Büchle | Der Sommer danach | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

Büchle Der Sommer danach

Roman.
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96122-530-9
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman.

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

ISBN: 978-3-96122-530-9
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Potsdam, 1945: Die Welt blickt auf 'Die Großen Drei' und ihre zukunftsweisenden Beschlüsse für Nachkriegsdeutschland. In dieser Zeit macht sich Karla, eine junge Deutsche, die vor den Trümmern ihres Lebens steht, auf die Suche nach ihrer eigenen hoffnungsfrohen Zukunft. Dabei lernt sie Joan Bright kennen, eine außergewöhnliche Britin mit dem Spitznamen 'Moneypenny', mit der sie innerhalb kürzester Zeit eine tiefe Freundschaft verbindet - die sie im sowjetischen Sektor aber auch in gefährliche Heimlichkeiten verstrickt. Karlas Frage, was aus ihren als vermisst geltenden Brüdern wurde, ihr Kampf gegen Hunger und Einsamkeit sowie ihre verbotene Liebe zu einem Briten sind somit bei Weitem nicht die größten Herausforderungen, denen sich die junge Frau stellen muss ... Eine berührende Geschichte mit vielschichtigen Charakteren, gründlich recherchierten historischen Zusammenhängen und einem ordentlichen Schuss Romantik, die ein wichtiges Kapitel deutscher Geschichte lebendig werden lässt. Das Projekt wurde gefördert durch ein Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Elisabeth Büchle hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und wurde für ihre Arbeit schon mehrfach ausgezeichnet. Ihr Markenzeichen ist die Mischung aus gründlich recherchiertem historischen Hintergrund, abwechslungsreicher Handlung und einem guten Schuss Romantik. Sie ist verheiratet, Mutter von fünf Kindern und lebt im süddeutschen Raum. www.elisabeth-buechle.de
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Prolog

August 2020

Geisterkinder? Fassungslos starrte Nina ihre Urgroßmutter Karla an. Hatte sie das gerade wirklich gesagt? Und dann auch noch „Moneypenny“?

In Ninas kornblumenblauen Augen – sie sahen denen von Karla überraschend ähnlich – blitzte zum ersten Mal seit Beginn ihrer gemeinsamen Reise ein Hauch von Interesse auf. Sie versuchte, sich daran zu erinnern, was die Vierundneunzigjährige ihr in den vergangenen Minuten erzählt hatte, während sie in ihren eigenen Gedanken versunken gewesen war. Immerhin befand sie sich gegen ihren Willen hier.

Noch immer empört über das Komplott ihrer Mutter, verdrehte Nina die Augen. Sie war jetzt fünfundzwanzig Jahre alt und hatte sich wie eine Fünfjährige dazu zwingen lassen, mit einer Frau, die sie kaum kannte, eine Reise in deren Vergangenheit zu unternehmen. Dabei wusste Nina nicht mal, wie ihre eigene Gegenwart aussehen sollte, geschweige denn ihre Zukunft. Und ihre Ausrede, sie habe zu viel zu tun, um ihre Urgroßmutter zu begleiten, hatte keine zwei Minuten standgehalten. Schließlich hatte sie überhaupt nichts zu tun. Wieder einmal.

„Hast du gerade gesagt, dass du ein Geisterkind bist? Oder warst – wie auch immer? Und was immer das sein soll?“

Karla strich sich mit der von Sonnenflecken übersäten Hand über den Mund und verbarg damit wenig erfolgreich die Mischung aus Belustigung und Entsetzen, die sie ergriff. „Was hat man euch im Geschichtsunterricht eigentlich beigebracht?“, murmelte sie.

Erneut verdrehte Nina die Augen. Ihre Urgroßmutter war also einer jener betagten Menschen, die bevorzugt ihre heiß geliebten Geschichten aus längst vergangenen Zeiten zum Besten gaben. Die waren für Nina aber nur mäßig interessant. Es sei denn, es fielen so kryptische Worte wie „Geisterkinder“ und „Moneypenny“.

Über den beiden Spaziergängerinnen schwankten die Kronen der Laubbäume im Wind, und das Rascheln der Blätter wuchs zu einem Brausen an. Eine Bö fegte Karla durch das kurz geschnittene weiße Haar. Die alte Dame war zwar eher eine welke Schönheit, hielt sich aber bewundernswert aufrecht und trug die Falten im Gesicht mit Würde. Eine jede davon stand für ein bewegtes Leben. Für Lachen und Weinen, Hoffen und Zweifeln.

Nina war mittlerweile stehen geblieben und musterte ihre Urgroßmutter. Dabei lag noch immer dieses leicht schnippische Lächeln auf ihrem hübschen Gesicht mit der kleinen Nase und dem spitz zulaufenden Kinn. Im Gegensatz zu Karla hatte sie langes blondes Haar, das sie zu einem Messy Bun geschlungen hatte. Einzelne Strähnen hatten sich daraus gelöst, tanzten im Wind und umschmeichelten ihre Wangen.

Karlas Seufzen fügte sich harmonisch in die Melodie des Waldes ein. Zum zweiten Mal, seit sie ihren Spaziergang begonnen hatten, sagte sie: „Ich bin gern hierher nach Potsdam zurückgekehrt. Nach all den Jahren …“ Sie lächelte Nina entschuldigend an. „Allerdings hätte ich die Reise in die Vergangenheit lieber allein unternommen.“

Nun runzelte Nina verwirrt die Stirn. Sie war davon ausgegangen, dass Karla ihre Enkelin Anja – Ninas Mutter – gebeten hatte, ihr eine Begleitung zur Seite zu stellen. Immerhin war Karla nicht nur für einen ihrer seltenen Besuche hergekommen, sondern weil sie ein letztes Mal den längst verwehten Spuren ihres Lebens nachgehen wollte. Und natürlich war die Wahl auf Nina, die Zweitälteste der vier Geschwister, gefallen. Denn die hatte gerade zum dritten Mal das Studium abgebrochen.

Nina kickte einen knorrigen Ast zur Seite, der auf dem Waldweg gelegen hatte. Ein Hindernis, genau wie sie. Allerdings war es sie selbst, die sich im Weg stand. Was kann ich dafür, dass ich nicht in dieses streng durchorganisierte, einzig auf Leistung gepolte Deutschland passe?

„Anja hat mich darum gebeten, dass ich mich ein wenig um dich kümmere.“

Karlas Worte ließen Nina auflachen; nicht hämisch, denn sie liebte ihre Mutter, sondern vielmehr verblüfft. Offenbar versteckte sich in der stillen, stets besonnen agierenden Anja eine geschickte Manipulatorin.

„Zu mir hat Mama gesagt, ich müsse mich dringend um dich kümmern.“

„Daran finde ich nichts Ungewöhnliches, meine Liebe. Wir Menschen sind dafür geschaffen, uns gegenseitig zu unterstützen.“

Nina unterdrückte die Erwiderung, dass das vielleicht in Karlas Jugend noch so gewesen war. Heutzutage schien jeder die Ellenbogen auszufahren und dafür Sorge zu tragen, selbst voranzukommen und das Beste für sich herauszuholen …

„Du hast dein Abitur vor ein paar Jahren mit einem Schnitt von 1,7 bestanden. Für mich bedeutet das, dass du intelligent und fleißig bist. Allerdings beobachte ich dich nun seit drei Tagen und habe den Eindruck, du schwankst zwischen einer nervtötenden, aufgesetzten Albernheit und der Verunsicherung einer jungen Frau, die nicht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Womöglich ist das so, weil du einer Generation angehörst, der zu viel in den Schoß fällt und die dafür noch nicht mal dankbar ist. Doch du selbst hast es in der Hand, das zu ändern.“

Diesmal kickte Nina einen Stein in den Graben, wo er raschelnd verschwand. Sie würde es ihm gern gleichtun. Dennoch wandte sie sich zu ihrer Urgroßmutter um. Karlas Direktheit verblüffte sie, zerrte schmerzhaft an ihrem Ego und verlangte ihr zugleich eine gehörige Portion Respekt ab. Ihr war durchaus bewusst, dass sie bislang keine großartigen Herausforderungen hatte bezwingen müssen und dass sie, würde sie vor einer stehen, womöglich nicht einmal in der Lage wäre, sie als solche zu erkennen.

Bei Karlas nächsten Worten fragte sich Nina unwillkürlich, ob die alte Dame Gedanken lesen konnte.

„Herausforderungen bergen stets auch etwas Positives in sich. Sie geben dir die Chance, dich an ihnen zu reiben, zu kämpfen, an ihnen zu wachsen und aufzuleben. Sie bringen dich dazu, Grenzen zu überwinden, und formen deinen Charakter.“

„Die Geisterkinder, Oma Karla“, erinnerte Nina ihre Urgroßmutter an das, was sie hatte aufmerken lassen. Sie fand, dass es an der Zeit war, sich über interessantere Themen zu unterhalten als darüber, was ihre Generation angeblich tat – oder eben nicht. Vor allem, da Karla bei früheren Besuchen nie über Geisterkinder und Moneypenny gesprochen hatte. Doch heute schien sie das ändern zu wollen.

Karla nickte ihr zu und setzte sich wieder in Bewegung – langsam und mühsam, was vermutlich ihrem hohen Alter geschuldet war. Vielleicht aber auch dem Umstand, dass sie in Gedanken eine Reise antrat.

„Ich muss nicht erinnert werden, meine Liebe. Nicht an die Geisterkinder und auch nicht an all jene, die unschuldige Kinder dazu gemacht haben. Ich bin zwar kein junges Mädchen mehr, das singend und träumend durch diesen Wald spaziert, aber mein Kopf ist völlig in Ordnung.“

Peinlich berührt, weil ihre Urgroßmutter angenommen haben musste, Nina halte sie für senil, verknotete sie die Finger. Das Gegenteil war der Fall. Ihr Respekt vor Karla wuchs gerade enorm an, und sie fand es inzwischen gar nicht mehr so schrecklich, mit ihr durch diesen Wald zu schlendern.

„Im Jahr 1945 fand unweit von hier auf Schloss Cecilienhof das Treffen der Siegermächte statt, um über das Schicksal Deutschlands und Europas zu entscheiden“, begann Karla zu erzählen.

Nina blähte die Wangen auf. „Na klar! Schon wieder Hitler. Als ob wir uns in der Schule nicht genug mit dem Thema herumgeschlagen hätten. Unsere Generation muss sich diesen Schuh nicht mehr anziehen und –“

Karlas energische Handbewegung brachte Nina zum Schweigen. „Du hast recht damit, dass euch keine Schuld trifft. Allerdings ladet ihr welche auf euch, wenn ihr das Geschehene vergesst. Wenn ihr wegschaut und die Fehler von damals wiederholt. Wenn ihr schweigt – in einer Zeit, in der es für euer eigenes Leben und das eurer Lieben noch lange keine Gefahr bedeutet, sich gegen demokratiefeindliche und rechtsstaatszersetzende politische Strömungen zu erheben!“

Nina atmete tief ein und laut aus. Also doch eine Moralpredigt. Am besten wäre es wohl, wenn sie sofort wieder auf Durchzug schalten würde. Allerdings fuhr sich Karla mit der Hand über die Augen. Um sich ein paar Tränen wegzuwischen? Oder war es Scham, die sie vor ihrer Urenkelin zu verstecken versuchte?

„Ungeduld bei jemandem, der ohnehin nicht weiß, wie er die Zeit totschlagen soll, finde ich sehr ungemessen“, sagte Karla, blieb im Tonfall aber freundlich und wirkte fast ein wenig besorgt.

„Entschuldige“, murmelte Nina betroffen. Es war erschreckend und wohltuend zugleich, wie offen Karla aussprach, was sie dachte.

„Willst du mir jetzt zuhören? Sonst spare ich mir die Luft.“

„Nein, erzähl bitte. Das mit den Geisterkindern interessiert mich schon. Und natürlich auch, was das alles mit James Bond und Miss Moneypenny zu tun hat.“

„Das ist nur ein kleiner Aspekt meiner Vergangenheit, der aber unmittelbar mit diesem Ort hier verknüpft ist. Unterbrich mich bitte, wenn es dich nicht länger interessiert. Ich will mich nicht aufdrängen.“

„Ist gut, Oma Karla.“

„An meinem zwanzigsten Geburtstag bin ich diesen Weg schon einmal entlanggegangen.“

Nina warf Karla einen prüfenden Blick zu und versuchte, sich ihre Urgroßmutter als agile junge Frau vorzustellen. Dies gelang ihr überraschend gut. Wohl, weil Karla gerade Scharfsinn bewiesen hatte; ebenso wie kämpferische...


Büchle, Elisabeth
Elisabeth Büchle hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und wurde für ihre Arbeit schon mehrfach ausgezeichnet. Ihr Markenzeichen ist die Mischung aus gründlich recherchiertem historischen Hintergrund, abwechslungsreicher Handlung und einem guten Schuss Romantik. Sie ist verheiratet, Mutter von fünf Kindern und lebt im süddeutschen Raum. www.elisabeth-buechle.de

Elisabeth Büchle hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und wurde für ihre Arbeit schon mehrfach ausgezeichnet. Ihr Markenzeichen ist die Mischung aus gründlich recherchiertem historischen Hintergrund, abwechslungsreicher Handlung und einem guten Schuss Romantik. Sie ist verheiratet, Mutter von fünf Kindern und lebt im süddeutschen Raum. www.elisabeth-buechle.de



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