E-Book, Deutsch, Band 2, 672 Seiten
Reihe: Odyssey
Currie Aus der Tiefe
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11338-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Odyssey 2
E-Book, Deutsch, Band 2, 672 Seiten
Reihe: Odyssey
ISBN: 978-3-641-11338-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Raumschiff Odyssey ist aufgebrochen, um die unbekannten Weiten des Universums zu erforschen und Kontakt zu den außerirdischen Zivilisationen aufzunehmen. Nun, da die Menschheit Teil eines interstellaren Bündnisses ist, wird die Odyssey zu einer gefährlichen Mission ausgesandt: Die Heimatwelt der Priminae wird von einem unbekannten Feind angegriffen – einem Feind, der mächtiger scheint als jede bislang bekannte Macht im All …
Evan Currie hat sich bereits in zahlreichen Beschäftigungen versucht, unter anderem als Hummerfischer und in der IT-Branche, doch das Schreiben war schon immer seine größte Leidenschaft. Sein Science-Fiction-Epos "In die Dunkelheit", der Auftakt einer mehrbändigen Saga, wurde als Neuentdeckung des Jahres gefeiert.
Weitere Infos & Material
NACS Odyssey
Ranqil-System – Peripherie
»Meldung machen!«, krächzte Weston und versuchte nach der letzten Transition seine Stimme wiederzuerlangen.
»Systemcheck reaktiviert sich wieder, Sir«, sagte Lamont matt. Sie klang so, als ob sie einen Frosch im Hals hätte. Dann loggte sie sich in das Schadenskontroll-Netzwerk ein und rief Statusberichte auf. »Alle Stationen Meldung machen. Ich wiederhole, alle Stationen Meldung machen.«
»Steuermann?«
»Wir sind im Ziel, Captain«, erwiderte Daniels und aktivierte seine Bildschirme. »Wir sind direkt oberhalb der Ekliptik reingekommen, in einer Entfernung von vierzigtausend Kilometern zum Ziel.«
»Ausgezeichnet, Lieutenant.« Eric lächelte und nickte dem Navigationsoffizier zu.
»Alle Stationen melden Bereitschaft, Captain.« Ensign Lamont blickte auf. »Eine Fehlausrichtung der Tachyonen-Sensoren ist aufgetreten, aber man arbeitet schon daran, die Störung zu beheben.«
»Vielen Dank, Ensign«, erwiderte Eric und aktivierte die Schiffssprechanlage. »Hier spricht der Kapitän. Willkommen im Ranqil-System. Ich möchte Ihnen allen für die meisterhafte Durchführung einer sehr schwierigen Abfolge von Transitionen gratulieren und Ihnen meine Bewunderung dafür ausdrücken. Weston Ende.«
Die Leute verfolgten mit einem Ausdruck zwischen Ekel und Belustigung, wie Lieutenant Crowley seinen restlichen Mageninhalt von sich gab. Sein Körper schüttelte sich unter den Krämpfen. Das war eine bekannte Szene, an die die Veteranen der ersten Reise der Odyssey sich von den ersten Augenblicken nach einer Transition erinnerten. Doch diejenigen, die erst vor Kurzem an Bord gekommen waren, wichen bei diesem Anblick so weit wie möglich zurück. Außer denjenigen, die dem Lieutenant am Boden Gesellschaft leisten wollten.
»Verdammt, Lieutenant. Sie klingen so, als ob Sie Schmerzen hätten«, sagte Sergeant Greene von der anderen Seite des Raums, wo all diejenigen sich versammelt hatten, die nicht von dem befallen waren, wofür sich die beschönigende Bezeichnung »Transitions-Krankheit« eingebürgert hatte. Und der Lieutenant war damit auch nicht allein. Er hatte noch drei Leidensgenossen, die nun in schöner Eintracht den stechenden Geruch von Magensäure im Raum verteilten.
»Mein Gott, was zum Teufel ist denn hier los?«
Greene drehte den Kopf und sah Bermont hereinkommen. Das ehemalige Mitglied der Canadian Joint-Task-Force-2-Spezialeinheit machte den gleichen affektierten Eindruck wie immer und hatte einen stolzierenden Gang, der seinen Charakter vortrefflich veranschaulichte. Er war auch einer der paar Besatzungsmitglieder der Odyssey, die den Moment der Transition tatsächlich genossen.
Die meisten anderen hassten ihn entweder wegen seiner Haltung unmittelbar vor und nach einer Transition, oder sie beneideten ihn darum, wenn sie schließlich grün anliefen und überstürzt zur Toilette hasteten.
»Diese Jungs vertragen nicht mal einen kleinen Hüpfer über eine Distanz von fünfzehn Lichtjahren.« Greene grinste und versuchte damit zu kaschieren, dass auch sein Magen Purzelbäume schlug. Sie hatten zwar Doktor Palin, der ihnen in solchen Situationen half; aber selbst wenn er alle Symptome erfolgreich bekämpfte, würden sie sich neue Beschwerden ausdenken. Bermont schnaubte. »Und ich dachte schon, wir hätten diesmal ein paar echte Männer dabei.«
Auf der Brücke nahm Weston die Meldungen seiner Untergebenen entgegen.
»Captain, ich registriere eine thermische Wolke in einem Winkel von etwa dreißig Grad zur Ekliptik«, meldete Waters und gab mit gerunzelter Stirn einen Befehl ein. »Ich identifiziere ein Schiff, Sir. Es dreht ab … ich habe die Wolke verloren. Entweder haben sie ihre Triebwerke abgeschaltet, oder sie beschleunigen in unsere Richtung.«
»Irgendwelche Anzeichen von Drasin-Präsenz?«
»Negativ, Captain. Ranqil scheint auch noch in einem Stück zu sein, und ich registriere nichts, was einem Drasin-Kreuzer ähnelt.«
»Haben wir schon ein Profil bezüglich des Ursprungs der Wolke?«
»Negativ. Wir werden noch ein paar Minuten warten müssen, bis die passiven Ortungssysteme eine aussagefähige Silhouette abbilden können.«
Eric nickte. »In Ordnung. Steuermann, berechnen Sie einen Kurs zum Planeten. Taktikabteilung, auf Gefecht vorbereiten.«
»Aye, aye, Sir«, erwiderten beide Stationen, und dann drehte Ensign Lamont sich plötzlich halb um.
»Captain«, sagte sie, »der Botschafter wünscht, Kontakt mit Ihnen aufzunehmen.«
»Stellen Sie ihn durch«, sagte Eric nach kurzer Überlegung.
Sie nickte und schaltete eine Direktverbindung zum Kapitän frei.
»Botschafter, was kann ich denn für Sie tun?«, fragte Eric leutselig. Er war in guter Stimmung und sagte sich, dass es wahrscheinlich kein Drasin wäre, der auf sie zuhielt. Und falls doch, hätten sie immer noch genug Zeit, um zu reagieren.
»Captain«, ertönte die dünne Stimme des Botschafters, »ich habe soeben eine Nachricht von der Vulk erhalten. Sie werden sich mit uns treffen und uns dann zum Planeten eskortieren.«
Er blinzelte.
Seit wann hat der Botschafter denn eine Kommunikationsmöglichkeit?
Das sprach er jedoch nicht laut aus, sondern bestätigte nur die Information. »In Ordnung, Ältester. Wir nehmen Kurs auf den Planeten. Sie werden in einem halben Tag zu Hause sein.«
»Vielen Dank, Captain.«
Eric schloss den Kanal und nahm sich vor, den Botschafter – natürlich unauffällig – scannen zu lassen, bevor er von Bord ging. Es wäre interessant zu erfahren, wo und wie er die Vorrichtung versteckt hatte, bei der es sich zweifellos um eine Überlichtgeschwindigkeits-Einheit handeln musste.
Priminae-Schiff Vulk
Ranqil-System – Peripherie
Capitaine Johan Maran musterte das kleine Schiff auf seinen Bildschirmen, während sein Steuermann die Vulk routiniert längsseits brachte.
»Dann ist das also die berühmt-berüchtigte Odyssey«, sagte er ungerührt.
»Ja, Sir«, erwiderte einer der jungen Männer, die die Sensorstationen besetzt hatten.
Maran musterte ihn mit einem kalten Blick, bis dieser schluckte und sich wieder abwandte.
Der dumme Jungspund müsste eigentlich in der Lage sein, zwischen einer bloßen Bemerkung und einer Frage, die eine Antwort erfordert, zu unterscheiden, sagte er sich und behielt seine steife Körperhaltung bei.
Rein äußerlich war das Schiff nicht beeindruckend, so viel stand fest. Es war wahrscheinlich mindestens vier, wenn nicht fünfmal kleiner als die Vulk und ihre Schwesterschiffe. Maran war auch darüber unterrichtet worden, welchem Zweck die rotierenden Zylinder dienten. Und er fand es amüsant, dass ein raumfahrendes Volk sich auf eine so primitive Lösung verlegt hatte, wo es doch quasi zum Einmaleins des effektiven Raumflugs gehörte, durch Feldmanipulation eine künstliche Schwerkraft zu erzeugen.
Doch ungeachtet des äußeren Anscheins hatte dies kleine Schiff einen Joker, dem vielleicht nicht einmal die Vulk etwas entgegenzusetzen hatte.
Maran war sehr daran interessiert zu erfahren, wie es diesen speziellen Trick zustande brachte – noch dazu mit einer so flachen Leistungskurve, wie sie durch seine Scans abgebildet wurde. Er hatte die Aufzeichnungen der Schlacht von Ranqil studiert, und so ungern er sich das auch eingestand: Er und sein Volk hatten diesem einen kleinen Schiff sehr viel zu verdanken.
»Dann ist das also die Odyssey«, wiederholte er – diesmal mit leiserer Stimme – und ließ ihren Anblick auf sich wirken.
Diesmal sagte niemand etwas; falls die Leute ihn überhaupt gehört hatten.
NACS Odyssey
Ranqil – Planetarer Orbit
Eric schwebte direkt vor dem Ältesten und seinen zwei Adjutanten routiniert auf den Hangar zu und wählte einen solchen Gleitwinkel, dass er etwa viereinhalb Meter weiter Bodenberührung bekam und die Stiefel sofort verankert wurden.
Die Odyssey war eben erst relativ zum Planeten zum Stillstand gekommen, und die Mannschaften bereiteten sich nun auf eine planetare Mission und auf die obligatorische bewaffnete Weltraumpatrouille vor, welche die NAC als Standardverfahren für ein Schiff im Orbit um einen ungesicherten Planeten vorgesehen hatte.
Eric war sich nicht sicher, wie die Kolonisten auf die implizite Unterstellung, dass ihre Welt nicht sicher sein könnte, reagieren würden. Weil er sie aber schon von früheren Begegnungen her kannte, glaubte er nicht, dass sie Einwände gegen eine Staffel aus gerade einmal zwei Jägern haben würden, die nur Patrouille flogen. Um ehrlich zu sein, war auch das eine Vorschrift, die nach Erics Meinung revidiert werden musste. Eine Patrouille aus zwei Jägern mochte unter terrestrischen Gegebenheiten in den meisten Situationen ausreichen, weil man dort im Allgemeinen wusste, aus welcher Richtung der Feind kam. Im Weltraum war jedoch eine Staffel mit mindestens sechzehn Jägern erforderlich, um auch nur eine Patrouille mit einem engen Radius durchzuführen.
Dieses Problem würde er jedoch erst später auf die Tagesordnung setzen, beschloss Eric, während das terrestrische Botschaftspersonal auf wackligen Beinen durch die Tür eines anderen Lifts kam.
Die Marines, die zum Schutz der Botschafter abgestellt waren, gingen voran und schienen sich von allen Mitgliedern der Gruppe auch in der besten Verfassung zu...




