Bechstein | Die schönsten Märchen | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

Bechstein Die schönsten Märchen

Fischer Klassik PLUS
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-10-401219-3
Verlag: S.Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Fischer Klassik PLUS

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Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Autoren. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. Sieben auf einen Streich? Uns imponiert damit so schnell keiner mehr, weil wir das tapfere Schneiderlein und seine Fliegenjagd kennen, mit der er protzend durch die Straßen zieht. Die Märchen von Ludwig Bechstein, voll böser Stiefmütter, Hexen und Könige, lesen wir seit Kindertagen. Ihre Botschaft ist jedoch nicht immer für Kinderohren geeignet: Wer frech genug lügt und Dumme findet, die ihm glauben, der kann sich einen faulen Lenz machen und heiratet am Ende die hübsche Königstochter. Ein bisschen Glück braucht aber auch das Schneiderlein.

Ludwig Bechstein wurde am 24. November 1801 in Weimar als uneheliches Kind geboren. Von 1818 bis 1822 absolvierte er in Arnstadt eine Apothekerlehre, gab aber 1828 den Apothekerberuf auf. 1829 begann er mit einem herzoglichen Stipendium ein Studium der Literatur, Philosopie und Geschichte. Bereits 1823 hatte er erste Märchen veröffentlicht. Ab 1831 wirkte Bechstein als Bibliothekar der herzoglichen Bibliothek in Meiningen, 1840 wurde er zum Hofrat ernannt. 1848 sympathisierte er kurzzeitig mit den demokratischen Kräften. Bis zu seinem Tod am 14. Mai 1860 in Meiningen publizierte Bechstein verschiedene Ausgaben seiner Sagen- und Märchensammlungen.
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Deutsches Märchenbuch 1857


Vom tapfern Schneiderlein


Es war einmal ein Schneiderlein, das saß in einer Stadt, die hieß Romadia; das hatte auf eine Zeit, da es arbeitete, einen Apfel neben sich liegen, darauf setzten sich viele Fliegen, wie das Sommerszeiten so gewöhnlich, die angelockt waren von dem süßen Geruch des Apfels. Darob erzürnte sich das Schneiderlein, nahm einen Tuchlappen, den es eben wollte in die Hölle fallen lassen, schlug auf den Apfel, und befand im Hinsehn, dass damit sieben Fliegen erschlagen waren. Ei, dachte bei sich das Schneiderlein, bist du solch ein Held?! Ließ sich stracklich einen blanken Harnisch machen, und auf das Brustschild mit goldnen Buchstaben schreiben: Sieben auf einen Streich. Darauf zog das Schneiderlein mit seinem Harnisch angetan umher auf Gassen und Straßen, und die es sahen, vermeinten, der Held habe sieben Männer auf Streich gefällt, und fürchteten sich.

Nun war in demselben Lande ein König, dessen Lob weit und breit erschallte, zu dem begab sich der faule Schneider, der gleich nach seiner Heldentat Nadel, Schere und Bügeleisen an den Nagel gehangen, trat in den Hof des Königspalastes, legte sich alldort in das Gras und entschlief. Die Hofdiener, so aus und ein gingen, den Schneider in dem reichen Harnisch sahen, und die Goldschrift lasen, verwunderten sich sehr, was doch jetzt, zu Friedenszeiten, dieser streitbare Mann an des Königs Hof tun wolle? Er deuchte sie ohne Zweifel ein großer Herr zu sein.

Des Königs Räte, so den schlafenden Schneider gleichfalls gesehen, taten solches Sr. Majestät, ihrem allergnädigsten König, zu wissen, mit dem untertänigsten Bemerken, dass, so sich kriegerischer Zwiespalt erhebe, dieser Held ein sehr nützlicher Mann werden und dem Lande gute Dienste leisten könne. Dem König gefiel diese Rede wohl, sandte alsbald nach dem geharnischten Schneider, und ließ ihn fragen, ob er Dienste begehre? Der Schneider antwortete, ebendeshalb sei er hergekommen, und bäte die Königliche Majestät, wo höchstdieselbe ihn zu brauchen gedächte, ihm allergnädigst Dienste zu verleihen. Der König sagte dem Schneiderlein Dienste zu, verordnete ihm ein stattliches Losament und Zimmer, und gab ihm eine gute Besoldung, von der es, ohne etwas zu tun, herrlich und in Freuden leben konnte.

Da währete es nicht lange Zeit, so wurden die Ritter des Königs, die nur eine karge Löhnung hatten, dem guten Schneider gram, und hätten gern gewollt, dass er beim Teufel wäre, fürchteten zumal, wenn sie mit ihm uneins würden, möchten sie ihm nicht sattsam Widerstand leisten, da er ihrer sieben allwege auf Streich totschlagen würde, sonsten hätten sie ihn gern ausgebissen, und so sannen sie täglich und stündlich darauf, wie sie doch von dem freislichen Kriegsmann kommen möchten. Da aber ihr Witz und Scharfsinn etwas kurz zugeschnitten war, wie ihre Röcklein, so fanden sie keine List, den Helden vom Hofe zu entfernen, und zuletzt wurden sie Rates miteinander, alle zugleich vor den König zu treten, und um Urlaub und Entlassung zu bitten, und das taten sie auch.

Als der gute König sahe, dass alle seine treuen Diener um eines einzigen Mannes willen ihn verlassen wollten, ward er traurig, wie nie zuvor, und wünschte, dass er den Helden doch nie möge gesehen haben; scheute sich aber doch, ihn hinwegzuschicken, weil er fürchten musste, dass er samt all seinem Volk von ihm möchte erschlagen, und hernach sein Königreich von dem stracklichen Krieger möchte besessen werden. Da nun der König in dieser schweren Sache Rat suchte, was doch zu tun sein möge, um alles gütlich abzutun und zum Besten zu lenken, so ersann er letztlich eine List, mit welcher er vermeinte, des Kriegsmannes (den niemand für einen Schneider schätzte) ledig zu werden und abzukommen. Er sandte sogleich nach dem Helden und sprach zu ihm, wie er (der König) wohl vernommen, dass ein gewaltigerer und stärkerer Kampfheld auf Erden nimmer zu finden sei, denn er (der Schneider). Nun hauseten im nahen Walde zwei Riesen, die täten ihm aus der Maßen großen Schaden mit Rauben, Morden, Sengen und Brennen im Lande umher, und man könne ihnen weder mit Waffen noch sonst wie beikommen, denn sie erschlügen alles, und so er sich’s nun unterfangen wolle, die Riesen umzubringen, und brächte sie wirklich um, so solle er des Königs Tochter zur ehelichen Gemahlin, und das halbe Königreich zur Aussteuer erhalten, auch wolle der König ihm hundert Reiter zur Hülfe gegen die Riesen mitgeben.

Auf diese Rede des Königs ward dem Schneiderlein ganz wohl zu Mute und deuchte ihm schön, dass es sollte eines Königs Tochtermann werden und ein halbes Königreich zur Aussteuer empfangen; sprach daher kecklich: Er wolle gern dem König, seinem allergnädigsten Herrn, zu Diensten stehen, und die Riesen umbringen, und sie wohl ohne Hülfe der hundert Reiter zu töten wissen. Darauf verfügte er sich in den Wald, hieß die hundert Reiter, die ihm auf des Königs Befehl dennoch folgen mussten, vor dem Walde warten, trat in das Dickicht, und lugte umher, ob er die Riesen irgendwo sehen möchte. Und endlich nach langem Suchen fand er sie beide unter einem Baume schlafend, und also schnarchend, dass die Äste an den Bäumen, wie vom Sturmwind gebogen, hin- und herrauschten.

Der Schneider besann sich nicht lange, las schnell seinen Busen voll Steine, stieg auf den Baum, darunter die Riesen lagen, und begann den einen mit einem derben Steine auf die Brust zu werfen, davon der Riese alsbald erwachte, über seinen Mitgesellen zornig ward und fragte, warum er ihn schlüge? Der andere Riese entschuldigte sich bestens, so gut er’s vermochte, dass er mit Wissen nicht geschlagen, es müsse denn im Schlafe geschehen sein; da sie nun wieder entschliefen, fasste der Schneider wieder einen Stein, und warf den andern Riesen, der nun auffahrend über seinen Kameraden sich erzürnte und fragte, warum er ihn werfe? der aber nun auch nichts davon wissen wollte. Als beiden Riesen nun die Augen nach einigem Zanken vom Schlafe wieder zugegangen waren, warf der Schneider abermals gar heftig auf den andern, dass er es nun nicht länger ertragen mochte, und auf seinen Gesellen, von dem er sich geschlagen vermeinte, heftig losschlug; das wollte denn der andere Riese auch nicht leiden, sprangen beide auf, rissen Bäume aus der Erde, ließen aber doch zu allem Glück den Baum stehen, darauf der Schneider saß, und schlugen mit den Bäumen so heftig aufeinander los, bis sie einander gegenseitig totschlugen.

Als der Schneider von seinem Baume sahe, dass die beiden Riesen einander totgeschlagen hatten, ward ihm besser zu Mute, als ihm jemals gewesen, stieg fröhlich vom Baume, hieb mit seinem Schwerte jeglichem Riesen eine Wunde oder etliche, und ging aus dem Walde hervor zu den Reitern. Die fragten ihn, ob er die Riesen entdeckt oder ob er sie nirgends gesehen habe? »Ja«, sagte der Schneider, »entdeckt und gesehen und alle zwei totgeschlagen – habe ich, und sie liegen lassen unter einem Baume.« Das war den Reitern verwunderlich zu hören, konnten und wollten’s nicht glauben, dass der eine Mann so unverletzt von den Riesen sollte gekommen sein, und sie noch dazu totgeschlagen haben, ritten nun selbst in den Wald, dies Wunder zu beschauen und fanden es also, wie der Schneiderheld gesagt hatte. Darob verwunderten sich die Reiter gar sehr, und empfanden einen grauslichen Schrecken, ward ihnen auch noch übler zu Mute, denn vorher, da sie fürchteten, der Sieger werde sie alle umbringen, wenn er ihnen feind würde; ritten heim und sagten dem König an, was geschehen.

Da nun der Schneider zum Könige kam, seine Tat selbst anzeigte, und die Königstochter samt dem halben Königreich begehrte, gereute den König sein Versprechen, das er dem unbekannten Kriegsmann gegeben, gar übel, denn die Riesen waren nun erwürgt, und konnten keinen Schaden mehr tun; dachte darüber nach, wie er des Helden mit Fug abkommen möchte, und war nicht im mindesten gesonnen, ihm die Tochter zu geben. Sprach daher zum Schneider, wie er in einem andern Walde leider noch ein Einhorn habe, das ihm sehr großen Schaden tue an Fischen und Leuten; dasselbe solle er doch auch noch fangen, und so er dieses vollbringe, wolle der König ihm die Tochter geben. Der gute Schneider war auch das zufrieden, nahm einen Strick, ging hin zu jenem Walde, allwo das wilde Einhorn hauste, und befahl seinen Zugeordneten, draußen vor dem Walde zu warten, er wolle allein hineingehen und allein die Tat bestehen, wie er die gegen die zwei Riesen auch allein und ohne andere Hülfe bestanden. Als der Schneider eine Weile im Walde umherspaziert war, ersieht er das Einhorn, das gegen ihn daherrennt mit vorgestrecktem Horn und will ihn umbringen. Er aber war nicht unbehände, wartete, bis das Einhorn gar nahe an ihn herankam, und als es nahe bei ihm war, schlüpfte er rasch hinter den Baum, neben dem er zu allernächst stand, und da lief das Einhorn, das im vollen Rennen war und sich nicht mehr wenden konnte, mit aller Hast gegen den Baum, dass es ihn mit seinem spitzen Horn fast durch und durch stieß, und das Horn unverwandt darin stecken blieb. Da trat der Schneider, als er das Einhorn am Baume fest zappeln sah, hervor, schlang ihm den mitgenommenen Strick um den Hals, band es an den Baum vollends fest, ging heraus zu seinen Jagdgesellen, und zeigte ihnen seinen Sieg über das wilde Einhorn an. Darauf ging das Schneiderlein zum König, tät demütiglich Meldung von der glücklichen Erfüllung des königlichen Wunsches, und erinnerte bescheidentlich an das königliche zweimalige Versprechen. Darob ward der König über die Maßen traurig, wusste nicht, was zu tun sei, da der...


Bechstein, Ludwig
Ludwig Bechstein wurde am 24. November 1801 in Weimar als uneheliches Kind geboren. Von 1818 bis 1822 absolvierte er in Arnstadt eine Apothekerlehre, gab aber 1828 den Apothekerberuf auf. 1829 begann er mit einem herzoglichen Stipendium ein Studium der Literatur, Philosopie und Geschichte. Bereits 1823 hatte er erste Märchen veröffentlicht. Ab 1831 wirkte Bechstein als Bibliothekar der herzoglichen Bibliothek in Meiningen, 1840 wurde er zum Hofrat ernannt. 1848 sympathisierte er kurzzeitig mit den demokratischen Kräften. Bis zu seinem Tod am 14. Mai 1860 in Meiningen publizierte Bechstein verschiedene Ausgaben seiner Sagen- und Märchensammlungen.

Ludwig BechsteinLudwig Bechstein wurde am 24. November 1801 in Weimar als uneheliches Kind geboren. Von 1818 bis 1822 absolvierte er in Arnstadt eine Apothekerlehre, gab aber 1828 den Apothekerberuf auf. 1829 begann er mit einem herzoglichen Stipendium ein Studium der Literatur, Philosopie und Geschichte. Bereits 1823 hatte er erste Märchen veröffentlicht. Ab 1831 wirkte Bechstein als Bibliothekar der herzoglichen Bibliothek in Meiningen, 1840 wurde er zum Hofrat ernannt. 1848 sympathisierte er kurzzeitig mit den demokratischen Kräften. Bis zu seinem Tod am 14. Mai 1860 in Meiningen publizierte Bechstein verschiedene Ausgaben seiner Sagen- und Märchensammlungen.



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