E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Reihe: Stories-Reihe
Benks The Story Behind Us
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-911244-16-9
Verlag: LEAF Verlag - Bücherbüchse OHG
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Reihe: Stories-Reihe
ISBN: 978-3-911244-16-9
Verlag: LEAF Verlag - Bücherbüchse OHG
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Jella Benks verlor sich schon als Kind regelmäßig in Geschichten. Mittlerweile schreibt sie ihre eigenen, die uns wie ein Kaleidoskop die unzähligen Facetten von Liebe zeigen. Immer mit dabei sind starke Frauenfiguren, überraschende Plottwists und tiefgründige Themen. Achtet auf eure Herzen, denn Jella liebt es, sie zu brechen, um sie anschließend auf ganz neue Art wieder zusammenzusetzen.Wenn sie nicht an neuen Geschichten sitzt, bleibt es kreativ, denn dann versinkt Jella im Möbel Upcycling oder sucht in der pulsierenden Hauptstadt neue Plätze für ihre Urban-Gardening-Projekte. Jella Benks auf Instagram: https://www.instagram.com/jella_benks/
Zielgruppe
Lesealter ab 14 Jahren
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
»Du sollst Greg anrufen.«
»Und du brauchst nur vier Worte, um einen passablen Morgen zu ruinieren.« Ich machte einen Schritt zur Seite, um an Darce vorbei zur Quelle der Freude zu gelangen, doch der trat mir wie ein nervtötendes Spiegelbild erneut in den Weg. Offenbar war er noch wütend wegen letzter Nacht. Von mir aus. Mit seiner Wut konnte ich überraschend gut umgehen – war sicher so ein Geschwisterding.
»Wenn Greg dich nicht erreicht, ruft er mich an«, setzte Darce erneut an und seine finstere Miene bildete den maximalen Kontrast zu der weißen, eleganten Küche. »Ich habe genug Stress mit ihm, da will ich nicht auch noch deine Kämpfe übernehmen.«
Er erntete ein Augenrollen. »Glaube mir, du wärst die letzte Person, die ich gegen unseren Onkel ausschicke. Wenn ich jemanden auswähle, um gegen ihn zu kämpfen, wäre das Ella-Bella.«
»Gute Wahl«, kam es vom Marmorküchentresen, wo Ella auf einem der Barhocker saß und augenscheinlich dabei war, ihr Chaos an heutigen Arbeitsaufträgen zu managen. Ihre dunkelgrünen Augen starrten auf das Handy, während ihr blasses Gesicht und ihr nachlässig gebundener Zopf dafürsprachen, dass sie zu wenig Schlaf bekommen hatte.
Darce hob die linke Augenbraue, verkniff sich aber jeden Kommentar. Er würde sie sicher ebenfalls ausschicken. Tauchte sie auf, spannte sich der Kiefer unseres Onkels an, als wäre er ein Nussknacker. Normalerweise schaffte es nur sein Handy, Gregs ellenlange Monologe zu unterbrechen. Doch sobald Ella ihm eines dieser zuckersüßen Leck-micham-Arsch-Lächeln zuwarf, stolperte er über seine Worte, verhaspelte sich in seinen Argumenten und trat innerhalb von Minuten die Flucht an. Ja, ich hätte mein gesamtes Erbe auf Ella gesetzt.
»Geh mir endlich aus dem Weg!«, fuhr ich Darce an, der meinen Schritt zur Seite erneut wie ein Spiegelbild nachahmte. »Ich will an die Maschine!«
»Versprich mir erst, dass du Greg anrufst!«
»Mach ich«, gab ich zurück, »ungefähr dann, wenn die Hölle zufriert und ich keine Lust mehr habe, dort Schlittschuh zu fahren.«
Nun hob sich auch Darce’ zweite Augenbraue. Wir wussten beide, dass ich niemals genug vom Schlittschuhfahren bekam. »Dann verabschiede dich von der Kaffeemaschine!«, sagte der nervigste Bruder aller Zeiten und blieb im Weg stehen.
Ich war der klügere von uns.
Und der attraktivere.
Fand zumindest ich.
Auf jeden Fall war ich der lustigere, aber Darce war mir körperlich diesen nervigen Hauch voraus. Das kam davon, wenn man im Sommer ungesund viel Zeit damit verbrachte, im Pool hin- und herzuschwimmen. Dieser ärgerliche Umstand sorgte nun dafür, dass er mich mit einer beeindruckenden Leichtigkeit fortschob. Weg von der Kaffeemaschine.
Dabei liebte ich dieses verdammte Ding!
»Ella!« Vielleicht war es ein winziges Stück erbärmlich, dass ich die Freundin meines Bruders als Verstärkung einforderte. Aber sie würde er sicher nicht zur Seite drängen. Außerdem war sie fast genauso lang schon mit mir befreundet.
»Haltet mich da raus.«
Natürlich. Ich ahnte, dass sie versuchte, mit dem Küchentresen zu verschmelzen. Das Problem mit Verbündeten war, dass sie unzuverlässig wurden, wenn Gefühle ins Spiel kamen. Vor einem halben Jahr hätte sie begeistert die Gelegenheit ergriffen, Darce an die Wand zu spielen. Nun wollte ich lieber nicht wissen, was die beiden an der Wand trieben … Urgh. Ekliges Kopfkino.
»Kann ich nicht, Ella-Bella. Du bist jetzt Teil von uns. Sag deinem Freund, dass der Morgenkaffee ein gottverdammtes Menschenrecht ist!«
»Darce …« Immerhin versuchte sie nun, ihn zu erreichen und sie hatte diesen Tonfall drauf, den ihre Stimme regelmäßig annahm, wenn sie uns daran erinnern wollte, dass wir keine Kinder mehr waren. Bei mir stieß sie damit auf Granit, aber Darce reagierte darauf wie ein dressiertes Hündchen. Grummelnd nahm er seine Arme herunter und nach einem langen Blick zu Ella trat er mir tatsächlich aus dem Weg.
Okaaaay? Vielleicht erwies es sich als strategische Meisterleistung, die beiden verkuppelt zu haben. Immerhin bekam ich, was ich jetzt am meisten auf der Welt brauchte. Koffein!
Kaum dachte ich das, legten sich von hinten zwei Arme um mich. Die besten der Welt. Die liebte ich sogar mehr als Koffein.
»Du hättest im Bett bleiben können.« Ich drehte mich zu James und hauchte ihm einen Kuss auf die vollen Lippen. Ernsthaft, hatte es je perfektere Lippen gegeben? »Ich wollte uns nur Kaffee besorgen.«
»Ohne dich war es darin zu leer und zu unbequem.« Grinsend strich er mir durchs Haar und drehte eine meiner Strähnen spielerisch um seinen Finger. »Außerdem singt Kitty Old McDonald.« Es flackerte in dem Nussbraun seiner Augen. Wir vergötterten Kitty – weil man sie einfach lieben musste –, aber sie sang ständig die Strophe mit den Hühnern. Wirklich immerzu. Bisher waren mir Hühner gleichgültig gewesen, doch irgendwann zwischen der tausendsten und der zehntausendsten Wiederholung hatte ich gelernt, ihr schrilles Cluck-Cluck zu hassen.
»Streitet ihr wegen des Pools gestern?« James sah von mir zu Darce und erinnerte mich daran, dass ich uns lieber schnell mit Kaffee versorgte, damit wir von hier verschwinden konnten.
»Nein, heute ist es eine Diskussion übers College«, kam es von Darce, während ich mir zwei Tassen aus dem Schrank schnappte.
Ich spürte James’ Blick auf mir und sein Schweigen war verräterisch.
College.
Ganz sicher nicht!
»Nope«, brachte ich mich ein. »Diskussion würde bedeuten, dass es eine abstruse Chance gibt, dass ich mich dafür entscheide. Gibt es aber nicht.«
»Greg sagt, du warst nicht bei dem Termin mit den Studienberatern, den er für dich organisiert hat.«
»Warum ihre Zeit und meine Nerven verschwenden? Ich geh auf kein College.« Grimmig stellte ich die Tassen unter die Maschine und drückte die Tastenkombination einen Hauch fester als nötig.
Ich hasste dieses Thema.
Warum akzeptierte Greg nie eine meiner Entscheidungen?
Und weshalb musste Darce ständig tun, als wäre er für mich verantwortlich?
Ich war erwachsen!
»Wenn du dich jetzt reinkniest, bekommst du noch eine vernünftige Bewerbung zustande.« Er konnte es nicht lassen. »Nutz den Tag und schau dir die Studienprogramme an. Vielleicht findest du etwas, das dir gefällt.« Dass er sich bemühte, verständnisvoll zu klingen, machte es nur noch schlimmer. Damit drängte er mich, die Rolle einzunehmen, die jeder von mir erwartete – die des kindischen Sturkopfs. Doch für Diplomatie ließ dieses Thema keinen Raum. Schon jetzt brodelte die Wut in mir heißer als die schwarze Flüssigkeit, die in die Tassen vor mir lief.
»Unnötig. Ich weiß, was ich mache.«
»Eure Partyplanersache?« Darce gab ein Stöhnen von sich, das klang, als wäre er ein überdimensionaler Luftballon, dem die Luft ausging. »Wie viele Partys wurden bisher bei euch gebucht?«
Drei.
Falls man Darce’ Geburtstagsparty mitzählte, die Ella bei mir in Auftrag gegeben hatte.
»Viele.« Als wenn ich mir von ihm in die Karten schauen ließ.
»Klar.« Vier Buchstaben und jeder davon triefte vor Sarkasmus. Er sah zu Ella. »Angeblich machst du doch ihre Abrechnungen. Wie viele Rechnungen haben die beiden bei dir eingereicht?«
Das Handy in ihrer Hand hatte sie mittlerweile durch ein Glas Milchschaum ausgetauscht, in dem sich irgendwo eine mikroskopisch winzige Menge Koffein versteckte. Ich würde nie verstehen, wie man das einem Kaffee antun konnte.
»Ihr sollt mich da raushalten«, wiederholte Ella, während ihre Fingerspitzen nervös gegen das Glas trommelten. Ein Zeichen, dass sie schon wieder zu spät dran war für einen ihrer unzähligen Jobs. »Das gilt besonders für dich.« Sie warf Darce einen ihrer grimmigsten Ella-Blicke zu und dafür schickte ich ihr in Gedanken ein High Five.
»Das ist unfair«, protestierte er. »Warum unterstützt du ihn und nicht mich?«
Ihr Blick wanderte nun von ihm zu mir und sie bekam ein stilles Flehen. Wenn Darce erfuhr, dass die einzige eingereichte Rechnung eine benutzte Serviette war, auf die ich einen Betrag gekritzelt hatte – der gefühlt einigermaßen hinkam –, war ich dran. Ihrer strengen Miene nach wusste sie, dass diese Zahl geschönt gewesen war.
Aber sie hätte theoretisch hinkommen können.
Sie blieb die beste Ella der Welt und nahm einen großen Schluck ihres Milchschaums mit Espressohauch, um ihre Antwort hinauszuzögern.
DerArtnach, wie Darcefinsterdie Lippenaufeinanderpresste, ahnte er wohl, dass sie Zeit schindete. »Also«, stieß er aus. »Weshalb stehst du ihm bei?«
Sie setzte das Glas ab und eine winzige Spur Schaum blieb auf ihren Lippen zurück. »Welpenschutz.«
So schnell nahm meine Ella-Liebe ein wenig ab.
»Schlecht gelaufen. Du bist meine Freundin, also musst du auf meiner Seite stehen.« Darce’ Mundwinkel fuhren auf diese spielerische Weise hoch, wie sie es regelmäßig taten, wenn die beiden sich einen dieser Was-auch-immer-es-war lieferten.
»Mach so weiter und du wirst mich heute Nacht sicher nicht auf deiner Seite finden.« Da war es wieder –...




