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Bauer | Stillleben - Stille Leben | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 176 Seiten

Bauer Stillleben - Stille Leben

Von Dingen und Menschen
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6951-5424-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Von Dingen und Menschen

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

ISBN: 978-3-6951-5424-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



STILLLEBEN - STILLE LEBEN Von Dingen und Menschen Stillleben nach europäischer Tradition sind Darstellungen unbelebter Gegenstände. Die Gruppierung richtet sich nach inhaltlichen Kriterien wie Blumen, Früchten, Flaschen, Gläsern, Musikinstrumenten. Dazu kommt mehr oder weniger offen ein über den Gegenstand hinausweisender Gehalt. Im Barock in den Niederlanden ist es der Vanitas-Gedanke mit Symbolen wie Schädel und verlöschender Kerze, welkenden Blumen und aufgebrochenen Früchten. In der Moderne nimmt der ästhetische Aspekt immer mehr Raum ein. Spätestens mit Cézanne erhält durch die Betonung von Form und Farbe das Malerische an sich Priorität. Matisse verbindet Innen und Außen mit Stillleben. In der Neuen Sachlichkeit wird der Alltag des Menschen Thema. Die dramatischen Auswirkungen als Folge des Krieges bilden sich in einer großen Nüchternheit und Härte ab. Stillleben reflektieren mitunter das Leben von Menschen durch Objekte, verweisen auf ein komplexes Miteinander. Das Ding als solches wird wesentlich und aussagekräftig. So spiegeln die beiden unterschiedlichen Stühle, die Van Gogh sich und Gauguin zuweist, das ganze Drama zwischen den beiden Malern. Stillleben öffnen den Zugang zur Welt über die Dinge, und über die Dinge erzählen sie von Menschen. Es sind stille Leben, und so schließen sich kurze Porträts an, stille Betrachtungen. In den kurzen Episoden erscheinen Menschen in einer ähnlich reduzierten und über das Gesagte hinausweisenden Art.

Ingeborg Bauer Studium der Germanistik und Anglistik. Nach dem Staatsexamen als Studienrätin tätig. Volkshochschuldozentin in Esslingen: Englische Konversationskurse mit den Schwerpunkten: "Englischsprachige Literatur der Gegenwart", "Kunst und Architektur des 20. / 21. Jahrhunderts". Freiberufliche Mitarbeit in einer Galerie für zeitgenössische Kunst. Vernissagen, Texte für Kataloge, Lyrik u.a. zu Kunst und Künstlern wie Adolf Hölzel und Paul Klee. Reisebücher.
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Stillleben

Stillleben sind nach europäischer Tradition Darstellungen unbelebter, bzw. regloser Gegenstände. Die Gruppierung richtet sich zunächst nach inhaltlichen Kriterien wie Blumen, Früchte, tote Tiere, Gläser, Musikinstrumente. Dazu kommt mehr oder weniger offen ein symbolischer Gehalt. In der Moderne nimmt der ästhetische Aspekt immer mehr Raum ein, dominiert mit seiner Betonung von Form und Farbe, dem Malerischen an sich.

Anfang des 17. Jahrhunderts im Barock wurden Stillleben zu einer eigenen Gattung. Doch gab es Stillleben wohl schon immer und in allen Kulturen.

Aus der Antike wird eine Geschichte erzählt, die sich in einem Künstlerwettstreit zwischen den Malern Zeuxis und Parrhasios zugetragen haben soll. Dabei ging es um die Darstellung von Trauben, die so täuschend echt erschienen, dass Vögel daran zu picken versuchten. Darstellungen von Stillleben befanden sich zudem in römischer Zeit auch an Wänden und auf Fußböden. Auch der im Barock wieder häufig aufgegriffene Totenkopf, verbunden mit dem Vanitas-Gedanken, entspricht antiker Tradition.

Im Mittelalter verbinden sich Bücherstillleben mit Heiligenbildern. Mit der plastischen Modellierung von Bildgegenständen durch Schatten kommt es zu räumlich-perspektivischen Gestaltungen, die dem Ding, dem Objekt meist symbolische Bedeutung beimessen. Niederländer wie die Brüder van Eyck oder in Burgund Rogier van der Weyden arbeiten in realistisch dargestellte Landschaften und in Innenräume Gebrauchsgegenstände ein. Objekte wie Wasserbecken, Kannen, liturgisches Gerät, Bücher und Blumenvasen finden so Nischen in ihren Gemälden. Sie markieren den entsprechenden Heiligen. Marienbilder werden mit symbolischen Objekten, Pflanzen und Tieren ausgestattet, den marianischen Symbolen Lilie, Akelei und Iris. Man denke aber auch an die Vögel und Blumen in Stefan Lochners „Maria im Rosenhag“ (1514) (heute in der Dominikanerkirche in Colmar).

Im 15. und 16. Jahrhundert werden Naturstudien gemacht, die zu detailgenauen Darstellungen etwa bei Albrecht Dürer führten (Hase, Rasenstück). Dies wird vom Buchdruck befördert, der eine Vervielfältigung möglich macht. Kunst- und Wunderkammern des Adels tragen auch dazu bei, das herausragende Objekt in Gemälden hervorzuheben.

Religiöse, mythologische und historische Themen genießen lange Zeit höchstes Ansehen. In dem Maße, wie diese Themen in den Hintergrund treten, verselbständigen sich Themen mit Objekten aus der Natur und dem Alltag der Menschen. Das Stillleben im eigentlichen Sinne löst sich etwa gleichzeitig mit dem Landschaftsbild aus der genannten Einbindung. Eigene Gattungen entstehen Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts. Es gibt Kunsthistoriker, die den Austausch der menschlichen Figur durch ein Objekt inhaltlich verknüpft sehen. In jedem Fall wird man in der zunehmenden Fähigkeit zur naturgetreuen Wiedergabe wie zu einer Hinwendung zum künstlerischen Aspekt Voraussetzungen für die zunehmende Popularität von Stillleben annehmen dürfen. Zu der unglaublichen Präzision der Darstellungen der Objekte mag auch geführt haben, dass Künstler zu der Zeit optische Hilfsmittel wiederentdeckt haben wie Spiegel, Prismen, Linsen und die Laterna magica, die eine solche Qualität der räumlichen Darstellung ermöglichten.

Der niederländische Begriff für „stillstehende Sachen“ wurde 1675 von Joachim Sandrart geprägt. Auf Deutsch entstand entsprechend der Begriff . In der Mitte des 18. Jahrhunderts, spätestens zu Beginn des 19. Jahrhunderts, hatte sich auf Deutsch der Begriff etabliert, auf Englisch und auf Französisch . Meist wurden diese Bergriffe durch die Namen der wesentlichen Bildgegenstände ergänzt. Auch in der Moderne sind Stillleben immer wieder Teil anderer Bildgattungen wie der des Interieurs, zum Beispiel bei Henri Matisse und Pierre Bonnard.

Die Blütezeit des Stilllebens fällt ins 17. Jahrhundert: Schönheit und Besonderheit eines Gegenstands treten nun ins Blickfeld, auch verbunden mit der Täuschung der Wahrnehmung, dem 4 und mit einer verschlüsselten Botschaft. Die kann je nach der Bildung und der Religiosität des Künstlers oder des Rezipienten unterschiedlich sein. Auch ist sie abhängig von den dargestellten Objekten. Es kann sich um eine ernst gemeinte moralische Lehre wie um einen versteckten Hinweis handeln.

Sibylle Ebert-Schifferer sieht vor allem den Ersatz der menschlichen Figur durch ein Objekt als Träger einer inhaltlichen Botschaft als Voraussetzung des autonomen Stilllebens. Auf diese Weise kann eine geistige Haltung, ein philosophischer oder religiöser Gedanke mit einem Menschen verbunden werden. Dabei kann es ich um den Maler handeln, die Person, die den Auftrag erteilt, oder den Käufer des entsprechenden Stilllebens. Es kann sich auch durchaus um eine verschlüsselte Botschaft handeln. So ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass zu Zeiten der Reformation bestimmte Inhalte neu und verstärkt in den Mittelpunkt rücken, das Stillleben als Genre die genannte Popularität gewinnt. Doch erfüllen Stillleben am Ende des 17. und am Anfang des 18. Jahrhunderts primär einen dekorativen und repräsentativen Selbstzweck.

STILLLEBEN – Vanitas 5

Die Blütezeit von Stillleben, insbesondere von denen, die die Vergänglichkeit des Lebens thematisieren, findet, wie gesagt, im 17. Jahrhundert in den Niederlanden statt. Verweise auf die Endlichkeit der irdischen Existenz und der weltlichen Güter klingen zu der Zeit fast immer mit. Besonders trifft das auf die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zu, der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Aber die holländischen Provinzen hatten noch ganz spezielle Auseinandersetzungen zu bestehen. 1621 nahmen die protestantischen nördlichen Provinzen nach einem zwölf Jahre andauernden Waffenstillstand wieder den Kampf mit den katholischen Habsburgern auf. Hinzu kamen Pestepidemien in den Jahren 1624/25 und 1636. Die Häufung der Vanitas-Stillleben in diesem Zeitraum ist also nicht zufällig. Das zeigt auch die Tatsache, dass diese Art der Darstellung 1648 nach dem Westfälischen Frieden deutlich in den Hintergrund tritt gegenüber in erster Linie dekorativen Schilderungen des luxuriösen guten Lebens. Aber auch Luxusobjekte verweisen stets auch auf die Eitelkeit allen Lebens.

Der Begriff „Stillleben“ wird allerdings erst um die Mitte des Jahrhunderts populär. Zuvor bestimmen die gewählten Bildgegenstände die Bezeichnung des Gemäldes wie Blumen-, Früchte, Mahlzeit-Stillleben. Den Prunk darstellende Stillleben, wie sie vor allem in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts aufkommen, die den Wohlstand und damit dem Prestige einer Familie dienen, können eine Tendenz ins rein Dekorative einschließen. Das Vanitas-Stillleben dagegen verlangt vom Betrachter eine moralische Reflexion, wobei das „Memento mori“ einem „Carpe diem“ gegenübergestellt wird. Dies ist ein warnender Hinweis auf die Kürze des Lebens („vita brevis est“), eines Lebens, das der Mensch nutzen soll. Stillleben als Bilder sind stumm und leblos, doch beschäftigen sie sich mit den fünf Sinnen, um paradoxerweise vor der Sinnlichkeit zu warnen.

Auf Stillleben sind nun auch Objekte abgebildet, die zum kostbaren Besitz gehören wie Bücher, Musikinstrumente, Münzen, Schmuck, jedweder Luxus. Diese Objekte sind Teil des Alltags (vita activa), beziehen sich auf Kunst und Wissenschaft (vita contemplativa), sowie den Genuss (vita voluptaria). Dazu kommen deutliche Symbole der Vergänglichkeit wie der Totenschädel, Uhren, der Spiegel, die verlöschende Kerze, welkende Blumen, aufgebrochene Früchte und umgestürzte oder zerbrochene Gläser. Efeu, Ähren, Lorbeer, Pinienzapfen dagegen sind Symbole der Wiedergeburt und des ewigen Lebens, die gelegentlich Eingang finden.

Der Totenkopf geht, wie gesagt, auf die Antike zurück und findet sich schon in spätmittelalterlichen „Memento-mori“-Darstellungen. Das Buch als solches ist ein Instrument der Wissenschaft und noch immer sehr kostbar, kann aber auch nach Auffassung der Reformierten als Instrument der Überheblichkeit zu Hochmut führen. 6

Es ist daher nicht erstaunlich, dass Vanitas-Darstellungen in Holland im 17. Jahrhundert gerade in der Universitätsstadt Leiden entstanden sind. Die Stadt ist zu der Zeit Hochburg des kompromisslosen, strengen Calvinismus und unterhält die erste niederländisch-calvinistische Universität. Jedes Vergnügen wird als Ablenkung gedeutet, die den Menschen dazu verführt, seine ihm bemessene Zeit zu vergeuden. So hat Jan Davidsz. de Heem (1606-1684) gerade in seiner Zeit in Leiden (1625-29) typische, in Brauntönen gehaltene Bücherstillleben geschaffen. Die tonige Malweise Rembrandts, der bis zu seinem Umzug nach Amsterdam im Jahr 1631 ebenfalls sein Atelier in Leiden hat, wird von den Leidener Kollegen übernommen.

Jan Davidsz. de Heem (1606-1684):
Vanitas mit einem Schädel, Buch und Rosen (um...




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