Blank / Schulze | Das Auge Wischnus | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 100 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

Blank / Schulze Das Auge Wischnus

Roman
2. Auflage 2025
ISBN: 978-3-96281-305-5
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 100 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

ISBN: 978-3-96281-305-5
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Neue Deutsche Rechtschreibung Walter Eller, ein gestandener Indien-Veteran hat bei seinen Kämpfen gegen die Aufständischen das Auge einer heiligen Statue als 'Belohnung' mitgehen lassen. Es ist das 'Auge Wischnus'. Jahre später wird Eller, der inzwischen ein wohlhabender Mann geworden ist, ermordet. Schnell sprechen alle von der Rache Wischnus und seiner Jünger. Aber es gibt eine Schar weltlicher Verdächtiger, die einen viel besseren Grund hat, Eller zu töten: Geld. Null Papier Verlag

Matthias Blank (auch: Theo von Blankensee, Matthias Blank-Hohenzollern, B. Weßling; 14. Juni 1881-6. Dezember 1928) war ein sehr erfolgreicher Volks- und Kriminalschriftsteller der 1920er Jahre.
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1


Irma stand am Fenster und schob den schweren Vorhang mit der schmalen, weißen Hand etwas zur Seite. Sie schaute auf die stille, menschenleere Straße, in der die Villa Eller in dem alten Park zwischen mächtigen, breitkronigen Bäumen stand. Das kalte Glas kühlte die heiße Stirne, die sie gegen die Fensterscheibe presste.

Im Dunkel war nicht viel zu erkennen; um so besser ließ es sich träumen. Ihr Blick verlor sich in die Nacht hinaus. Irma Eller träumte gern, träumte um so sehnsüchtiger, seit sie ihr erstes Abenteuer erlebt.

Sie wusste, dass man sie nicht vermisste, dass kein suchender Blick auf sie fallen werde, dass niemand nach ihr verlangte. In der Kaminecke in den bequemen Stühlen saßen Walter Eller, ihr Vater, der alte Geheimrat Hessel, Alice Renoldy und Professor Doncker. Die Herren rauchten Zigarren, und Frau Renoldy blickte den blauen, dünnen Rauchringen einer Zigarette nach.

Irma wusste, wovon sie immer plauderten, von alten Schmuckstücken, seltenen Steinen, von Waffen, indischen und japanischen Bronzen; alle waren leidenschaftliche Sammler, die sich hier in den behaglichen Räumen des gastfreien Hauses öfter zusammenfanden.

Sie hörte einzelne Worte der lebhaft geführten Unterhaltung.

Niemand verlangte nach ihr; weshalb sollte sie sich dann nicht zu Luftschlössern und Träumen flüchten? Als ihre Gedanken zu dem Abenteuer zurückirrten, huschte ein leichtes Rot über das blasse Gesicht mit der zarten Haut, die in auffallendem Gegensatz zu den schmalen, aber kräftig roten Lippen stand. Sie dachte an den jungen Mann, von dem sie nicht einmal wusste, wer er war. Seinem Aussehen nach konnte er nur ein armer Bursche sein. Aber er hatte sich mutig und entschlossen gezeigt. Wenn er sich nicht so ritterlich benommen hätte, würde sie jetzt nicht in Träume versunken am Fenster stehen können, denn ihr Leben war in Gefahr gewesen in dem Augenblick, da er eingriff.

Mit einem Male schaute sie angestrengt in das Dunkel. Unten auf der Straße hob sich, nur im schattenhaften Umriss, eine Gestalt ab, die nach den hell erleuchteten Fenstern heraufspähte, als suchte sie etwas; eine hohe, schlanke Erscheinung war es, ein Mann, dessen Gesicht nicht zu erkennen war, da es von keinem Lichtschein gestreift wurde. Die gleiche kräftige Gestalt hatte auch er. Oder glaubte sie dies nur, weil ihn eben ihre Gedanken gesucht?

Da trat der Mond aus ziehendem Gewölk, und das fahle Licht streifte das Gesicht des Mannes; sie erkannte die bartlosen, knochigen Züge mit der hohen Stirne und den großen, dunklen Augen. Er war es. Sollte das Zufall sein? Er konnte sie doch nicht suchen, da er nicht wissen konnte, wer sie war. Warum stand er da und blickte zu den Fenstern empor?

Oder sollte er es doch nicht sein? Täuschte sie nur die eigene lebhafte Einbildungskraft? Sie folgte der Gestalt mit den Augen. Da sah sie, wie der junge Mann in der Richtung nach dem alten, nur selten benützten Gartentor davoneilte und im Dunkel verschwand.

Trotzdem nichts mehr zu sehen war, träumte Irma noch lange über diesen seltsamen Zufall. Daran konnte kaum ein Zweifel sein, dass er es gewesen war, dem sie Dank schuldete, oder eine große Ähnlichkeit müsste sie getäuscht haben. Dass er erfahren haben sollte, wer sie war, schien ihr unmöglich.

Unbegreiflich war ihr, wie er in diese Straße gekommen sein konnte, warum er zu den Fenstern emporgeschaut hatte und dann rasch davongeeilt war.

Wenn es doch ein anderer gewesen sein sollte als der, mit dem ihre Gedanken sich jetzt so oft beschäftigten? Auch sie kannte ihn ja nur von Ansehen, wusste nicht, wie er hieß.

Sicher hatte ihr nur die aufgestachelte Einbildungskraft, der sehnende Wille, ihm noch einmal zu begegnen, diese Erscheinung vorgetäuscht.

Ungeduldig ließ Irma den Vorhang wieder fallen und wandte sich langsam der Gesellschaft zu; sie ging durch das dunkelgetäfelte Herrenzimmer, in dem der dicke Buchara-Teppich1 ihre Schritte unhörbar machte, und stützte sich mit den Armen auf einen hochlehnigen Stuhl. Leicht vorgebeugt hörte sie dem Geheimrat zu, der eben erzählte, wie er in Ägypten zu einem seltenen Stück seiner Sammlung gelangt war.

Geheimrat Hessel war ein weißhaariger Greis mit glatt rasiertem Gesicht, buschigen, weißen Brauen, aber mit fast jugendlicher Röte auf den Wangen. Seine lebhaften Augen leuchteten; er verstand lebendig und anschaulich zu erzählen; man hörte ihm aufmerksam zu.

Frau Alice Renoldy, die Witwe eines bekannten Gelehrten, lauschte lächelnd seinen Worten; sie wusste, wie gerne der Geheimrat Wahrheit und Dichtung verschmelzen ließ; obwohl vierzig Jahre alt, war sie noch schön, und ihre scharf geschnittenen Züge machten trotz ihrer Herbheit das Gesicht anziehend.

Professor Doncker, mit seinen fünfunddreißig Jahren unter den Vieren der Jüngste, war ein sehr geschätzter Sanskritforscher.

Die kräftigste Erscheinung aber war Walter Eller, der Vater Irmas; sein Gesicht sah sonnverbrannt aus; das Weiß in seinen Augen war gelblich und verriet den vieljährigen Aufenthalt in den Tropen und die Spuren des überstandenen gelben Fiebers. Seine breitschultrige Gestalt schien nur aus Muskeln und Sehnen zu bestehen; die Hände waren derb und knochig. Trotz seiner sechsundfünfzig Jahre fand sich in seinem kastanienbraunen Haar keine graue Strähne.

Flüchtig fiel es Irina auf, dass ihre Mutter – die Stiefmutter, denn ihre wirkliche Mutter war kurz nach ihrer Geburt in Indien gestorben – nicht zugegen war. Sie lauschte den Worten Professor Donckers, der eben die Frage stellte:

»Mussten Sie jenen berühmten Opal, den Sie unter Ihren Schätzen als das Auge Wischnus Katapolchi bezeichnen, nicht ebenso abenteuerlich erringen?«

Walter Eller streifte bedächtig die weiße Zigarrenasche ab; dann erwiderte er: »Gewiss! Die Geschichte habe ich doch schon oft erzählt, wie wir im Kampfe gegen die aufständischen Inder in den alten, halb zerfallenen Wischnutempel in Katapolchi eindrangen, wobei wir uns in dunklen Gewölbegängen gegen die fanatischen Gegner noch erbittert wehren mussten. Die Aufständigen waren Waischnawas, Anhänger Wischnus, die im Tempel ihres Gottes die letzte Zuflucht suchten; von dem mächtigen Bronzestandbild mit den vier ausgereckten Armen dieses Gottes erwarteten sie vielleicht ihre letzte Hilfe. Ich erinnere mich genau, wie der Priester aufgerichtet vor der sitzenden...



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