E-Book, Deutsch, Band 6, 503 Seiten
Reihe: Die Midgard-Saga
Bauer Die Midgard-Saga - Asgard
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7529-2208-0
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 6, 503 Seiten
Reihe: Die Midgard-Saga
ISBN: 978-3-7529-2208-0
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Alexandra Bauer wurde am 15.11.1974 in München geboren. Hauptberuflich leitet sie ein Kinderzentrum in Frankfurt am Main. Seit 2012 wohnt die Kinder- und Jugendbuchautorin in der Burgstadt Eppstein. Ihre Fantasy Buchreihe 'Die Midgard-Saga' begeistert Leser und Leserinnen aller Altersklassen. Mit einem flüssigen und mitreißenden Schreibstil und viel Humor, schafft es die Autorin, die alten Sagen zu entstauben und sie gut recherchiert in unsere heutige Zeit zu transportieren.
Autoren/Hrsg.
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Prolog
Einst trafen sich die Götter bei Ägir, dem Meerriesen, zum alljährlichen Fest der Leinernte. Kaum ein Ase verpasste je das gesellige Zusammensein. Nur Thor fehlte, denn er befand sich auf Ostfahrt.
Frigg begleitete ihren Mann Odin, obgleich ihr Herz noch immer schwer über den Verlust ihres Sohnes war. Neben den Asen hatten sich zahlreiche Alben in der Halle versammelt. Statt Feuerlicht erhellte leuchtendes Gold den Raum. Auch Loki befand sich unter den Anwesenden. Vor nicht all zu langer Zeit hatte er Hödur die Mistel überreicht. Mit dieser schoss der blinde Gott auf seinen Bruder und tötete ihn damit. Nicht wenige Asen wollten Odins Blutsbruder für diese Tat sofort erschlagen, doch der oberste der Götter hatte alle zur Vernunft gerufen. Zwar mochte Loki Hödur überlistet haben, aber nicht er war es gewesen, der den Pfeil schoss. Deshalb beschwor der Allvater jeden Einzelnen, Asgard als Freistätte in Ehren zu halten. Diese Tatsache bewahrte Loki vor Schaden. Fortan schwieg man über die Ereignisse und niemand sprach Loki darauf an. Trotzdem schien der Sohn Laufeys von Missmut erfüllt. Mit finsterem Blick trank er das Äl. Immer wenn er den Becher geleert hatte, eilte ein Diener Ägirs herbei und schenkte ihm nach. Die Stimmung war ausgelassen, doch sie steckte Loki nicht an. Von Zeit zu Zeit fixierte er einzelne Personen mit seinem Blick, der immer dunkler wurde, je öfter die Anwesenden Ägirs Diener rühmten. Eldir und Fimafeng eilten rasch und unauffällig um die Tafel. Jedes Mal wenn sich ein Becher zu leeren drohte, füllten sie ihn.
Als Odin zum wiederholten Mal die Tüchtigkeit der Diener lobte und sich mit Ägir fröhlich zuprostete, übertönte ein Knurren die Gespräche. Es kam von Loki. Im nächsten Moment umklammerte er seinen Krug, sprang auf und zog ihn Fimafeng über den Schädel. Jäh herrschte Stille im Saal. Geschockt erhoben sich alle von den Stühlen. Ägirs Diener lag tot auf dem Boden.
Freya war die Erste, die in der Lage war, etwas zu sagen: „Bist du von Sinnen, Loki?“, rief sie.
„Was hast du getan?“, stieß Odin fassungslos aus. „Du hast eine Friedensstätte entweiht!“
Seine einzige Hand zu einer wütenden Faust geballt, sprang Tyr von seinem Platz. „Damit hast du den Bogen endgültig überspannt!“
Er nahm sein Schild, hielt es vor die Brust und baute sich vor Loki auf. Ullr folgte Tyrs Beispiel und stellte sich neben ihn. Jäh standen auch Skadi, Freya und Hermodr mit ihren Schilden da. Sie bildeten eine Wand wider Odins Blutsbruder und trieben ihn von seinem Platz. Plötzlich schnappte sich Vidar den Schild von Skadi und hieb ihn hart gegen Lokis Arm. Empört stöhnte Laufeys Sohn auf. Grimmig sah er auf den sich bildenden Schildwall und die dahinter wutschnaubenden Gesichter.
„Bekommt euch wieder ein!“, knurrte er. Noch einmal traf ihn Vidars Schild und Freyr stieß ihn mit dem seinen.
„Aua! Das tut weh, verflucht!“, rief Loki.
„Oh, du hast keine Ahnung, wie weh es tun kann, wenn wir erst fester zuschlagen!“, erwiderte Freya. Auch sie gab ihm einen Stoß.
Überrascht legte Loki die Hand auf die Schulter. Dann winkte er mürrisch ab und wich einen Schritt zurück. Die Angreifer bedrängten ihn weiter. Da nahm er plötzlich die Beine in die Hand und rannte davon. In ihrer übermäßigen Wut nahmen alle die Verfolgung auf. Doch dank seiner Zauberschuhe, war Loki schneller. Rasch verloren die Asen seine Spur im Wald. Ratlos kehrten sie zurück zu Ägirs Halle. Loki aber, saß kichernd auf einem Baum und schaute ihnen nach. Er hatte sich in eine Fliege verwandelt, kaum dass er aus der Sichtweite seiner Verfolger geraten war. Nachdem sie nicht mehr zu sehen waren, kehrte er in seine wahre Gestalt zurück und ließ die Füße von dem Ast baumeln, auf dem er saß. Lange dachte er darüber nach, was er nun tun sollte. Irgendwann wurde ihm langweilig. Kurzerhand kehrte er zu Ägirs Halle zurück.
Vor dem Saal wachte Eldir. Als er Loki erkannte, hielt er die Hand vor den Körper und baute sich vor dem Eingang auf. Die Stimmen der Feiernden drangen dumpf an ihre Ohren. Die Stimmung war gewandelt. Schimpf und Schande ergossen die Anwesenden über Odins Blutsbruder.
„Worüber reden sie?“, fragte Loki.
Eldir schnaubte verächtlich. „Von Waffen und ruhmvollen Kämpfen. Von dir, weiß niemand ein gutes Wort zu sprechen.“
Loki schob den Unterkiefer vor. „Lass mich ein! Ich will hören, was sie zu sagen haben. Sie wissen nichts Gutes über mich zu sprechen? Zu jedem Einzelnen von ihnen werde ich genauso viel zu sagen haben. Sie glauben, sie wären ohne Tadel und könnten mich verunglimpfen? Gift werde ich in ihren Met mischen!“
Gleichgültig zuckte Eldir mit der Schulter und gab den Weg frei. „An deiner Stelle würde ich vorsichtig sein. Solltest du sie noch weiter verärgern …“
„Ganz gleich was sie zu sagen haben, ich werde nicht um Antworten verlegen sein. Ich habe ihrem Treiben lange genug zugesehen und mich zum Sündenbock machen lassen.“
Als Loki in die Halle trat, verstummten alle Anwesenden. Er zwirbelte eine seiner Bartsträhnen und sah ihre Reihen. „Ich habe Durst! Ich bin einen langen Weg hierher zurückgegangen. Jetzt bitte ich die Asen, mir etwas von ihrem süßen Met zu schenken.“ Er trat an die Tafel und reckte das Kinn. Niemand sprach ein Wort, nicht einer erhob sich und hieß ihn willkommen.
„So still?“, knirschte Loki. „Ladet mich ein oder schickt mich weg!“
Bragi schob seinen Teller zur Seite. „Nie wieder werden wir dich einladen, Loki. Die Asen wissen sehr wohl, wen sie an ihren Tisch laden und wen besser nicht.“
Lokis Blick verschmolz mit dem Odins. „Schweigst auch du mich an, oberster der Götter? Willst du deinem Bruder ebenfalls den Platz an der Tafel verwehren? Du, der einst gelobt hat, nie wieder einen Trank anzurühren, es sei denn, er würde uns beiden gebracht. Dein Blut hast du mit meinem gemischt, !“
Odin sah Loki seufzend an. „Nun denn, Vidar. Steh auf und heiße den Sohn des Wolfs willkommen. Hier in Ägirs Saal soll er nicht über die Asen lästern.“
Schweigend erhob sich Vidar auf und schenkte Loki ein. Dieser setzte sich und trank. Dabei behielt er Bragi im Blick. Als er den Becher vom Mund absetzte, hob er ihn in die Höhe. „Heil euch Asen und Asinnen, euch hochheiligen Göttern! Heil euch allen, außer diesem einen hier.“ Herausfordernd sah er Bragi an.
Odins Sohn blickte finster. „Halte einfach den Mund, Loki. Aus meinem Reichtum gäbe ich Schwert, Pferd und Gold, wenn ich dich nur damit zum Schweigen brächte. Es gab schon genug Ärger für heute. Ziehe nicht erneut unseren Gram auf dich“, knirschte er.
Loki schmunzelte und fuhr sich über die Bartsträhnen am Kinn. „Oh, welch gute Tat, denn allzu reich, das wissen wir, bist du nicht. Ging es nicht gerade um Heldentaten? Haben die Asen auch über ruhmvollen Kämpfe gesprochen? Wohl kaum, denn von allen Alben und Asen hier innen, ist keiner anwesend, der den Streit so sehr scheut wie du und vor den Geschossen der Feinde flieht.“
Bragi ballte die Fäuste. „Hier drinnen magst du solche Reden schwingen, Loki, denn ich werde die heilige Stätte nicht entweihen, so wie du es getan hast. Anderenfalls hätte ich deinen Kopf schon in meiner Hand für diese Lüge!“
Loki lächelte höhnisch. „In diesem Saal magst große Reden schwingen, Bragi. Im Sitzen, das weiß einjeder, bist du schnell mit deinem Mundwerk, du Bänkehüter! Komm doch mit hinaus zum Zweikampf, wenn du zornig bist!“
Idun legte ihre Hand rasch auf die von Bragi und hinderte ihn daran, aufzufahren. „Bitte Bragi, lass dich nicht von ihm provozieren. Sprich nicht mit lästernden Worten gegen Loki hier in Ägirs Halle.“
Loki fesselte Bragis Frau mit seinem Blick. „Du, Idun, mischst dich ein? Von allen Frauen hier im Saal, bist du doch die manntollste! Dem Mörder deines Bruders hast du gleich die Arme um den Hals geschwungen.“
Idun sah ihn scharf an. „Auch du solltest den Frieden in Ägirs Halle wahren und von deinem Geschmäh ablassen. Hör auf zu trinken, wenn du es nicht verträgst! Sei froh, dass ich den einen Betrunkenen besänftigt habe, ehe er dich zum Zweikampf forderte.“
Nun erhob sich Gefjon. „Hört schon auf. Es gibt keinen Grund mit bösen Worten zu streiten. Loki weiß doch, dass er scherzt und dass ihn alle Götter lieben.“
„Sei still, Gefjon. Vor den Ohren aller werde ich jetzt von demjenigen erzählen, der dich zur Liebeslust verführte. Der weiße Bursche war es! Er gab dir schönen Schmuck und du hast es ihm nur zu gerne gedankt.“
Odin runzelte die Stirn. „Verrückt bist du, Loki, und völlig von Sinnen, wenn du Gefjons Groll erweckst. Sie kennt das Schicksal der Welt ebenso wie ich.“
Loki ballte die Faust. „Schweig doch, Odin! Du verteilst den Schlachtentod nur zu gern dem Falschen. Viel zu oft gabst du den Erfolg demjenigen, dem du ihn nicht hättest geben sollen, nämlich dem Feigen!“
Erzürnt hieb Odin auf den Tisch „Ach, das denkst du also? Wenn ich, wie du behauptest, dem Falschen den Schlachtentod gab, dem Schlechteren, wie du sagst, was hast dann gemacht? Acht Winter lebtest du unter der Erde wie eine milchgebende Kuh, hast dort geboren und dich benommen wie eine Frau. Unmännlich ist das!“
„Ach wirklich? Und du bist so männlich? Von dir erzählt man, dass du gezaubert hast auf Samsay und das Seidr triebst. Gehext hast du, wie die Seherinnen es tun. Als Zauberin bist du unter dem Menschenvolk gewandert. Auch das ist unmännlich, mein Bruder!“
Frigg schüttelte rügend den Kopf. „Eure...




