Conrad | Die verlorene Republik | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 336 Seiten

Reihe: Zeitenwenden - Turn of Eras

Conrad Die verlorene Republik


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-347-00862-5
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 3, 336 Seiten

Reihe: Zeitenwenden - Turn of Eras

ISBN: 978-3-347-00862-5
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Numantia, zentrale iberische Festung, soll fallen. 134 v. Chr. entsendet der römische Senat Scipio, den legendären Feldherrn. Julia, Angehörige eines geheimnisvollen Ordens, soll dafür sorgen, dass Scipio den Befehlen gehorcht. Doch der ruft seine alten Verbündeten, die Numider, zu Hilfe. Die unsterbliche Priesterin Abbala spürt: Erneut manipulieren fremde Wesen das Schicksal der Menschheit. -Der junge Gaius Marius vor seiner schwierigsten Mission -Der numidische Prinz Jugurtha mit ehrgeizigen Plänen -Der Bona-Dea-Orden, dessen Gesandte sich ausgerechnet jetzt verliebt -Und eine unsterbliche Priesterin, die das Ende kommen sieht

Richard F. Conrad wurde im März 1986 in der Nähe von Luzern in der Schweiz geboren. Nach erfolgreichen Jahren als Börsenmakler in den USA lebt er inzwischen mit seiner Frau und drei Kindern in Cape Coral/Florida. Er veröffentlichte einige Fachbücher, bis er sich mehr und mehr literarisch mit dem Genre der Fantasy befasste. Mit Turn of Eras (Zeitenwenden) plant er eine mehrbändige Romanreihe, die in besonderen historischen Epochen der Menschheitsgeschichte spielt. Nach dem ersten Band (Hamilkars Rache) und dem zweiten Teil (Die letzten Barkiden) befindet sich das dritte Buch (Die verlorene Republik) bereits in Vorbereitung.
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1. Gaius Marius

In der Nähe von Numantia, im Frühjahr 134 v. Chr.

Am schlimmsten war diese Kälte. Gaius Marius hatte den Winter nie gemocht. Winter bedeutete für ihn Dunkelheit, Nässe, Frieren. Und dann noch hier. In Iberien. So weit weg von zu Hause.

Das Gelände war nun nicht mehr so schroff und gebirgig, nicht mehr so dicht bewaldet, es wellte sich jetzt wie eine runzelige Haut. Kleine Bäche und gut gefüllte Flussbetten versuchten immer wieder vergeblich, den römischen Vormarsch zu stören.

Krähenschwärme begleiteten sie seit einiger Zeit. Es war nie ein gutes Zeichen, wenn die Krähen kamen. Sie wussten, wann es sich lohnte, sich zu sammeln. Sie schrien laut ihre Vorfreude hinaus, wie eine höhnische Vorwarnung. „Wir kriegen euch. Wir kriegen euch alle. Kräh. Alle. Kräh. Kräh.“ Gaius Marius hatte auch Krähen nie gemocht.

„Tausende Römer haben in dieser von allen Göttern verlassenen Gegend ihr Leben gelassen. Jetzt sind wir also an der Reihe.“ Sixtus Selentius kam aus Arpinum, südöstlich Roms, wie Gaius Marius auch, er hatte allerdings eine noch deutlich pessimistischere Lebenseinstellung. Der traurige Sixtus. Schmaler und länger als Marius, jedoch bei Weitem nicht so viel Vitalität wie dieser ausstrahlend. Er wirkte mehr wie ein Priester, der ständig mit Bestattungszeremonien zu tun hatte. Trotzdem schätzte Marius ihn sehr, war mit ihm seit Kindertagen befreundet und ritt oft an Sixtus’ Seite. Anscheinend habe nicht nur ich düstere Vorahnungen. Aber bei Sixtus wäre alles andere ja auch ungewöhnlich.

„Natürlich werden wir alle sterben. Irgendwann“, meinte Marius gleichmütig.

Seit fünf Tagen näherte sich die vierte Legion Latium langsam ihrem Ziel, einer sehr gut befestigten iberischen Stadt, Numantia genannt, die seit vielen Jahren Zentrum des iberischen Widerstands war.

Numantia. Der Schrecken vieler römischer Feldherrn. Vieler erfolgloser römischer Feldherrn.

„Blödsinn. Jetzt wird alles anders. Mit Scipio Aemilianus als Feldherr können wir nicht verlieren. Er hat Karthago vernichtet, und er wird die aufständischen Iberer vernichten.“

Der junge Reiter hinter ihnen, Magnus Perperna, gab die neue Hoffnung des römischen Heeres wieder. Zwei römische Legionen mit jeweils fast fünftausend schweren Infanteristen sowie jeweils einer gut ausgebildeten Legionsreiterei mit deutlich über hundert Berittenen sollten doch in der Lage sein, Numantia zu erobern. Magnus Perperna war begeistert und träumte von unvergänglichem Ruhm. Magnus Ibericus? Vielleicht würde bald ein Ehrenname ihn schmücken. Oder Gold und Silber sein Leben versüßen.

„Hat irgendjemand den Mann überhaupt schon gesehen? Wahrscheinlich befindet er sich noch in Rom und feiert seine früheren Siege. Ehemalige Siege. Siege vor sehr vielen Jahren.“ Sixtus Selentius spuckte aus und fügte hinzu: „Wenn er klug ist.“

„Scipio Aemilianus ist in diesem Jahr unser Konsul und oberster Befehlshaber. Der Senat hat ihn einstimmig entsandt, auch wenn sein erneutes Konsulat eigentlich rechtlich unmöglich ist. Ein weiterer Bruch der römischen Verfassung durch die Aristokratie. Die Patrizierfamilien glauben, der Staat gehöre ihnen. Jedenfalls muss Scipio nun die Legionen vor Numantia selbst anführen. Sonst entehrt er sich und seine Familie.“ Marcus Tullius war Stellvertreter von Gaius Marius, kam ebenfalls aus Arpinum und ritt auf seiner anderen Seite.

Die aktuelle römische Politik interessierte den stämmigen Marcus Tullius sehr, er war schon oft in Rom gewesen und sympathisierte mit den Reformern, den Popularen, den Anhängern der Gracchen, was allerdings keinen seiner Kameraden interessierte.

„Er ist ein Säufer und ein Hurenbock. Wie alle Senatoren.“ Sixtus ließ sich nicht für römische Politik begeistern, hatte jedoch eine klare Vorstellung von der herrschenden römischen Klasse.

„Unser Centurio hat gesagt, er kennt Scipio noch von Karthago her und schätzt ihn sehr. Hilarius Vipsanius hat eine gute Menschenkenntnis. Scipio würde klug, umsichtig und pragmatisch handeln. Ich bin gespannt, wann er zu uns stößt. Dann werden wir sehen.“ Marius diente seit über fünf Jahren in der römischen Armee und war seit Beginn dieses Jahres bereits zum Decurio aufgestiegen, er führte als einer der fünf Decurionen der Legion einen Teil der Reiterei der vierten Legion Latium. Jeder Decurio befehligte etwa dreißig Berittene. Die fünf Decurionen standen unter dem Befehl von Hilarius Vipsanius, einem mit seinen fünfunddreißig Jahren schon sehr erfahrenen und lang gedienten römischen Centurio.

„Wir haben hier doch überhaupt keine Chance, einen Sieg zu erringen. Wie viele iberische Stämme werden uns wohl diesmal von allen Seiten überfallen, wenn wir unser Lager vor Numantia errichten? Zehntausende von selbstmörderischen Wilden mit ihren unberechenbaren Magiern und ihren keifenden Weibern. Was soll unser weiser Scipio da ausrichten?“, brummte Sixtus. „Ein einziger alter Mann. Vergreist und versoffen.“

„Wenn er Karthago erobert hat, wird es ja wohl für Numantia auch reichen“, wehrte sich der junge Magnus Perperna hinter ihnen.

„Ja, das haben die konsularischen Feldherren vor ihm auch immer gesagt. Ich habe die Gallier geschlagen. Ich habe die Germanen geschlagen. Ich habe die Hopliten Makedoniens geschlagen. Immer die gleiche Leier“, meinte Sixtus schlecht gelaunt wie immer. „Und seit Jahren haben alle in Iberien versagt. Die geschlagenen Feldherren begeben sich danach zu ihrem Ruhesitz am Mittelmeer, die Legionäre in die Unterwelt des Pluto, nachdem sie ordnungsgemäß massakriert und abgeschlachtet wurden. Und wofür das Ganze? In diesem abgelegenen, weit von Rom entfernten, fremden Land? Wo wir wahrscheinlich so in der Minderheit sind wie die Parther in Rom!“

„Schlachten werden nicht immer von denen gewonnen, die in der Überzahl sind“, brummte Marius genervt. Allerdings sehr oft. Die ständigen Zweifel des Sixtus Selentius wurden selbst ihm manchmal zu viel, auch wenn er dessen Sorgen gut nachvollziehen konnte. Er ist bestimmt nicht der Einzige, der Zweifel hegt. Aber keiner spricht dauernd darüber, bei Jupiter! „Rom wird auch hier in Iberien herrschen. Wir sind von den Göttern dazu ausgewählt. Wir sind die vierte Legion Latium. Wir werden Numantia vernichten!“ Marius sprach lauter, damit auch seine eigenen Gedanken übertönt wurden.

„Zu Befehl, Decurio!“ Sixtus spürte, dass er nun schweigen sollte. Wenn die Götter ins Spiel kamen, duldete kaum noch jemand Widerspruch. Doch er wusste genau, dass er mit seinen Zweifeln nicht allein war.

Numantia. Allein der Name der iberischen Stadt löste in Rom Wut und Erschrecken aus. Je nach römischem Temperament und römischer Stimmungslage.

Schlimmer noch: Es wuchsen Zweifel an der eigenen Ausgewähltheit, an der eigenen Größe, an der eigenen Bedeutung.

Religiöse Zweifel: Waren die Götter wirklich auf der Seite Roms?

Strategische Zweifel: War Rom überhaupt in der Lage, die Welt zu beherrschen?

Zweifel am Sinn: Was soll Rom in diesen fernen, gottverlassenen Ländern? Wem nutzte das?

Und vor allem politische Zweifel: Wussten die herrschenden römischen Patrizierfamilien eigentlich noch, was sie taten? Konnten sich die römischen Bürger auf den Senat, die Konsuln, die Prätoren, die Feldherren verlassen? Was waren das eigentlich für Anführer? Die sollten Rom in die richtige Richtung lenken? Ausgerechnet die, die hier in Iberien so oft versagt hatten?

Numantia. Wiederholte Niederlagen. Tausende Tote. Drohender Machtverlust im Westen. Das Ende Roms? Das Ende der Senatoren?

Gab es Antworten der römischen Aristokratie? Natürlich. Die üblichen Antworten. Patriotismus. Appelle an die Ehre. Mahnungen. Zukunftsvisionen. Durchhalteparolen. Noch mehr Steuern. Noch mehr Truppenaushebungen. Mehr Geld für die Armee. Prophezeiungen. Götterbefehle.

Mehr Freiwillige für die Armee gewinnen. Mit Sesterzen locken. Gutes Land nach zwanzig Jahren Kriegsdienst versprechen. Auch weniger Vermögende anlocken. Das Heer wurde proletarischer, plebejischer. Viele lehnten die Veränderungen ab, vor allem die Konservativen. Die Mehrzahl begrüßte (noch) die Maßnahmen. Was waren die Alternativen, wenn man ein Imperium errichten wollte? Wie sollte der Stadtstaat Rom sonst die Welt beherrschen?

Römer konnten sehr hartnäckig sein. So beschrieben Römer ihre Tugend. Manche meinten auch, sie seien einfach nur stur. Feinde beschrieben sie als borniert, starrköpfig und verstockt.

Endlich wurden die Tage wieder wärmer. Die richtige Zeit für große Schlachten war gekommen, so hieß es. Marius wusste nicht, ob es jemals richtige Zeiten für große Schlachten gab, aber er...



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