Bryndza | So eiskalt der Tod | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 432 Seiten

Reihe: Kate-Marshall-Reihe

Bryndza So eiskalt der Tod

Thriller
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-0974-3
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, Band 2, 432 Seiten

Reihe: Kate-Marshall-Reihe

ISBN: 978-3-7517-0974-3
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Bei einem Tauchgang in einem Stausee stößt die Ex-Polizistin Kate Marshall auf die Leiche eines jungen Mannes. Als sein Tod kurze Zeit später als Unfall zu den Akten gelegt werden soll, ist sie skeptisch. Der junge Mann war ein hervorragender Schwimmer, und sein Leichnam weist unerklärliche Wunden auf. Während Kate diesen rätselhaften Fragen nachspürt, macht sie eine unglaubliche Entdeckung: Der Tote aus dem Stausee scheint das jüngste Opfer eines Serienkillers zu sein, der bereits seit Jahrzehnten unentdeckt tötet ...



Robert Bryndza wollte schon als kleiner Junge Autor werden. Da er sich aber nicht vorstellen konnte, wie er davon leben solle, hat er den Plan nach der Schule erst einmal auf Eis gelegt, ging zur Schauspielschule und wurde Schauspieler. Heute sind seine Bücher Bestseller und wurden in 29 Sprachen übersetzt. Der Brite lebt mit seinem Ehemann in der Slowakei.
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2


»Warum waren Sie heute tauchen?«, fragte Detective Chief Inspector Henry Ko.

»Mein Sohn Jake wollte es hier mal ausprobieren. Durch die Hitze ist der Wasserspiegel gesunken. Wir dachten, wir könnten vielleicht das geflutete Dorf sehen«, erklärte Kate.

Sie schwitzte unter dem Neoprenanzug. Ihr klebriges Haar juckte vom Wasser. Jake lehnte zusammengesunken am Vorderrad von Kates blauem Ford und starrte in die Ferne. Den Neoprenanzug hatte er bis zur Taille heruntergerollt. Er sah schrecklich blass aus. Kates Auto parkte auf einer Rasenfläche neben dem Stausee. Henrys Streifenwagen stand nur wenige Meter weiter. Die Grasfläche endete zehn Meter vor den Autos am ursprünglichen Wasserstand des Stausees. Durch die Dürre erstreckten sich zusätzliche zwanzig Meter freiliegender Steine zum Rand des Gewässers. Ein grüner, von der heißen Sonne ausgedörrter Algenteppich überzog die Steine.

»Können Sie beschreiben, wo die Leiche treibt?«, fragte Henry und kritzelte etwas in sein Notizbuch. Er war Anfang dreißig, wirkte sportlich und bediente sich einer gewählten Ausdrucksweise. Der Mann sah aus, als würde er besser auf einen Laufsteg in Mailand als an den Fundort einer Leiche passen. Durch seine Jeans zeichneten sich muskulöse Beine ab, das Hemd trug er mit den ersten drei Knöpfen offen. Zwischen den gebräunten Brustmuskeln hing eine silberne Halskette.

Neben ihm stand eine junge Polizistin in Uniform mit ihrer Dienstmütze unter dem Arm. Die Frau hatte langes, pechschwarzes, hinter die Ohren geklemmtes Haar. Die Hitze hatte ihre blasse Haut gerötet.

»Die Leiche ist unter Wasser. Wir waren in einer Tiefe von zwanzig Metern«, sagte Kate.

»Sie wissen die genaue Tiefe?«, fragte Henry nach, hielt beim Schreiben inne und schaute zu ihr auf.

»Ja«, bestätigte Kate. Sie hob das Handgelenk mit dem Tauchcomputer an. »Es handelt sich um einen jungen Burschen. Nike Air Jordan Sportschuhe, blaue Jeans mit Gürtel. T-Shirt in Fetzen gerissen. Er hat kaum älter ausgesehen als Jake, achtzehn, vielleicht neunzehn. Im Gesicht und am Oberkörper sind Schnitte und tiefe Fleischwunden erkennbar.« Ihre Stimme wurde belegt, und sie schloss die Augen. Ob wohl noch irgendwo die Mutter dieses toten Jungen lebt?, dachte Kate. Macht sie sich gerade Sorgen um ihn? Fragt sie sich, wo er ist?

Kate war ehemalige Polizistin. Sie dachte daran zurück, wie oft sie Angehörige über den Tod eines Familienmitglieds informieren musste. Am schlimmsten war es immer gewesen, wenn es um Kinder und Jugendliche ging: an die Tür klopfen, warten, bis geöffnet wurde. Dann der Ausdruck in den Gesichtern der Eltern, wenn die Erkenntnis einsetzte, dass ihr Sohn oder ihre Tochter nie wieder nach Hause kommen würde.

»Konnten Sie erkennen, ob der Junge nur vorn oder auch am Rücken Verletzungen hat?«, fragte Henry.

Kate öffnete die Augen. »Seinen Rücken habe ich nicht gesehen. Sein Körper hat uns zugewandt am Kirchturm getrieben.«

»Ist Ihnen irgendjemand begegnet? Boote? Andere Taucher?«

»Nein.«

Henry hockte sich neben Jake.

»Hi, Kumpel. Wie geht’s dir?«, fragte er mit besorgter Miene. Jake starrte nur geradeaus. »Willst du eine Dose Cola? Das würde gegen den Schock helfen.«

»Ja, will er. Danke«, schaltete sich Kate ein. Henry nickte der Polizistin zu, die zurück zum Streifenwagen ging. Kate sank neben Henry in die Hocke.

»Dieser Junge. Er hatte keine Tauchausrüstung«, sagte Jake mit brüchiger Stimme. »Was hat er ohne Ausrüstung so tief unten gemacht? Er war übel zugerichtet. Sein Körper war ganz blau und schwarz.« Jakes Finger zitterten, als er sich eine Träne von der Wange wischte.

Die Polizistin kehrte mit einer Dose Cola und einer karierten Decke zurück. Die Dose erwies sich als warm, trotzdem riss Kate sie auf und hielt sie Jake hin. Er schüttelte den Kopf. »Nimm einen kleinen Schluck. Der Zucker hilft gegen den Schock …«

Jake nippte, und die Polizistin legte ihm die karierte Decke über die nackten Schultern.

»Danke. Wie heißen Sie?«, erkundigte sich Kate.

»Donna Harris«, antwortete die Frau. »Reiben Sie seine Hände. Bringen Sie das Blut zum Zirkulieren.«

»Donna, fordere ein Team von Polizeitauchern an. Und sag Bescheid, dass ein Tieftauchgang nötig sein könnte«, ordnete Henry an. Die Polizistin nickte und entfernte sich, um die Anforderung über ihr Funkgerät durchzugeben.

Die Luft fühlte sich schwer und feucht an, und tief am Himmel bildeten sich dunkelgraue Wolken. Am anderen Ende des Stausees befand sich das Wasserkraftwerk, ein länglicher, niedriger Betonklotz. Von hinten ertönte leises Donnergrollen. Henry tippte mit dem Stift auf seinen Block.

»Sind Sie beide zum Tauchen qualifiziert? Ich weiß, dass man hier streng darauf achtet. Wegen der Tiefe und weil das Wasser den Staudamm speist.«

»Ja. Wir haben Anfang August die Tauchprüfung bestanden«, erwiderte Kate. »Wir können bis auf zwanzig Meter tauchen und haben dreißig protokollierte Stunden unter Wasser verbracht, seit Jake über den Sommer bei mir ist …«

Henry blätterte durch die Seiten des Notizbuchs zurück und legte die glatte Stirn in Falten.

»Moment. Jake ist über den Sommer bei Ihnen?«, hakte er nach.

Kates Stimmung sank. Nun würde sie Jakes Lebensumstände erklären müssen.

»Ja«, antwortete sie.

»Wer wohnt an der Adresse, die Sie bei der Meldung an die Notrufzentrale angegeben haben … Armitage Road 12, Thurlow Bay?«

»Ich«, erwiderte Kate. »Jake lebt bei meinen Eltern in Whitstable.«

»Aber Sie sind Jakes richtige … äh, biologische Mutter?«

»Ja.«

»Und sein gesetzlicher Vormund?«

»Er ist sechzehn. Er lebt bei meinen Eltern. Sie hatten bis zu seinem sechzehnten Geburtstag die gesetzliche Vormundschaft. Er fängt demnächst mit der Oberstufe in Whitstable an, deshalb wohnt er weiterhin bei ihnen.«

Henry musterte Kate und Jake.

»Sie haben dieselben Augen«, stellte er fest, als wäre es die Bestätigung, nach der er suchte. Kate und Jake teilten tatsächlich dieselbe seltene Augenfarbe: Blau mit aus den Pupillen fließenden orangen Einsprengseln.

»Das nennt sich sektorielle Heterochromie. Ein Befund, bei dem die Augen mehr als eine Farbe haben«, erklärte Kate.

Donna beendete den Funkspruch und kehrte zu ihnen zurück.

»Wie buchstabiert man sektorielle Heterochromie?«, fragte Henry und schaute vom Notizbuch zu Kate auf.

»Spielt das eine Rolle? Da draußen unter Wasser ist die Leiche eines Jungen, und sein Tod sieht für mich verdächtig aus«, entgegnete Kate, der allmählich die Geduld ausging. »Er ist übersät von Schnitten und Prellungen, und er muss erst unlängst gestorben sein, weil eine Leiche mehrere Tage nach dem Sinken wieder aufsteigt. Der Druck in dieser Tiefe und das kalte Wasser verlangsamen die Verwesung, aber wie Sie wissen, treibt ein Toter letztlich immer nach oben.«

Kate hatte die ganze Zeit Jakes Hände gerieben. Jetzt begutachtete sie seine Finger und stellte erleichtert fest, dass etwas Farbe in sie zurückkehrte. Sie ermutigte ihn, noch mehr Cola zu trinken, und diesmal nahm er einen großen Schluck.

»Sie scheinen sich gut auszukennen.« Henry verengte die Augen. Wunderschöne Augen der Farbe von Karamell. Für einen Detective Chief Inspector war er unheimlich jung, fand Kate.

»Ich war früher Detective Constable bei der Londoner Polizei«, erklärte sie.

Er schien sich vage zu erinnern. »Kate Marshall«, murmelte er. »Richtig. Sie waren in den Fall vor ein paar Jahren verwickelt. Sie haben den Kerl geschnappt, der die Morde vom Nine Elms Cannibal nachgestellt hat … Ich habe darüber gelesen … aber Moment. Haben Sie da nicht als Privatdetektivin gearbeitet?«

»Ja. Den ursprünglichen Nine Elms Cannibal habe ich gefasst, als ich 1995 noch Polizistin war, den Nachahmungstäter vor zwei Jahren als Privatdetektivin.«

Mit verwirrter Miene blätterte Henry erneut in seinem Notizbuch zurück.

»Vorhin haben sie zu Protokoll gegeben, dass Sie als Dozentin für Kriminologie an der Universität Ashdean arbeiten. Jetzt sagen Sie, dass Sie früher Polizistin waren und sich nebenbei als Privatdetektivin verdingen. Welchen Beruf soll ich denn nun in meinem Bericht angeben?«

»Ich wurde vor zwei Jahren um Hilfe bei der Lösung eines alten, ungeklärten Falls gebeten. Die Sache als Privatdetektivin war etwas Einmaliges. Ich bin Vollzeitdozentin an der Uni«, erwiderte Kate.

»Und Sie leben allein, während Jake bei Ihren Eltern in Whitstable wohnt …« Mit über der Seite schwebendem Stift schaute Henry wieder zu ihr auf. Seine Augenbrauen hatten sich beinah bis über den Haaransatz gehoben. »Oha. Der Vater Ihres Sohns ist der Serienmörder Peter Conway …«

»Richtig«, bestätigte Kate. Sie hasste diesen Moment, hatte ihn schon so viele Male erlebt.

Henry blähte die Wangen, bückte sich und musterte Jake mit neuerlichem Interesse. »Mein Gott. Das muss hart sein.«

»Ja. Familienfeiern sind schwer zu organisieren«, merkte Kate an.

»Ich meinte, es muss hart für Jake sein.«

»Ich weiß. Das war ein Scherz.«

Einen Moment lang sah Henry sie verwirrt an. Du bist zwar hübsch anzusehen, aber wohl nicht die hellste Birne im Leuchter, dachte sie. Henry richtete sich auf und klopfte mit dem Stift auf sein Notizbuch.

»Ich habe eine faszinierende Studie über die...



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