E-Book, Deutsch, Band 2, 336 Seiten
Reihe: Lake-Louise-Reihe
Allnoch Where the Fireflies Dance
23001. Auflage 2023
ISBN: 978-3-492-60430-7
Verlag: Piper Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | New-Adult-Romance über zweite Chancen und die große Liebe vor der faszinierenden Kulisse der kanadischen Rocky Mountains (Nell & Caleb)
E-Book, Deutsch, Band 2, 336 Seiten
Reihe: Lake-Louise-Reihe
ISBN: 978-3-492-60430-7
Verlag: Piper Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mareike Allnoch wurde 1996 in Bad Pyrmont geboren. Seit sie denken kann, ist sie vernarrt in Bücher. Irgendwann reichte ihr das Abtauchen in fremde Lesewelten jedoch nicht mehr, und sie begann, eigene Geschichten zu schreiben. Wahre Magie liegt für sie zwischen zwei Buchdeckeln. Wenn sie nicht gerade schreibt, liest oder einer neuen Romanidee hinterherjagt, plant sie ihre nächsten Reiseziele. Sie liebt gutes Essen, Zeit mit Freunden und Familie und gemütliche Filmabende auf der Couch. Auf Instagram (@mareikeallnoch) steht sie im Austausch mit ihren Leser:innen.
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3. Kapitel
Am nächsten Morgen fühlte ich mich wie gerädert. Als ich in den Innenspiegel in meinem Kleiderschrank sah, blickte mir lediglich ein Schatten meiner selbst entgegen.
Glanzloses Haar, dunkle Ringe, blasse Augen und fahle Haut. So hätte ich problemlos eine Rolle in The Walking Dead bekommen.
Ich fühlte mich innerlich zerrissen. Als hätte jemand einen Teil von mir mitgenommen.
Und ich würde alles dafür geben, die Zeit zurückdrehen zu können. Meine Entscheidung jener Nacht rückgängig zu machen.
Nachdem ich mich schleppend angezogen hatte, entschied ich mich, einen Abstecher zu Annie’s Bakery zu machen. Annie machte die mit Abstand besten Zimtschnecken, und ich wollte Luke gern ein paar davon in die Klinik mitbringen. Mit dem Blueberry Pie würde ich ihn überraschen, wenn er wieder zu Hause war.
Also schwang ich mich auf mein Rad und fuhr zügig durch den kleinen Ort. Nach wenigen Minuten schob sich am Ende der Samson Mall ein Gebäude mit Backsteinen und Holzelementen in mein Sichtfeld.
Vor dem schnuckeligen Lädchen hatte sich bereits eine beachtliche Menschentraube angesammelt. Kein Wunder, Annies Backkünste waren auch über die Grenzen von Lake Louise hinaus bekannt.
Während ich draußen wartete, schickte ich Luke eine Nachricht.
Ich freue mich so sehr darauf, dass du
wieder nach Hause kommst.
Keine halbe Minute später folgte Lukes Antwort.
Ich mich auch, Schwesterherz. Das pappige
Klinikessen kann ich langsam echt nicht mehr sehen.
Ich schmunzelte und schob mein Handy zurück in die Hosentasche. Mittlerweile war die Schlange kürzer geworden, und ich betrat die Bäckerei. Ein süßer Duft wehte mir um die Nase.
»Nell!«, begrüßte Annie mich freudig, und ihr Gesicht hellte sich auf. Sie kam hinter ihrer Theke hervor und drückte mich an sich. Ich ließ mich in ihre Umarmung fallen.
Annie schob mich eine Armeslänge von sich und musterte mich eingehend. »Wie geht es dir?«
Zuerst war ich versucht, mich möglichst tough zu geben, doch Annies sorgenvoller Blick genügte, dass mir Tränen in die Augen stiegen. Zurzeit war mir einfach alles zu viel. Auf der einen Seite freute ich mich ungemein, dass Luke endlich nach Hause durfte. Auf der anderen Seite schwirrten die quälenden Fragen durch meinen Kopf, wie es fortan wohl weitergehen und ob Luke wieder ganz gesund werden würde.
»Ach nein, Liebes. Ich kann das gar nicht gut mit ansehen, dass du so unglücklich bist. Heute wird Luke aus der Klinik entlassen, wenn ich mich recht erinnere?«
Ich nickte lediglich, da mich der Kloß in meinem Hals an einer Antwort hinderte.
»Aber das ist doch toll«, sagte Annie. »Er war in den letzten Monaten von hervorragenden Ärzten umgeben. Es wird alles gut werden, Nell.«
»Ich wünsche es mir so sehr«, krächzte ich.
Annie zögerte. »Und wie geht es deinen Eltern mit der Situation?«
»Keine Ahnung, wir reden so gut wie kaum miteinander.«
Annie strich mir mitfühlend über den Arm. »Deine Eltern meinen das nicht böse, Nell. Es ist nur ihre Art, mit dem Unfall umzugehen. Du weißt, dass sie Luke und dich über alles lieben. Für sie war das auch ein großer Schock.«
Ich erwiderte nichts darauf. Eigentlich war es traurig, dass ich mich Annie besser anvertrauen konnte als Mom und Dad.
»Was kann ich dir denn Gutes tun? Wahrscheinlich möchtest du Luke gern etwas in die Klinik mitbringen?«
Ich nickte erneut, dankbar für Annies Ablenkung. »Hast du noch welche von deinen weltbesten Zimtschnecken?«
»Als hätte ich es geahnt, dass du heute vorbeikommst, habe ich eine zusätzliche Ladung in den Ofen geschoben. Sie kühlen gerade noch aus. Warte, ich bin gleich wieder bei dir.«
Annie verschwand hinter einem Vorhang und kehrte kurz darauf mit einer voll befüllten Papiertüte zurück, die sie mir in die Hand drückte.
Ein zimtiger Geruch strömte daraus hervor. In Annies Zimtschnecken könnte ich mich reinlegen! Ich hatte schon ein paarmal versucht, sie nach ihrem Rezept nachzubacken, doch waren sie mir selbst nie so gut gelungen.
»Annie, du bist ein Schatz! Wie viel bekommst du?«
Sie winkte ab. »Geht aufs Haus. Und grüß mir Luke, deine Eltern, Lily und Ben ganz lieb, ja? Ich denk an euch!«
»Das mache ich, Annie. Danke dir! Hab noch einen schönen Tag!«
Schwungvoll drehte ich mich mit meiner Bäckertüte um und wäre fast in jemanden hineingelaufen.
»Nicht so stürmisch«, vernahm ich eine verschmitzt klingende Männerstimme, und als ich meinen Blick nach oben gleiten ließ, traf ich auf Augen, die so dunkel waren, dass sie mich an Obsidiane erinnerten.
Ich schluckte und musterte den attraktiven Fremden. Dunkelbraunes Haar reichte ihm bis zu den Schultern. Über dem weißen T-Shirt trug er eine schwarze, schon etwas abgewetzte Lederjacke. Löchrige Jeans und ausgetretene Sneakers rundeten das Outfit ab.
Ich fragte mich, wie viel er von meinem Gespräch mit Annie mitgehört haben mochte. Scham breitete sich in mir aus. O Gott, hoffentlich hatte ich keinen unfreiwilligen Seelen-Striptease vor dem Kerl hingelegt. Das wäre wirklich peinlich.
Um meine Verlegenheit zu überspielen, fragte ich eine Spur zu ruppig: »Haben Sie keine Augen im Kopf?«
»Tut mir leid«, entgegnete mein Gegenüber, »aber Sie wären doch fast in mich hineingerannt?«
Sein Lächeln wurde breiter, als würde er sich köstlich über mich amüsieren.
»Entschuldigen Sie bitte, ich habe die Klingel vollkommen überhört. Ich glaube, sie ist kaputt«, mischte sich Annie in unsere Unterhaltung ein, als hätte sie Sorge, ich könnte dem Kerl gleich an die Gurgel springen.
Der junge Mann – ich schätzte ihn auf etwa Mitte zwanzig, also höchstens zwei bis drei Jahre älter als ich – schob sich an mir vorbei in Richtung Tresen, während ich wie bestellt und nicht abgeholt dastand und die Situation zu verarbeiten versuchte.
Ich schluckte einen Kommentar herunter und betrachtete ihn möglichst unauffällig aus dem Augenwinkel.
»Was kann ich für Sie tun?«, fragte Annie den Kunden und strahlte ihn an.
»Ich hätte auch gern welche von den Zimtschnecken«, hörte ich den Fremden sagen. Er zwinkerte Annie zu, woraufhin diese förmlich einer Ohnmacht nahe war.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust. Der Kerl sollte bloß nicht denken, dass er mich genauso einfach knacken konnte wie Annie. Dazu brauchte es schon etwas mehr als ein freches Zwinkern und schöne Augen.
Doch wieso musste ich direkt wieder an die Farbe von Obsidianen denken?
Nachdem Annie ihm die Zimtschnecken eingepackt hatte, bedankte er sich höflich und verabschiedete sich. Als er Anstalten machte, die Bäckerei zu verlassen, bemerkte er, dass ich noch immer wie angewurzelt im Laden stand. Unsere Blicke verkeilten sich ineinander.
Ein Schauer rieselte meinen Rücken hinab. Seine Lippen deuteten noch einmal ein spöttisches Lächeln an, bevor er schließlich zur Tür hinausging.
Das Einzige, was blieb, war der Geruch von Zimtschnecken und einem herben Aftershave in der Luft.
»Kennst du ihn?«, fragte ich Annie. Obwohl es mich eigentlich nicht interessieren sollte, schlich sich ein neugieriger Unterton in meine Stimme.
Annie schüttelte den Kopf. »Nein, ich habe ihn auch zum ersten Mal hier gesehen.« Sie musterte mich eingehend. »Hübsches Kerlchen, was meinst du?«
Ich brummelte etwas Unverständliches, woraufhin Annie lediglich lachte. Wir verabschiedeten uns abermals voneinander, und ich verließ die Bäckerei.
Während ich zu meinem Fahrrad ging, fiel mir auf, wie mein Blick beiläufig die Umgebung absuchte. Doch von dem Fremden war keine Spur mehr zu sehen.
Nachdenklich schwang ich mich auf mein Rad und konnte nicht verhindern, dass ich auf dem Nachhauseweg hin und...




