Buranaseda | Seelengrab | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Ein Fall für Hirschfeld & Kirchhoff-Reihe

Buranaseda Seelengrab


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96817-685-7
Verlag: dp Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Ein Fall für Hirschfeld & Kirchhoff-Reihe

ISBN: 978-3-96817-685-7
Verlag: dp Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



So dunkel die Seele, so tief der Abgrund …
Der spannende erste Fall für Hirschfeld & KirchhoffKriminalhauptkommissar Lutz Hirschfeld ließ sich gerade erst von Berlin nach Bonn versetzen, doch bevor der junge Beamte seine Koffer ausgepackt hat, wird am Rheinufer die unbekleidete Leiche einer jungen Frau entdeckt. Die erste äußere Inspektion der Toten ergibt keinerlei Hinweis auf die Todesursache. Zusammen mit seinem neuen, wenig gesprächigen Partner Peter Kirchhoff nimmt Hirschfeld die Ermittlungen auf. Ein weiterer Knochenfund bringt die Mordkommission schließlich auf die Spur eines grausamen Serientäters, der seine Opfer nach ganz bestimmten Kriterien auszuwählen scheint: jung und weiblich. Als eine weitere Frau verschwindet, beginnt für das ungleiche Ermittlerduo ein gefährlicher Wettlauf gegen die Zeit …Erste Leserstimmen
„düsterer, aber höchst spannender Ausflug in die menschlichen Abgründe …“
„fesselnde Krimiunterhaltung mit gut gezeichneten Charakteren – freue mich auf die Reihe!“
„Hirschfeld und Kirchhoff arbeiten hier an einem Fall, der es wirklich in sich hat und in den Bann zieht.'
„packende Ermittlungen, gute Recherche und ein rundum empfehlenswerter Krimi!“

Nadine Buranaseda, Jahrgang 1976, ist gebürtige Kölnerin mit thailändischen Wurzeln väterlicherseits. Sie studierte Deutsch und Philosophie und wurde im Hörsaal entdeckt. 2005 veröffentlichte sie ihren ersten Krimi - einen Jerry-Cotton-Roman, dem mehr als ein Dutzend folgten. Sie war für den 'Agatha-Christie-Krimipreis' nominiert und Stipendiatin von 'Tatort Töwerland' sowie der Konrad-Adenauer-Stiftung. Nach zweieinhalb Jahren als feste Lektorin bei Bastei Lübbe hat sie sich 2019 mit 'typo18 - für gute texte' als Lektorin und Autorencoach selbstständig gemacht und arbeitet parallel an einem Thriller.

Buranaseda Seelengrab jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1
Der Schnee schien immer dichter zu fallen, als Lutz Hirschfeld auf der anderen Straßenseite gegenüber der Rheinischen Landesklinik wartete und seine zweite Zigarette rauchte. Er hatte den Kragen seines schwarzen Ulster-Mantels hochgeschlagen und beobachtete den Eingang zur Bonner Psychiatrie. Der schwere, innen mit Baumwollflanell gefütterte Tweedstoff schützte ihn vor dem eisigen Wind, der über den Kaiser-Karl-Ring pfiff. Seine schwarzen Converse-Stoffturnschuhe, die durch den Schneematsch bereits nach wenigen Schritten klamm gewesen waren, untergruben allerdings Hirschfelds Plan, den Besuch bei seinem Vater durch eine weitere Zigarette hinauszuzögern. Er nahm einen letzten Zug, schnippte die Kippe weg, die leise zischend in einer Schneewehe versank, und setzte sich in Bewegung. Als Hirschfeld den Ring überquerte, hielt in einiger Entfernung eine Straßenbahn und entließ eine Gruppe Frauen mittleren Alters in schwarz-gelb geringelten Bienenkostümen, unter denen sich ihre dicken Winterjacken deutlich abzeichneten. Sie hakten sich fröhlich unter und liefen schwankend auf ihn zu. Aus ihren gelben Lockenperücken ragten Fühler, die bei jeder Bewegung hin und her tanzten. Ihrem Gang und den rot glühenden Wangen nach zu urteilen, hatten die Frauen an diesem Morgen bereits ein paar Schnäpse intus. Als die Bienen ein Lied anstimmten und ihm zuwinkten, beschleunigte Lutz Hirschfeld seine Schritte. Textfetzen, etwas über kölsche Mädchen und etwas Unaussprechliches, das wie „Spetzebötzjer“ klang, spitzenbesetzte Unterwäsche oder so etwas in der Art, wehten zu ihm herüber, als er das Gelände der Rheinischen Landesklinik betrat. Er widerstand dem Impuls, sich noch einmal umzusehen, und folgte dem gepflasterten breiten Einfahrtsweg, den mehrere Gebäude säumten. Zu seiner Linken führte ein spiralförmiger Anbau aus Beton zu einem Parkdeck. Rechter Hand erstreckte sich nach wenigen Metern ein lang gezogenes rotes Backsteinhaus älteren Baujahrs. Aus der schneebedeckten Grünfläche davor ragte ein Dutzend hochgewachsener Bäume, deren kahle Äste sich im Wind wiegten. Plötzlich flatterte irgendwo ein Vogel auf. Reflexartig wandte Lutz Hirschfeld den Kopf und entdeckte zu seiner Überraschung einen grünen Papagei, der sich gerade wieder auf einem anderen Zweig niederließ. Hirschfeld ließ den Blick schweifen und bemerkte weitere grüne Tupfer in den Ästen. Noch mehr Tiere, dachte er und musste unweigerlich lächeln. Wie viele Patienten oder Besucher hatten sich auf dem Weg in die Klinik schon gefragt, ob die Papageien nicht ihrer Fantasie entsprangen? Zugegeben, der Anblick irritierte ihn. Aber Hirschfeld vertraute seinen Sinnen und zweifelte keine Sekunde daran, dass die Vögel real waren. Mit diesem Gedanken steuerte er auf den Haupteingang der Klinik zu, der von mehreren verwaisten Blumenkübeln flankiert war. Die automatischen Glastüren glitten zur Seite und gaben den Weg ins Foyer frei. „Kann ich Ihnen helfen?“, empfing ihn eine rundliche blonde Frau im Glaskasten gegenüber dem Eingang. Sie saß vor einem Computer mit einem Flachbildschirm. Daneben stand ein Kofferradio, aus dem ein Karnevalsschlager plärrte. „Ja, ich möchte meinen Vater Heinrich Hirschfeld besuchen.“ „Einen Augenblick.“ Die Frau ließ ihre grün lackierten Fingernägel über die Tastatur gleiten. „Sie müssen zur Station Süd eins A, Zimmer fünf. Gehen Sie einfach geradeaus. Dann nehmen Sie das Treppenhaus in den ersten Stock. Dort halten Sie sich links und folgen der Beschilderung. Wenn Sie den Verbindungsgang zum Südflügel passiert haben, können Sie die Station nicht mehr verfehlen.“ „Danke.“ Hirschfeld verabschiedete sich. Auf dem Weg in die Geschlossene versuchte er, nicht darüber nachzudenken, welcher Umstand ihn hergeführt hatte. Er war hier, und das musste fürs Erste genügen, bevor er es sich anders überlegte. Wenig später stand er vor der Akutstation. Hirschfeld drückte auf die Klingel und wartete. Er war gerade im Begriff, erneut zu klingeln, als er hörte, wie jemand von der anderen Seite einen Schlüssel ins Schloss steckte. Im Rahmen der schweren Holztür tauchte Sekunden später ein blasses Gesicht auf, das einem schmalen jungen Mann gehörte. Er trug keinen Kasack, nur der Schlüsselbund in seiner Hand identifizierte ihn als Pfleger. „Guten Morgen“, sagte er in einem Tonfall, der weder gelangweilt klang noch von großem Interesse zeugte, „zu wem möchten Sie bitte?“ Hirschfeld wiederholte sein Anliegen. Der Pfleger nickte und deutete den Gang entlang. „Die letzte Tür auf der rechten Seite.“ Damit verschwand er im Personalraum. Als Hirschfeld das Zimmer fast erreicht hatte, bog ein älterer Herr in weißem Kittel um die Ecke. Sein graues Haar stand leicht zerzaust von seinem runden Schädel ab. Er trug eine Brille mit Goldrand, die nicht die richtige Stärke zu haben schien, denn er kniff unentwegt die Augen zusammen. „Professor Konrad?“ Hirschfeld war dankbar für den Aufschub, den eine kurze Unterredung mit dem behandelnden Arzt bedeuten würde. „Mein Name ist Hirschfeld. Hatten wir wegen meines Vaters miteinander telefoniert?“ Der Mann runzelte die Stirn, dann erhellte sich sein Gesicht. „Ja natürlich.“ Er lächelte ihn freundlich über den Brillenrand hinweg an. „Meine Wohnungsauflösung in Berlin hat leider länger gedauert als ursprünglich geplant. Ich bin daher erst gestern Abend in Bonn angekommen.“ „Schön, dass Sie bereits heute Morgen den Weg zu uns gefunden haben. Ich kann mir vorstellen, dass Ihnen die Entscheidung nicht leicht gefallen ist. Umso mehr freue ich mich, Sie zu sehen.“ „Danke.“ Hirschfeld löste sich aus dem langen Händedruck, den der Professor ihm aufgenötigt hatte. „Darf ich Ihnen vielleicht unsere Station zeigen, bevor Sie zu Ihrem Vater gehen? Während des Rundgangs hätten wir Gelegenheit, noch ein wenig über ihn zu sprechen.“ „Geht es ihm besser?“ Hirschfeld folgte Professor Konrad weiter in das Innere der Station. Die meisten Türen, die sie passierten, waren geschlossen. „Lassen Sie mich eines vorweg sagen: Ihr Vater ist bei uns in den besten Händen. Fortschritte zeichnen sich jedoch in den meisten Fällen erst nach geraumer Zeit ab. Nach einer Woche Klinikaufenthalt dürfen Sie nicht allzu viel erwarten, Herr Hirschfeld.“ „Verstehe.“ „Seien Sie ein wenig nachsichtiger mit Ihrem Vater und sich selbst. Für die meisten Angehörigen ist es ein Schock, wenn sie erfahren, dass mit ihnen nahe stehenden Personen etwas passiert ist, das nicht in die eigene Erfahrungswelt passt.“ Das ist milde ausgedrückt, dachte Hirschfeld und blickte sich um. Sie hatten das Ende des Gangs erreicht, der in einen Tagesraum mit mehreren Tischen mündete. Von dort gingen drei weitere Flure ab. Als sie weiterliefen, registrierte Hirschfeld, dass der rheinische Karneval auch nicht vor der Geschlossenen Halt gemacht hatte. Von den Neonlampen unter der Decke hingen bunte Luftschlangen. Auf Luftballons hatte man dagegen verzichtet. „Das ist unser Stützpunkt, das Herzstück unserer Station“, unterbrach der Professor seinen Vortrag und deutete auf einen großen Glaskasten zu ihrer Linken. „In diesem Büro laufen im Prinzip alle Fäden zusammen. Hier findet die Medikamentenausgabe statt, werden der Therapiekalender geführt und die Dienstpläne gemacht.“ „Wie viele Patienten versorgen Sie zurzeit auf Ihrer Station?“ „Alle Zimmer sind belegt, das heißt, wir haben momentan zwanzig Patienten.“ Irgendwo schlug eine Tür. Dann hörten sie eine Frauenstimme, die aus einem der Patientenzimmer kam. „Hunderteinundzwanzig, hundertzweiundzwanzig, hundertdreiundzwanzig, hundertvierundzwanzig …“ „Daran dürfen Sie keinen Anstoß nehmen“, sagte der Professor schulterzuckend und nickte in die Richtung, aus der die Stimme drang. „Kommen Sie, ich zeige Ihnen noch den Fernsehraum, der sich, wie Sie sich vielleicht denken können, bei allen Patienten größter Beliebtheit erfreut. Und sollten Sie das Bedürfnis nach einer Zigarette haben, tun Sie sich keinen Zwang an. Dort drüben haben wir unsere Raucherecke.“ „… hundertsechsundfünfzig, hundertsiebenundfünfzig, hundertachtundfünfzig. Hilfe!“ Hirschfeld winkte ab. „Danke, vielleicht nachher.“ Er hatte fürs Erste genug gehört und gesehen und folgte dem Professor nur aus reiner Höflichkeit in den angrenzenden Fernsehraum. Als sie das Zimmer betraten, hoben mehrere Patienten die Köpfe, um sich sofort wieder auf den Röhrenfernseher zu konzentrieren. Die meisten trugen Trainingsanzüge oder Morgenmäntel über ihren Schlafanzügen. Nur zwei von ihnen hatten an diesem Tag den Freizeitlook gegen normale Alltagskleidung getauscht. Über den Bildschirm an der Kopfseite des Raums flimmerte die Liveübertragung einer Karnevalsveranstaltung. „In Berlin kennen Sie so etwas sicher nicht“, sagte der Professor nachsichtig. „Die Erstürmung des Beueler Rathauses ist jedes Jahr an Weiberfastnacht der Auftakt zu den ‚jecken Tagen‘, wie man hier im Rheinland sagt. Nach Ihrem Besuch sollten Sie sich auch ins Getümmel stürzen, Herr Hirschfeld. Karneval ist in unserer Region wirklich ein einmaliges Erlebnis.“ „Das glaube ich Ihnen gerne.“ Hirschfeld beschloss in diesem Augenblick, sich nachher ein Taxi zu nehmen, um von weiteren Zeugnissen Rheinischen Frohsinns verschont zu bleiben. „Na, Helmuth, mal wieder eine Besucherführung gemacht?“ Der Pfleger von vorhin tauchte unvermittelt hinter ihnen auf und klopfte Hirschfelds Begleiter auf die Schulter. „Wie hast du es diesmal geschafft, an den Kittel heranzukommen? Bei deiner...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.