Brodersen / Engels | Engels, Philipp II. und Ale... | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 136 Seiten

Brodersen / Engels Engels, Philipp II. und Ale...


2. durchgesehene und bibliogr. aktualisierte Aufl 2014
ISBN: 978-3-534-72335-5
Verlag: wbg Academic in Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

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ISBN: 978-3-534-72335-5
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Dieses Buch bietet einen Überblick über eine zentrale Epoche der europäischen Geschichte. Mit Philipp II. von Makedonien begann eine nicht nur für Griechenland einzigartige neue Zeit. Zielstrebig, als Feldherr, Staatsmann und Diplomat gleichermaßen überragend, legte Philipp die machtpolitischen Grundlagen für das Werk seines Sohnes. Alexander der Große ist ohne Zweifel eine der faszinierendsten, zugleich aber auch komplexesten Gestalten der Geschichte. Nachdem sein Vater ermordet wurde, sicherte er zunächst die Herrschaft in Makedonien. Dann unterwarf er das Perserreich und ließ sich als Nachfolger der persischen Großkönige feiern. Er eroberte Ägypten und die persischen Residenzen weit im Osten und zog in strapaziösen Märschen, gewaltige Entfernungen überwindend, bis nach Indien, wo das erschöpfte Heer ihn zur Umkehr zwang. Das von ihm begründete Großreich veränderte die gesamte damalige Welt.

Kai Brodersen ist Professor für Antike Kultur an der Universität Erfurt und Senior Fellow am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg in Greifswald. Er ist Autor zahlreicher Bücher zur Antike bei der wbg und u. a. Herausgeber der Reihe »Geschichte kompakt - Antike«.
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    I. Einleitung


Der Charakter der Epoche

Im Rahmen der antiken griechischen Geschichte kann man das Zeitalter Philipps II. (circa 382–336) und Alexanders des Großen (356–323 v. Chr.) als eine Übergangszeit zwischen der späten klassischen Polisstaatenwelt des 4. Jahrhunderts und dem frühen Hellenismus charakterisieren. Schon hellsichtige Zeitgenossen hatten ein klares Bewusstsein davon, dass sich zwischen 359 und 323 epochale Veränderungen vollzogen, deren Auswirkungen die ganze östliche Mittelmeerwelt, Ägypten und den Vorderen Orient betrafen. Signifikant für dieses Bewusstsein ist der historiographische Perspektiv- und Paradigmenwechsel, der sich bei griechischen Historikern von Xenophons zu Theopomps und danach zu den frühen Alexanderhistorikern vollzieht. Xenophon hatte in seinen den großen Torso der Geschichte des Peloponnesischen Krieges des Thukydides von 411 v. Chr. über das Endjahr dieses Krieges 404 v. Chr. hinaus fortgeführt. Denn das Ringen der bedeutendsten Poleis der polyzentrischen Staatenwelt des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr., Athens, Spartas und Thebens, um die hegemoniale Stellung in Hellas war mit dem (vorläufigen) Scheitern Athens, das sich auf den Delisch-Attischen (Ersten) Seebund gestützt hatte, keineswegs beendet. Unerwartet schnell vollzog sich der machtpolitische Wiederaufstieg Athens, das sich bald durch die Neugründung des Zweiten Attischen Seebundes ein politisches und militärisches Instrument schuf, mit dessen Hilfe die Polis bis zum Ende dieser Symmachie 338 v. Chr. und zu dem Verlust der athenischen Flotte 322 v. Chr. in Hellas weiterhin eine bedeutende Rolle spielen konnte. Doch trotz der Wünsche einer Mehrheit des Demos wurde bald erkennbar, dass Athen im 4. Jahrhundert keine Hegemonie mehr über ganz Hellas würde erringen können. Sparta stützte sich in seiner Hegemonialpolitik ebenfalls auf eine hegemoniale Symmachie, den Peloponnesischen Bund. Zwischen 404 und 371 v. Chr., dem Jahr der verheerenden Niederlage von Leuktra, konnten die Spartaner trotz vielfältiger Widerstände eine Führungsstellung im griechischen Raum verteidigen. Doch stürzte auch ihre Vorherrschaft infolge des Egoismus und der Hybris der spartanischen Elite, durch die Inflexibilität und Reformfeindlichkeit des spartanischen Verfassungs-, Herrschafts- und Sozialsystems (seines Kosmos) und weil man die Widerstandskräfte der Gegner Spartas in der griechischen Welt und im Perserreich unterschätzte. Aus heutiger Analyse standen ohnehin Sparta und seiner Symmachie nur zu schwache militärische, demographische und wirtschaftliche Ressourcen für eine dauerhafte Herrschaft auch außerhalb der Peloponnes zur Verfügung. Nachdem die Spartaner die Begriffe der und , der Selbstregierung und Freiheit der Polisstaatenwelt, mehrfach missbraucht hatten, fehlte es ihrer Vorherrschaft über Hellas zudem an einer attraktiven politischen Vision. Nach knapp zehn Jahren fand auch der thebanische Versuch der Errichtung einer Hegemonie, der sich zwischen den Schlachten von Leuktra 371 und Mantineia 362 v. Chr. in Hellas entfaltete, sein gewaltsames Ende. Die Gründe hierfür liegen primär in den mangelnden demographischen, militärischen und ökonomischen Ressourcen Thebens und seines Boiotischen Koinon. Aber auch in diesem Falle fehlte eine attraktive politische Konzeption zur Organisation der griechischen Staatenwelt, da eine bloße Ausweitung des boiotischen Föderalstaates ausschied und Theben während seiner Vorherrschaft auch das Instrument der , einer allgemeinen Friedensordnung, nicht entscheidend weiter entwickeln konnte.

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Symmachie
gr. , Kampfgemeinschaft. Vertraglich geregelte Verbindung zweier oder mehrerer Staaten, insbesondere eine auf eine feste Anzahl von Jahren oder unbegrenzte Dauer geschlossene Militärallianz, die auf der Unterwerfung unter eine Führungsmacht oder einem Bündnis unter gleichen Partnern beruht. Häufig lautet die zentrale Formel „dieselben Freunde und Feinde zu haben“. Es gibt aber auch manchmal eine Folgepflicht der schwächeren Mitglieder gegenüber der Führungsmacht (dem Hegemon in einer hegemonialen Symmachie). Hauptbeispiele für Symmachien im 4. Jahrhundert sind der Peloponnesische Bund oder der Zweite Attische Seebund. Der Korinthische Bund ist eine Mischkonstruktion aus einer hegemonialen Symmachie und einer .

E


koine eirene
gr. , allgemeiner Frieden. Bezeichnet mehrere multilaterale griechische Friedensordnungen des 4. Jahrhunderts v. Chr. zwischen dem Königsfrieden von 386 und dem Korinthischen Bund von 337 v. Chr.; Garantiemacht dieser Friedensordnungen für die griechische Staatenwelt, die nicht mehr lediglich einen konkreten Staatenkonflikt beenden, sondern auch für die Zukunft einen Friedenszustand und Status quo garantieren sollten, waren wechselnde Hegemonialmächte (der Perserkönig und die Spartaner, die Thebaner, später schließlich Philipp II. und das makedonische Reich). Grundwerte sind die Freiheit () und die lokale Selbstbestimmung und -regierung () der Teilnehmerstaaten. Nachdem frühere Versuche der Errichtung einer dauerhaften allgemeinen Friedensordnung oft schon nach wenigen Jahren scheiterten und immer wieder in neue Konfliktsituationen führten, erwies sich der Korinthische Bund zwischen 337 und 324/23 als eine insgesamt stabile Friedensordnung Griechenlands.

E


Koinon
gr. , das Gemeinsame. Allgemeine Bezeichnung für kultische oder politisch-militärische Bünde beziehungsweise griechische Föderalstaaten. Bekannte Beispiele aus dem 4. Jahrhundert sind das Boiotische, Thessalische oder Aitolische Koinon. Bis zum 3.–2. Jahrhundert erfolgt eine immer differenziertere Entwicklung der griechischen Föderalstaaten, ihrer Organe und Magistrate. Schließlich begründet man neben dem Polisbürgerrecht auch (im Achäischen Koinon) ein Bundesbürgerrecht.

Neben Athen, Sparta und Theben existierte jedoch eine bunte Vielfalt der Verfassungsordnungen und des bürgerlichen Lebens in Hunderten kleiner Poleis im 4. Jahrhundert. In vieler Hinsicht dürfte das Leben für Bürger in diesen kleinen Poleis epochentypischer verlaufen sein als in den wenigen außergewöhnlich großen Stadtgemeinden. Doch ist es eher die Aufgabe von Spezialstudien, den Kampf der kleinen Poleis um die Bewahrung ihrer staatlichen Traditionen, von und exemplarisch zu untersuchen.

Mit feinem Gespür für die an positiven Perspektiven für die Zukunft in Hellas arme politische Lage hat Xenophon seine politisch-militärisch akzentuierte Zeitgeschichte der Polisstaatenwelt, die mit einer resignierenden Analyse der Situation in Hellas nach der Schlacht von Mantineia vom 12. Skirophorion (Juni/Juli) 362 v. Chr. beendet. Offenbar war nach 362 keine große Polis mehr in der Lage, der griechischen Staatenwelt eine dauerhafte, über das Gebiet einer Einzelpolis oder Kleinregion hinausreichende, multistaatliche Friedens- und Sicherheitsordnung zu geben. Die traditionellen Instrumente polisübergreifender Organisation der hegemonialen Symmachie, also einer Militärallianz unter einer bestimmten Vormacht, oder der Amphiktyonie, der kultisch-politischen Organisation von Staaten, welche um ein Heiligtum herum lagen, waren hierfür unzureichend. Ebensowenig war dies im 4. Jahrhundert v. Chr. bereits auf der Basis eines große Teile Griechenlands umfassenden zu erwarten, eines die Grenzen einer einzelnen Region oder das Siedlungsgebiet eines Stammesverbandes sprengenden Föderalstaates. Immerhin sind aber bereits im 4. Jahrhundert blühende Beispiele dieser zukunftsweisenden föderalen Strukturen zu beobachten (unter anderem in Boiotien, Thessalien, auf der Chalkidike, in Aitolien).

Q


Die Lage nach der Schlacht von Mantineia
(Xen. Hell. 7, 5,26–27, Übers. Gisela Strasburger)

„Denn da fast ganz Griechenland zusammengekommen und gegeneinander angetreten war, gab es keinen, der nicht geglaubt hätte, wenn eine Schlacht stattfinde, würden hernach die Sieger zur Herrschaft gelangen und die Besiegten ihnen untertan sein. Aber der Gott ließ es so geschehen, dass beide Parteien wie Sieger ein Siegeszeichen errichteten und keine von beiden die andere am Aufrichten desselben hinderte, die Toten gaben beide Parteien wie Sieger unter dem Schutze eines Vertrages heraus, und beide nahmen die ihrigen wie Besiegte unter dem Schutze des Vertrages in Empfang; und indem jede von beiden behauptete, gesiegt zu haben, besaß doch offenkundig keine von beiden weder an Land noch an Städten noch an Macht auch nur das Geringste mehr als vor der Schlacht; aber Unordnung und Verwirrung wurden nach der Schlacht in Hellas noch größer als sie vorher waren.“

Die -Ordnungen

Der berühmte Königsfrieden (Antalkidasfrieden) von 386 v. Chr. war der erste Versuch der Errichtung...


Brodersen, Kai
Kai Brodersen ist Professor für Antike Kultur an der Universität Erfurt und Senior Fellow am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg in Greifswald. Er ist Autor zahlreicher Bücher zur Antike bei der wbg und u. a. Herausgeber der Reihe »Geschichte kompakt – Antike«.

Engels, Johannes
Johannes Engels, geb. 1959, ist Professor für Alte Geschichte an der Universität Köln.

Kai Brodersen ist Professor für Antike Kultur an der Universität Erfurt und Senior Fellow am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg in Greifswald. Er ist Autor zahlreicher Bücher zur Antike bei der wbg und u. a. Herausgeber der Reihe »Geschichte kompakt – Antike«.

Johannes Engels, geb. 1959, ist Professor für Alte Geschichte an der Universität Köln.



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