Bierhoff / Herner Narzissmus - die Wiederkehr
1., Auflage 2009
ISBN: 978-3-456-94751-8
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
E-Book, Deutsch, 246 Seiten
ISBN: 978-3-456-94751-8
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Egoistische Partner, überhebliche Arbeitskollegen, eitle Medienstars. Menschen, die ausnahmslos von sich selbst überzeugt sind, begegnen uns ständig. Selbstverliebt und egoistisch andere deklassierend stellen sie ihre Person über alles. Mit ihrer Sucht nach Zuwendung und Anerkennung tyrannisieren sie ihr Umfeld, entwickeln realitätsferne Größenphantasien und sind der Meinung, dass sie der 'Stern sind, der alles überstrahlt'.Der bereits in der griechischen Mythologie verwurzelte Mythos vom Narziss ist heute aktuell wie nie zu vor. Anhand von Forschungsbefunden und spannenden Beispielen aus der Praxis zeigt dieses Buch, wie sich die narzisstische Persönlichkeit äußert und wann sie krankhaft ist. Unterhaltsam von herausragenden Wissenschaftlern geschrieben, beleuchtet 'Narzissmus - die Wiederkehr' das zeitlose Phänomen des Narzissmus anhand plastischer Beispiele und gibt wissenschaftlich bewiesene Antworten zum Wie, Warum, aber auch zum Umgang damit. Ein Fragebogen zur Selbsterforschung rundet den Inhalt ab.
Zielgruppe
Lehrer, Schulleiter, Erziehungswissenschaftler, Schulpsychologen
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
Weitere Infos & Material
1;Inhaltsverzeichnis;6
2;Vorwort;10
3;1 Einleitung;14
4;2 Narzissmus: Der Dauerbrenner;18
4.1;Ich bin ein Superstar!;19
4.2;Mythos Narziss;22
4.3;Grundlagen des Narzissmus;28
4.4;Die Macht der Narzissten;30
4.5;Der Machertyp;31
4.6;Agentisches Modell des Narzissmus;32
5;3 Narzissten im Behandlungszimmer;42
5.1;Sigmund Freuds « Zur Einführung des Narzissmus»;42
5.2;Fallbeispiel;46
5.3;Der Überlegenheits-Komplex;50
5.4;Der Nobelpreis-Komplex;52
5.5;Narzissten in einer gespaltenen Welt;55
5.6;Fallbeispiel;61
5.7;Die Analyse des Selbst und der Narzissmus;62
5.8;Fallbeispiel;67
5.9;Fortsetzung des Fallbeispiels;68
5.10;Übertragungen: Neuauflage früherer Erlebnisse;70
5.11;Narzisstische Persönlichkeitstypen;75
5.12;Welche Merkmale machen nun den Narzissmus aus?;77
6;4 Narzisstische Illusionen und Realitäten;92
6.1;Positives Tuning;92
6.2;Normaler und pathologischer Narzissmus: ein Ausblick;93
6.3;Bedrohtes, klassisch narzisstisches, idealistisches und hypochondrisches Selbst;99
7;5 Person und Situation: Narzissten in der Interaktion;106
7.1;Diagnostisches Standardverfahren;107
7.2;Narzissten sind die unverträglichen Extravertierten;114
7.3;Es sind wieder einmal die Männer;118
7.4;Macht oder Intimität?;120
7.5;Fallbeispiel;121
7.6;Wer riskant spielt, hat Angst vor der Pleite;122
7.7;Wonach strebt das Selbst?;125
7.8;Wie Ikarus: Selbstüberschätzung über den Wolken;126
7.9;Fallbeispiel;128
7.10;Es gibt nichts, was es nicht gibt: Selbsthandicaps und Selbstsabotage;131
7.11;Fallbeispiel;132
7.12;Der tägliche Kampf um Bewunderung;135
7.13;Stolzes Auftreten und leise Ängste;140
7.14;Fallbeispiel;144
7.15;Was erwarte ich von mir?;146
7.16;Wer bin ich wirklich?;147
7.17;Was erwarte ich vom anderen?;148
7.18;Grandiose Perspektiven, verwundbare Seele;149
8;6 Die Welt der Schönheit;156
8.1;Babyface;159
8.2;Was macht den Mann und die Frau attraktiv?;160
8.3;Fallbeispiel;162
8.4;Was erwarte ich von mir?;165
8.5;Wer bin ich wirklich?;167
8.6;Was erwarte ich vom anderen?;168
8.7;Wer ist die Schönste im ganzen Land?;170
9;7 Wie es sich anfühlt, einen Narzissten zu lieben;176
9.1;Lässt sich Liebe begreifen?;176
9.2;Sucht nach Bewunderung und Assoziation mit idealisierten anderen;178
9.3;Sechs Farben der Liebe;184
9.4;Narzisstische Spiele;187
9.5;Die Wirkung von Narzissten: auf den ersten und auf den zweiten Blick;191
9.6;Nähe und Bindung? Bitte nicht!;194
9.7;Ich brauche viel Platz, oder ich fühle mich eingeengt;197
9.8;Rein und raus aus der Liebe;201
9.9;Fallbeispiel;203
9.10;Was erwarte ich von mir?;205
9.11;Wer bin ich wirklich?;205
9.12;Was erwarte ich vom anderen?;207
9.13;Wer ist der andere wirklich?;207
9.14;Abschließender Fallkommentar;208
9.15;Die anderen sind für mich da!;209
9.16;Komplementärnarzissten;211
9.17;Narzisstische Liebe: ein Ausblick;212
10;8 Ich bin, was ich bin, weil ich mich selbst gefunden habe: Können Narzissten einen konstruktiven Weg im Leben finden?;214
10.1;Balance zwischen Eigenverantwortung und sozialer Verantwortung;215
10.2;Positive Selbstidentität;217
11;Anhang;220
12;Literaturverzeichnis;224
13;Sachregister;236
14;Personenregister;244
(S. 30-31)
Eine zweite Parallele besteht zwischen Narzissmus und agentischer Persönlichkeit. Die agentische Persönlichkeit repräsentiert einen Macher- typ. Sie hängt mit der Maskulinität der Geschlechtsrolle zusammen. Das Konzept der Maskulinität und Femininität reicht weit in die Geschichte der Sozialwissenschaft zurück. Der Soziologe Talcott Parsons und der Gruppenforscher Robert F. Bales unterschieden zwi- schen instrumentellen und expressiven Eigenschaften.
Instrumentelle Eigenschaften umfassen Initiative und Leistungsorientierung, während expressive Eigenschaften durch Hilfsbereitschaft, Fürsorge und Gesellung gekennzeichnet sind. Es ist unmittelbar erkennbar, dass instrumentelle Eigenschaften dem Stereotyp des Mannes entsprechen, während expressive Eigenschaften das weibliche Stereotyp abbilden. In Übereinstimmung damit beschreibt David Bakan in seinem Buch über die Dualität der menschlichen Existenz eine agentische und eine kommunale Orientierung. Agentische Eigenschaften wurden Män- nern zugeschrieben, während kommunale Eigenschaften als typisch für Frauen angesehen wurden. Inzwischen hat sich diese Anwendung der Klassikation auf die Geschlechter verändert, weil empirische Untersuchungen gezeigt haben, dass sowohl Männer als auch Frauen kommunale und agentische Eigenschaften verwirklichen können.
Die kommunale Orientierung der Frau und die agentische Haltung des Mannes sind Stereotype, die mit den weit verbreiteten Rollen von Frau und Mann (als Hausfrau und als Berufstätiger) übereinstimmen.34 Natürlich weisen nicht alle Frauen eine hohe kommunale Orien- tierung, und nicht alle Männer eine hohe agentische Orientierung auf. Vielmehr gibt es auch viele Männer, die expressive Eigenschaften aufweisen, und andererseits «Power-Frauen», die instrumentelle Eigenschaften realisieren. Es scheint so zu sein, dass ein Trend in Richtung auf eine zunehmende Übereinstimmung zwischen den Geschlechtern im Hinblick auf instrumentelle/agentische und kommunale/expressive Eigenschaften besteht. Dieser Trend kommt hauptsächlich dadurch zustande, dass Frauen verstärkt agentische Eigenschaften übernehmen.
Agentisches Modell des Narzissmus
Keith Campbell und Amy Brunell von der University of Georgia in Athens und Eli Finkel von der Northwestern University in Evanston, einem Vorort von Chicago, zählen gegenwärtig zu den einflussreichsten Narzissmusforschern in der Welt. In ihrem agentischen Modell des Narzissmus gehen sie davon aus, dass die Fundamente des Narziss- mus in einer ausgeprägten agentischen Orientierung liegen. Diese grundlegende Orientierung wird durch ein oensives Annäherungsstreben, den Wunsch, den Selbstwert zu erhöhen, das Gefühl, dass hohe Ansprüche an die Umwelt gerechtfertigt sind, und eine generell inftationierte Selbstbetrachtung ergänzt. Der folgenden Darstellung wird dieses agentische Modell des Narzissmus zugrunde gelegt, das in Abbildung 1 auf Seite 38 dargestellt ist.




