E-Book, Deutsch, Band 3, 256 Seiten
Reihe: Guilty Pleasures
Bloom His Treat - Sündiger Genuss
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-492-99688-4
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 3, 256 Seiten
Reihe: Guilty Pleasures
ISBN: 978-3-492-99688-4
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Penelope Bloom war Lehrerin an einer Highschool, bevor sie ihren Job an den Nagel hing, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Inzwischen ist sie eine erfolgreiche Bestsellerautorin, und ihre Romane wurden in zahlreiche Länder verkauft. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei kleinen Töchtern in Florida.
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ZWEI
Ryan
Als Hailey mir die Leitung von The Bubbly Baker übertrug, wusste ich nicht recht, was ich davon halten sollte. Sie konzentrierte sich mittlerweile ganz auf ihre Kochsendungen im Fernsehen und meinte, ich sei der einzige Mensch, dem sie die Bäckerei anvertrauen könne.
Natürlich war bei der Sache ein kleiner Haken.
Zu dem Zeitpunkt war die Bäckerei, die ich leiten sollte, lediglich eine Idee. The Bubbly Baker war geschlossen worden, und übrig geblieben waren lediglich ein paar unentwegte Stammkunden und ein Buch mit Rezepten. Im Grunde genommen hatte sie den Wagen in den Graben gefahren, zugesehen, wie er in Flammen aufging, und mir dann die Schlüssel ausgehändigt.
Es war eine Herausforderung. Sie hatte Glück, denn ich mochte Herausforderungen. Zufällig backte ich auch gern. Also baute ich das Unternehmen von Grund auf neu auf, zusammen mit ihrem Mann William als einzigem Geschäftspartner. Eine gruselige Vorstellung. Er lieh mir das nötige Geld, um die Geschäfte zum Laufen zu bringen, und Gott sei Dank begann und endete diese Partnerschaft an dem Punkt. William Chamberson war zudem das dümmste Genie, das ich je kennengelernt hatte. Dass ich meine Zukunft mit ihm verknüpfte, war deshalb eine riskante Angelegenheit.
Inzwischen hatte The Bubbly Baker drei Läden. Wie sich herausstellte, war ich ziemlich gut darin, Mittel und Wege zu finden, wie wir wachsen und expandieren konnten. William und Bruce organisierten traditionellerweise zu Halloween eine große Firmenparty. In diesem Jahr hatte ich angeboten, die Sache zu übernehmen. Ich behauptete, ich sei nur deshalb so großzügig, damit meine eigenen Angestellten Einladungen bekämen, in Wahrheit war ich ganz versessen auf alles, was mit Halloween zu tun hatte. Die Vorstellung von einer Riesenparty für zweitausend Leute, bei der Geld keine Rolle spielte, klang für mich wie der fantastischste Feiertagsauftakt meines Lebens.
Ich lebte eigentlich nur für diese Zeit des Jahres, wenn die Hitze des Sommers vorüber war und in den Lebensmittelläden feierliche Musik erklang, kaum dass der Oktober begonnen hatte und jedes Unternehmen allmählich auf Weihnachtswerbung umstellte. Ich war schon immer ein Nostalgiejunkie, und für mich gab es keinen besseren Trip als die Zeit der Feiertage. Die kühlen Herbstabende erinnerten mich an die Zeit, als ich meine Kostüme selbst zusammenbastelte und mit Freunden Zuckerexzesse feierte. Es war die Zeit kratziger Pullis und überfüllter Räume, in denen der Geruch von Truthahn und Preiselbeergelee hing. Das Tüpfelchen auf dem i war der Gedanke an frischen Pulverschnee und dazu leise Weihnachtslieder aus dem Radio schon am frühen Morgen.
Der bloße Gedanken daran war meine Droge, und wenn dann die Feiertage kamen, tendierte ich zu gewissen Übertreibungen. Dieses Jahr hatte ich erstmals ein Riesenbudget für Übertreibungen, und mir war beinahe angst und bange, was für eine Monsterparty ich mit Williams Geld auf die Beine stellen würde.
Bis zu dem großen Tag waren es nur noch zwei Wochen, und ich konnte es kaum erwarten.
Ich zog mich am Morgen so leise wie möglich an. In meiner Downtown-New-York-Wohnung mit zwei Schlafzimmern. Für New Yorker Verhältnisse war das schon über dem Durchschnitt. Für normale Verhältnisse waren es eher ein paar zusammengeschobene Wandschränke. Als wäre das noch nicht eng genug gewesen, teilte ich die Unterkunft noch mit meinem Mitbewohner Steve.
Eigentlich hätte ich mir inzwischen etwas Schöneres leisten können, zudem ohne Mitbewohner, aber der Betrieb war die reinste Geldvernichtungsmaschine. Wenn ich wachsen wollte, musste ich permanent investieren. Und wenn ich William auszahlen und finanziell endlich unabhängig werden wollte, musste ich erst recht sorgfältig mit meinem Geld umgehen. Deshalb wohnte ich momentan so billig, wie ich nur konnte.
Ich öffnete die Tür einen Spalt und entdeckte Steve auf der Couch mit seiner neuesten Pseudomodel-Freundin, die vorläufig letzte einer langen Reihe kurzlebiger Beziehungen. Er hatte Aussichten auf einen Einsatz als Quarterback in der National Football League, ein Umstand, der ihn offenbar mit einer schier endlosen Flut ausgesprochen attraktiver New Yorker Frauen versorgte, von denen die meisten lediglich auf die Gehaltsschecks aus waren, die er nach Hause bringen würde, sollte er es tatsächlich in die Liga schaffen. Falls ihn das störte, so beklagte er sich jedenfalls nie darüber.
Steve stöhnte und fuhr sich mit der Hand über das Haar, was dies noch ein wenig irrer aussehen ließ als ohnehin schon. Er zuckte zusammen und stützte sich gegen die Armlehne, den Blick ratlos auf die Frau gerichtet, die quer über seinem Schoß lag.
»Jenna«, sagte ich. »Du hast sie beim Bar-Quizabend kennengelernt und magst sie, weil sie die schönsten Kunsttitten hat, die dir je untergekommen sind.«
Langsam dämmerte es ihm. »Jenna«, wiederholte er. Es klang, als lasse er einen Versuchsballon steigen.
»Jenna«, bestätigte ich.
»Hä?«, sagte sie schläfrig, drehte den Kopf zur Seite, verlor dabei das Gleichgewicht und fiel von der Couch.
Steve versuchte, sie mit geradezu komisch langsamen Reflexen aufzufangen, und zuckte dann zurück. »’tschuldigung, Süße«
Doch die schnarchte bereits wieder leise vor sich hin.
»Du weißt wirklich, wie man sie abschleppt.«
»Scheiße, Mann. Zumindest schleppe ich jemanden ab. Und auf was arbeitest du derzeit hin? Den vierten Jahrestag deines Junggesellendaseins? Soll ich irgendwelche verdammten Priesterklamotten kaufen? Warte mal«, sagte er, während sich langsam ein Kiffergrinsen auf seinem Gesicht ausbreitete. »Ich sollte dir nicht verdammte Priesterklamotten kaufen. Verstehst du? Weil …«
»Lass erst mal dein Hirn ganz wach werden, ehe du weitere Witze reißt. Sei so gut. Und kümmere dich um deinen eigenen Schwanz. Der fällt dir noch ab, wenn du ihn weiterhin in alles reinsteckst, was sich bewegt.«
»Ich korrigiere: In alles, das sich bewegt, wie ich es mag. Ich habe Standards, Mann. Und man nennt es Kondom. Du weißt schon, diese Dinger, die du nie kaufst, weil du mit den Frauen lieber gut Freund bist, als Gottes Werk zu tun und deinen Schwanz in sie reinzustecken.«
»Vielleicht solltest du Priester werden. Das war echt erhellend.«
»Ganz genau. Aber ich meine es ernst. Ich mache mir Sorgen um dich, Junge. Es ist nicht gesund, die beste Zeit deines Lebens derart zu vergeuden – den ganzen Tag mit Teigklumpen und ähnlichem Mist herumzuspielen. Du brauchst eine Frau, und nein, nicht schon wieder eine, die dir, ohne Make-up zu tragen, die Ohren über ihren Freund volljammert.«
»Ist dir nie in den Sinn gekommen, dass ich vielleicht Freundinnen haben könnte, die ich aber aus offensichtlichen Gründen lieber nicht mit hierher nehme?« Hatte ich selbstverständlich nicht, aber das ging ihn ja nichts an.
Er runzelte die Stirn. »Du verheimlichst mir Frauen? Das ist aber nicht nett. Meine Freundinnen darfst du alle kennenlernen.«
»Nein, welche Ehre!« Ich deutete auf Jenna. »Sehr erfreut, Jenna. Es war einfach toll. Steve wird vermutlich vergessen, dass er sich heute Abend mit dir treffen soll, und wird eine neue Freundin aufgabeln. Aber ich bin sicher, du warst für ihn etwas ganz Besonderes.«
Jennas leises Schnarchen deutete darauf hin, dass sie mich nicht gehört hatte.
»Ach, nein. Heute ist ja Taco-Dienstag, und jeder weiß, dass man im Cinco de Mayo keine Frauen aufreißt. Aber egal, Mann. Ich meine ja nur. Das Leben ist ein einziges Büfett, und man kann den ganzen Tag, jeden Tag so viele heiße Mädchen kriegen, wie man will. Du jedoch stehst an der beschissenen Salattheke und stocherst wie ein Schwachkopf mit den Fingern an den Tomaten rum. Abwechslung ist das Salz in der Suppe. Du solltest mal ein bisschen Pfeffer zugeben. Mehr sage ich nicht dazu.«
»Das Gewürz des Lebens.«
»Genau, exakt das, was ich gerade gesagt habe.«
Ich schüttelte den Kopf. »Ich muss zur Arbeit.«
Steve sank auf die Couch zurück und gähnte. »Na dann, viel Spaß.«
Er tat so, als würde er nicht arbeiten. Dabei riss er sich den Arsch auf, studierte Videos von seinem Training und vom Team, stemmte Gewichte und hielt sich generell fit. Glaubte man den Analysten, hatte er echte Chancen in der Footballliga, aber er hatte sich typischerweise außerhalb des Spielfelds selbst ins Knie geschossen, und das keineswegs im übertragenen Sinn. Er hatte sich tatsächlich ins Bein geschossen. Eine illegale Pistole war in seinem Auto versehentlich losgegangen, als er sie um den Finger wirbeln ließ, um vor einem Mädchen anzugeben. Zum Glück hatte er sich selbst getroffen, noch dazu ohne irreparable Schäden anzurichten.
Sein offenkundiger Mangel an Entschlusskraft hatte das Interesse an ihm trotz seines Talents erlahmen lassen.
Der Vorteil war: Er bekam ganz hübsch Geld und bezahlte immer pünktlich die Miete. Der Nachteil … tja, da gab es jede Menge, aber wenn es um Steve ging, war es klüger, sich auf das Positive zu beschränken.
In letzter Zeit ließ ich mich nicht mehr oft in der Bäckerei blicken. Die meisten Tage verbrachte ich in Meetings, wo ich Leute zu überzeugen versuchte, dass ein Bubbly-Baker-Franchise genau das war, was sie wollten, und mit den Besitzern der bestehenden Läden, um diese bei der Stange zu halten. Oft fragte ich mich, wieso ich eigentlich auf diesen Franchise-Zug aufgesprungen war. Ich hatte mir nie groß etwas aus Geld und Erfolg gemacht. Am glücklichsten war ich immer gewesen, wenn meine Hände schmutzig waren und ich etwas fertiggestellt hatte, auf das ich stolz sein...




