Aiken Hodge | Der Mut einer Lady | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 395 Seiten

Aiken Hodge Der Mut einer Lady

Roman | Regency-Unterhaltung für Fans von Jane Austen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-462-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Regency-Unterhaltung für Fans von Jane Austen

E-Book, Deutsch, 395 Seiten

ISBN: 978-3-98952-462-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem englischen Land: Als die junge Caroline in das Haus des Herzogs von Cley bestellt wird, ahnt sie noch nicht, dass dieser Mann ihr Vater ist. Aufgewachsen bei guten, einfachen Leuten, weiß sie nicht, wie sie sich gegenüber den feinen Söhnen und Töchtern des Hauses verhalten soll - und wird schnell zum Spielball ihrer Launen. Bietet die Heirat mit dem Pfarrer Tramedoc womöglich einen Ausweg? Caroline zieht mit ihm in eine kleine Gemeinde an der Küste ... und erlebt eine neugewonnene Freiheit, als sie beginnt, seine inspirierenden Predigten für ihn zu schreiben. Heimlich reicht sie außerdem Gedichte bei einem Londoner Verlag ein und endlich findet ihre Stimme Gehör - doch dann droht ein Skandal alles zu erschüttern ... So zeitlos fesselnd wie die Klassiker von Jane Austen und Georgette Heyer.

Jane Aiken Hodge (1917-2009) wurde in Boston geboren, wuchs aber im englischen Sussex auf. Sie arbeitete unter anderem als Dozentin in Oxford und Harvard und war Reporterin für verschiedene Zeitschriften in London und New York, bevor sie sich dem Schreiben von historischen Romanen und Krimis widmete. Von Jane Aiken Hodge erscheinen bei dotbooks die Romane »Die widerspenstige Erbin«, »Der Mut einer Lady« und »Eine unkonventionelle Lady«.
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Prolog


1788

Bleigrauer Regen fiel herab, Donnerschläge krachten über dem Tal. Die Blitze erhellten das Innere einer Kutsche, warfen einen flackernden Schein auf die Gesichter zweier Frauen, die sich an weich gepolsterten Armstützen festklammerten.

»Madame, j’ai peur!« Die französische Zofe schrie bei jedem Donnerschlag von neuem auf.

»Du fürchtest dich also!« Frances Winterton biß sich vor Schmerzen auf die Unterlippe. »Du magst den Donner nicht! Was glaubst du wohl, wie ich mich fühle?« Aber das Mädchen, das sie wegen seiner mangelnden englischen Sprachkenntnisse ausgesucht hatte, starrte sie nur verständnislos an.

Durch das Gewitter war es um zwei Stunden zu früh dunkel geworden, und der Kutscher konnte nur Wasserfluten sehen, wo eine Brücke über den Fluß hätte führen müssen. Fluchend zügelte er die Pferde. Der Herzog hatte darauf bestanden, den Lakaien auf diesem letzten Abschnitt der geheimen Reise nicht mitzunehmen, und stattdessen einen blutjungen Postboten engagiert. Da saß er nun in der Klemme. So wie Madam aussah, hatten die Wehen bereits eingesetzt. Die Wellen hatten die Brücke weggespült. Er konnte den Fluß nicht überqueren, der ihn von seinem Ziel trennte, und hatte keinen anderen Ratgeber als diesen Jungen aus Hereford, der so idiotisch aussah und gerade wegen dieser Dummheit ausgewählt worden war.

Das Haus lag nur ein paar Meilen jenseits des River Teme, aber was nützte das, wenn es keine Brücke mehr gab? »Kann man den Fluß irgendwo anders überqueren?« schrie er zwischen zwei Donnerschlägen. Der Junge schüttelte verängstigt den Kopf. Der Kutscher fluchte wieder und begann langsam und vorsichtig das Gefährt auf der schmalen Straße zu wenden. Die ganze Sache war von Anfang an schlecht geplant gewesen, aber das war natürlich nicht seine Schuld. Madam hätte ins Ausland reisen sollen, so wie die Herzogin, als ihre Zeit gekommen war.

Madam beugte sich aus dem Fenster. »Was ist los? Warum machen wir kehrt?«

»Die Brücke ist weggeschwemmt worden, Ma’am. Tut mir leid.«

»O James! Was sollen wir jetzt tun? Ich habe solche Angst ...«

Sie biß die Zähne zusammen, als eine neue Schmerzwelle durch ihren Körper jagte.

»Ich werde irgendwen um Hilfe bitten. Vorhin habe ich ein großes Haus gesehen – mit vielen Lichtern.«

»Ein Adelshaus? Eine Party? O James, ich kann nicht ...« Wieder wurde sie von einer Wehe zum Schweigen gebracht. Sie folgten jetzt kurz aufeinander. Er mußte an die Niederkunft seiner Frau denken und sagte sich, daß er sich beeilen mußte.

»Machen Sie sich keine Sorge, Ma’am. Und vergessen Sie nicht – Sie sind eine Mrs. Brown, auf dem Weg zu Ihrer Schwester. Keine Livree, kein Kutschenwappen kann Sie verraten. Hier unten wird Sie kein Mensch erkennen.«

»Beten wir zu Gott, daß Sie recht haben ... Oh! James, machen Sie schnell!«

Das Haus lag abseits von der Straße, und als er darauf zufuhr, sah er im zuckenden Licht eines Blitzes einen Kirchturm direkt dahinter. Wahrscheinlich das Pfarrhaus, dachte er. Nun, wenn wir Glück haben, wird man uns dort helfen.

Als er die Kutsche in die kurze Auffahrt lenkte, flog die Haustür auf, ein großer Mann rannte in den Regen heraus und blieb dann stehen, als er im Lichtschein eines Blitzes den fremden Wagen entdeckte. »Ist das endlich der Doktor?« rief er und ignorierte den Regen, der sein weißes Haar durchnäßte. »Es ist jetzt volle drei Stunden her. Aus welcher Richtung sind Sie gekommen?«

»Aus Hereford, Sir. Wir wollen nach Wales, aber wir mußten umkehren. Die Brücke ist von den Wellen weggerissen worden.«

»Die Brücke ... Haben Sie eine andere Kutsche gesehen?«

»Nein, Sir. Ich hatte gehofft, daß Sie uns helfen würden. Meine Herrin wollte zu ihrer Schwester auf der anderen Seite des Flusses fahren – und jetzt ist ihre Zeit gekommen, Sir.«

»Oh, lieber Gott! Noch eine Niederkunft! Meine arme Frau liegt schon seit über vierundzwanzig Stunden in den Wehen. Die Amme ist in Hereford, und Dr. Mancroft sitzt auf der anderen Seite des Flusses an einem Totenbett. Meine Frau sieht so schlecht aus ...« Er sprach mit dem Kutscher von Mann zu Mann, in dieser kritischen Situation spielte der Rangunterschied keine Rolle mehr.

»Das tut mir wirklich leid ...« Der Kutscher wurde unterbrochen, als das Wagenfenster geöffnet wurde.

»Warum halten wir?« fragte seine Herrin, dann sah sie den weißhaarigen Mann und atmete auf. »Oh, Gott sei Dank! Sir, ich muß Sie und Ihre Frau um Ihre Gastfreundschaft bitten. Ich – ich fühle mich nicht gut.«

»Meine Frau auch nicht«, erwiderte er tonlos. »Sie liegt in den Wehen, und auf dieser Seite des Flusses kann uns niemand helfen, Madam ...« Er machte eine höfliche Pause und erwartete, daß sie sich vorstellte.

»Mrs. Brown ...« Ihr Gesicht verzerrte sich vor Schmerzen. »Wir – wir können Ihnen helfen. Meine Zofe ist eine erfahrene Hebamme. Wenn Sie uns Obdach gewähren, wird sie sich um Ihre Frau kümmern.«

»Dem Himmel sei Dank!« Er wandte sich ab, um seinen Dienstboten, die sich unter dem Vordach drängten, Befehle zu erteilen.

Eine halbe Stunde später saß die Frau, die sich Mrs. Brown nannte, am Kamin eines komfortablen Schlafzimmers, trank heiße Brühe und lauschte dem französischen Wortschwall ihrer Zofe. »Es ist schlimm, Madame. Die Wehen dauern schon viel zu lange. Sie braucht einen Arzt, ich kann ihr nicht helfen – und ich habe Angst um das Leben des Babys. Aber wie geht es Ihnen?«

»Besser – danke. Die Wehen kommen jetzt nicht mehr so häufig. Ich glaube, ich werde ein bißchen schlafen.« Sie sprach fast genausogut Französisch wie ihre Zofe.

Das Mädchen brachte sie ins Bett und bat sie, sofort zu läuten, wenn die Wehen wieder stärker würden. »Der nette Monsieur Trentham und die Haushälterin werden die ganze Nacht aufbleiben. Wir können also mit seiner und ihrer Hilfe rechnen. Aber – mon dieu, wenn man bedenkt, daß er schon zwei Kinder hat und überhaupt nicht weiß, was unter solchen Umständen zu tun ist ...«

»Zwei Kinder?«

Die Zofe nickte. »Monsieur spricht fast genausogut Französisch wie Sie, Madame.«

»Ein Mann von Welt?« Sie richtete sich in den Kissen auf. »O Gott, er wird mich verraten.«

»Ein Mann Gottes. Er betet gerade für seine Frau, unten im Arbeitszimmer. Soll ich ihn bitten, auch für Sie zu beten?«

»Ja, das wäre gut ... O Denise, was soll nur aus mir werden?«

»Nur Mut, Madame. Sie werden keine Schwierigkeiten haben. Sie sind kerngesund und gut gebaut. Morgen werden Sie Ihren hübschen Sohn in den Armen halten. Wie glücklich wird der Herzog sein!«

»Und die Herzogin?«

»Das müssen Sie mit ihr abmachen. Aber diese Frau ist eine Heilige. Sie wird sich mit Ihnen freuen, wenn es ein Junge wird. Jetzt muß ich aber wieder nach meiner anderen Patientin sehen. Ruhen Sie sich gut aus, Madame, und haben Sie Vertrauen zu mir.«

Drei Tage später empfing ›Mrs. Brown‹ ihren Gastgeber zum ersten Mal. Denise hatte ihr mehrere Kissen hinter den Rücken gestopft und ihr das Negligé mit den Schwanenfedern angezogen, ein Geschenk des Herzogs. »Wie sehe ich aus, Denise?« Sie betrachtete sich in einem Handspiegel.

»Ravissante wie immer, Madame. Aber ich bezweifle, daß Monsieur das bemerken wird.« War da ein warnender Unterton in der Stimme des Mädchens?

Mr. Trentham sah erschöpft aus. »Ich habe Ihnen das Leben meiner Frau zu verdanken«, sagte er, als sie sich begrüßt hatten. »Es war die Hand Gottes, die Sie zu uns geschickt hat.«

»Eine etwas rauhe Hand ...« Sie lächelte ihn an, dunkle Augen strahlten in einem elfenbeinfarbenen Gesicht, glänzende Locken fielen in kontrollierter Unordnung auf die Schwanenfedern – ein außerordentlicher Kontrast zu den verhärmten Zügen der Frau, die er soeben verlassen hatte ... »Aber ich darf über so heilige Dinge nicht scherzen«, fuhr sie hastig fort. »Es tut mir so leid um Ihr kleines Mädchen.«

»Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen. Und ich habe ja immer noch meine Frau, was ich Ihrer Zofe zu verdanken habe – und Gott.«

Sie verkniff sich eine weitere jener trockenen Bemerkungen, die der Herzog so zu schätzen wußte. »Und ich muß Ihrer Frau danken, weil sie mein armes Kleines nährt. Sicher sehen Sie auch hierin ein Werk von Gottes Hand, so wie ich es tue.« Natürlich hatte es keinen Sinn, ihm zu sagen, daß sie niemals beabsichtigt hatte, dieses unwillkommene Kind selbst zu stillen.

»Ja, in der Tat«, stimmte er ernsthaft zu. »Aber Sie dürfen sich keine Schuld geben. Sie waren völlig erschöpft, Madame. Ihre Familie hätte Ihnen nicht erlauben dürfen, zu diesem Zeitpunkt eine so beschwerliche Reise zu unternehmen. Und ich glaube, die Bedürfnisse Ihrer süßen Kleinen haben den Verstand meiner Frau gerettet. Der Verlust hat sie hart getroffen, und ich hatte Angst um sie. Aber Ihre Caroline – so schön, so lieb, und bei bestem Appetit ... Meine Frau hat sie schon jetzt ins Herz geschlossen.«

Ein kurzes Schweigen entstand, während sie beide überlegten, was sie noch sagen sollten. Er rückte sich einen Stuhl ans Bett, setzte sich, sah sie freundlich an, und nach einer Weile fragte er: »Mrs. Brown – dürfte ich wie ein Vater zu Ihnen sprechen?«

»Ein Vater! Ich hatte niemals einen. Und man kann wohl behaupten, daß ich auch keine Mutter hatte.«

»Um so dringender brauchen Sie gute Freunde. Erzählen Sie mir von Ihren Problemen, mein Kind. Ich bin ein Mann Gottes, und es ist meine Pflicht, den Hilfsbedürftigen beizustehen. Und Er hat Sie zu mir gesandt ... Wie kann ich Ihnen helfen?«

»Muß ich es in Worte fassen?« Tränen schimmerten...



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