer amerikanischen Universität auf den Weg in den Dschungel des Amazonas. Sie suchen eine bisher unentdeckte Tempelanlage, doch bereits auf dem Weg dorthin entdecken sie veränderte Tiere und Pflanzen. Der Tempel beherbergt ein Geheimnis, das auch Jahrzehnte später noch eine tödliche Bedrohung darstellt. Als die Schattenchronik-Agenten Martin Anderson und Leila Dahlström im New York der Gegenwart eine Terrorzelle ausheben, entdecken sie diese globale Gefahr.
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Kapitel 1
Dies ist der Bericht einer Expedition, die von einer Universität im Herzen Amerikas organisiert wurde und ein unerforschtes Gebiet im Amazonasdschungel zum Ziel hatte.
In der langen Geschichte der Universität hatte es bis dahin keine Expedition gegeben, die so schnell auf die Beine gestellt worden war. Der gesamte Lehrstuhl riss sich darum, an der Reise teilzunehmen. Selbst Fachbereiche, die auch mit viel gutem Willen keine Verbindung zu der Thematik besaßen, pochten auf ihre Teilnahme. Die Gruppe besaß dreizehn Mitglieder, angeführt von dem Historiker Alistar Cooper. Zu den weiteren Koryphäen gehörten der Biologe Daniel Bridges, der Archäologe Alexander Cunningham, der Anthropologe Marcus Shepherd, der Zoologe Samuel Levin und Professor Hannibal Kinderman vom Fachbereich mittelalterliche Metaphysik.
Die Finanzierung war gleich mehrfach gesichert. Im Großen und Ganzen durfte man diesen Erfolg Professor Cunningham zuschreiben, der es wie kein anderer verstanden hatte, die wissenschaftliche Bedeutung des bevorstehenden Fundes zu vermitteln. Er sprach mit Finanziers aus der Umgebung, und jeder wollte sich beteiligen. Deshalb konnte die Expedition bereits am zwölften April 1926 aufbrechen. Der Zeitplan sah ein ambitioniertes Tempo vor, das keine Trödelei erlaubte.
Ich will Zeugnis ablegen über die obskuren Entdeckungen, die wir gemacht haben, die Kämpfe, die wir bestehen mussten, gegen äußere und innere Feinde. Der Tod fand reichlich Beute in unserer Mitte. Dass ich in der Lage bin, hier von den Ereignissen zu berichten, ist ein Wunder. Ein gütiger Gott hat mich davor bewahrt, das Schicksal der anderen Expeditionsmitglieder zu teilen.
*
Professor Alistair Cooper war annähernd zwei Meter groß, von massiger Gestalt und mit einem gutmütig wirkenden, fleischigen Gesicht ausgestattet, das viele Menschen über das wahre Ausmaß seines Verstandes täuschte. Objektiv betrachtet dürfte er der intelligenteste Mensch auf dieser Reise sein, was er natürlich niemals laut aussprechen würde, um die unweigerlich folgende Diskussion über dieses Thema zu vermeiden. Cooper legte ohnehin keinen Wert auf eine solche Feststellung.
Er zog seine Weste straff und sah seinen Kollegen dabei zu, wie sie ihre Ausrüstung an Bord bringen ließen. Seine Ermahnung, sich nur auf das Nötigste zu beschränken, schien von allen Kollegen ignoriert worden zu sein. Kinderman schoss natürlich den Vogel ab. Neben einer Bücherkiste, die er nie aus den Augen ließ, hatte er auch einen Koffer mit Chemikalien dabei, zu dem er selbst stets einen respektvollen Abstand hielt. Und natürlich besaß er nicht nur einen Assistenten, sondern gleich zwei. Wüst aussehende Halsabschneider, denen niemand eine wissenschaftliche Vorbildung unterstellen würde.
Die anderen Professoren benötigten keinerlei Hilfsmittel für ihre Arbeit, außer ein paar Nachschlagewerken und kleinen Werkzeugen. Sie füllten dafür die begrenzte Fläche auf dem Boot mit einer umfangreichen Garderobe oder ähnlich nutzlosem Gepäck.
Cooper bemühte sich, aufkeimende Streitigkeiten und Rivalitäten frühzeitig zu beenden. An der Universität blieben diese Männer in ihren jeweiligen Fachbereichen wie in natürlichen Refugien, aber hier mussten sie auf engstem Raum miteinander auskommen. Für einige von ihnen eine gewaltige Herausforderung, denn ihr Ego nahm eine gewaltige Fläche in Anspruch und konnte für gewöhnlich nur in Hörsälen artgerecht gehalten werden.
Cooper behielt vor allem Kinderman im Auge, dem es immer in den Fingern juckte, eine Palastrevolte anzuzetteln. Oft genug aus reiner Langeweile. Die meisten seiner Kollegen interessierten sich allerdings ausschließlich für den fachlichen Aspekt der Expedition und würden solche Intrigen überhaupt nicht bemerken. Selbst Shephard schien dafür kein Gespür zu haben, und der war immerhin Anthropologe.
Die Expeditionsmitglieder standen im Hafen von Santa Muerte und versuchten, den Moment hinauszuzögern, bis sie ihr Transportmittel betreten mussten.
„Ich dachte mir schon, dass die Reise gefährlich werden könnte“, sagte Biologe Bridges angesichts der Anaconda. „Aber so gefährlich?“
Die Holzaufbauten sahen morsch aus, auf den Rumpf waren an mehreren Stellen Metallplatten geschweißt worden. Das feuchtwarme Klima hatte dem Boot schon vor langer Zeit den Krieg erklärt und drohte nun zu gewinnen. Die Anaconda hatte ihre beste Zeit lange hinter sich, aber das galt für jeden Ausrüstungsgegenstand und jedes Besatzungsmitglied an Bord. Alt, müde und verbraucht, erledigten sie ihre Aufgaben mit der geringen Kraft, die sie noch aufbringen konnten. Sie vermittelten den Eindruck, dass sie es zu schätzen wüssten, wenn man sie einfach in Ruhe sterben ließ. Die Expedition hätte ihnen diesen Gefallen gerne getan, denn beim Anblick des Bootes waren viele Teilnehmer zurückgewichen. Doch es gab keine Alternative. Das einzige andere Boot war schon vor Wochen zu einer anderen Reise aufgebrochen, und Cooper wollte nicht auf dessen Rückkehr warten.
„Der Kapitän macht auch keinen besonders zuverlässigen Eindruck“, raunte Cunningham.
Im Gesicht von Kapitän Vasquez gab es keine Regungen zu beobachten. Die gegerbte Haut war straff über den Schädel gespannt und ließ nicht zu, dass er lächelte oder den Mund öffnete. Es hätte Cooper nicht überrascht, wenn es sich bei ihm nicht um einen lebenden Menschen, sondern um eine hölzerne Statue handeln würde. Cooper hatte ausschließlich mit dem Ersten Offizier verhandelt, der Kapitän Vasquez gegen alle äußeren Kontakte abzuschirmen schien. Die beiden waren ein seltsames Paar und unterschieden sich nicht vom Rest der Mannschaft. Der Anthropologe Shepherd konnte bestimmt hochinteressante Studien zu diesen Männern anstellen. Bei dem Maschinisten dürften sogar für den Zoologen Levin noch einige Erkenntnisse abfallen.
Der Erste Offizier hatte für die Reise einen hohen Preis ausgehandelt, wobei Dreiviertel der Summe für das hohe Risiko veranschlagt wurden. Angeblich sei noch niemand aus diesem Seitenarm des Flusses zurückgekehrt. Die Einheimischen mieden ihn wie die Pest und erklärten jeden Fremden für verrückt, der dorthin reisen wollte. Aus diesem Grund mussten die Wissenschaftler auch ihre eigenen Träger mitbringen, anstatt sie in Santa Muerte zu rekrutieren.
Ein paar Einheimische hatten von ihrem Reiseziel erfahren und versuchten die ganze Zeit über, den Professoren die Reise auszureden. Allerdings nicht mit Argumenten, sondern mit nackten Tatsachen. Ein alter Mann hob seine beiden Stümpfe anklagend in die Höhe. Die Arme endeten in der Hälfte der Unterarme und sahen nicht so aus, als seien die Wunden durch eine scharfe Klinge verursacht worden. Die Enden waren schief, mit unterschiedlicher Länge und wulstig vernarbt, als habe man die Hände abgerissen oder abgebissen. Eine Frau mittleren Alters entblößte ihre Oberschenkel, die von schlecht verheilten Wunden verunstaltet waren, als sei ihre Haut verätzt worden. Zuletzt trug man einen jungen Mann herbei, dessen obere Gesichtshälfte von eitrigen Geschwüren bedeckt war. Die beiden Mediziner der Expedition, Doktor Charles Webber und sein Assistent Paul Milton, untersuchten fasziniert die präsentierten Verstümmelungen. Unter dem Aspekt einer Abschreckung zeigten sie jedoch nicht die geringste Wirkung.
Cooper beruhigte die übrigen Expeditionsmitglieder, die nicht so begeistert von den versehrten Bewohnern von Santa Muerte waren. „Wir haben gleich zwei Mediziner in unseren Reihen. Doktor Webber ist nicht nur ein hervorragender Wissenschaftler, sondern hat sich seine Sporen in einem Feldlazarett im Weltkrieg verdient. Anschließend arbeitete er in einem südamerikanischen Missionskrankenhaus. Sein Assistent Mister Milton gilt trotz seiner Jugend bereits als Spezialist für Infektionskrankheiten. Medizinisch gesehen sind wir also in besten Händen.“
Bis zur Abfahrt untersuchten die beiden Mediziner die unterschiedlichen Verletzungen, während Anthropologe Shephard die Erzählungen und Warnungen der Dorfbewohner übersetzte. Sie sprachen von Ungeheuern und tödlichen Pflanzen, aber es schien viel mit Aberglauben, heimischer Folklore und überreizter Phantasie zu tun zu haben. Die Vorführung verlor viel von ihrer Glaubwürdigkeit, als die alten Frauen versuchten, ihnen Glücksbringer zu verkaufen und Anhänger, mit denen man die Dämonen des Dschungels nicht vertreiben konnte.
Die Mediziner bestrichen die Geschwüre des Mannes mit lindernder Salbe und hielten es für eine allergische Reaktion, die sie allerdings nicht genauer bestimmen konnten, solange sie den Auslöser nicht kannten.
„Wo sind die beiden Totschläger, Cooper?“, dröhnte Archäologe Cunningham fröhlich.
„Ich nehme doch an, dass sie recht wüste Gesellen zu unserem Schutz engagiert haben?“, sagte Levin.
„Andernfalls müssten wir im Ernstfall hinter Ihrem Wanst Deckung nehmen“, spottete Cunningham gutmütig.
Die Wissenschaftler gingen miteinander um wie die meisten Männergruppen, doch die Fröhlichkeit wirkte aufgesetzt. Ein guter Beobachter hätte bemerkt, wie manche von ihnen unter dem Spott zusammenzuckten und überlegten, welche versteckte Botschaft hinter dem vordergründigen Scherz verborgen lag. Jede Beleidigung wurde gespeichert und bei passender Gelegenheit doppelt zurückgegeben.
„Solange es nichts zu Erschießen gibt, können sich die beiden auf diesem Kahn ja mit Wasserschöpfen nützlich machen.“
Cunningham wandte sich zu einem jungen Mann, der...




