Behmel | Doktor Faust & Mephisto | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Behmel Doktor Faust & Mephisto

oder: Die Teufelsreise
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95865-239-2
Verlag: 110th
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

oder: Die Teufelsreise

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-95865-239-2
Verlag: 110th
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Geschichte des Doktor Faustus ist ein Stoff, an dem sich viele alte Meister versucht haben: Marlowe, Heine, Goethe, und Rembrandt zum Beispiel sahen in Faust einen tragischen Helden, der sein Seelenheil gegen Wissen und Macht eintauschte - doch die alten Meister liegen damit alle total daneben. Faust ist Gelehrter und Alchemist an der Universität Heidelberg, aber er ist nicht glücklich damit: Sein Fürst verlangt von ihm, aus Dreck Gold zu machen; seine nörgelnde Mutter weigert sich, das Bett zu verlassen; Studenten, Fakultätsrat und Assistenten nerven, aber vor allem ist Faust noch eines: Junggeselle. Da tritt, direkt vom Lieben Gott gesandt, der Teufel in Gestalt des eleganten Mephisto auf und bietet Faust einen verlockenden Deal an. Sie begeben sich auf eine verteufelte Reise durch das Deutsche Reich des Spätmittelalters, um den Sinn des Lebens und das Glück zu finden, begegnen der wunderschönen Margarete und ihrer ausgebufften Freundin Marte und gehen auf eine Walpurgisnacht, die ihnen die Augen öffnet: Man kann erst zur Hölle zu gehen, wenn das Ende happy ist.

Albrecht hat in Heidelberg und Berlin Geschichte, Philosophie und Politik studiert. Seit 1999 ist er Autor für Film, Print, Radio und TV, unter anderem für UTB, SR, ARTE, Pro7Sat1 und den RBB. Er lebt seit 2012 mit seiner Frau Afraa und seinen Söhnen Wieland und Orlando im Schwarzwald.
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Es lebte einmal in Heidelberg am Neckar vor grob geschätzt fünfhundert Jahren ein unglaublich genialer Mann, und der hieß …

Nun, es war nicht so einfach zu sagen, was dieser Mann eigentlich war, denn er hatte gleich eine ganze Reihe von Berufen, jede Menge Berufe sogar:

Wissenschaftler und Geniestreicher, Goldkocher, Apothekenmeister, Archivhocker und Klugschnacker - jeweils mit Doktorgrad, Magisterhut, Professorenstuhl und Mentor einer riesigen Horde Studenten - um nur ein paar der Dinge zu nennen, mit denen er sich täglich so herumzuschlagen hatte.

Dieser Mann war, kurz gesagt, ein Genie und deswegen bekannt und gefragt im ganzen Reich. Aber weil den normalen Leuten in Heidelberg das viel zu komplex war, nannten sie ihn einfach nur "Doktor Faust" oder in ihrer maulfaulen Mundart: "Dr Dogder".

Sein voller Name lautete "Doktor Heinrich Johann Immanuel Georg Faust", und er arbeitete damals in erster Linie für einen Fürsten dort aus der Gegend.

Ein Fürst - das ist so eine Art Prinz, nur besser - und die Universität von Heidelberg mit allen ihren Fakultäten und Schlaglöchern war Privateigentum dieses Fürsten. Ein ziemlich teurer Spaß, alles in allem. Aus diesem Grund hatte der Fürst dem Doktor Faust schließlich auch den Auftrag erteilt, aus Dreck Gold zu machen.

Also, wenn ihr mich fragt, das Goldmachen war einfach so eine Art Mode in Deutschland, damals, als der gute alte Kaiser Maximilian noch lebte: Alle waren ganz verrückt danach, aber keiner kriegte es hin.

Denn mit dem Dreck ist es ja so: Überall ganz leicht zu finden: Unter den Fingernägeln, in den Haaren, zwischen den Zehen und auf der Straße. Da musste man gar nicht so lange suchen, und das hatte den Fürsten schließlich auf die Idee gebracht.

Nun ist es aber auch so, dass es viel einfacher ist, mit Gold Dreck zu produzieren, als andersrum. Das war die wissenschaftliche Grundhypothese, die Doktor Faust aufgestellt hatte. Kein Wunder, dass es nicht geklappt hat. Die Wahrheit ist: Doktor Faust war pleite, aber so richtig doll, leer gesaugt, trocken, finanziell gesehen komplett im Eimer.

Ja, und wenn ich daran denke, wie das alles dann weitergegangen ist! Die Sache mit dem Pudel, dem Teufelspakt und dem Liebestrank, den Hexen und dem Riesen Gottlieb in der Walpurgisnacht, und mit dem schönsten Mädchen der Welt, Margarete, und ihrer Freundin, Frau Schwerdtlein, oder das mit dem Kerker... Unglaublich!

Aber immer der Reihe nach: Der Doktor Heinrich Faust arbeitete also an der berühmten Universität von Heidelberg, und er hielt seine Vorlesungen nur sporadisch, was seinen Ruf als Genie noch vergrößerte. Doktor Faust war in Wirklichkeit aber bis zum Anschlag unterfordert. Außerdem kam noch erschwerend hinzu, dass er eben in Heidelberg lebte, ein elendes Nest mit einer Uni drin; aber die Leute, die dort lebten, die hielten ihre Stadt so ungefähr für den Nabel der Welt.

Der Doktor Faust seinerseits verglich die Stadt eher mit einem anderen Körperteil der Welt, und auch das war einer der Gründe, warum es ihm später so leicht fiel, ein neues Leben anzufangen, als sich ihm mir nix dir nix auf einmal die Gelegenheit dazu bot - mitten im Semester und darüber hinaus auch noch veranlasst von allerhöchster Stelle.

Wenn jetzt so ein Markttag war, wie damals als die Geschichte vom Doktor Faust losging, dann wimmelte die ganze Stadt von Geschäftemachern, Rumlungerern, Halsabschneidern und Rosstäuschern, Kurpfuschern, Landeiern aus dem Umland, Bürgern und Gauklern - alle miteinander so dreckig und gut gelaunt, wie man es sich nur vorstellen kann. Sie lachten und schwatzten; feilschten und versoffen ihre Einnahmen umgehend, ohne an die Zukunft zu denken; sie beklauten sich gegenseitig, hauten sich übers Ohr, gaben sich scheinheilig die Hand und verfluchten einander schon in der Sekunde, in der sie sich umdrehten, um noch einen anderen Halunken zu betrügen, denn Zeit war auch damals schon Geld - und nichts anderes. Ein ganz normaler Markttag, wie er überall auf der Welt vorkommt, nur, dass nicht jeder Markttag oben ein Schloss am Hang hat.

Der Punkt ist: Die Leute sind im Grunde stets die gleichen. Zum Beispiel diese junge Mutter hier, die versucht, ihre Tochter von dem Stand mit den Ponys wegzuziehen: Man sieht, sie hat schon schlechte Laune, erstens, weil sie noch dringend was einkaufen muss, zweitens steht der Familienurlaub unmittelbar bevor und drittens nervt die Kleine schon den ganzen Tag mit ihren ganzen Sonderwünschen. Ihr Kind will ein Pony, und wie alle Mütter seit der Steinzeit reagiert sie darauf etwa so allergisch, wie ein Tintenfisch auf ein Blatt Löschpapier.

"Kann ich ein Pony haben, Mama?", fragte das kleine Mädchen seine Mutter mit riesengroßen Augen. Denn das Mädchen wusste trotz seiner Jugend aus Erfahrung, dass der Trick mit den riesengroßen Augen die Erfolgschancen bei den Erwachsenen ungemein erhöhte. Die Mutter antwortete darauf das, was seit der Steinzeit alle Mütter ihren Töchtern geantwortet haben, wenn sich die Töchter etwas wünschen, was über die Grenzen des Haushaltsgeldes ging, nämlich:

"Ach, Sabine, jetzt komm! Du hast ja einen Knall", und sie wollte das Kind von den Ponys fortzerren.

Gerade als sie das gesagt hatte, gab es einen irrsinnig lauten Knall hoch über den Köpfen der Leute. Die Explosion, denn genau das war es, was da knallte, zerriss die Stille, wie man so schön sagt, aber alle wären froh gewesen, wenn es wirklich nur die Stille gewesen wäre, die da zerrissen wurde, weil: Was da auf einmal auf die Köpfe der Handwerker, Bauern, Bürger, Mütter, Gaukler und Ponys nieder regnete, waren bei Gott keine Stücke der Stille. Da musste man kein Mönch sein, um das zu erkennen. Es war vielmehr Mörtel! Und kleine Steine, dann etwas größere Steine…

Schließlich kamen die ganz großen Steine, und wer immer noch mit offenem Mund in den Himmel starrte, konnte etwas Tolles sehen, nämlich: die ganz furchtbar riesengroßen Steine, hart, gemein und sauschnell. Die kamen ebenso runter und landeten überall auf dem Marktplatz von Heidelberg, dass es ein herrlicher Anblick war, vorausgesetzt, man hielt den notwendigen Sicherheitsabstand ein. Alles rannte, rettete und flüchtete, fiel auf die Schnauze und rappelte sich wieder auf. So schnell es ging, flohen sie in die Häuser oder platschten in den Neckar - wenn ihnen gar nichts Anderes mehr einfiel.

Dann kehrte die gerade eben noch völlig zerfetzte Stille zurück, die auf jeden Sturm folgt, und sie erholte sich bemerkenswert schnell. Die Leute merkten dies daran, dass es auf einmal wieder leise wurde. Die Stille schien sich nur kurz den Staub von der Hose zu klopfen, sich einmal kurz zu räuspern und dann wieder auf ihrem Thron Platz zu nehmen, als sei überhaupt nichts vorgefallen. Und jetzt kommt's:

Erst schauten sich die Leute gegenseitig an und bemerkten den Staub auf den anderen Leuten, dann schauten sie an sich selbst herunter und bemerkten den Staub auf sich selbst, schließlich schauten sie nach oben. Erst sah es einer, dann ein anderer und schließlich sah es jeder: Das Schloss von Heidelberg, die geliebte, wundervolle Anlage am Hang, erbaut von ihren Vorfahren, das rote Schloss, hatte sich in eine aufgesplitterte und auf verquere Art in sich zerrissene Ruine verwandelt, die auf einer Seite noch vorwurfsvoll vor sich hin qualmte, während die andere Seite aus freigesprengten Fensterbögen nicht glauben konnte, dass sie jetzt eine Ruine war.

"Diesmal hat er es aber wirklich wissen wollen, der Doktor", sagte eine dicke Marktfrau und stemmte ihre Fäuste in die Hüften.

"Ich finde, er übertreibt langsam", sagte eine noch dickere Marktfrau.

"Das Schloss! Leut’, schaut euch mal das Schloss an!"

"Eieieieiei!"

"Da fehlt ja die Hälfte!“, sagte einer, und ein anderer meinte: "Ist doch eher nur ein Drittel, oder?"

"Nein, das ist schon mehr."

"Schwer zu sagen, bei dem ganzen Qualm da oben!"

"Quatsch!"

"Da wird der Fürst aber Augen machen."

Ja, der Fürst! Er war natürlich oben im Schloss anwesend, samt Familie, Frau und Sohn Luidiwig. Zur Feier des Tages hatten sie alle ihre Stühle auf den obersten Balkon bringen lassen, um dem Experiment des Doktor Faust beizuwohnen, der mit seinem Assistenten Wagner auf dem Hof vor dem Balkon demonstrieren wollte, wie man aus Dreck Gold machte.

"Meinst du, er hat es endlich geschafft?", fragte der Fürst seine Frau, die Fürstin Frau Dr. Margarete Amalie von Bayern-Landshut, und schaute konzentriert in die riesige Staubwolke hinein, die sich durch das Schloss wälzte. Nun muss man wissen, dass die Frauen des Hauses Bayern-Landshut damals nichts mehr verabscheuten als direkte persönliche Fragen, und so bekam der Kurfürst auch seinerseits keine direkte persönliche Antwort. Das ging übrigens schon seit Hochzeit so. Daher war der Fürst nicht weiter erstaunt, als seine Frau nur sagte:

"Ähem, Ludi?"

Luidiwig war, wie gesagt, der Sohn und damit Juniorfürst. Er stand ein paar Schritte weiter vorn, vor seinen Eltern. Von hinten betrachtet war er der Inbegriff der Sauberkeit, aber als er sich umdrehte, um auf den Ruf seiner Mutter zu hören, denn er war ja nicht blöd, da sah man,...



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