Abrahams | Blacked Out - Gefährliche Erinnerung | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 410 Seiten

Abrahams Blacked Out - Gefährliche Erinnerung

Thriller
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-588-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, 410 Seiten

ISBN: 978-3-98952-588-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wenn die Suche nach dem Täter im eigenen Spiegel beginnt ... Nick Petrov, Ex-Cop und Privatdetektiv, erwacht ohne Erinnerungen an die letzten zwei Wochen in einem Krankenhaus. Laut der Ärzte ist der Grund für seinen Gedächtnisschwund schnell geklärt: ein aggressiver Tumor und ein brutaler Übergriff, der ein Gehirntrauma auslöste. Doch Nick stellt die schwerwiegende Diagnose vor einen Abgrund aus Fragen: Wer ist sein Peiniger und was passierte während der verlorenen Zeit? Zurück in seiner Wohnung stößt er auf ein mysteriöses Foto auf dem er keinen einzigen der abgelichteten Menschen erkennt. Als Nick kurz darauf einen Dieb stellt, der eben dieses Foto entwenden will, und ihm dann auch noch aus anonymer Quelle eine horrende Geldsumme überwiesen wird, beginnt er zu ermitteln. Doch mit jedem neuen Fetzen der Erinnerung rückt ein Täter in den Fokus, der Nick nur allzu vertraut ist ... »Ein Thriller erster Klasse.« Publishers WeeklyUnvorhersehbar und hochspannend bis zum Ende: Ein fesselnder Pageturner des amerikanischen Bestsellerautors für die Fans von Michael Connelly und Mark Dawson

Peter Abrahams ist ein renommierter amerikanischer Autor zu dessen weltweiter Leserschaft auch Stephen King gehört, der ihn als seinen »liebsten amerikanischen Spannungsromanautor« bezeichnet. Einige seiner Werke wurden mit hochkarätigen Stars wie Robert De Niro für die große Leinwand adaptiert. Die Website des Autors: www.peterabrahams.com/peter-abrahams/ Bei dotbooks veröffentlichte der Autor seine Standalone-Thriller »Der Nachhilfelehrer«, »Der ideale Ehemann«, »Der Häftling«, »Das Wunschkind«, »Dear Wife«, »Blacked Out - Gefährliche Erinnerung«, »Missing Code - Verlorene Spur« und »Hard Rain - Schleier aus Angst«.
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Kapitel 1


Nick Petrov wartete im Zeugenstand auf die nächste Frage. Der Verteidiger sah von seinen Notizen auf und richtete seinen – Millionen von Talkshow-Zuschauern bestens bekannten – skeptischen Blick auf Petrovs Gesicht. Die Augenbrauen des Verteidigers glichen denen Einsteins, er ähnelte ihm überhaupt, fand Petrov, nur hatte er einen besseren Haarschnitt. Das Parfüm der vorherigen Zeugin hing noch in der Luft.

»Tolle Karriere«, sagte der Verteidiger. »Nicht wahr, Mr. Petrov? Bisher.«

Einen besseren Haarschnitt und einen mieseren Charakter.

»Dazu kann ich nichts sagen«, erwiderte Petrov. Er befand sich jetzt seit achtundzwanzig Minuten im Zeugenstand, lange genug, um zu dem Schluss gelangt zu sein, dass nur eine der Geschworenen Anlass zur Sorge bot – eine Frau mittleren Alters in der hinteren Reihe, mit einer Schmetterlingsbrosche am Revers. Die übrigen elf Mienen sagten schuldig, wenigstens ihm; aber auf dem Gesicht dieser Frau, weich, hübsch, ungeschminkt, stand in Großbuchstaben BARMHERZIGKEIT. Der Angeklagte Ty Canning, der gerade seine Brille mit dem Ende seiner Krawatte polierte, hatte keine gezeigt.

»Aber Sie denken es«, sagte der Verteidiger. »Sie halten sich für das schärfste Werkzeug im Schuppen.«

»Ist das eine Frage?«, erkundigte sich Petrov.

»Aber sicher«, sagte der Verteidiger.

»Muss ich darauf antworten, Euer Ehren?«

»Der Zeuge wird die Frage beantworten«, wies die Richterin an.

»Ich bin eher so etwas wie ein Laubbläser«, sagte Petrov. Einige Leute lachten, aber nicht die Schmetterlingsfrau.

»Finden Sie das komisch?«, fragte der Verteidiger. Petrov schwieg, und der Verteidiger, vielleicht ein wenig aus dem Konzept geraten, verlangte keine Antwort. Er blätterte verärgert in seinen Notizen. Petrov, der gewohnheitsmäßig auf Kleinigkeiten achtete, bemerkte, dass seine Augen sich nicht bewegten, was bedeutete, dass er nicht las. Handelte es sich um eine theatralische Pause, oder hatte er den Faden verloren? »Euer Ehren«, bat der Verteidiger, »ich möchte, dass die Jury die letzte Frage und Antwort noch einmal hört.« Er hatte den Faden verloren; der selbstbewusste, aber unbegabtere jüngere Bruder, der niemals geboren worden war, um die Einstein’sche Familiendynamik zu stören. Petrov wartete auf eine Blöße.

»Frage«, rief der Gerichtsstenograph. »Was sagte der Gefangene auf dem Rückweg aus Mexiko? Antwort: ›Sie haben mich.‹«

»›Sie haben mich‹«, wandte sich der Verteidiger direkt an die Geschworenen. »Klingt eindeutig. Praktisch ein Geständnis.« Er wirbelte zu Petrov herum. »Aber in Ihrer Aussage vom 11. Juni geben Sie die Worte des Angeklagten folgendermaßen wieder: ›Wieso glauben Sie, dass ich es war?‹ Kein Schuldeingeständnis, eher die verletzte Reaktion eines Unschuldigen.« Er schwieg einen Moment. »Nun, angesichts der Tatsache, dass Sie unter Eid stehen, welche Ihrer Antworten sollen die Geschworenen glauben?«

Petrov spürte den Blick der Schmetterlingsfrau auf seinem Gesicht, er wusste, dass diese Floskel – die verletzte Reaktion eines Unschuldigen – tief in ihrem Inneren an etwas rührte. Die Geschworenen, die mittlerweile hellwach waren, lehnten sich erwartungsvoll nach vorn. »Beide«, sagte Petrov.

»Beide?« Jene Augenbrauen, so lebendig und beredt, hoben sich ungläubig. »Sind Sie sich darüber im Klaren, was mit Ihrer Zulassung geschieht, wenn Sie sich selbst der Falschaussage bezichtigen?«

»Durchaus«, sagte Petrov. Endlich erwiderte er den Blick des Anwalts. »Als ich die Aussage machte, wurde ich nur nach den ersten Worten des Angeklagten gefragt – ›Wieso glauben Sie, dass ich es war?‹. Die zweite Bemerkung – ›Sie haben mich‹ – machte er erst, nachdem ich ihm beschrieben hatte, welchen Spuren ich gefolgt war. Außerdem äußerte er sich noch ein drittes Mal, kurz bevor ich ihn auslieferte.«

Schweigen. Der Verteidiger wusste ebenso wie die Richterin und jeder mit dem leisesten Wissen über Kreuzverhörstrategien, dass man niemals eine Frage stellte, ohne die Antwort zu kennen. Aber eine Verhandlung folgt einem theatralischen Aufbau, und dieser Aufbau verlangte jetzt, dass die Frage gestellt wurde.

Der Verteidiger leckte sich die Lippen. »Dritte Äußerung?«

»Der Angeklagte sagte außerdem: ›Ich habe jede Minute davon genossen.‹«

Bevor der Verteidiger reagieren konnte, schrie Ty Canning, ein junger reicher Mann, dessen Verhalten während der Verhandlung untadelig gewesen war: »Einen Scheiß habe ich«, und donnerte mit der Faust auf den Tisch. An seinem Hals pochte eine Ader, und sein Gesicht schwoll an und verfärbte sich; die Wirkung war phallisch, unkontrolliert, gefährlich: einer dieser elektrisierenden Momente im Gerichtssaal, die meistens nur in Erzählungen vorkommen. Die Schmetterlingsfrau zuckte zurück. Die Richterin schlug mit ihrem Hämmerchen. Die Ordner kamen herein.

Es gab keine weiteren Fragen. Petrov trat aus dem Zeugenstand. Einer der Ordner klopfte ihm auf dem Weg nach draußen diskret auf die Schulter.

Der Santa Ana wehte heiß und trocken. Petrov liebte die Hitze, möglicherweise eine Reaktion auf seinen Geburtsort, obwohl er Russland im Alter von zwei Jahren verlassen hatte und keine Erinnerungen daran besaß. Aber während er den Parkplatz überquerte, erwog Petrov, zur Abkühlung schwimmen zu gehen. Freitagnachmittag kurz nach drei. Er hatte vorgehabt, das Wochenende am See zu verbringen – warum nicht sofort fahren, bei Tageslicht ankommen, vielleicht auch ein wenig angeln? Er hatte die Wagentür geöffnet, als eine Frau rief: »Mr. Petrov?«

Sie eilte über den Parkplatz. Nach ihrem Gesicht zu urteilen war sie Mitte dreißig, obwohl ihr Körper zehn Jahre jünger wirkte und ihre Kleidung – T-Shirt mit Spaghettiträgern und Minirock – zu einem Teenager gehörte. Ihre Augen waren die ängstlichen Augen einer zukünftigen Klientin.

»Ich heiße Liza«, sagte sie. Sie blieb stehen und schwankte leicht auf ihren hohen Absätzen. »Eigentlich Lisa, aber beruflich Liza. Liza Rummel. Es geht um Amanda.«

»Wer ist das?«

Liza Rummel schüttelte den Kopf, ein rasches Hin und Her, als würde sie das Gesagte löschen und noch einmal von vorn beginnen. »Ich habe im Gerichts-TV gehört, dass Sie heute aussagen. Deshalb bin ich hergekommen.«

»Von wo?«

»Von wo? Van Nuys. Früher haben wir in Encino gewohnt, aber jetzt leben wir in Van Nuys. Amanda gefiel es in Encino viel besser, wenn ich so darüber nachdenke – ich frage mich, ob das einer der Gründe dafür ist.«

»Wofür?«

»Amandas Verschwinden, Mr. Petrov, deshalb bin ich hier. Das ist doch Ihre Spezialität, oder? Vermisste Kinder?«

»Vermisste Personen generell«, sagte Petrov. »Ist Amanda Ihre Tochter?«

»Sie ist trotz allem ein gutes Kind.«

Petrov nahm das als ja. »Was meinen Sie mit trotz allem?«

»Ich schätze, Sie würden es normale Teenagerrebellion nennen. Im November wird sie sechzehn.« Liza Rummels Augen wurden ein wenig feucht. »Sie wurde an Thanksgiving geboren.«

»Wie lange ist sie schon verschwunden?«

»Drei Tage und zwei Nächte.«

»Wann haben Sie sie zuletzt gesehen?«

»Sie richtig gesehen? Dienstagmorgen. Sie schlief schon, als ich nach Hause kam.«

»Um welche Uhrzeit war das?«

»Gegen vier, vier oder halb fünf.«

»Mittwochmorgen?«

Sie blickte ihm direkt in die Augen. »Korrekt.«

»Waren Sie bei ihr im Zimmer?«

»Nein. Aber als ich aufstand, stand ihr Frühstücksgeschirr auf dem Tisch.«

»Haben Sie die Polizei verständigt?«

»Mittwochabend, als sie nicht nach Hause kam. Aber Sie kennen die Bullen. Sie halten sie einfach für eine weitere Ausreißerin. Taucht sicher wieder auf, wenn sie Hunger kriegt.«

»Ist sie früher schon mal verschwunden?«

»Irgendwie schon. Aber dieses Mal mache ich mir wirklich Sorgen.«

»Was ist anders?«

»Ich habe ein schlechtes Gefühl.«

Ein schlechtes Gefühl. Petrov suchte auf ihrem Gesicht nach Anzeichen dafür. Als er vor Jahren begann, hatte er dreiundneunzig unterschiedliche Gesichtsausdrücke skizziert und benannt. Sorge, Nummer einundsechzig, war das, was er jetzt sah. Angst, die in ihrer Miene fehlte, war achtundsechzig. »Warum?«, fragte er.

»Die anderen Male hatten wir uns vorher gestritten oder so. Dieses Mal gibt es keinen Anlass.«

»Worüber gestritten?«, fragte Petrov.

»Das Übliche – Hausaufgaben, Hausarrest, rauchen.«

»Körperliche Auseinandersetzungen?«

»Oh, nein.« Liza Rummel legte die Hand an die Brust, die Geste unschuldig, die Brust schwer; beide ein wenig künstlich.

»Was haben Sie unternommen, um sie zu finden?«

»Außer die Polizei zu rufen? Alles, was mir einfiel – herumfahren, die Schule anrufen.«

Petrovs Erfahrung nach fiel den meisten Leuten mehr ein. Er musterte sie. Kam sie ihm nicht irgendwie bekannt vor, vielleicht ihr Mund? Sie hatte volle, schön geformte Lippen, beweglich und ausdrucksvoll. »Haben wir uns schon mal getroffen?«, fragte er.

»Nein, an Sie würde ich mich bestimmt erinnern.« Er wusste, was folgen würde. »Wegen des Films«, sagte sie. Der Film war mittlerweile zehn Jahre alt und in Petrovs Augen gar kein richtiger Film, nur ein Fernsehfilm der Woche, Der Fall Reasoner, mit Armand Assante als Nick Petrov; er lief, erregte einige Aufmerksamkeit und verschwand in der Versenkung. Gab es im ganzen Land noch eine Stadt, in der sich jemand daran erinnerte? Aber sie waren in L. A.

»Haben Sie ein Foto von Amanda?«

Liza Rummel klappte ihre Brieftasche auf. »Das ist von dem Empty-Box-Konzert im...



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