E-Book, Deutsch, 765 Seiten
Bauer Jesus in Neuem Licht
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7427-0542-6
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mit einem ausführlichen Kapitel über das Turiner Grabtuch
E-Book, Deutsch, 765 Seiten
ISBN: 978-3-7427-0542-6
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Geboren 1944 im Sudetenland wuchs ich nach der Vertreibung im bayerischen Schwaben auf und lebe seit meiner Eheschließung im Saarland. Ich befasse ich mich seit meiner Jugend eingehend mit Religion, Wissenschaft, Philosophie und Esoterik, wobei Jesus eine zentrale Rolle spielt. Regelmäßige Übung von Yoga und Meditation dient mir dazu, meine Weltsicht zu erweitern. Als Finanzbeamter erwarb ich viel Lebenserfahrung im Außendienst, als Betriebsprüfer, Steuerfahnder und Abteilungsleiter.
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Vorwort
„Ich kann noch nicht sterben! Ich muss noch so vieles über Jesus wissen!" Wladimir Kramarewski, ein Nachbar zu meiner Jugendzeit, war bei uns auf einen Kurzbesuch, als er diese Worte enthusiastisch ausrief. Er, ein russischer Emigrant, war damals, in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, ein rüstiger Greis über 80.
Als ehemaliger weißrussischer Offizier im russischen Bürgerkrieg war er um 1920, nach dem Sieg der Roten Armee, über China nach Paris geflüchtet.
1945 emigrierte er mit seiner deutschen Frau nach Deutschland, wegen der er Racheakte der Franzosen befürchtete. Letztlich wurde er in einer Zweizimmerbaracke neben unserem Haus sesshaft. Obwohl keiner Religionsgemeinschaft angehörig, interessierte er sich leidenschaftlich für alles, was mit Spiritualität zusammenhing.
Ich reagierte damals ziemlich verständnislos und dachte mir: „Was will er denn noch groß Neues über Jesus finden? Seit 2000 Jahren machen sich die klügsten Köpfe über ihn Gedanken. Da ist doch schon alles erforscht. Die Kirche erzählt uns doch ständig von ihm. Wenn die es nicht wissen, wer dann?"
Etwa 20 Jahre später: Es ist mein 40. Geburtstag. Ein Geschenk besonderer Art wartet auf mich.
Ich komme mit dem Auto gerade von der Arbeit und hole einen Kollegen von dessen Dienststelle ab, mit dem ich Fahrgemeinschaft habe. Wir fahren, um auf die Autobahn zu kommen, auf eine sehr belebte Kreuzung zu. Die Ampel schaltet auf Gelb. Ich trete kurz aufs Gas, um noch drüber zu rutschen.
Auf Höhe der Ampel ruft mein Kollege plötzlich: "Pass auf, Pass auf!". Auf einen Schlag verändert sich meine Wahrnehmung. Wie in Zeitlupe sehe ich von links etwas Weißes heranschweben und höre wie aus der Ferne ein Martinshorn. Ich habe das Gefühl, das könnte jetzt das Ende sein, und sehe mich schon im Geiste über der Unfallstelle schweben, wie ich es in verschiedenen Berichten über Nahtoderfahrungen gelesen habe. Ein Gedanke wird mir eingegeben: "Wenn du nicht mehr aus deinem Leben machst, wirst du hier nicht mehr benötigt!". Eine kurze, ruhige, aber bestimmte Ansage – ein Tritt in den Hintern.
Brechen und Krachen durch den Aufprall versetzen mich jäh wieder in den gewohnten Zeitablauf. Das Auto wird in die seitliche Abgrenzung geschleudert, kommt zum Stehen, und alles ist auf einmal ruhig. Mein Kollege und ich sitzen in einem Schrottauto.
Ein Krankenwagen war in den vorderen Kotflügel auf meiner Seite gekracht, so dass mein Fußraum um zwei Drittel geschrumpft war. Front- und Seitenscheiben hatten sich in Brösel aufgelöst und flogen mir ins Gesicht.
Wir sehen uns an und fragen uns gegenseitig, ob wir okay sind. Ich bejahe, da ich mich gut fühle. Weil die vorderen Seitentüren blockiert sind, kriechen wir über die Lehnen, um durch die Hintertüren auszusteigen.
Erst draußen setzt auf einmal der Schmerz in meinem geprellten linken Unterschenkel ein, so dass ich mich einer Ohnmacht nahe fühle. Blut, verursacht durch das Fensterglas, läuft mir über das Gesicht.
Ein Ersatz-Krankenwagen bringt mich ins Krankenhaus, aus dem ich nach Vernähen der Schnittwunden wieder entlassen werde. Mein Kollege fährt mit der Bahn nachhause. Er hat zum Glück nur ein paar blaue Flecken.
Nachdem ich zunächst ein schlechtes Gewissen habe, da ich ja einem Krankenwagen in die Quere kam, stellt sich heraus, dass dessen Fahrer der Schuldige ist. Er fuhr bei Rot über die Kreuzung, ohne sich zu überzeugen, ob diese frei ist.
Während der drei Wochen im Krankenstand geht mir diese innere Stimme nicht aus dem Kopf, die mehr von mir wollte, als ich bisher geliefert hatte.
Mir dämmerte, dass ich bisher spirituell nur theoretisch gelebt hatte, d.h. mich mit Lesen von spirituellen Büchern zufriedengegeben habe. Ich musste wohl auf Praxis umschalten. Ein unbequemer Gedanke. Man muss sein Leben umstellen. Wer macht das schon gerne?
Da traf es sich gut, dass ich gerade ein Buch des indischen Yogameisters Paramahansa Yogananda mit dem Titel: Autobiografie eines Yogi gelesen hatte, der darin einen Weg aufzeigt wie man sich mittels Meditation spirituell weiterentwickeln kann, wobei er mich mit Beispielen aus seinem Leben sehr beeindruckte. Unter dem Eindruck dieses Buches begann ich anhand der Lehrbriefe, die von der von Yogananda gegründeten Organisation (Self-Realization Fellowship) herausgegeben werden, regelmäßig zu meditieren.
Wieso schildere ich dies so ausführlich? Was hat das mit Jesus zu tun?
Nachdem ich mich nach dem Erlebnis mit unserem russischen Nachbarn zunächst mit Jesus aus der christlichen Sicht heraus beschäftigt hatte, sah ich nun nach und nach Jesus auch aus der Perspektive der östlichen Religionsphilosophie. Und da taten sich ganz neue Erkenntnisse auf. Für viele seiner rätselhaften Aussprüche und Taten gab es dort Parallelen.
Ich erkannte, dass es keine christliche, hinduistische, jüdische oder muslimische Wahrheit gibt, sondern dass die Weisen aller Religionen wie auch Jesus dieselbe Wahrheit – auf verschiedenen Wegen – suchen und finden.
Nach und nach tat sich mir so ein erweitertes Bild dieses christlichen Religionsgründers auf, das Sie in diesem Buch selbst nachvollziehen können.
Was die christlichen Kirchen über ihn lehren, entstammt antiken Schriften, die von Vorstellungen dieser Zeit geprägt und mit Legenden durchzogen sind.
Während Religionswissenschaftler sich abmühen, den Wahrheitskern in den biblischen Schriften zu finden und darüber schon seit über einem Jahrhundert diskutieren, werden deren Erkenntnisse in der kirchlichen Glaubensverkündigung ängstlich zurückgehalten.
Aber auch die Wissenschaftler sind sich alles andere als einig über den Gründer des Christentums. So sieht ihn jeder durch seine eigene Brille und beurteilt ihn nach den Regeln seines Fachgebietes. Aber, um nicht ungerecht zu sein, es ist wirklich schwierig, wenn nicht gar unmöglich, einen geistigen Meister, wie es Jesus war, zu beschreiben. Zumal wir bei fast keinem Wort, das in den Evangelien von ihm zitiert wird, sicher sein können, dass es wirklich von ihm stammt.
Der indische Weise Sri Aurobindo sagte einmal: „Niemand außer mir selbst kann über mein Leben schreiben, weil es sich nicht an der Oberfläche, sichtbar dem menschlichen Auge abspielte.“ 1 Natürlich trifft dies genauso auf Jesus zu.
Nun könnten wir sagen: „Das war's! Es hat keinen Sinn über Jesus zu schreiben, da wir ihn sowieso niemals ganz erfassen können!"
Aber, bevor Sie jetzt das Buch zuschlagen und beiseitelegen: Was wäre, wenn nie jemand über Jesus geschrieben hätte? Wenn es keine Evangelien geben würde? So unvollkommen alle Schriften über ihn sind – das gilt auch für dieses Buch – es sind Mosaiksteine, die zwar nur ein grobes, lückenhaftes Bild von Jesus ergeben, aber sie haben vielen Generationen das Bild eines Mannes vermittelt, der seine Fähigkeiten nicht dazu benutzte, nach weltlicher Macht, Ruhm und Reichtum zu streben. Vielmehr ging es ihm darum, den Menschen die Welt des Geistigen nahezubringen – bei allem Irrtum, dem auch er unterworfen war. Vor allem lehrte er ein Gottesbild, das seiner eigenen Erfahrung entstammte – einen Gott, den er als liebenden Vater erfuhr. Ohne allerdings sich im Geistigen zu verlieren und die materielle Not der Menschen und die Ungerechtigkeit der Welt aus den Augen zu verlieren. Er redete nicht nur, er lebte seine Überzeugung bis zur letzten Konsequenz.
Ein genaues Bild von Jesus zu erhalten, ist jedoch kaum möglich, da ihn die Evangelisten nicht mehr gekannt hatten und die bereits legendenhaften Überlieferungen mit eigenen Vorstellungen ergänzten. Jede Beschreibung des Lebens Jesu ist aus diesen Gründen zu großen Teilen Spekulation. Auch dieses Buch ist nur der Versuch einer – möglichst weitgehenden – Annäherung an die Wirklichkeit. Die Lücken und Unstimmigkeiten in der Historie der Evangelien können hierbei nicht mit Tatsachen, sondern nur mit Möglichkeiten ergänzt werden.
Was den Umgang mit den Evangelien angeht, ist Papst Benedikt folgender Meinung: „Dazu gehört freilich die Bereitschaft, dem Neuen Testament nicht ,sachkritisch‘ einfach unser Besserwissen entgegenzuhalten, sondern zu lernen und uns führen zu lassen: die Texte nicht nach unserer Vorstellung umzumontieren, sondern unsere Vorstellungen von seinem Wort reinigen und vertiefen zu lassen.“ 2
Kann es sein, dass es ihm an Selbstbewusstsein mangelt? Wieso sollen wir die Texte des Neuen Testamentes nicht näher untersuchen, und das übernehmen, was uns überzeugt, während wir anderes als Irrtum oder als mittlerweile überholte Ansicht der damaligen Zeit erkennen?
Es sind schließlich nicht alles „Seine Worte“.
Ein Sprichwort sagt: „Die Wahrheit von heute ist die Lüge von morgen!" Die „Wahrheit“, wie sie zu einer bestimmten Zeit verstanden wird, stellt sich häufig in einer späteren Zeit als Irrtum oder auch als Legende heraus. Was Menschen früherer Zeiten als Realität angesehen haben, muss nicht für alle Zukunft wegweisend sein. Die Vorstellungen und Sitten der Menschen entwickeln sich weiter.
Man könnte den Satz auch umdrehen: „Die Lüge von heute ist die Wahrheit von morgen!" Was die Evangelisten damals erdacht hatten, um Jesus für die Menschen attraktiv zu machen – man kann es eigentlich nicht als Lüge bezeichnen, es war damals übliche Geschichtsschreibung – wurde später zur „Glaubens-Wahrheit“ erhoben.
Müssen wir wirklich unsere Weltsicht den antiken Vorstellungen vor 2000 Jahren...




