Belschner | Wem gehört die Heimat? | Buch | 978-3-322-97252-1 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 263 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 346 g

Reihe: Politische Psychologie

Belschner

Wem gehört die Heimat?

Beiträge der politischen Psychologie zu einem umstrittenen Phänomen
Erscheinungsjahr 2014
ISBN: 978-3-322-97252-1
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften

Beiträge der politischen Psychologie zu einem umstrittenen Phänomen

Buch, Deutsch, 263 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 346 g

Reihe: Politische Psychologie

ISBN: 978-3-322-97252-1
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften


1. Die Zeichen von Krieg, Vertreibung und Flucht, die heute unsere Nachrich ten aus Osteuropa beherrschen, verleihen dem Thema dieses Bandes eine grauenhafte Aktualität. Das halbe Jahrhundert gepanzerter Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg hatte fast vergessen lassen, welche Gewalt die unter drückten Konflikte um Lebensformen und Territorien behalten; wie erbittert sie als Kampf um ethnische oder nationale Identität erlebt und geführt wer den. Es ist wie ein Blick in die brutale Vorgeschichte des Heimatphänomens, dessen materielle Dynamik durch den hegemonialen Fortschritt von Industrie und Weltmarkt - für unsere Weltgegend jedenfalls - gebändigt schien. Der säkulare Modemisierungsprozeß zerstört ja mit dem Zwang zu Indu strialisierung und Weltmarktanpassung unaufhaltsam und unumkehrbar die traditionalen Grundlagen von regionalen Kulturen, von Gemeinschaftlichkeit und kollektiver Identität; wir sahen und sehen fortgesetzt diesen lebensweltli chen Strukturwandel, in dem das Materiale der Heimat untergeht. Den ge schichtlichen Individualitäten der Landschaft, der agrarischen, handwerkli chen und auch industriellen Arbeitsformen, der Bauformen, der familialen Muster, schließlich der Mentalitäten und Sprachformen wird-im Zuge einer Subsumption unter das Allgemeine des globalen Verwertungsprozesses-ihr Eigensinn genommen. Aber ist es nicht so, daß gerade an diesem Eigenen - Sehnsucht wie Haß stiftend - in unserer Kindheit sich eine psychosoziale Disposition bildete, die unser Wesen durchprägt, in die wir immer schon ver setzt sind und die uns nur im nachhinein - in der Bewußtseinsaufgabe, unser Erleben zu reflektieren - zugänglich wird. So ist Heimat das dem Einzelnen zugefügte Eigene, dem er sich affirmativ oder kritisch, getrieben odersublimierend widmen oder entziehen kann.

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