Boldt | Der Temporalanwalt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 188 Seiten

Boldt Der Temporalanwalt


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95765-985-9
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 188 Seiten

ISBN: 978-3-95765-985-9
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hans-Peter Grießau ist DER TEMPORALANWALT. Natürlich firmiert er nicht unter diesem Titel, und eigentlich weiß auch keiner - außer einigen wenigen Eingeweihten -, dass er überhaupt mit Zeitreisen zu tun hat. Er ist in diesen Job hineingerutscht; als eines Tages der aus der Zukunft stammende Harm Meesters zu ihm Kontakt aufnimmt. Im Ammerland soll die Temporalkuppel gebaut werden, die Reisen in die Vergangenheit ermöglicht. Grießau soll den Bau als Rechtsbeistand betreuen. Er lernt dabei Menschen kennen, die aus Zeitreisen Gewinn machen möchten oder die sich in unserer nahen Zukunft selbst verlieren. Harm Meesters aber hat seine ganz eigenen Pläne. Eine geheimnisvolle Frau in Schwarz warnt Grießau, dem Zeitreisenden nicht zu trauen. DER TEMPORALANWALT ist auf den ersten Blick eine 'normale' Zeitreisegeschichte - sofern Zeitreisen normal sind. Der Roman nimmt den Leser mit - in eine nahe und eine fernere Zukunft, und in die ferne Vergangenheit der Germanen. Am Ende ist aber alles anders.

Ralf Boldt wurde am 11.06.1962 in Norden (Ostfriesland) geboren und verbrachte dort auch seine Schulzeit. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt der Angewandten Informatik arbeitete er zunächst in Emden, Leer und Wilhelmshaven bevor es ihn Richtung Oldenburg zog. Die Science Fiction faszinierte ihn schon früh. Und der SF ist er bis heute treu geblieben. Mit seiner Frau, drei Katzen und einem Rudel Hunde wohnt er nun im schönen Ammerland. Die drei Kinder sind mittlerweile flügge geworden und wohnen nicht mehr zuhause. So bleibt manchmal etwas Zeit zum Schreiben.
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Wie alles begonnen hatte


Zeit ist das, was man an der Uhr abliest.

Albert Einstein

Drei Männer betraten das Büro. Der Verkäufer war der Prokurist eines Torfabbauunternehmens aus dem Cloppenburger Raum, der Käufer ein Mann im Alter von nur zwanzig Jahren mit dem typischen norddeutschen Namen Harm Meesters – mit Doppel-E.

Es sollte ein Moorgebiet im Ammerland von fast sechshundertachtzig Hektar Größe den Besitzer wechseln. Dies war schon ein wenig ungewöhnlich, denn was wollte so ein junger Mann mit einem so großen feuchten Stück Land? Doch noch überraschender war der Anblick des Mannes in seiner Begleitung, der vielleicht dreißig Jahre älter war. Sie hatten eine Ähnlichkeit, dass sie eineiige Zwillinge sein konnten, wenn der Altersunterschied nicht gewesen wäre.

Ich begrüßte die drei und bat sie, Platz zu nehmen. Ein »Wir kennen uns ja schon« des älteren Begleiters brachte mich kurz aus dem Konzept, aber nur kurz. Ich kannte ihn nicht, noch nicht.

Nachdem sich alle auf ihren Stühlen niedergelassen hatten, begann ich mit der Beurkundung. Ich ließ mir die Ausweise zeigen, sowie die Vollmacht des Prokuristen. Daraufhin verlas ich den Vertrag und hielt einen hoffentlich für die Anwesenden nicht bemerkbaren Moment beim Preis inne – es handelte sich immerhin um eine Summe von siebeneinhalb Millionen Euro! Daraufhin legte ich die Papiere meinen Gegenübern zur Unterschrift vor.

»Gibt es noch Fragen zum Vertrag?«

Ich schaute die beiden Unterzeichner nacheinander an. Beide schüttelten leicht den Kopf. Ich bestätigte die Verneinung mit einem Nicken.

»Dann unterschreiben Sie bitte an den gekennzeichneten Stellen.«

Beide unterzeichneten die Urkunde und ich tauschte die Papiere, damit auch die andere Partei ihren Namen unter die Dokumente setzen konnte.

Abschließend beurkundete ich den Vorgang.

»Herzlichen Glückwunsch«, sagte ich in den Raum hinein, ohne eine der Parteien damit wirklich zu meinen, denn als Notar galt es immer, Neutralität zu wahren.

Ein Runde Händeschütteln – jeder mit jedem – und die Männer verließen mein Büro.

Das war die letzte Amtshandlung für diesen Tag und ich freute mich schon auf meinen Feierabendespresso im Grand Café, wie ich ihn mir seit einiger Zeit zum Abschluss eines Arbeitstages gönnte. Eine kurze Ruhephase für mich und ein Weg, die Arbeit hinter mir zu lassen, wofür mir Sabine sehr dankbar war.

Ich klemmte mir also mein Webpad und die wenigen Zeitungen und Zeitschriften, die ich immer noch in Papierform las, unter den Arm und verabschiedete mich von Frau Halbstedt. Beim Hinausgehen sagte ich zu ihr, dass sie nicht mehr so lange arbeiten sollte, und bekam wie fast jeden Tag die Standardantwort »Ich gehe auch gleich!« zurück, was wie immer nicht der Wahrheit entsprechen würde. Dann radelte ich gemütlich in die Innenstadt.

Das Grand Café hatte seit gut einem Jahr wieder geöffnet, nachdem es längere Zeit unter anderem Namen geführt worden war. Aber schon in meiner Studentenzeit hatten wir uns hier nach den Vorlesungen getroffen, Kaffee getrunken, gefachsimpelt und Zukunftspläne geschmiedet.

Ich ließ mich in meinem Lieblingssessel nieder, die Kellnerin brachte mir einen Espresso, und ich vertiefte mich in die erste Zeitung. Aus einer dummen Gewohnheit heraus las ich sie schon, seit ich denken konnte, von hinten nach vorn.

Als ich beim Sportteil angelangt war, bemerkte ich das Gespräch zweier Männer am Nachbartisch. Die Diskussion wäre mir nicht aufgefallen, hätten die Männer nicht versucht, betont unauffällig miteinander zu reden. Gerade dieser Versuch mit dem intensiven Geflüster ließ mich aufhorchen, was so gar nicht meine Art war. Ich wollte meine Ruhe haben und das bedeutete für mich auch, dass ich nicht erpicht war, andere zu belauschen.

Ich sah kurz auf und war zu meiner eigenen Verwunderung nicht erstaunt, die beiden »Zwillinge« von vorhin zu erblicken. Das Rascheln meiner Zeitung ließ sie innehalten und beide schauten mich an. Der Jüngere ein wenig überrascht, der Ältere mit einem scheinbar wissenden Lächeln, welches mich noch weiter verwunderte.

»Guten Tag!«, sagte ich. »Angenehm, Sie hier wiederzusehen!«

Der Jüngere stammelte ebenfalls ein »Guten Tag!«, während der Andere aufstand und an meinen Tisch trat.

»Freut mich ebenfalls, Sie zu sehen, Herr Grießau!«, begrüßte er mich zum zweiten Mal an diesem Tag. Und nicht das letzte Mal in meinem Leben, wie ich später erleben sollte.

»Möchten Sie sich …?«, begann ich meine Frage, die aber aufgrund eines gleichzeitigen »Dürfen wir uns …?« meines Gegenüber von mir nicht zu Ende formuliert werden konnte.

Ich faltete meine altmodische gedruckte Zeitung zusammen und legte sie zur Seite, stand auf und versuchte einen neuen Anlauf: »Setzen Sie sich bitte zu mir.«

Der ältere Zwilling winkte sein jüngeres Pendant herüber. Dieser kam der Einladung etwas umständlich nach. Er brachte zwei Kaffeetassen mit und stellte diese auf meinen Tisch.

»Alles in Ordnung?«, begann ich. Wobei ich von keinem wirklich eine ehrliche Antwort erwartete; auf jeden Fall hätte ich die Antwort, die ich bekam, niemals erwartet:

»Alles bestens«, antwortete der Ältere: »Auch wenn wir damit nicht einer Meinung sind. Wir sehen die Zukunft und ihre Ereignisse unterschiedlich. Er will mir nicht wirklich alles glauben, was ich ihm berichte, obwohl er, rational gesehen, dafür keine Veranlassung hat.«

Nun meldete sich auch der Zwanzigjährige zu Wort: »Seine Geschichten klingen einfach zu unglaubwürdig.«

»Worüber streiten Sie sich? Die Zukunft ist doch nicht vorhersehbar«, versuchte ich zu schlichten.

»Da täuschen Sie sich ein wenig«, warf nun der Ältere ein. »Nein! Richtiger: Da täuschen Sie sich aber gewaltig!«

Mir wurde ein wenig mulmig. Das klang so überzeugend, dass es keine Gegenrede duldete. Ich wollte dennoch etwas erwidern, konnte aber nicht und schloss langsam meinen Mund, um nicht allzu dämlich auszusehen.

»Ich kenne die Zukunft. Ganz genau!«, setzte der Ältere noch einen drauf. Was mich in diesem Moment noch sprachloser machte – wenn es denn eine Steigerung von sprachlos geben sollte.

Er erzählte dann eine Geschichte, die ich zu diesem Zeitpunkt nicht verstand, nicht verstehen konnte – und auch nicht wollte. Die Geschichte war so absurd, so unglaubwürdig und so unlogisch, dass mein Gehirn kurzzeitig den Dienst einstellte und ich deshalb einfach zuhören musste, ob ich wollte oder nicht.

»Und nun wissen Sie, warum ich vorhin meinte, dass wir uns schon kennen«, schloss er seinen Bericht.

Mein Verstand sprang stotternd wieder an wie ein Benzinrasenmäher, der den ganzen Winter im Schuppen gestanden hatte und nun für den ersten Rasenschnitt im Frühjahr gestartet werden sollte.

Wenige Augenblicke später leuchtete vor meinem inneren Auge eine rote Kontrollleuchte: Überlast. Das war selbst zu viel für ein gut trainiertes Anwaltshirn. Und ich hatte doch immer brav alle Science-Fiction-Filme im Fernsehen geschaut.

»Sie sind also wirklich der Meinung, dass Sie aus der Zukunft kommen – aus dem Jahr 2043?«, vergewisserte ich mich.

Dann versuchte ich es mit Logik. »Und Sie sind gekommen, um ein Grundstück zu kaufen. Sie persönlich haben aber doch keine Fläche gekauft. Das war doch der junge Mann hier. Er hat unterschrieben und damit gehört das Gelände ihm.«

»Hör mal, Hans-Peter …«, begann der Ältere. »Ach ja, ich heiße Harm mit Vornamen. Ich vergaß, dass wir uns ja erst ab jetzt duzen.«

»Wie bitte?«

»Dies ist der Moment, ab dem wir uns duzen«, sagte Harm.

»Das meinte ich nicht. Was für ein Zufall. Der junge Mann heißt doch auch Harm. Sag bloß nicht, du heißt auch Meesters mit Nachnamen.«

Ich hätte fast nicht bemerkt, dass ich ihn ebenfalls duzte.

»Doch«, meinte er. »Ich heiße Harm Meesters. Ebenfalls Harm Meesters. Ich bin Harm Meesters. Und er ebenfalls. Er ist nur eine jüngere Ausgabe von mir.«

Mein Hirn setzte wieder aus. Beim Uralt-Betriebssystem Windows wäre das ein »Blue Screen« gewesen.

Nach dem – doch recht schnellen – Neustart meines Denkapparates schluckte ich einmal kurz, griff zur Tasse, bemerkte, dass der Espresso kalt geworden war, bestellte einen doppelten Cognac, den die Kellnerin so schnell brachte, als ob sie geahnt hätte, dass ich ihn nötig hätte, schüttete diesen auf ex in mich hinein, spürte die Wärme, die die Speiseröhre langsam hinunterglitt, spürte, dass er unten im Magen angekommen war, und richtete mich in meinem Stuhl auf.

»Du meinst, ihr seid nicht verwandt, sondern ein und dieselbe Person?«, schlussfolgerte ich messerscharf.

»Dann ist ja alles ganz klar!«

Natürlich war mir nichts »klar«. Ich wollte nur etwas sagen. Wer hatte schon einmal einen Anwalt sprachlos oder auch nur...



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