E-Book, Deutsch, Band 1, 352 Seiten
Reihe: Whispers of the Wild
Allnoch A Touch of Wilderness
24001. Auflage 2024
ISBN: 978-3-492-60831-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | Mitreißende New-Adult-Romance über einen Sommer in Südafrika! (Nike & Liam)
E-Book, Deutsch, Band 1, 352 Seiten
Reihe: Whispers of the Wild
ISBN: 978-3-492-60831-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mareike Allnoch wurde 1996 in Bad Pyrmont geboren. Seit sie denken kann, ist sie vernarrt in Bücher. Irgendwann reichte ihr das Abtauchen in fremde Lesewelten jedoch nicht mehr, und sie begann, eigene Geschichten zu schreiben. Wahre Magie liegt für sie zwischen zwei Buchdeckeln. Wenn sie nicht gerade schreibt, liest oder einer neuen Romanidee hinterherjagt, plant sie ihre nächsten Reiseziele. Sie liebt gutes Essen, Zeit mit Freunden und Familie und gemütliche Filmabende auf der Couch. Auf Instagram (@mareikeallnoch) steht sie im Austausch mit ihren Leser:innen.
Autoren/Hrsg.
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1. Kapitel
»Diesen Mist kann sich doch keiner merken!«, fluchte ich und schmiss meine Lernutensilien im hohen Bogen vom Bett. Kunstvoll drapierten sich meine Notizzettel auf dem Boden. Ich würde Rechnungswesen nie kapieren. Was bei meinem Studiengang wirklich eine sehr schlechte Voraussetzung war.
Während ich meinen dunkelbraunen Lockenkopf in beiden Händen vergrub, gab ich ein leises Stöhnen von mir. Selbst wenn ich noch eine Nacht durcharbeitete, würde ich den Stoff für die Klausur nicht schaffen. Mein Kaffeekonsum hatte mittlerweile schon ein besorgniserregendes Level erreicht.
Wieso noch mal hatte ich mich ausgerechnet für BWL entschieden? Ach ja, weil meine Eltern mich förmlich dazu genötigt hatten. Wenn es nach ihnen ging, dann war meine Zukunft ohnehin schon in Stein gemeißelt. Ich würde in ihre Firma einsteigen und dort vermutlich für den Rest meines Lebens am Schreibtisch versauern, da Mama und Papa wollten, dass ich mich um die Buchhaltung unseres Familienunternehmens Sonnenfelds Weinspezialitäten kümmerte.
Mein Opa hatte es vor fünfzig Jahren ins Leben gerufen, mittlerweile war es in den Besitz meiner Eltern übergegangen. Weinhandel mit Familientradition. Der Name Sonnenfeld stand für hochwertige, erlesene Weine und eine fundierte Expertise. Unser Unternehmen war weit über die Grenzen von Köln hinaus bekannt, und wir konnten mit einem beachtlichen Kundenstamm aufwarten.
Seit ich denken konnte, hatten sich meine Eltern gewünscht, dass ich im Familienunternehmen mitwirkte und Sonnenfelds Weinspezialitäten eines Tages übernahm. Diese Aussicht setzte mich enorm unter Druck. Eigentlich wäre ich nach dem Abitur gern für eine Weile ins Ausland gegangen. Doch mein Pflichtbewusstsein gegenüber unserem Weinhandel hatte letztendlich gesiegt. Ich hatte mein Studium begonnen und parallel dazu angefangen, im Familienbetrieb zu arbeiten. Mittlerweile bereute ich das aber sehr.
Wobei es auch nicht so war, dass ich unser Familienunternehmen und das, worum es dabei ging, nicht mochte. Ganz im Gegenteil: Ich liebte Wein.
Ich liebte es, nach einer Flasche zu greifen, ihre Aufmachung zu begutachten, über das Etikett zu streichen und schließlich den Korken zu lösen, um die einzigartige Vielfalt der Aromen zu erleben. Meine Sinne spielen zu lassen. Das fing schon an, bevor ich überhaupt einen Tropfen gekostet hatte. Der Wein barg so viele Facetten, er war nicht einfach nur rot oder weiß.
Allein das Farbspiel im Glas fand ich faszinierend. Beim Weißwein reichte das Farbspektrum von zitronenfarben über herbstliche Goldtöne bis hin zu einem satten Bernsteingelb. Beim Rotwein hingegen bewegten sich die Nuancen zwischen Hellrosa über Kirschrot bis hin zu Blauschwarz. Kein Wein glich dem anderen. Jeder von ihnen war einzigartig, denn es gab viele verschiedene Rebsorten.
Sobald ich an einem Glas Wein roch, war es, als bekäme ich bereits eine erste Vorstellung davon, welches Geschmacksfeuerwerk sich nur Sekunden darauf in meinem Mund entfalten würde.
Doch meine Leidenschaft für Wein war mir in den letzten Monaten immer mehr abhandengekommen, und jeder Tropfen barg nun einen bitteren Beigeschmack. Eine dunkle Note, die ich nicht abschütteln konnte, sosehr ich mich auch bemühte. Es fühlte sich beinahe so an, als hätte ich einen regelrechten Widerwillen entwickelt, weil mich selbst der edelste Wein an die Erwartungen meiner Familie erinnerte. An meine Verantwortung gegenüber unserer alten Tradition.
Meine Eltern hatten mir kaum eine Wahl gelassen. Sie würden es nicht verkraften, wenn ich ihr Erbe nicht fortführte. Und da ich nun einmal Einzelkind war, würde der Weinhandel wohl oder übel eines Tages mir gehören.
Manchmal fragte ich mich, ob ich undankbar war, und mein schlechtes Gewissen meldete sich sofort zu Wort. Warum war ich nicht einfach glücklich? Meine Zukunft war sicher, und ich konnte ein erfolgreiches Familienunternehmen fortführen. Ich hatte das, wovon viele träumten. Manch einer wusste sein Leben lang nicht, wohin ihn seine Reise führen würde.
Aber vielleicht lag genau da das Problem. Es war der Traum meiner Eltern. Und nicht meiner.
Nur hatte ich mich bisher nie getraut, ihnen das zu sagen.
Meine Gedanken kehrten zurück zu der morgigen Klausur, und ich bekam schon wieder Bauchschmerzen. Ich war absolut kein Prüfungsmensch. War ich noch nie gewesen.
Das wird ein Desaster, schoss es mir durch den Kopf. Da mir mittlerweile schon der Schädel rauchte, drehte ich mich auf den Rücken und starrte an die Decke. Ein zaghaftes Lächeln schlich sich auf meine Lippen, als mein Blick das LED-Lichternetz streifte, das den Anschein erweckte, als würden unzählige Sterne am Firmament funkeln.
Meine Gedanken schweiften ab und verloren sich zwischen den Sternen. Sollte das Leben nicht wild und unvorhersehbar sein? Voller Überraschungen und Glücksmomente?
Das Leben war so viel mehr als BWL. Aber wie sollte ich das meinen Eltern beibringen? Die Firma war ihr Ein und Alles.
Mein Blick wanderte weiter zu der Pinnwand über meinem Schreibtisch, an der Postkarten, Sticker und alte Zeichnungen hingen. Ich blieb an der Zeichnung von einem Elefanten hängen, die ich etwa vor drei Jahren gemacht hatte. Früher hatte ich gern und viel gezeichnet, doch leider hatte unter dem stetig zunehmenden Druck auch meine Kreativität gelitten. Ich konnte nicht mal genau sagen, wann ich das letzte Mal einen Bleistift in der Hand gehalten und losgelöst von irgendwelchen Alltagsgedanken gezeichnet hatte.
Mein Handy vibrierte. Als ich einen Blick darauf warf, musste ich schmunzeln. Meine beste Freundin Sophie hatte mir geschrieben. Was täte ich nur ohne sie? Sie war mein Fels in der Brandung, wann immer mein Leben kopfstand. Und sie war der Mensch, dem ich all meine Sorgen und Sehnsüchte anvertrauen konnte.
Hey, kommst du gut mit dem Lernen voran?
Eher schlecht als recht,
schrieb ich zurück und setzte noch einen deprimierten Smiley hinterher.
Sophies Antwort kam prompt.
Ich denk morgen auf jeden Fall ganz doll an dich, wenn du deine Prüfung hast. Du schaffst das!
Danke, Soph! Wie war es heute bei euch? Wäre so gern gekommen, aber versinke im Lernchaos …
Sophie war bereits eifrig am Tippen, da sich ihr WhatsApp-Status von »Online« zu »schreibt« änderte.
Dilara ist bereits voll und ganz mit ihren Südafrika-Planungen beschäftigt. Unglaublich, dass sie schon in wenigen Tagen für drei Monate im Kruger-Nationalpark ist. Bin so gespannt, ob wir das Tierschutzprojekt der Sibaya Lodge anschließend in unser Programm aufnehmen. Safaris, Wildtierbeobachtungen, Vogelzählungen und so … Ich glaube, das könnte ein schönes Projekt für die WWS sein!
World Wildlife Savers, kurz WWS, war der Name der Organisation, bei der Sophie und ich ehrenamtlich arbeiteten. Dabei handelte es sich um eine Untergruppe der Heynemann Stiftung für Tier und Natur, die auch über das Vermögen und die Spendeneinnahmen der Stiftung finanziert wurde. Diese war von dem Ehepaar Eva und Günther Heynemann ins Leben gerufen worden, einem wohlhabenden Ehepaar aus Köln, das sich von ganzem Herzen dem Tier- und Naturschutz widmete.
Nur wenige Mitarbeiter bei WWS waren wie unsere Chefin Dilara fest angestellt. Die meisten arbeiteten auf ehrenamtlicher Basis – so auch Sophie und ich. Die Organisation bot Freiwilligenarbeit auf dem ganzen Globus an, wobei alle Projekte eines gemeinsam hatten: Der Erhalt bedrohter Tierarten stand im Mittelpunkt. WWS stand für Fernweh, ehrenamtliches Engagement und einzigartige Erfahrungen.
Ich liebte meine...




