Bauer | Ein dreckiger Sack | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 190 Seiten

Bauer Ein dreckiger Sack

Kriminalroman
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95574-082-5
Verlag: Saarliteratur
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 190 Seiten

ISBN: 978-3-95574-082-5
Verlag: Saarliteratur
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)



Nach 'Ein nackter Arsch' der zweite Fall von Kommissar Robert Simarek: Zuerst sieht alles nach einem normalen Todesfall aus: Ein junger Mann stirbt überraschend in einem Café am St. Johanner Markt. Rechtsmediziner Fischmayr verlässt sich aber nicht auf den ersten Anschein, sondern arbeitet gewohnt gründlich. Und so hat Kommissar Robert Simarek einen neuen Fall am Hals: Der Tote, ein russischer Wirtschaftsattache, wurde mit Geheimdienstmethoden ins Jenseits befördert. Doch wer hatte ein Interesse an seinem Tod? Bei seinen Recherchen stößt Simarek bald auf mehr Verdächtige als ihm lieb ist. Und dann scheint auch noch Anna, eine gemeinsame Freundin von Simarek und Pastor Hassdenteufel, in die Geschichte verwickelt, denn der Tote war ein guter Kunde von ihr. Weiß sie über seine Machenschaften Bescheid? Robert Simarek, immer noch im Kampf mit überflüssigen Pfunden und im Clinch mit der Freundin in Köln, setzt zusammen mit den Kollegen alles daran, den Fall zu lösen.

Im Erstberuf Pfarrer wechselte Christian Bauer 2011 als Moderator und Planer zum Hörfunk des Saarländischen Rundfunks, 2007/2008 war er stellvertretender Sprecher der ARD. Seit 2009 ist er Redakteur beim SR-Fernsehen und dort u.a. zuständig für die Tatort-Filme. Als Spezialist für den deutschen Nachwuchsfilm gehörte er zum Auswahlbeirat des Max-Ophüls-Film-Festivals. Außerdem schreibt er, was er auch gerne liest: Krimis. Bei Gollenstein erschienen sind bisher drei Bände mit Kommissar Robert Simarek: 'Ein nackter Arsch', 'Ein dreckiger Sack' und 'Zwei dicke Möpse', dazu zwei Hiddensee-Krimis: 'Klara Klühs und das rote Fahrrad' und 'Klara Klühs und die weiße Jade'

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Freitag, 21. Februar 2003
„Eins, zwei, drei, vier, fünf, pffffffff...“ Der Schweiß tropfte von seiner Stirn, und in Brusthöhe war auf dem T-Shirt deutlich ein feuchter Kranz zu sehen. Warum tat er sich das an? Der junge Typ auf dem Laufband neben ihm wirkte weniger angestrengt, was wohl daran lag, dass dieser mindestens zehn Jahre jünger war und vor allem nicht so fett. Deswegen war er ja unter anderem hier in dieser „Muckibude“, wie Evi Fitnessstudios gerne nannte. Er war hier, um abzunehmen und seinen Körper in Schwung zu bringen. Er war hier, weil er selbst das wollte. „Sechs, sieben, acht, pffffffff, neun,...“ Wollte er das wirklich? Seine Arme schmerzten und das Gewicht, das er an einem Zugseil auf und ab bewegte, schien mit jedem Mal schwerer zu werden. Die fünf Kilometer auf dem Laufband hatte er schon vorher hinter sich gebracht. Jetzt noch fünfzig Mal das Gewicht bewegen, und sein Körper würde es ihm danken. Jedenfalls redete er sich das ein. Deshalb hatte er auch seinem Assistenten erzählt, er habe den Vertrag mit dem Fitnessstudio aus freiem Antrieb unterschrieben. Und Fabio Trulli, ein Sohn italienischer Eltern, war taktvoll genug gewesen, nicht nachzubohren. Er ahnte ohnehin, was dahintersteckte. Oder besser, wer. Der Grund, warum Oberkommissar Robert Simarek seit Jahresanfang zweimal in der Woche das Fitnessstudio Treff Sportiv aufsuchte, hieß Evi Katschmarek. Evi war Kriminalkommissarin beim Rauschgiftdezernat in Köln. Seit mehr als sieben Jahren waren Simarek und Evi ein Paar, auch wenn sie sich höchstens an zwei Wochenenden im Monat sahen. Denn so wie Evi an Köln hing Robert Simarek an Saarbrücken, und beide hatten zwar mal diskutiert, wie es wäre, wenn einer von ihnen sich um eine Versetzung bemühte, aber es blieb bei diesem Gedankenspiel. „Fünfundzwanzig, sechsundzwanzig, siebenund... pfff... zwanzig.“ Mittlerweile war das T-Shirt des Kommissars eine einzige nasse Fläche. Der Mann auf dem Laufband nebenan wirkte dagegen immer noch locker und unangestrengt. Auf seinem abgewetzten Sportrucksack, der schon bessere Zeiten gesehen hatte, lag immer noch ungeöffnet eine Flasche mit isotonischem Durstlöscher. Ekelhaft blau war die Flüssigkeit und Simarek dachte: „Die würde ich auch nicht trinken.“ Zu schwitzen schien der junge Typ auf dem Band augenscheinlich kaum. Simarek dagegen schwitzte. Und wie. Fast sechsundneunzig Kilo hatte er nach den Weihnachtsfeiertagen auf die Waage gebracht. Eindeutig zu viel für seine einsachtundsiebzig, die im Personalausweis standen. „Body-Mass-Index einer Regentonne, echt sexy“, hatte Evi gespöttelt und dem Kommissar damit einen Stich versetzt. Aber sie hatte ja recht. Er achtete zu wenig auf seinen Körper. „Alles außer sitzen und liegen ist für mich Sport“, hatte er noch zu witzeln versucht und daraufhin erst recht Krach mit Evi bekommen. Dabei hatten sie sich nach einer intensiven Krise im vergangenen Herbst doch vorgenommen, sorgsamer miteinander umzugehen. Und da sich Evis Argumentation wenig entgegensetzen ließ, gab Robert Simarek den Widerstand auf und versprach in Zukunft mehr für sich und gegen sein Gewicht zu tun. Genau deshalb war er hier. „Achtunddreißig, neununddreißig, vierzig.“ Er wollte wieder attraktiver werden. Für Evi. Vielleicht auch für sich selbst. Denn sein Spiegelbild fand Simarek zurzeit wenig schmeichelhaft. Evi dagegen war sportlich. Vor vier Tagen war sie sechsunddreißig geworden. Doch sie wirkte jünger. Ihm dagegen sah man seine bald dreiundvierzig deutlich an. Auf dem Beziehungsmarkt hätte Evi, wäre sie auf der Suche, die besseren Karten. Das war Simarek klar und die sportliche Betätigung deshalb auch eine Investition in die gemeinsame Zukunft. Sie wollten zusammenbleiben. Das hatten sie im Herbst auf dem Höhepunkt der Krise noch einmal bekräftigt. Und nicht nur aus Bequemlichkeit, weil sie keine Lust hatten, sich neu orientieren zu müssen. Sie hatten bemerkt, dass ihr Pakt noch galt, den sie vor gut sieben Jahren geschlossen hatten. Sie liebten sich, auch wenn sie sich das nicht dauernd sagten. Hauptsache, sie hielten sich daran. Nur das „Daranhalten“ wollten sie wieder mehr üben. „Achtundvierzig, neunundvierzig, fünfzig, puuuuuuh.“ Simarek ließ den Atem mit einem lauten Geräusch entweichen. Das Bier hinterher in der Gelben Kastanie hatte er sich redlich verdient. Er hatte extra früher Feierabend gemacht, weil er eine Karte für das Konzert von Coldplay am Abend in Frankfurt hatte und auf den Sport vorher nicht verzichten wollte. Simarek stand auf Britpop und die aktuelle CD der Band, die man im Radio die letzten Monate rauf und runter gespielt hatte. Live fanden zwar einige Kritiker die Band eher lausig, aber das war dem Kommissar egal. Er hatte Zeit. Evi würde er an diesem Wochenende nicht sehen, denn der Kölner Karneval stand kurz bevor und die Familie Katschmarek war hier ausgesprochen engagiert. Sowohl Evi als auch ihre polnischen Eltern durften als Musterbeispiele gelungener Integration gelten. Simarek dagegen konnte dem Karneval, oder der Faasend, wie man in Saarbrücken sagte, nur wenig abgewinnen. Ebenso wenig wie dem Fußball. Auch hier waren er und Evi völlig unterschiedlich eingestellt. Evi war 1. FC-Köln-Fan und Köln hatte am Abend ein Heimspiel in der zweiten Liga. Dass Köln derzeit zweitklassig war, hielt Evi aber nicht davon ab, ins Stadion zu fahren, wann immer sie konnte. An ihrer Laune am folgenden Tag konnte der Kommissar dann ziemlich genau das Spielergebnis ablesen. Wenigstens darin war er ein Experte. Als Simarek unter der Dusche stand, summte er In My Place. Er freute sich auf den Abend. Es war gerade kurz nach fünf. Es blieb also noch genug Zeit für ein kleines Bierchen, um dann anschließend gemütlich nach Frankfurt zu fahren. Er hatte gerade die linke Socke angezogen, als sein Handy klingelte. Simarek schwante nichts Gutes. Er erkannte die Nummer sofort. Sollte er wirklich drangehen? „Hier Fischmayr!“ „Ich weiß“, antwortete der Kommissar, der das Gespräch natürlich angenommen hatte. „Sie werden es nicht für möglich halten, aber ich kenne Ihre Nummer auswendig.“ „Ach ja, heutzutage sieht man auf diesen modernen Displays, wer einen anruft. Schön, dass Sie trotzdem drangegangen sind. Sie sollten herkommen.“ „Jetzt? In die Rechtsmedizin? Ich habe eine Karte für Coldplay.“ „Bitte was?“ Der Kommissar wusste, dass es vergebliche Liebesmüh sein würde, Dr. Rolf Fischmayr von den Vorzügen des Britpop überzeugen zu wollen. Fischmayr lebte in seiner eigenen Welt, in der es ihn gab und seine Toten. Fischmayr war einer von zwei leitenden Rechtsmedizinern. Der andere, Dr. Beutler, galt als der umgänglichere. Dafür stand er aber in dem Ruf, eher langsam zu sein. Fischmayr dagegen war bekannt als schnell und präzise, aber auch als wortkarg und zynisch. Und den Austausch von Höflichkeiten hielt er für reine Zeitverschwendung. Wenn man bereit war, das zu akzeptieren, fand der Kommissar, dann konnte man eigentlich gut mit „Fischmaul“ auskommen. Denn Dr. Fischmayr machte seinem Namen alle Ehre. Sein Mund erinnerte an ein Karpfenmaul, das permanent nach Luft schnappte, was ihm unter den Kollegen der Polizei besagten Spitznamen eingebracht hatte. Der Kommissar machte also keinen Versuch, dem Mediziner eine popkulturelle Nachhilfestunde zu erteilen, sondern kam zur Sache. „Wenn Sie mich anrufen, dann haben Sie eine Leiche und einen Verdacht, stimmt’s?“ „Stimmt.“ „Und warum weiß ich von der Leiche nichts?“ „Weil es zunächst wie ein gewöhnlicher Todesfall aussah. Und Sie haben von der Leiche bestimmt schon in der Zeitung gelesen.“ „Etwa der russische Wirtschaftsattache, der im Tante Olga am Sankt Johanner Markt zusammengebrochen ist?“ „Exakt der“, antwortete der Rechtsmediziner. „Und jetzt wird’s spannend. Es sieht nicht nur nach Mord aus - den ich allerdings noch nicht beweisen kann -, es riecht sogar nach diplomatischen Verwicklungen. Ich habe so etwas jedenfalls noch nicht auf dem Tisch gehabt. Mit dem Polizeichef habe ich auch schon gesprochen. Ich erwarte Sie also baldmöglichst hier.“ Fischmayr hatte aufgelegt, ohne eine Bestätigung des Kommissars abzuwarten. Warum auch? Es war klar, dass Simareks Interesse geweckt war. Über den Tod des russischen Wirtschaftsattaches hatte der Saarbrücker Morgen in seiner neuesten Ausgabe berichtet. Und auch in den Radionachrichten hatte Simarek davon gehört. Allerdings gab es bislang keine Hinweise auf außergewöhnliche Umstände. Gut, der Mann war noch nicht alt gewesen. Anfang vierzig, wenn Simarek sich richtig erinnerte. Aber starben nicht dauernd irgendwelche Leute, manchmal sogar in Kaffeehäusern wie dem Tante Olga? Das kam vor. Aber Fischmayr hatte von möglichen diplomatischen Verwicklungen gesprochen. Für seine Verhältnisse war der Rechtsmediziner geradezu redselig gewesen und vor allem unpräzise. Was sollte das heißen, einen Mord könne er noch nicht nachweisen, aber es sei einer? „Ich habe so etwas jedenfalls noch nicht auf dem Tisch gehabt“, hatte der Mediziner gesagt. Für einen, der sonst so abgebrüht war wie Dr. Fischmayr, ein klares...



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