E-Book, Deutsch, Band 2, 248 Seiten
Reihe: Folk Voices
Baum Folk DNA
2. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-4067-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Showdown in den Bergen
E-Book, Deutsch, Band 2, 248 Seiten
Reihe: Folk Voices
ISBN: 978-3-8192-4067-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Manfred Baum, geboren 1960, schreibt bereits seit seiner Jugend. Lange Zeit schlummerte sein literarisches Mitteilungsbedürfnis vor sich hin. Stattdessen beschäftigte er sich mit dem Verfassen von Entwicklungsberichten und Hilfeplänen im Rahmen seiner sozialpsychiatrischen Berufstätigkeit. Aber dann tauchte ein vermisster Schuhkarton mit uralten Texten wieder auf, und die Leidenschaft war zurück. Er wusste sofort, dass er das alles inzwischen sehr viel besser konnte und machte sich ans Werk. Bisher wurden die Romane "Burg der wandelnden Seelen" und "Folk Voices oder das Skelett von La Matanza" veröffentlicht.
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1. Früher war alles besser
Bruno saß auf seiner hübschen Terrasse, blickte aus exponierter Lage aufs Meer hinunter, ließ seine Hirnzellen von der Sonne braten und hatte keinen Bock auf den Pool. Er erinnerte sich an seine letzte große Sinnkrise. Langeweile und mangelnde Wertschätzung hatten ihn unzufrieden gemacht und eine Schreibblockade ausgelöst. Tödlich für einen investigativen Journalisten und Schriftsteller, der sich über seine eloquenten Texte definierte.
Aber das war seine ganz eigene Version der Dinge. Moni sah das naturgemäß etwas anders, nannte ihn eine Mimose und ließ sich die Schuld für seine miese Laune nicht in die Schuhe schieben. Jetzt, nur ein halbes Jahr später, war er wieder am selben Punkt angelangt – er kannte das.
Du bestimmt auch, wenn du das Geschehen rund um die Folk Voices aufmerksam verfolgt hast. Wenn nicht, solltest du das nachholen, damit dir der Einstieg in diese verrückte Geschichte gelingt, die ich dir jetzt erzählen will. Nur ungern möchte ich die ollen Kamellen wiederholen und wissbegierige Leser vor den Kopf stoßen, die brav ihre Hausaufgaben gemacht haben.
Also gut – machen wir einen Kompromiss: Ich verschaffe dir in diesem ersten Kapitel einen Überblick, damit du dieses Buch nicht gleich wieder weglegst, weil du nur Bahnhof verstehst und den Schreiberling für einen faulen und arroganten Typen hältst, der seine Leserschaft nicht mitnimmt.
Ich bin wirklich ein bisschen bequem, aber das zuzugeben wäre kontraproduktiv. Momentan sprudelt alles aus mir heraus und ich habe meine Tastatur nicht unter Kontrolle – von einer Schreibblockade keine Spur, daran sollte Bruno sich ein Beispiel nehmen.
Merkst du es? Ich verzettle mich gleich zu Beginn, noch bevor ich überhaupt mit dem Erzählen angefangen habe. Wenn man es schlau anstellt, kann man mit nichtssagendem Geschwafel ganze Bücher füllen.
Aber so einer bin ich nicht und habe dir deshalb das mit dem Kompromiss angeboten. Natürlich geht es in der Geschichte wieder einmal um Bruno Kern. Er ist in die Jahre gekommen, hat unlängst seinen Fünfziger gefeiert und sich mit der Frau seines Herzens auf Teneriffa niedergelassen. Als gefragter Buchautor konnte er sich so etwas leisten. Auch seine Lebensabschnittsgefährtin Monika Littner schaffte in ihrem aufregenden Berufsleben genügend Kohle beiseite, und es reichte für eine hübsche, kleine Finca auf der grünen Insel.
Eigentlich wollten die beiden gemeinsam für den Rest ihres Lebens in der Sonne abhängen – nur noch lecker essen, gute Gespräche und gute Körperkontakte.
Das mit dem gemeinsamen Abhängen war aber genau der Punkt, warum Bruno ziemlichen Frust schob und den “vernachlässigten alten Mann“ zelebrierte, und so fängt diese Geschichte mit Altbekanntem an:
Bruno saß vor seinem Laptop und wusste wieder einmal nicht, was er Interessantes und Lesenswertes zu Papier bringen sollte. Seine destruktive Grundstimmung zog ihn immer weiter in die Tiefe. Die letzte Schreibblockade hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst, weil er zusammen mit Moni ein aufregendes Abenteuer erleben durfte. Die beiden Auswanderer konnten die mysteriösen Zusammenhänge um den lange zurückliegenden Tod zweier Folk-Legenden aufklären. Das hatte sie zusammengeschweißt und sogar ihre Beziehungsprobleme zeitweise in den Hintergrund gedrängt. Bruno nutzte die Gunst der Stunde und schrieb einen Tatsachenroman darüber.
Aber das ist, wie bereits erwähnt, eine eigene Geschichte. Wenn sie dich interessiert, musst du dir die "Folk Voices oder das Skelett von La Matanza" zu Gemüte führen. Du kannst natürlich später zurückkommen, um zu erfahren, wie alles weitergegangen ist …
Heute mühte er sich wieder einmal an seiner vertraglich festgezurrten Kanaren-Krimireihe ab, sollte dringend den ersten Band abliefern und kam nicht zu Potte. Aber das war es nicht, was ihn so unzufrieden machte.
Er war schon in seiner Jugend in der Folkszene unterwegs gewesen. Sara Küfer und Wolf Beck von den Folk Voices kannte er gut und durfte deren Band im Zuge einer Reportage eng begleiten. Dann kam es zu einem tragischen Autounfall, und die beiden wurden für tot erklärt.
Moni hatte mit ihm gemeinsam dafür gesorgt, dass die Folk-Ikonen zwanzig Jahre später ihre Auferstehung feiern konnten. Inzwischen war sie deren Bandmanagerin geworden. Dabei fehlte ihr in der Musikbranche jegliche Erfahrung. Sie hatte zuvor schon lange im Management gearbeitet, aber das war in einem Erotik-Club gewesen und man konnte es nicht wirklich vergleichen.
Trotzdem erledigte sie ihren Job gut und eine kleine Tour auf Teneriffa wurde ein richtiger Erfolg. Denkwürdige Auftritte in Santa Cruz, Adeje, La Laguna und Puerto de la Cruz zogen die Fans in ihren Bann. Aus ganz Europa waren sie auf die Insel gepilgert, um die allerersten Auftritte nach so langer Zeit miterleben zu dürfen.
Moni stürzte sich immer mehr in die Arbeit und Bruno schrieb zur selben Zeit seinen Roman fertig. Deshalb trafen sie meist nur noch spät nachts aufeinander und hörten sich beim Schnarchen zu – je nachdem, wer zuletzt in die gemeinsame Koje schlüpfte.
Inzwischen war sein Buch schon eine ganze Weile auf dem Markt und er hätte wieder Zeit für seine Liebste gehabt. Aber die war viel zu beschäftigt. Die Band probte eifrig und testete die allerneuesten Songs. Ein gelangweilter Buchautor namens Bruno Kern störte da nur.
Wenn sie ausnahmsweise einmal früher nach Hause kam, war sie fix und fertig und reagierte genervt, wenn er ihre Zuneigung suchte und kuscheln wollte. Dabei hatten die beiden in alten Zeiten täglich sehr ausgiebig gekuschelt und noch viel weitreichendere Sachen getan. Moni war eine Professionelle in erotischen Dingen gewesen und Bruno lange Jahre ihr treuester Kunde. Anfangs hatten sie ihre Körperlichkeit gut in ihr neues Auswandererleben herüberretten können. Aber das war einmal – wie man Brunos Lamento unschwer entnehmen konnte.
Moni hatte sich ihr Büro inzwischen in Wolf Becks Behausung eingerichtet, damit sie ihren Schützlingen und dem musikalischen Geschehen nahe sein konnte. Die Wohnhöhle war durch einen senkrechten Versorgungsschacht direkt mit dem Skelett von La Matanza verbunden. Der ungewöhnliche Name bezeichnete einen alten Hotelrohbau aus den Siebzigern, der niemals fertiggestellt wurde. Wolf hauste dort viele Jahre wie ein Einsiedler, als alle Welt ihn nach dem schweren Unfall für tot hielt.
Bruno konnte noch immer nicht glauben, was dieser naive Idiot nach seiner Rückkehr ins öffentliche Leben getan hatte: Für einen symbolischen Euro kaufte er das Grundstück, auf dem die baufällige Ruine stand, von der Gemeinde La Matanza. Sehr günstig und geschäftstüchtig, könnte man meinen, aber nur, wenn man das Kleingedruckte nicht kannte. Das Skelett ragte direkt an der Steilküste empor, war am Verrotten und drohte ins Meer zu fallen. Deshalb wurde er als neuer Besitzer des Grundstücks vertraglich verpflichtet, das Betongerippe endlich abzureißen oder es zu sanieren und fertigzubauen, was kaum umsetzbar und schweineteuer war.
Wolf Beck war ein fantastischer Musiker, aber auch ein ziemlich sentimentaler Typ. Die große Sorge um seine wunderschöne Wohnhöhle blockierte seinen Realitätssinn. Die Angst, ausziehen zu müssen, bewog ihn dazu, das ganze Areal trotz der weitreichenden Auflagen einfach zu kaufen. Sein gesamtes Umfeld hatte ihm abgeraten, sogar sein Anwalt und Musikerkollege Frank Wagner. Aber Wolf war stur wie ein Esel.
In den vergangenen Wochen hatte er bereits investiert und den steilen und steinigen Pfad verbreitern lassen, sodass es nun eine Zufahrt bis zum Versorgungsschacht gab. Im Schacht selbst befand sich jetzt ein provisorischer Lastenaufzug, mit dem Besucher und Bewohner der Höhle befördert werden konnten.
Ein Gutachterteam aus Statikern und Bausachverständigen prüfte zeitgleich die Substanz der gesamten Bauruine. Wolf schwebte vor, das Skelett zu stabilisieren, Wände einzuziehen und im Anschluss einige Künstler durch die Stockwerke zu jagen, die es im Stile von César Manrique umgestalten und kreativ aufwerten sollten.
Am Ende würde so ein alternatives Kultur- und Musikzentrum entstehen, mit Veranstaltungs- und Proberäumen, mit ökologischer Gastronomie und Ladenflächen für regionale und gesunde Lebensmittel. Sogar ein Wohnangebot für alt gewordene Hippies gehörte zu seiner Planung, da die Inselregierung längst dazu übergegangen war, diese von ihren angestammten Wohnstätten zu vertreiben und ihre improvisierten Behausungen plattzumachen.
Wolf sprühte nur so vor Ideen und fragte überhaupt nicht danach, was das alles kosten würde.
Was leidlich funktionierte, war das “Musikprojekt Wohnhöhle“. Wolf hatte sich mit Sara und ihrer gemeinsamen Tochter Lisa da unten häuslich eingerichtet. Auch Peter und Jan, die beiden neuen Bandmitglieder der Folk Voices, wohnten übergangsweise dort, und alles war ziemlich beengt.
Die Höhle war nämlich auch noch der Proberaum und das Aufnahmestudio und das Wohnzimmer und die Küche und...




