E-Book, Deutsch, Band 3200, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Corvus Perry Rhodan 3200: Mission MAGELLAN
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8453-6200-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus
E-Book, Deutsch, Band 3200, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6200-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Wie es aussieht, könnte Perry Rhodan, der als erster Mensch von der Erde auf Außerirdische gestoßen ist, sich endlich seinem großen Ziel nähern: der alte Traum von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmung ein, man arbeitet intensiv und gleichberechtigt zusammen. Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit. Doch ES weilt nicht mehr in der Galaxis - das Geisteswesen scheint zwischen den Sterneninseln verschollen zu sein, zersplittert in Fragmente. Aus diesem Grund bricht eine Expedition zur fernen Galaxis Gruelfin auf: Es ist die MISSION MAGELLAN ...
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Sternensehnen
Im Erwachen genoss Perry Rhodan die Wärme und die Berührung seiner Frau, die halb auf ihm lag. Vorsichtig, um Sichu nicht zu wecken, strich er durch ihr langes Silberhaar. Sie duftete nach den Heidelbeergärten von Terrania City.
Die Erinnerung an seinen Heimatplaneten ließ Rhodan lächeln. 35 Tage reisten sie bereits durch die Leere des Weltraums, mit einer Geschwindigkeit, die ein im menschlichen Körper verhafteter Verstand nur noch in Analogien begreifen konnte. Das Licht von Sol brauchte über 35 Millionen Jahre, um dieselbe Strecke zurückzulegen. Es war dasselbe Licht, das die Erde des Eozäns beschienen hatte. Das lag zehnmal so weit in der Vergangenheit wie die Entstehung der ersten Menschenarten auf Terra.
Wie in einer Morgendämmerung schien sanfte Helligkeit auf das rot bezogene, runde Bett, das Atlan dem Ehepaar für die Reise abgetreten hatte. Ein cremefarbener Energievorhang sorgte für Sicht- und Schallschutz und bot so die maximale Privatsphäre, die an Bord der Raumkapsel möglich war. Rhodan und Sichu wussten, sie zu genießen.
Illustration: Swen Papenbrock
Es war lange her, dass sie einen ganzen Monat miteinander verbracht hatten, ohne von den Alltäglichkeiten der hohen Politik in der Milchstraße beansprucht zu werden. Zwar trugen beide keine operative Verantwortung, aber sie wurden häufig konsultiert. Die Anführer des Dritten Galaktikums profitierten gerne von ihrer Erfahrung.
Doch die beiden nutzten die RA nicht, um der Pflicht zu entfliehen. Im Gegenteil, sie folgten einem Notruf des Ultratenders MAGELLAN, der zur Kleingalaxis Morschaztas vorgeschobenen Operationsbasis, die der Suche nach dem ersten Fragment der Superintelligenz ES dienen sollte. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis sie ihr Ziel erreichten.
Behutsam schlängelte sich Rhodan unter Sichu hervor.
Im Halbschlaf seufzte sie milde protestierend.
Er hauchte einen Kuss auf ihre warme, grüne Haut. Es forderte seine Selbstbeherrschung, die fraktalen, goldenen Muster, die ihren Körper zeichneten, nicht mit den Lippen zu erkunden.
Stattdessen deckte er seine Frau bis zu den Schultern zu.
Mit geschlossenen Augen rollte sie sich in die Seide ein.
In Gedanken dankte Rhodan dem Universum dafür, dass es ihm einen Monat der Nähe zu dem Wunder, das seine Frau für ihn war, gewährt hatte.
Er nahm die Obsidian-Datei von dem Tischchen, das neben dem runden Bett stand, und drückte sie unter das Schlüsselbein. Dort war der Zellaktivator implantiert, dessen belebende Impulse ihm die relative Unsterblichkeit schenkten. Gleich einem Magneten haftete das tropfenförmige Archiv an seiner Haut. Wie immer fühlte es sich kühl an, aber nicht unangenehm kalt.
Rhodan ertappte sich dabei, innezuhalten. Der halbtransparent obsidiangrüne Edelstein war kein Schmuckstück. Er enthielt Daten zu den Fragmenten von ES. Bislang hatte er lediglich die Standorte von zweien preisgegeben, eines davon in Morschaztas. Dadurch war die Kleingalaxis zu ihrem Ziel geworden.
Rhodan hoffte, dass die Obsidian-Datei weitere Informationen preisgäbe, sobald sie in die Nähe des Fragments kämen. Anweisungen, wie man es bergen könnte, Hinweise auf Gefahren oder andere Hilfestellungen, die die Kosmokratin Mu Sargai dem Speicher anvertraut haben mochte.
Doch nichts geschah. Kühl und hart haftete der steinerne Tropfen an Rhodans Schulter.
Er zog seine hellblaue Bordkombination an. Das einteilige Kleidungsstück schmiegte sich an seinen Körper.
Nach einem letzten Blick auf die schlafende Sichu trat Rhodan durch den Energievorhang.
*
Das Bett nahm einen großen Teil des runden Wohnbereichs der Kapsel ein, der am Boden sechs Meter durchmaß und sich gleichmäßig zur acht Meter durchmessenden Decke weitete, was ihm die Form eines Kegelschnitts gab.
Die nachtblaue Färbung der Schallschutzfelder, die um die drei Liegen an der runden Wand geschaltet waren, zeigte an, dass auf jeder davon jemand schlief.
Atlan da Gonozal, der Kommandant der RA, ruhte neben dem großen Kleiderschrank. Niemanden hätte Perry Rhodan bei einem gefahrvollen Einsatz lieber an seiner Seite gewusst.
In der Mitte lag Antanas Lato, dessen herausragendes Verständnis der Hyperphysik und der Dimensiologie sogar Sichu beeindruckte, die immerhin einmal das Amt der Chefwissenschaftlerin der Liga Freier Terraner bekleidet hatte. Wenn sich die beiden über die technischen Parameter der mit Superintelligenzen-Technologie konstruierten Kapsel unterhielten, in der sie reisten, kam Rhodan nur noch die Rolle zu, sie mit Heißgetränken zu versorgen.
Der letzte Schläfer, der Ase Alschoran, verfügte als Galaktischer Kastellan über die größte Erfahrung mit den Kapseln. ES hatte ihn zum Wächter über seine Mächtigkeitsballung berufen. Deswegen war seine Teilnahme an dieser Mission für Rhodan selbstverständlich.
Durch die drei Liegen, den Schrank, einen nierenförmigen Tisch, dessen schwarz glänzende Lackierung in der vorwiegend weißen Umgebung einen Akzent setzte, und ein rundes Loch im Boden, das in die Maschinensektion hinabführte, war der Platz im Wohnbereich während der Ruhephase beengt.
Der Roboter, mit dem Atlan seine Dagor-Kampftechniken übte, hing nahe der Decke an der Wand. Eine einigermaßen komfortable Nasszelle konnte RA nur bereitstellen, wenn die Schlafliegen zu Folien an der Wand verkleinert wurden.
Rhodan sah keinen Grund, die Gefährten zu wecken. Für den Moment gab er sich mit der Reinigungsfunktion der Bordkombination zufrieden, die den Nachtschweiß zuverlässig entfernte.
Er stellte sich unter das Loch in der Decke und sah hinauf. Das genügte RA, der Bord-Sextatronik, um seine Absicht zu erfassen und ihn mit einem Antigravfeld in die Kommandosektion zu heben.
Schon wegen des größeren Durchmessers war diese Etage der Kapsel geräumiger, auch wenn sich die Außenwand zu einer Kuppel wölbte. Das künstliche Schwerefeld des kleinen Raumschiffs erweckte den Eindruck, der vier Meter hohe Scheitelpunkt dieser Kuppel befände sich oberhalb von Rhodan; von außen betrachtet bildete er jedoch den Bug.
Die Projektion übertrug die Daten von den Optiksensoren auf die Wandung, weswegen exakt im Zenit ein Orientierungsstern leuchtete, der die Richtung der Linearetappe vorgab. Ringsum zogen die grauen Schlieren des Kontinuums vorbei, das sich zwischen der vierten und der fünften Dimension verorten ließ.
»Das sieht gut aus« sagte Rhodan.
»Die Leistungsparameter liegen weiterhin in dem Bereich, den Alschoran vorhergesagt hat«, informierte ihn Marat, das sechste und letzte Besatzungsmitglied der RA.
Marat war einer der wenigen positronisch-biologischen Roboter, die sich selbst geschlechtlich wahrnahmen, in ihrem Fall weiblich. Wobei an ihrem Körper nichts war, das einem menschlichen Beobachter diese Zuordnung nahegelegt hätte.
Ihre Plasmakomponente ruhte in einer einen Meter durchmessenden Schüssel, die auf einem Antigravfeld schwebte. Zu sehen war sie allerdings nicht, weil sich über ihr ein Kegel aus knapp 1000 zumeist kantigen, halbautonomen Modulen erhob, die sich in ständiger Bewegung gegeneinander verschoben.
Gegenwärtig machte Rhodan einen diagonal verlaufenden Hauptstrom aus, während andere Bereiche beinahe stillstanden. Dort tauchten einige Module in die Tiefe des Gewimmels ab und wurden durch andere ersetzt. Manche waren groß wie eine Faust, andere so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen waren. Ebenso wie die Schüssel und der würfelförmige Kopf der Posbi bestanden sie aus schwarzem Metall, bei den meisten ergänzt um rote Leuchtstreifen variierbarer Helligkeit.
Marat schwebte auf Rhodan zu. »Kannst du nicht mehr schlafen?«, fragte sie mit wohlklingender Stimme.
»Ich habe mich lange genug ausgeruht.«
»Ich verstehe. Dein Zellaktivator erlaubt dir eine schnelle Regeneration.«
Rhodan nickte, wobei mit dieser Begründung auch Atlan bereits hätte wach sein müssen. Er empfand wohl nicht dieselbe Unruhe wie der Terraner.
»Ich bin froh, dass unsere Ingenieure kompensieren konnten, was die Saboteure an Schaden angerichtet haben«, sagte Rhodan.
»Die terranische Technik arbeitet solide mit den Aggregaten der Kapsel zusammen«, beschied Marat.
Die Arbeiten hatten vieler Sonderschichten auf der Luna-Werft bedurft, und trotzdem hatten sie durch die notwendigen Reparaturen viereinhalb Monate verloren.
»Hundertachtunddreißig Tage zwischen dem Empfang des Hilferufs und unserem Aufbruch, dazu noch fünfunddreißig Tage für den Flug«, sinnierte Rhodan. »Ich hoffe, auf der MAGELLAN denkt man nicht, wir hätten sie aufgegeben.«
»Es war der schnellstmögliche Weg, nach dem Rechten zu sehen«, stellte Marat fest.
Obwohl der Notruf, der Terra über die Hyperfunk-Relais-Brücke im Leerraum zwischen den Galaxien erreicht hatte, der Auslöser für diese Reise war, bewegte nicht primär Sorge, sondern Vorfreude Rhodans Gemüt. Nicht nur hatte er selbst zahllose Herausforderungen gemeistert, er vertraute auch seinem Team und ebenso der Besatzung der MAGELLAN. Bislang hatte noch keine Schwierigkeit die Terraner dauerhaft davon abgehalten, ihrem Schicksal zwischen den Sternen entgegenzustreben.
Diese Bewegung ins Ferne und Unbekannte, zu den Rätseln und Wundern des Universums, verlor für Rhodan niemals an Faszination.
»Was für eine ungeheure Distanz, die wir mit der RA überwinden«, flüsterte er.
»Wie meinst du das?«
»Wenn ich über die Größe des Kosmos nachdenke, fühle ich mich zugleich klein und emporgehoben.« Rhodan spreizte die Finger und betrachtete die Härchen auf seinem Handrücken. »Ich bin das...




