Buch, Deutsch, Band 36, 728 Seiten, Format (B × H): 180 mm x 250 mm, Gewicht: 1500 g
Reihe: dubsar
Der Prolog des Chicago-Prismas Sanheribs von Assyrien. Intertextuelle und motivgeschichtliche Studien
Buch, Deutsch, Band 36, 728 Seiten, Format (B × H): 180 mm x 250 mm, Gewicht: 1500 g
Reihe: dubsar
ISBN: 978-3-96327-300-1
Verlag: Zaphon
Fast jede(r) moderne(r) Assyriologe/-in lernt in einem vergleichsweise frühen Stadium seines Studiums den Text der annalistischen Tonprismeninschriften Sanheribs mit dem Bericht über acht Feldzüge kennen. Als Basistext dient dabei das 1920 von J.H. Breasted von einem Antiquitätenhändler in Bagdad erworbene und 1924 von D. Luckenbill publizierte Tonprisma, welches im Oriental Institute in Chicago aufbewahrt und deshalb traditionell als das „Chicago-Prisma“ bezeichnet wird. Betrachtet man diesen Text jedoch aus einem traditionsgeschichtlichen Blickwinkel heraus, konkret, im Kontext der Geschichte der assyrischen Königsinschriften als Textgattung, so steht er nicht am Anfang, sondern fast am Ende der Entwicklung. Es ist zwar ein heute im Kontext des assyriologischen Studiums früh gelesener, im Makrokontext der altorientalischen Geschichte aber spät entstandener Text. Die Annalen assyrischer Könige sind ein typisches Beispiel für eine Traditionsliteratur: Texte der Vorgänger werden in Texten der Nachfolger intensiv rezipiert und prägen diese literarisch. Hinzu kommt, dass die Königsinschriften im Grunde genommen einen Überlieferungsstrom mit zahlreichen anderen Texten bilden. Um sie verstehen und würdigen zu können, muss man die Bezugnahmen erkennen, die oft in unauffälligen Wendungen versteckt sind und auf weitere Texte hinweisen, denn solche Bezugnahmen sind (wie in jeder Literatur jeder Epoche) sinnkonstitutiv. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Beitrag zum besseren Verständnis der Sanherib-Annalen in ihrem kulturgeschichtlichen Kontext durch die Erforschung ihrer intertextuellen Verbindungen zu leisten. Die Fokussierung auf die 19 Zeilen des Prologs des Chicago-Prismas hat mehrere Gründe. Zum einen ist der Prolog der Textteil, in welchem die intertextuellen Bezüge zu anderen Texten und Traditionen am dichtesten sind. Zum anderen ist er auch der Textteil, der nicht nur kompositorisch gesehen vorne steht, sondern den anschließenden Kriegs- und Baubericht literarisch vorbereitet und gewissermaßen als hermeneutische Brille für die anderen Textteile fungiert. Und schließlich scheint er der einzige Teil der annalistischen Prismeninschriften Sanheribs zu sein, der als Schultext benutzt wurde.




