E-Book, Deutsch, 416 Seiten
Curran American Wasteland
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86552-431-7
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz
Höllentrip durch die Postapokalypse
E-Book, Deutsch, 416 Seiten
ISBN: 978-3-86552-431-7
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz
Höllentrip durch die Postapokalypse
Der Biker John Slaughter hält nichts von Autoritäten. Als eine Katastrophe die USA in nukleares Brachland verwandelt, genießt er das Gefühl von totaler Anarchie und Freiheit. Doch bald wird den Überlebenden das Leben zur Hölle gemacht, als seltsame Würmer vom Himmel prasseln. Sie fressen sich in das Fleisch der Menschen und verwandeln sie in willenlose Tötungsmaschinen.
Eine bekannte Biologin könnte die Seuche beenden. Um sie zu finden, bricht John in Richtung Mississippi auf. Er ahnt nicht, das er geradewegs durch die Hölle auf Erden fährt: Mutanten, Monster und konkurrierende Rocker lauern ihm auf – und uralte, diabolische Mächte sind zu neuem Leben erwacht …
Swampdweller Book Reviews: »Ein fantastischer Roman! Perfekt geschrieben, fesselnd und der Held ist sehr sympathisch.«
Hellnotes: »Die brutalen und blutigen Szenen sind liebevoll ausgeschmückt – und natürlich gibt es jede Menge davon.«
Autoren/Hrsg.
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Slaughters Schlitten war eine zurückgebaute nachtschwarze Harley FLHTC mit ungefedertem Rahmen, Drag-Pipe-Endschallzylinder und Kurbelwellen aus unter Hochdruck geformtem Eisen. Sie machte einen Höllenlärm und man hörte sie schon aus einer Meile Entfernung herandonnern. Trotzdem ließ sie sich prima manövrieren und verlieh einem auf dem Sattel eine Menge Feuer unter dem Hintern. Er schoss kurz vor Black River Falls die Interstate entlang, ließ die Kupplung kommen und wechselte auf die Landstraße, eine bessere Schotterpiste voller Schlaglöcher und Unebenheiten. Sie durchschnitt die bewachsenen Hügel im westlichen Wisconsin. Von ganz oben konnte man sogar Minnesota drüben im Westen erkennen, hügelig und im Würgegriff des Nebels wie ein unheimliches Märchenland. Es lag weit, weit im Westen der Deadlands. Genau dort wollte er hin, weil es dort passieren würde ... was immer es auch sein mochte. Abgelegene Straßen wie diese ... weite Felder, Ansammlungen von Dickicht, tief ins Land geritzte Furchen ... das erinnerte ihn an früher, als er noch Präsident des Pittsburgh-Chapter der Devil’s Disciples gewesen war und die ganze Bande zu Ausfahrten in die Umgebung mitnahm. Er grübelte über Dirty Mary nach. Wenn er sich entschloss, nach Westen zu fahren, würde sie mitkommen wollen, denn so ein Mädchen war sie nun einmal. Ein alterfahrenes Biker-Luder, das wusste, wie es in den Clubs lief, mit losem Mundwerk und einigen ziemlich fiesen, raffinierten Messertricks im Gepäck. Aber unter der Haube war sie schwach und fürchtete sich vor dem Alleinsein. Slaughter wusste, wenn er abhauen wollte, musste er sie mitten in der Nacht zurücklassen. Ihm war bewusst, dass Dirty Mary ihn kaum mehr liebte, als er sie liebte. Sie hingen zusammen ab, um jemanden zu haben, um sich gegenseitig zu beschützen, für guten Sex. So lief das meistens. Ansonsten wären sie nicht mal als Freunde durchgegangen. Nach der ersten Nummer hatte sie draußen vor Milwaukee sogar versucht, ihm ein Messer in den Rücken zu rammen. So eine Beziehung war das. Klar, der Sex konnte sich sehen lassen – heftig, animalisch, brutal –, aber mehr verband sie nicht. Slaughter machte sich tagsüber auf die Suche nach was zum Essen und Mary zauberte was Leckeres draus. Er beschützte sie und sie kümmerte sich um seine Bedürfnisse. Körperlich lief es gut, aber sonst hielten sie es kaum länger im selben Raum aus. Ständig hielt sie ihm vor, er sei nicht so clever wie Jibbs, ihr letzter Macker, ein Sergeant bei den Warlocks aus Florida. Umgekehrt stänkerte er, sie könne weder so gut kochen noch so gut blasen wie Joseline, seine Ex, die daheim in Scranton gestorben war. Mann, was hatten sie für einen Spaß. Die Chemie zwischen ihnen besaß fast etwas Diabolisches und er spürte es jedes Mal in sich brodeln, wenn sie Zeit miteinander verbrachten und sich dabei nicht schwitzend aneinander rieben. Eine Mischung aus Tollkirsche und Teufelsapfel. Wahres Gift. Gärende, zischende Bösartigkeit, die nur darauf lauerte, etwas oder jemanden zu töten. Früher oder später kam es dazu, keine Frage. Das fiese Temperament von Mary würde ihn so sehr anpissen, dass er ihr zwangsläufig etwas antat oder sie ihm einfach im Schlaf die Kehle durchschlitzte. So oder so drohte die Sache ein blutiges Ende zu nehmen. Er rumpelte einen mit Bäumen bewachsenen Hügel hinauf und hielt nach einer Lücke zwischen den Zweigen Ausschau. Sobald er die Farm unten im Tal sah, ging es ihm gleich viel besser. Er verspürte dann jedes Mal eine gewisse Erleichterung. Home, sweet home. Klar, total spießig, aber auch irgendwie entspannend. Jedenfalls bis zu dem Moment, wo er durch die Tür trat, Mary mit ihren Tiraden loslegte und sie sich wie tollwütige Hunde hasserfüllt gegenseitig umkreisten. Echt übel! Slaughter schüttelte den Kopf. Was für ein beschissenes Leben ist das bloß? Was für eine Scheiße wird sich ... Was zum Teufel?! Er ließ das Bike wie eine Oma im niedrigen Gang schleichen, als sich die Bäume teilten und die Büsche in die Hocke gingen, damit er sein kleines Home, sweet home da unten sehen konnte. Scheune, Silo, Farmhaus. Alles dicht an dicht wie an einer Perlenschnur aufgereiht. Allerdings parkten jetzt zwei Pick-up-Trucks vor dem Haus. Bei seinem Aufbruch vor drei Stunden, um ein paar Meilen auf den Tacho zu kriegen, waren noch keine Trucks da gewesen. Dirty Mary musste also entweder ein paar neue Freunde gefunden haben – was Slaughter für äußerst unwahrscheinlich hielt – oder sie saß in der Klemme. Er tippte auf Letzteres. Slaughter lud die Combat Magnum, steckte sie in das Holster am Armeegürtel und schlang diesen um die Hüfte. Er suchte den Hof im Tal mit Blicken ab und legte sich die optimale Taktik zurecht. Normalerweise sollte er sich vor Angst in die Hose pissen, das wusste er. Aber bei dem Leben, das er momentan führte, und nach dem Stress und der Langeweile der letzten Wochen fühlte es sich wie eine Befreiung an. Es gab ihm einen Kick. Endlich konnte er mal wieder so richtig tief in der Scheiße rumwühlen. Er kletterte geschickt den Abhang hinunter und krabbelte wie eine Krabbe auf dem Bauch durch das vertrocknete Gras der Obstplantage, bis er im Schatten der alten Holzäpfel eine geeignete Tarnung fand. Er blieb für ein paar Sekunden dort und checkte, ob jemand Wache schob. Fehlanzeige. »Alles klar«, flüsterte er. »Dann wird’s wohl Zeit für ein bisschen Action.« Er kroch weiter und ging hinter dem Silo in Deckung, schlenderte zur Scheune und wartete. Sein Herz pochte wie wild. Nicht aus Angst, sondern freudig erregt. Endlich ein bisschen Aufregung. Mann, so wie damals, wenn er sich an ein Clubheim vom Cannibal Corpse angeschlichen hatte, um ein bisschen rumzuballern und ein paar Kerlen die Schädeldecke einzuschlagen. Er stand an der Ecke der Scheune und atmete die saubere Wisconsin-Luft ein. Süß und frisch. Man musste das einfach mögen. Da. Ein Kerl stand draußen in der Nähe der Hintertür und rauchte. Noch ziemlich jung. Er trug einen Original-Tarnanzug aus Armybeständen. Entweder ein Mitglied der Red Hand of Freedom, einer paramilitärischen Terrorgruppe, die sich während des Outbreak von der normalen Armee abgespalten hatte, oder irgendein Spinner, der einen auf G. I. Joe machte. Es spielte keine Rolle. Slaughter nahm sich vor, ihn so oder so auszuschalten. Der Junge rührte sich nicht von der Stelle und lehnte lässig an der Wand. Er hatte ein Gewehr dabei. Sah aus wie ein altes M1. Genau wie er hing es einfach so da rum. Als Wache taugte der Kleine einen Dreck. Auf keinen Fall in Fort Bragg ausgebildet. Slaughter beschloss, ihn zu überrumpeln, und schlich in seinen Rücken. Es ging so verdammt einfach, dass er es kurzzeitig für eine Falle hielt, bei der jemand den Jungen als Köder missbrauchte. Der andere rauchte gemütlich weiter, als mache er sich um gar nichts Sorgen. Ein kurzes Grunzen entfuhr ihm, als Slaughter ihn rasch an den Haaren packte, den Kopf zurückriss und ihm den SS-Dolch an die Halsschlagader hielt. »Eine falsche Bewegung und ich schlitz dir die Kehle auf!« Der Kleine rührte sich nicht, abgesehen davon, dass ein Zittern durch seinen Körper lief. Slaughter ließ die Klinge am Adamsapfel entlanggleiten und überlegte, ob er ihn einfach abmurksen oder vorher ausfragen sollte. Er entschied sich für Letzteres. Wie alt mochte der Bursche sein? Höchstens 19, noch feucht hinter den Ohren. Grüne Augen wie ein tiefer Bergsee. Naiv. Unschuldig. Slaughter konnte sich vorstellen, dass er ohne den Outbreak mit den langen Beinen definitiv zu den Leichtathletik-Stars seiner High School gehört hätte. Aber das Schicksal hatte dieser Karriere einen Strich durch die Rechnung gemacht. Keine Sprintpokale, keine Schule, kein Fummeln mit Mary Jane auf dem Rücksitz der ersten eigenen Karre. Jedes Mal, wenn der andere den Mund öffnete, drückte ihm Slaughter den Dolch etwas enger an den Hals. »Komm schon, Mann«, quetschte er schließlich raus. »Bring mich nicht um ... bitte nicht.« »Dann sag mir, was hier los ist.« »Ich weiß nicht ... aaah ...« Slaughter übte mit der Klinge Druck aus, bis sie Blut schmeckte. Er ließ sie so gerade eben durch die Haut gleiten. »Eine Chance hast du noch.« »Wir ... wir kamen die Straße runter, haben vor dem Haus gehalten ... da kam diese verrückte Schlampe raus und hat uns angebrüllt und beschimpft.« Slaughter lächelte. Ja, das klang definitiv nach Dirty Mary. »Wer ist wir?« »Red Hand. Wenn du schlau bist, lässt du mich einfach wegrennen. Im Haus sind einige ziemlich üble Kerle am Start.« »Rattensäcke«, raunte Slaughter. So wurde die Red Hand of Freedom von den meisten genannt. Der Junge starrte ihn finster an. »Lass mich raten. Die haben Spaß mit dem Mädchen?« »Nein ... noch nicht. Aber ich glaube, sie wollen sie mitnehmen.« »Ohne Scheiß?« »Wie gesagt, Mann ... wir sind die Hand, die verfluchte Red Hand. Mit uns legst du dich besser nicht an.« »Wer ist euer Anführer? Wie heißt die Reiherfratze?« »Snake. Man nennt ihn Snake.« »Wie viele?« »Fünf.« »Sechs, wenn man dich mitzählt?« »Genau.« Slaughter hatte den Jungen längst als Labertasche abgestempelt. Aber weil er sich heute großzügig fühlte, beschloss sein finsteres kleines Herz, ihn fürs Erste zu...




