Bogenberger | Hattinger und die Schatten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 512 Seiten

Reihe: Ein Fall für Hattinger

Bogenberger Hattinger und die Schatten

Ein Fall für Hattinger, Band 3
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86532-561-7
Verlag: PENDRAGON Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Fall für Hattinger, Band 3

E-Book, Deutsch, Band 3, 512 Seiten

Reihe: Ein Fall für Hattinger

ISBN: 978-3-86532-561-7
Verlag: PENDRAGON Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Im Chiemsee wird eine Wasserleiche entdeckt. Während Kommissar Hattinger noch damit beschäftigt ist, die Identität des Opfers zu klären, geschieht ein weiterer Mord vor dem Anwesen des Kunsthistorikers Meisel. Als Hattinger den Besitzer der imposanten Villa befragen will, stellt sich heraus, dass Meisel seit einiger Zeit verschwunden ist. Auch wie er seinen aufwendigen Lebensstil bestreitet, ist unklar. Gerüchte über Beutekunst kursieren in der Nachbarschaft. Als Hattinger endlich eine Spur hat, die ihn in Neonazi-Kreise führt, wird er von oberster Stelle zurückgepfiffen. Doch unerschrocken ermittelt er weiter und übersieht dabei, dass seine Tochter Lena in ernsthaften Schwierigkeiten steckt.

Thomas Bogenberger wurde 1952 in Traunstein geboren. Nach einem abgeschlossenen Medizinstudium zog es ihn zurück auf die Bühne, wo er als 16-Jähriger seine Karriere als Musiker begann. Heute komponiert er Film-, Hörspiel- und Theatermusik und schreibt Krimis in seiner alten Heimat Prien am Chiemsee.
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2

Achim Kruppcke, Kruppcke mit Doppelpee und Zeckaa!, wie er sich gerne vorstellte, steuerte die weiße Mietyacht von Gstadt an der Fraueninsel vorbei Richtung Süden. Er saß betont lässig am Rand der Pit und trug sein weißes Lieblings-T-Shirt mit der Aufschrift:

NIVEAU sieht nur von unten aus wie Arroganz!

Kruppcke hielt sich für einen erfahrenen Segler. Er hatte in der Tat schon mal ein paar Gewitterböen auf dem Wannsee überstanden, ohne zu kentern. Das war lange her. Vor vielen Jahren, im Sommerurlaub am Chiemsee, hatte er sogar den A-Schein gemacht, aber die zweimal im Jahr, die er sich seitdem mit irgendeinem Leihboot auf ein Berliner Binnengewässer hinausgewagt hatte, rechtfertigten seine Selbsteinschätzung eher nicht.

Im Moment musste er echt aufpassen, weil ein Mörderverkehr auf dem Chiemsee herrschte. Gott und die Welt waren heute unterwegs, mit allem, was irgendwie schwimmfähig war, kreuz und quer durcheinander. Was solls, dachte Kruppcke, er manövrierte nach dem Prinzip Augen zu und durch. Schließlich hatte er einen dicken Pott gechartert, allein schon, um Jessica zu imponieren. Da würden die meisten freiwillig aus dem Weg gehen, wenns drauf ankam. Hoffte er zumindest. Außerdem hatte das Ding eine Kajüte, wenn er also irgendwann ruhigeres Fahrwasser ansteuern konnte, würde sich dieser Umstand bestimmt gewinnbringend nutzen lassen …

Jessica – er sagte Jessilein zu ihr und sprach es wie Yes aus – war seine neue Flamme. Und wie das Jessilein brannte, mit der ging so richtig die Post ab, knick knack, alter Schwede! Sie war seit kurzem Sekretärin im Autohaus seines Vertrauens, da hatte er nicht lange gefackelt und sie gleich abgegriffen. Ne richtig schicke blonde Mieze, mit viel Leder und Nieten und einem nicht zu verachtenden Vorbau.

Jessilein fläzte lässig in der Pit, schraubte ihr Gesicht in die Sonne und die langen Haare flatterten ihr um den Kopf. Sie schien den Trip zu genießen.

„Herrlich!“, rief sie in den Wind und blinzelte Kruppcke an.

„Det kannste ruhig ablegen“, schlug Kruppcke vor, mit Blick auf ihr Bikini-Oberteil. „Det machen alle andern ooch.“

Jessica sah sich um. ‚Alle andern‘ war maßlos übertrieben, aber man sah durchaus den einen oder anderen Busen, der in der Hoffnung auf nahtlose Bräune in die Sonne gereckt wurde. Sie nahm ihr Oberteil ab und präsentierte Kruppcke mit einem neckischen Lächeln ihre Brüste. Wozu hatte man sich schließlich die Mühe gemacht, das alles silikontechnisch zu untermauern.

„Ick muss irjendwo parken“, kommentierte Kruppcke.

„Ja, mach mal, ich will sowieso schwimmen.“

Sie waren mittlerweile an Frauenchiemsee vorbei und Kruppcke hielt östlich der Krautinsel auf die Spitze der Herreninsel zu. Das Wetter war einfach fantastisch, strahlend blauer Himmel, bestimmt über 30 Grad, und ein steter Ostwind, der einen die Hitze vergessen ließ und für ordentliches Tempo sorgte.

Fast zu ordentlich.

Die Yacht war das Größte, was er bis jetzt gesegelt hatte, und sie reagierte viel empfindlicher auf Wind, als er sich das vorgestellt hatte. Ein Schwertkieler. Zum Glück war der Wind nicht so stark wie gestern, als sie in Gstadt angekommen waren, Jestatt, wie Kruppcke trötete, obwohl er es eigentlich besser wusste.

Gestern hatte es regelrecht gekachelt und zur Einstimmung durfte er gleich ein paar Jollen beim Kentern beobachten, quasi direkt vor der Nase. Der Weitsee war ganz dunkelgrün gewesen, fast schwarzgrün, mit Schaumkronen drauf. Ein paar Windsurfer schossen in atemberaubendem Tempo kreuz und quer dahin, dass es nur so spritzte.

Kruppcke mochte gar nicht glauben, was da abging. Schließlich hatte er die Yacht gleich für drei Tage vorbestellt, da wärs ja zu peinlich gewesen, wenn er wegen zu viel Wind …

„Guck mal, da drüben is viel weniger los“, meinte Jessilein und deutete zur Insel hinüber. „Da weiter rechts. Da könnten wir doch baden“, zwinkerte sie ihm zu.

„Rechts, is jut.“

Kruppcke hätte ihr gerne mit ein paar seemännischen Begriffen imponiert, aber er ließ es lieber bleiben, weil er Backbord und Steuerbord immer durcheinander brachte, genauso wie Luv und Lee. Es gab Nebensächlichkeiten, die musste man sich nicht merken. Aber Jessicas Wunsch war ihm Befehl, er steuerte also auf die Insel zu und versuchte mit dem Auffieren der Segel nachzukommen, als der Kurswechsel die Yacht in eine bedrohliche Schräglage brachte.

Jessica schaute ein bisschen verunsichert drein und hielt sich am Backstag fest.

Als Kruppcke die Lage wieder im Griff hatte, schauten sie zur Herreninsel rüber. An der Ecke waren tatsächlich kaum Boote, zumindest keine Segler, nur das eine oder andere Ruder- oder Elektroboot. Vielleicht hätte er einfach ein Elektroboot mieten sollen? Nee, ausgeschlossen! Er musste Jessilein schon was bieten. Bis jetzt hatte sie sich ja immer großzügig revanchiert …

Jessica kletterte aus der Pit und setzte sich aufs Vorschiff, um mehr Sonne abzukriegen. Kruppcke fand, dass sie eine ausgezeichnete Gallionsfigur abgab.

„Achim? Kannste mir mal die Sonnencreme rüberwerfen? Glaube ich muss meine besten Teile schützen.“

Kruppcke stand auf, um die Creme von der Bank zu fischen und warf sie ihr zu.

„Na denn mach ma!“

Er bemerkte im Stehen, dass das Wasser hier langsam flacher wurde. Noch kein Grund zur Beunruhigung, aber er würde doch irgendwann mal das Schwert hochziehen müssen. Wie ging das nochmal?

Jessilein drehte sich auf dem Vordeck zu ihm um und begann, sich ausführlich die Brust einzucremen.

„Na du machst et mir ooch nich leicht“, befand Kruppcke, angesichts ihrer hervorragenden Argumente gegen seine Konzentration aufs Seemännische. Schwert rauf und da an der Insel ankern, dachte er. Er überließ das Schiff kurz sich selbst, um aus der Kajüte das Handbuch zu holen, das da auf dem Tischchen lag.

„Guck ma, da kommt einer“, rief ihm Jessica zu, als er wieder auftauchte. Sie lugte unter der Fock durch. „Ziemlich schnell kommt der!“

Kruppcke sah sich um. Eine dunkelblaue Trias kam geradewegs auf sie zu, mit einem tief braungebrannten älteren Herrn an der Pinne, der das Boot mit leichter Hand steuerte. Das Ding sah uralt aus, aber es war offensichtlich schnell.

„Der soll ausweichen“, fand Kruppcke.

Das fand der Lenker der Trias offenbar nicht.

„Häh! Was habts’n ihr vor? Raum!“, rief er zu ihnen herüber. „Ja gehts no? Aus’m Weg!“, schrie er, während er immer näher kam. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, donnerte er mit der flachen Hand aufs Deck.

„Ey jetz hab dich ma nich so!“, schrie Kruppcke zurück und behielt seinen Kurs bei. Würde man ja mal sehen, wer hier den Schwanz einzog. Er jedenfalls nicht!

Der alte Lockenkopf dachte allerdings gar nicht daran auszuweichen. Im Gegenteil, er schoss hoch am Wind auf sie zu. Verfluchte Hühnerkacke! Der schien sogar noch höher zu gehen, der wollte sie absichtlich abdrängen!

„Idiot!“, schrie Kruppcke und riss im letzten Moment die Yacht herum, hielt jetzt direkt auf die Insel zu.

Die Trias schrammte haarscharf an ihnen vorbei. Der wettergegerbte Skipper war aufgesprungen. Er fierte Großsegel und Genua auf und ging leicht in den Wind, um Fahrt rauszunehmen.

„Sag amoi, habts ihr Tomaten auf de Augn?“, schimpfte er zu ihnen rüber. „Scho amoi was von Vorfahrt ghört? Backbordschoten vor Steuerbord?!“

„Ja, du mich ooch!“, schrie Kruppcke zurück, während er weiter auf die Insel zuhielt.

„Sie unfreundlicher alter Sack!“, pflichtete ihm Jessilein lautstark bei, während sie ihre Brüste halbwegs mit den Händen bedeckte. Dem alten Sack wollte sie deren Anblick nicht gönnen.

„Na ja, Preißn … Alles klar“, gab der alte Sack zurück. Er verfolgte den Weg der Yacht und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Aber i daad jetz langsam aufbassn …“

Einen Moment später wurde Kruppcke klar, was er meinte: Ein Ruck ging durch das Schiff. Kruppcke und Jessica schwankten perfekt synchron Richtung Bug wie in einer bremsenden Straßenbahn, die Plastikflasche mit der Sonnencreme schoss in dieselbe Richtung, Jessica ließ ihre Brüste fahren und hechtete dem teuren Sonnenschutz hinterher, Kruppcke schaute ziemlich verdattert, er hatte vor Schreck die Pinne losgelassen und das Handbuch der Yacht gleich hinterher geworfen, dann gab es einen zweiten, wesentlich heftigeren Ruck, Kruppcke stürzte unsanft in die Pit, als das Schiff sich im Seegrund festfraß und das Jessilein ging über Bord.

Der Lenker der Trias lachte lauthals auf, der Anblick war einfach zu komisch. Er hatte schon gewusst, warum er nicht zur Inselseite hin auswich. Mit den Untiefen der Langen Seichte war nicht zu spaßen wenn man ein Kielboot segelte, am allerwenigsten im Hochsommer, bei so niedrigem Wasserstand wie zur Zeit.

Kruppcke rappelte sich hoch und hielt sich die aufgeschlagenen Knie. Er gab halblaute Verwünschungen von sich. Halblaut nur deshalb, weil er sich nicht noch mehr die Blöße geben wollte vor diesem alten Idioten, diesem, diesem … Einheimischen!

Wo war Jessica eigentlich abgeblieben, fragte er sich, als er sich wieder halbwegs im Griff hatte.

Scheiße.

Er hörte so ein komisches Blubbern und Gurgeln, was war da los? Da vorne neben dem Boot, da kamen Luftblasen hoch!

„Jessilein? Jessi?! Kacke!“

Er hangelte sich schnell zum Bug vor und stierte ins Wasser.

Da, da war sie – sie schrie unter Wasser!

Sie hing irgendwie fest.

„Jessica!!!“

Kruppcke sprang ins Wasser.

Der Mann auf der Trias hatte einen Anker...



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