Bogenberger | Hattinger und der Nebel | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 2, 392 Seiten

Reihe: Ein Fall für Hattinger

Bogenberger Hattinger und der Nebel

Ein Fall für Hattinger, Band 2
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-86532-392-7
Verlag: PENDRAGON Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Fall für Hattinger, Band 2

E-Book, Deutsch, Band 2, 392 Seiten

Reihe: Ein Fall für Hattinger

ISBN: 978-3-86532-392-7
Verlag: PENDRAGON Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hattingers zweiter Fall Ein Auge glotzt aus einem Sandhaufen. Die dazugehörige Leiche des Mannes wird auf einem Bauplatz ausgegraben. Der Tote ist ein dubioser Immobilienmakler, der sich am Chiemsee viele Feinde gemacht hat. Die Liste der Verdächtigen ist lang. Es gibt viele Spuren, aber keinen konkreten Hinweis. Und das Morden geht weiter ... 'Chiemsee Blues', Kommissar Hattingers erster Fall, wurde als Hattinger und die kalte Hand erfolgreich vom ZDF mit Michael Fitz und Edgar Selge in den Hauptrollen verfilmt.

Thomas Bogenberger wurde 1952 in Traunstein geboren. Nach dem Umweg über ein abgeschlossenes Medizinstudium zog es ihn zurück auf die Bühne, wo er als 16-Jähriger seine Karriere als Musiker begonnen hatte. Heute komponiert und schreibt er Film-, Hörspiel- und Theatermusik und lebt in seiner alten Heimat Prien am Chiemsee.
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3

Ein dicker, grauer Kater durchquerte das Baugrundstück, über das sich der herbstliche Nebel gelegt hatte. Er näherte sich vorsichtig der Stelle, die jetzt von hellen Scheinwerfern erleuchtet war, und senkte seinen Kopf auf den Boden wie eine Baggerschaufel, um ausgiebig zu schnuppern.

Fred Bamberger, der Chef der Spurensicherung, versuchte den Kater mit einem sanften Fußlift unter dem Bauch zu verscheuchen. Das Vieh war offensichtlich recht zutraulich, aber Bamberger wollte sich keine Spuren versauen lassen. Der Kater maunzte ihn vorwurfsvoll an.

„Da! Des war er! Der Kater, der mi so kratzt hat … Der is schuid, dass i überhaupt durch des Loch gschaut hab. Hätt i’s bloß seinlassen, jetz hab i wahrscheinlich wochenlang Albträume!“

Das Wort Albträume stieß Hattinger unangenehm auf. Die aufgebrachte Frau, die auf den flüchtenden Kater zeigte, war vielleicht Mitte 20, schätzte er. Sein Assistent Karl Wildmann hatte ihre Personalien schon aufgenommen. Er selbst wusste bis jetzt nur, dass sie Eva Meier hieß.

„Des war scho richtig, dass Sie gschaut ham. Wer woaß, wie lang die Leich da glegn wär, ohne Sie …“, versuchte Hattinger sie zu beruhigen. „Und Sie ham ganz sicher nix ang’rührt?“

„Naa, wia sollt i denn? I bin ja gar ned auf dem Grundstück gwesn. I hab ja nur durch des Loch im Zaun gschaut!“

Das hatte sie jetzt verschiedensten Polizisten bestimmt schon zum zehnten Mal erklärt, das könnten sie ihr doch jetzt langsam mal glauben, fand Eva Meier.

„Is Ihnen sonst irgendwas aufgfalln? Sie wohnen ja ganz in der Näh, oder?“, wollte Hattinger wissen. „War irgendjemand auf der Straß’ unterwegs? Oder ham S’ irgendwas ghört?“

Die Frau schaute sich um.

„Gsehn hab i niemand. Da is ja fast nie jemand unterwegs, wenn auf der Baustell nix passiert, und da passiert ja scho lang nix mehr. Aber so a Gfühl hab i ghabt, ois wie wenn jemand da wär …“

„Aha …“ Mit Frau Meiers Gefühl konnte Hattinger gerade wenig anfangen, auch wenn er aus seiner langjährigen Erfahrung als Kriminaler wusste, dass solche Gefühle bei Zeugen nicht selten auf einem realen Hintergrund beruhten.

Eva Meier sah sich immer noch um, als ob irgendjemand hinter ihr her wäre. Sie standen zusammen neben der Grundstückseinfahrt, die sich um die Ecke von besagtem Loch befand. Die Einfahrt war durch ein einfaches Baustellengitter gesichert gewesen, das sie vor etwa einer Stunde entfernt hatten, um besseren Zugang zu dem Baugelände zu haben. Es war ein recht großer Bauplatz, vielleicht 2 000 Quadratmeter, schätzte Hattinger, und er lag am hinteren Rand einer geplanten Neubausiedlung in Bernau. Dahinter ein Wäldchen, und in vielleicht 100 Metern Entfernung ein alter Bauernhof, der wohl schon bessere Tage gesehen hatte. Am linken Rand des Grundstücks war ein großer Humusberg aufgeworfen, dahinter ausgebaggerter Lehmboden, vermutlich aus der Baugrube, in der das betonierte Kellerfundament eines Einoder Zweifamilienhauses zu sehen war. Und dann der Sandhaufen, rechts hinter der Einfahrt, über dem Polizisten gerade ein großes weißes Zelt errichteten für die Spurensicherung. Es war Regen angesagt.

„Wissen Sie vielleicht, warum der Bau eingstellt worn is?“ Hattinger hatte bei seinem ersten Rundgang auf dem Gelände keinerlei Baumaschinen entdeckt, auch kein Baumaterial außer dem Sandhaufen. Ungewöhnlich erschien ihm, dass das Grundstück an den Straßenseiten von einem etwa zwei Meter hohen Holzzaun geschützt war.

„I hab ghört, dass denen as Geld ausgangen is, von meim Nachbarn. Aber nix Genaues weiß ich auch ned. Ich kenn die Leut ned. Konn i jetz dann gehn, Herr Kommissar?“

„Guad. Wahrscheinlich meld’ma uns, die nächstn Tag’. Oans no …“, schickte er ihr hinterher, als sie sich zum Gehen wandte, „woher wissen Sie eigentlich, dass des a Kater is, und koa Katz?“

Das riesige graue Tier hatte sich neben der Einfahrt niedergelassen und sah Hattinger vorwurfsvoll an. So kam es ihm jedenfalls vor.

„I hab keine Ahnung. Aber a Freundin von mir, die hat früher genau so oan ghabt, des war a Kartäuserkater, der war genauso groß. Vielleicht deswegn …“

„Aber Sie kennen ihn ned persönlich?“

„Naa. Der strawanzt ab und zua in der Gegend rum, aber i hab koa Ahnung, wem der ghört.“

„Ach, und no oans: Was ham Sie hier eigentlich wollen?“

„Ja i wohn ja da hinten, zwoa Straßn weiter, und ab und zua nimm i die Abkürzung durch’n Wald“, sie deutete über das Baugrundstück hinweg, „des is der kürzeste Weg zu meim Fitnessclub.“

Hattinger sah sie ein bisschen ungläubig an.

Eva Meier reagierte eingeschnappt.

„Da geh i seit zwoa Jahr hi. Ah wenn S’ es ned glaubn, in der Zeit hab i scho 30 Kilo abgnomma!“

„Respekt. Ja, dann möcht ich Sie jetz ned länger aufhalten.“

Als sie gegangen war, kam Karl Wildmann auf ihn zu. Er war als Erster vor Ort gewesen und hatte sich die Sache mit dem Auge angeschaut, bevor er Alarm schlug. Am Anfang war ja noch nicht klar gewesen, ob es sich nicht wirklich nur um ein einzelnes Auge handelte, vielleicht ein Tierauge, was da aus dem Sandhaufen lugte. Aber bei genauerer Betrachtung sah Wildmann daneben eine Nasenspitze im Sand, ein Stück Augenbraue, Wimpern und eine dunkle Locke, so dass man davon ausgehen konnte, dass es sich zumindest um einen menschlichen Kopf handelte.

Nachdem Hattinger eingetroffen war, beschloss er, mit Ausgrabungen zu warten, bis der Fotograf den Hügel dokumentiert und Fred Bamberger mit seinen Leuten die Umgebung abgesucht hätte.

„Wiederzubeleben gibts hier ja nichts mehr …“, gab ihm Wildmann recht.

„Schaut so aus. Was macht die Rechtsmedizin?“

„Ist unterwegs. Dauert aber noch.“

Klar, die mussten schließlich immer von München hier rausfahren. Hattinger fragte sich, ob die Münchner Kollegen nicht genauere Todeszeitpunktbestimmungen bekamen, weil die Rechtsmediziner schneller vor Ort waren. Müsste man mal untersuchen. Er hätte aber deswegen trotzdem nicht mit den Münchnern tauschen wollen. In München ging ja schon die Hälfte des Gehalts für Miete drauf …

Beim Stichwort Miete wurde ihm schmerzhaft dieses Kündigungsschreiben wieder bewusst. Mit so etwas hatte er wirklich nicht gerechnet. Er war immer gut ausgekommen mit seinen Vermietern. Aber klar, die hatten einen Sohn, der hatte geheiratet und Nachwuchs produziert, und jetzt brauchte er in Wasserburg eine Wohnung, da war es ja naheliegend, dass sie ihm kündigten!

Er versuchte sich mit dem Gedanken zu trösten, dass die Wohnung eigentlich sowieso zu groß war für ihn, seit seine Frau ausgezogen war. Und Lena war ja nur ab und zu da. Würde er sich eben etwas Kleineres suchen, Hauptsache es war in Wasserburg und es gab genügend Platz für Lenas Besuche. Trotzdem war es einfach beschissen! Er hatte sich an die Wohnung gewöhnt, sie war bezahlbar und er hatte keinerlei Lust auf Umzüge.

Wie auch immer, eines war klar: Nach Rosenheim würde er unter gar keinen Umständen ziehen, bloß weil er da arbeitete.

Rosenheim hatte für Hattinger was Deprimierendes. Und seine Beliebtheit dort war nicht gerade gestiegen, als er letzte Woche in einem Interview mit so einem lokalen Käseblatt Rosenheim als das Schwarze Loch im Chiemgau bezeichnet hatte. Und dass er die Rosenheim Cops bescheuert fand! Ouh ouh ouh …, da hatten sie aber auf ihn eingeprügelt, leserbriefmäßig: Wie gerade er als Leiter der Rosenheimer Mordkommission sich so eine unqualifizierte Entgleisung erlauben könne, und dass er doch hingehen solle, wo der Pfeffer wächst! Wo der Pfeffer wächst … also nach Madagaskar zum Beispiel, oder nach Sansibar … Das wär jetzt gar nicht schlecht. Warm und weit weg auf jeden Fall, wohingegen es hier gerade arschkalt, neblig und dunkel war. Der November hatte die Gegend fest im Griff …

„Chef? Alles in Ordnung?“

Karl Wildmann kam mit einem langen Gegenstand in der Hand und riss ihn aus seinen düsteren Überlegungen. Hattinger hatte ihm vor Kurzem das Du angeboten, weil er ihn als Assistenten sehr schätzte, und auch so war er ein netter Kerl. Aber Wildmann hatte sich immer noch nicht richtig daran gewöhnt, so dass er mit einer ständig wechselnden Mischung aus Chef, Du und Hattinger jonglierte. Das Problem war, dass er seinen Chef nicht beim Vornamen nennen durfte, und die Kombination von Du und Hattinger kam ihm noch nicht so leicht über die Lippen wie etwa dem alten Haudegen Bamberger, der Hattingers Vornamen wahrscheinlich längst vergessen hatte.

„Bamberger hat gemeint, ich soll dir das schon mal zeigen.“

„Mhm. Was hamma denn da?“

„Eine Eisenstange. Die haben wir da hinten am Rand der Baugrube gefunden, im Gebüsch.“ Er zeigte seinem Chef das etwa einen Meter lange Teil, natürlich in durchsichtiges Plastik verpackt. „Da sind ein paar verdächtige Flecken drauf.“

Hattinger wog die Stange in der Hand. Mit dem schweren rostigen Trumm konnte man gut jemanden umbringen. Er gab sie Wildmann zurück.

„Oiso lass uns amoi spekulieren, solang ma nix bessers vorham: Wia kommt a Leich da in dem gottverlassenen Winkel in an Sandhaufn?“

Karl Wildmann nahm die Brille ab und begann die Gläser zu polieren. Wenn er die Brille nicht aufhatte, sah er noch mehr wie ein Schulbub aus, fand Hattinger.

„Ich würde sagen: Jemand kommt an einem trüben Nachmittag wie diesem hier vorbei. Weil es neblig und kalt ist,...



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