Billhardt | Geist und Dunkelheit | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 662 Seiten

Billhardt Geist und Dunkelheit

Fantasy
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-910279-13-1
Verlag: Lindwurm Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Fantasy

E-Book, Deutsch, 662 Seiten

ISBN: 978-3-910279-13-1
Verlag: Lindwurm Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Daniel wollte zu den Huntern gehören, solange er denken kann. Schattengestalten und längst vergessene Wesen sind nicht die einzigen Ziele dieser Dämonenjäger und in der ewigen Schlacht wird jede Hilfe gebraucht. Doch als er eines Tages einen Unfall verursacht und schwer gezeichnet in seine Heimat zurückkehrt, ist er sich seiner Sache nicht mehr so sicher. Verstrickt in alte und neue Probleme, einen tödlichen Fluch und rätselhafte Angriffe muss er schnell feststellen, dass diese Stadt ein zweites Gesicht verbirgt. Als sich auch noch der arrogante Dämon Cody unter die Hunter mischt, um einer tödlichen Kopfgeldjagd nachzugehen, steht Daniel zwischen den Fronten. Während ein drohendes Unheil zur ungewollten Zusammenarbeit zwischen den beiden führt, stecken sie bereits tiefer drinnen, als sie ahnen können. Denn plötzlich steht nicht nur das Schicksal zweier Welten auf dem Spiel, sondern auch eine verbotene Liebe.

Lisa Billhardt ist 21 Jahre alt und lebt aktuell mit ihrem Hund, einer kleinen Bibliothek und vier Katzen in Schleswig-Holstein. Ihre erste Geschichte schrieb sie mit sieben Jahren und konnte seitdem nicht mehr damit aufhören. Neben Kochen, Zeichnen und Übernatürlichem gehört das Schreiben zu ihrer größten Leidenschaft, nicht selten ging dabei schon die eine oder andere Nacht verloren. Die Idee zu 'Geist und Dunkelheit' entstand bereits in ihrer Kindheit und findet ihren Ursprung in einer sehr frühen Liebe zu düsteren, scharfzüngigen Geschichten.
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Prolog


»Guten Tag. Kann ich Sie vielleicht für ein Gespräch über Gott gewinnen? Dauert nur ein paar Minuten!«

Mein Gegenüber hob den Kopf und starrte mich wenig begeistert an. Die Dame hinter dem Tresen verzog die dünnen Lippen und schob sich demonstrativ die Brille in die Haare.

»Was haben Sie gesagt?«

Gut, du bist es schon mal nicht.

»Nichts!«, antwortete ich und steckte unruhig die Hände in die Taschen. »Dann ähm … Ich habe ein Buch vorbestellt, vielleicht ist es schon da. Können Sie nachschauen? Bitte?«

Hinter mir kicherte jemand und ich bemühte mich, nicht darauf zu achten. Während die Frau mit einem pikierten Naserümpfen etwas in ihren Steinzeitlaptop tippte, warf ich einen Blick auf ihr Namensschild. Mrs. Q. Uller.

»Qualle« wäre an dieser Stelle der passendere Ausdruck gewesen, dachte ich missmutig.

»Wie ist Ihr Name?«, schnarrte besagte Qualle auch schon, hörte dabei aber nicht auf zu tippen, und das, obwohl sie gar nicht mehr auf den Bildschirm sah, was auf irgendeine Art gruselig war.

»Daniel Santhwood.« Meine Stimme klang etwas schief.

»Uns liegt aktuell nichts vor.«

»Das ist gar kein Problem!« Ich grinste breit und wechselte bereits in den Rückwärtsgang. »Ich schaue mich trotzdem ein wenig um, ja? Schönen Tag noch!«

Bevor mich ihr Blick weiterhin aus der Bibliothek verwünschen konnte, hatte ich mich auch schon herumgedreht und wäre fast mit den beiden jungen Männern zusammengestoßen, die dicht hinter mir lauerten. »Geht’s noch auffälliger?«, zischte ich, aber sie lachten nur.

»Oh, möchten Sie vielleicht mit mir über Gott sprechen? Selbst Christus höchstpersönlich hätte dieses Angebot nicht angenommen. Gib dir mal ein wenig Mühe, Mann!« Immer noch kichernd stieß Ricardo mich an und ich verdrehte die Augen.

»Witzig. Verteilt euch ein bisschen, da draußen steht eine ganze Mannschaft und wartet auf Ergebnisse. Wo ist Sasha?«

»Hier!« Sasha tauchte hinter einem Stapel Neuerscheinungen auf und trat unauffällig an unsere Seite. »Daniel hat recht«, knurrte sie scharf und sofort hörten die beiden auf zu grinsen.

»Elon, Ricardo: Ihr übernehmt den hinteren Teil, setzt euch in Bewegung. Wir sind im Dienst und nicht auf einem Kindergeburtstag!«

Ricardo verdrehte die Augen, allerdings so, dass Sasha es nicht sah, und verzog sich dann gemeinsam mit Elon kommentarlos zwischen die engen Regale in den hinteren Teil der Bibliothek. Ich blickte ihnen noch einen Moment nach, dann sah ich mich nach dem nächsten Schritt um.

Besagter nächster Schritt saß nämlich nicht allzu weit entfernt in einer der Leseecken und blätterte gelangweilt in einem Bildband über die Bestimmung verschiedener Baumarten.

»Geh schon«, raunte Sasha neben mir und stieß mich an, ehe ich ein weiteres Mal in meine Tasche greifen konnte. »Und lass das, das macht dich verdächtig.«

Ich nickte knapp und schlenderte an der Anmeldung vorbei zur Leseecke. Als die Qualle aufblickte, widerstand ich dem Drang, ihr unbeholfen zuzuwinken, und verschwand rasch hinter einem der Zeitungsständer. Die Gestalt auf dem Sessel entpuppte sich beim Näherkommen als ein alter Herr mit Halbglatze. Da er die Seiten nur überflog, sah er sich offenbar bloß die Bilder an.

Dann auf einen zweiten Versuch.

»Entschuldigen Sie, Sir … Haben Sie Interesse an einem Gespräch über Gott?«

»Über wen?« Der Alte hielt den Kopf gesenkt. Sein milchiger Blick huschte über den Rand seines Buches und musterte mich. »Was wollen Sie?«

»Über … Ach, vergessen Sie’s.«

Verdammt! Ich ging zurück zu Sasha, doch bevor ich sie erreichen konnte, baute sich plötzlich die Qualle wie eine faltige, nach Duftbaum riechende Mauer vor mir auf.

»Ich möchte Sie bitten, unsere Besucher nicht weiter zu belästigen«, zischte sie. »Dies ist eine Bibliothek und kein Platz für ethische, statistische oder politische Umfragen, Themen oder Anwerbungen. Habe ich mich klar ausgedrückt? Ansonsten müssen Sie diesen Ort leider verlassen.« Hinter den Gläsern ihrer Brille kniff sie die kleinen Augen etwas zusammen und ich hob abwehrend die Hände.

»Verzeihung«, murmelte ich und trat einen Schritt zur Seite, um an ihr vorbeizukommen. »Wir reißen uns zusammen. Manchmal ist der Drang nach Gottes Wegen eben doch zu stark.«

»Dann suchen Sie woanders danach«, schnarrte sie hinter mir, aber ich nahm Sashas Arm und verschwand eilig hinter einer Ecke, fort aus dem Sichtfeld der Mitarbeiterin.

»Er war es auch nicht«, flüsterte ich frustriert und traf Sashas angestrengten Blick. »Was machen wir jetzt?«

»Zwei haben wir noch.« Sasha strich sich eine goldene Haarsträhne aus dem Gesicht und spähte um die Ecke mit den Kinderbüchern. Wie gewohnt klirrten die beiden Anhänger um ihren Hals leise – ein ungewohnt helles Geräusch in der düsteren Bibliothek. Von Ricardo und Elon war nichts mehr zu sehen. So wie ich die beiden kannte, hatten sie sich irgendwohin verdrückt, um am Handy zu hängen. Dafür fielen mir zwei andere Gestalten ins Auge, die auf den ersten Blick Zwillinge hätten sein können.

Es war weit nach zwanzig Uhr und um diese Zeit hielt sich normalerweise niemand mehr in der Bibliothek auf, was zwei Personen in der Abteilung mit den Kochbüchern umso verdächtiger erscheinen ließ. Es handelte sich um einen Mann und eine Frau. Die Frau trug einen auffallend hässlichen, dunkelgrünen Hut und dazu Gummistiefel, die ihr mindestens zwei Nummern zu groß waren. Sie hatte sich einen Regenschirm unter den rechten Arm geklemmt und in der linken Hand hielt sie ein aufgeschlagenes Buch, das sie so schnell durchblätterte, als hätte sie ein Zeitlimit. Der Mann stand etwas näher an uns dran und war nicht ganz so auffällig gekleidet. Auf seinem dunklen Mantel schmolz noch der Schnee von draußen und ein ordentlicher Vollbart verbarg den unteren Teil seines Gesichts. Auch er zog gerade ein Buch aus den Reihen, aber anstatt sich die »101 grünen und veganen Pastagerichte der Neuen Welt« näher anzuschauen, flog sein Blick suchend über die anderen Regale. Sasha und ich brauchten nur einen Blick zu tauschen, da lenkten mich meine Schritte auch schon in die Lücke zwischen den beiden. Ich wollte mich gerade an die seltsam gekleidete Frau wenden, da nahm ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr.

Das darf doch jetzt nicht ihr Ernst sein! Wie durch Zufall entdeckte ich Frau Q. Uller an einem der Regale in Sichtweite, ihr stechender Blick sprach eine lautlose Warnung aus. Als müsste sie gerade jetzt zwei neue Bücher zwischen die anderen schieben, quälend langsam noch dazu.

Na schön. Dann eben anders.

So authentisch wie ich konnte, langte ich nach einem Buch über meinem Kopf, wandte mich dann rasch ab und tat so, als müsste ich husten. »… Deus!«

Weder der Mann noch die Frau reagierte. Auch das lateinische Wort für »Gott« schien die beiden nicht aus der Reserve zu locken. Außer der Tatsache, dass mich die Frau mit einem schiefen Blick bedachte, geschah nichts. Frustriert zog ich die Luft ein, versuchte es aber gleich noch ein weiteres Mal. »DEUS … Verzeihung, ich muss mir da draußen was eingefangen haben.«

Die Qualle blickte erneut zu mir herüber, diesmal sichtlich genervt. Hastig vollführte ich die beste Version einer Bekreuzigung, die ich zusammenbekam, und verschwand aus ihrem Sichtfeld, ehe sie ihre Drohung wahr machen konnte. Keine zwei Atemzüge, und Sasha tauchte wieder neben mir auf. Ihr Blick wirkte nicht weniger gereizt.

»Das war falsch herum, Idiot!«

»Was?«

»Dein Kreuz. Vergiss es! Das funktioniert nicht, sie müssen mächtiger sein, als wir gedacht haben. Jedes Wesen ohne Seele reagiert auf Gottes Namen, sei es mit einem Wimpernzucken oder einem Blinzeln. Aber da war nichts, nicht einmal ihr Atem hat sich verändert.«

»Bist du dir sicher, dass sie überhaupt hier sind?«, fragte ich und vernahm, während ich sprach, ein leises Surren aus der Ecke, aus der wir gekommen waren; als säße dort eine große Stubenfliege. »Ich meine, vielleicht haben wir sie knapp verpasst. Sie könnten draußen gewesen...


Lisa Billhardt ist 21 Jahre alt und lebt aktuell mit ihrem Hund, einer kleinen Bibliothek und vier Katzen in Schleswig-Holstein. Ihre erste Geschichte schrieb sie mit sieben Jahren und konnte seitdem nicht mehr damit aufhören. Neben Kochen, Zeichnen und Übernatürlichem gehört das Schreiben zu ihrer größten Leidenschaft, nicht selten ging dabei schon die eine oder andere Nacht verloren.
Die Idee zu "Geist und Dunkelheit" entstand bereits in ihrer Kindheit und findet ihren Ursprung in einer sehr frühen Liebe zu düsteren, scharfzüngigen Geschichten.



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