Currie | In die Dunkelheit | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 688 Seiten

Reihe: Odyssey

Currie In die Dunkelheit

Odyssey 1
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-641-10154-1
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Odyssey 1

E-Book, Deutsch, Band 1, 688 Seiten

Reihe: Odyssey

ISBN: 978-3-641-10154-1
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Jenseits der Sterne ist ... Dunkelheit

Als das Raumschiff Odyssey aufbricht, um die Grenzen des bekannten Universums zu erforschen, ahnt noch keiner an Bord, was ihn dort erwarten wird. Immer weiter rückt unser Sonnensystem in die Ferne, und auf ihrem Weg in die finsteren Weiten zwischen den Sternen begegnen der Odyssey Gefahren, Wunder, Entdeckungen und fremde Wesen, die fantastischer sind als alles, was sich die Menschen der Erde je hätten ausmalen können. Doch das wahre Herz der Finsternis, die größte Gefahr von allen, wartet noch auf sie …

Evan Currie hat sich bereits in zahlreichen Beschäftigungen versucht, unter anderem als Hummerfischer und in der IT-Branche, doch das Schreiben war schon immer seine größte Leidenschaft. Sein Science-Fiction-Epos "In die Dunkelheit", der Auftakt einer mehrbändigen Saga, wurde als Neuentdeckung des Jahres gefeiert.
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1

Während sein Kampfjäger die Atmosphäre hinter sich ließ, griff Eric Weston nach vorn und bediente eine Reihe von Schaltern, um den Überschall-Verbrennungs-Staustrahl zu deaktivieren und den Sauerstoffdruck in den Zweistrahler zu leiten. Nun war der Luftstrom, der durch den Flugzeugrumpf gefegt war, längst abgeebbt und nicht mehr spürbar, als er den Bug des Flugzeugs nach unten lenkte und auf die geosychrone Umlaufbahn zuhielt. Vor der Scheibe des Cockpits war jetzt deutlich die Rundung der Erde zu erkennen. Lässig ließ er den Kampfjäger eine halbe Drehung vollführen, sodass er einen Moment lang den Anblick des weit unter ihm liegenden Planeten genießen konnte.

Von hier oben sieht alles so viel freundlicher aus. So heiter im Vergleich zu dem, was ich dort unten gesehen habe. Japan, Kalifornien, Hongkong: Nichts erinnert von hier aus an die Schlachtfelder, über denen ich gekämpft habe. Nüchtern dachte Eric Weston an seine ersten Einsätze während des Dritten Weltkriegs zurück. Als der Krieg ausbrach, hatte seine Kompanie zu den ersten Angriffszielen der Block-Streitkräfte gehört. In den wenigen Minuten Vorwarnung, die ihnen die Küstenabwehr verschafft hatte, war es Weston gelungen, die anderen Testpiloten so zu organisieren, sodass die Prototypen der Kampfflugzeuge rechtzeitig vor dem Bombenangriff vom Boden abgehoben hatten.

Da sie wehrlos waren, hatten sie jedoch nur zusehen können, wie die Vernichtungswaffen ihre Anlage zerstört und nahezu jeden von Westons Freunden und Kameraden getötet hatten. Danach war es für ihn nicht mehr in Frage gekommen, sich aus den Kampfhandlungen herauszuhalten.

Er ließ das Flugzeug erneut drehen, denn jetzt wollte er sich seinen Bestimmungsort gründlich ansehen, anstatt sich weiter in Erinnerungen zu verlieren.

Am Lagrange-Punkt 4 schwebte sein neuer Einsatzort friedlich dahin: das Raumschiff Odyssey der Nordamerikanischen Konföderation, das ihn bereits erwartete. Während er auf schnellem Anflugkurs darauf zuhielt, wartete das Schiff geduldig darauf, seinen künftigen Captain zu empfangen.

Ha, das Ding ähnelt ja tatsächlich einem alten Segelschiff. Allerdings musste Weston sich gleich darauf eingestehen, dass die Ähnlichkeit ihm wohl kaum aufgefallen wäre, hätten die Schiffskonstrukteure nicht ständig darauf hingewiesen. Man musste schon sehr viel Vorstellungskraft bemühen, um die zylinderförmig angelegten Habitate der Odyssey mit dem Schiffskörper einer Segelfregatte in Verbindung zu bringen. Der Rest war leichter zuzuordnen. Ein langer Kiel – er schien den »Boden« des Raumschiffs zu markieren – war in Wirklichkeit ein in die Odyssey eingebettetes Flugzeugträgerdeck, das Raumfähren und Kampfflugzeuge aufnehmen konnte. Und die Sensorentürme ganz oben konnte man auch als die »Masten« des Schiffes deuten. Der hintere Maschinenraum sah wie das Achterschiff einer alten Fregatte aus, und aus dem Bug ragten Antennen, die Dutzende von Metern über das Schiff hinausreichten.

»Odyssey an Archangel Null Eins: Bitte ändern Sie den Anflugvektor auf Null-Zwei-Vier-Strich-Drei. Hiermit erteilen wir die Genehmigung für den Standardanflug zu Deck zwei.« Die Stimme, die über den Empfänger des Headsets zu ihm drang, klang deutlicher, als wenn die betreffende Person unmittelbar neben ihm im Cockpit gesessen hätte.

Weston bestätigte den Empfang des Funkspruchs und lenkte den Kampfjäger auf den neuen Anflugkurs. Gleich darauf löste der einweisende Offizier auf dem Flugzeugträgerdeck die Brückenkontrolle ab. »Archangel Null Eins: Ich hab Sie auf dem Schirm«, meldete sich dessen Stimme über den knisternden Funk. Die Störgeräusche wurden durch die wechselseitigen Interferenzen der Counter-Mass-Felder rings um das Kampfflugzeug und die Odyssey ausgelöst. »Können Sie das Leitsystem zur Landung auf Deck zwei auf Ihrem Schirm erkennen? Bitte bestätigen.« »Roger.«

»Bestätigt. Die Landebahn ist frei, alles im grünen Bereich. Kommen Sie, die Luft ist rein.«

Weston lenkte die schnittige Archangel Null Eins auf den Bug der Odyssey zu und richtete sie auf das in den massiven Schiffskiel eingebettete Flugzeugträgerdeck aus. Der vordere Teil des Decks lag zum Weltraum hin offen und bot auf diese Weise Kampfjägern und Shuttles schnellen Zugang, während die schweren Seitenschleusen für das kontrollierte Andocken sorgten. Als sich das höhlenartige Innere des Trägerdecks vor die sternhellen Tiefen des Raums schob, stellten sich Weston die Arm- und Nackenhärchen auf. Diese Reaktion war ihm vertraut: Das Bodenpersonal des Trägerdecks hatte ihn mit der »Falle« erwischt, einem starken Antigravitationsfeld, das den Kampfjäger drastisch abbremste, ohne dass Weston den Nebenwirkungen der Entschleunigung ausgesetzt wurde.

Einige Minuten später stoppte der Kampfjäger, und Weston hatte ihn wieder unter eigener Kontrolle. Vorsichtig lenkte er ihn zu einem der Aufzüge an Deck. Als er einen der acht in den Kiel der Odyssey eingebauten Hangars erreicht hatte, schaltete er die Maschine aus und prüfte als Erstes instinktiv die äußere Atmosphäre. Sorgfältig glich er den Druck im Kampfjäger dem im Hangar an, öffnete die Überdachung und wartete darauf, dass sie vollständig zurückglitt. Danach löste er sich aus dem Sitz, stieß sich leicht ab und schwebte aus dem Cockpit. Während er auf die Decke des Hangars zutrieb, hörte er das widerhallende Klacken von Magnetstiefeln und blickte auf – oder, genauer gesagt, hinunter auf den Boden.

»Hallo da oben, Commander … Entschuldigung, Captain«, hallte eine fröhliche Stimme laut durch den Hangar. Zugleich sprang der Mann, dem diese Stimme gehörte, nach oben, legte einen sauberen kleinen Salto hin und schwebte zu der Stelle hinüber, wo Weston gerade die eigenen Magnetstiefel auf den Metallüberzug des Decks pflanzte.

Stephen »Stephanos« Michaels hatte als Westons Wingman seiner alten Fliegerstaffel, den Archangels, gedient, bis Weston offiziell das Kommando über die Odyssey übernommen hatte. Während des Krieges hatten Weston, Stephanos und einige Handverlesene zu den wenigen Leuten gehört, die berechtigt gewesen waren, diese speziellen Jäger zu fliegen. Die Archangels waren die einzigen Kampfflugzeuge gewesen, die es mit den neuen Angriffstypen der Luftwaffe des Blocks hatten aufnehmen können. Nachdem Weston drei Jahre lang die Staffel der Archangels befehligt hatte und der Krieg zu Ende war, hatte er die Beförderung zum Captain der Odyssey akzeptiert – in der Hoffnung auf einen Neuanfang an einem Ort, der nicht mit so vielen Erinnerungen belastet war. Weston hatte Stephanos zu seinem Nachfolger als Flugführer der Archangels bestimmt.

Stephanos hatte sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Er war etwas über ein Meter achtzig groß, hatte einen eindeutig regelwidrigen Haarschnitt und eine umgängliche, lässige Art. Dieser Wesenszug kam ihm besonders in den Clubs zugute, in denen er nach Dienstschluss gern verkehrte, wie allgemein bekannt war. Weston wusste, dass Stephanos schon Jahre darauf gewartet hatte, das Kommando über die Archangels zu übernehmen. Die neue Aufgabe schien ihm sehr zu gefallen.

»He, Steph.« Zur Begrüßung des Freundes tippte sich Weston an den Helm. »Wie habt ihr – du und die anderen – euch inzwischen mit dem Team hier arrangiert?«

Stephanos zuckte lediglich mit den Achseln, was bei jedem anderen albern gewirkt hätte. Doch bei ihm sah das eher so aus, als wäre ein naiver Landjunge unversehens auf einem Raumschiff gelandet. »Wir können nicht meckern.«

Weston lachte. »Aha. Das soll wohl heißen, dass sich keiner für eure Beschwerden interessiert, oder wie?«

Stephanos kicherte. Während die beiden alten Freunde nebeneinander zum anderen Ende des Hangars gingen, unterhielten sie sich über das Schiff und den neuen Auftrag. Schließlich gelangten sie zu einer kleinen Tür, die zum inneren Aufzug führte. Das kapselartige Gebilde diente ausschließlich dazu, die Besatzung der Odyssey zu den zahlreichen Schiffsebenen zu befördern. Weston drückte den Knopf für die Kommandozentrale im vorderen Habitatzylinder.

Als Weston seinen jungen Freund während der Fahrt musterte, fiel ihm auf, wie nervös Steph herumzappelte. Er hatte Verständnis dafür: Seit dem ersten Einsatz der Archangels vor acht Jahren war Steph als Wingman stets Seite an Seite mit ihm geflogen; miteinander hatten sie einige der schlimmsten Luftschlachten in der Geschichte der Menschheit durchgestanden.

Außerdem war er selbst ähnlich nervös, wenn vielleicht auch aus anderem Grund: Als erstes Raumschiff überhaupt war die Odyssey mit dem neuen Transitionsantrieb ausgestattet, der das Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit ermöglichte. Nur wegen seiner ungemein populären Position als Flugkommandant der Archangels war Weston in die engste Auswahl für den Kapitänsposten des neuartigen Schiffs gekommen.

Als der Aufzug im Zentrum des vorderen Habitatzylinders hielt, spürte Weston, wie die Schwerkraft zurückkehrte. Nach und nach passte sich die Beförderungskapsel der Rotation des Zylinders an, dann öffnete sich ihre Luke mit einem Surren.

»O je …« Beim Aussteigen schwankte Weston kurz, und ihm war übel, da sich sein Körper erst an die Rotation gewöhnen musste.

»Das geht vorbei. Anfangs braucht das Innenohr ein Weilchen bis es sich auf...


Currie, Evan
Evan Currie hat sich bereits in zahlreichen Beschäftigungen versucht, unter anderem als Hummerfischer und in der IT-Branche, doch das Schreiben war schon immer seine größte Leidenschaft. Sein Science-Fiction-Epos "In die Dunkelheit", der Auftakt einer mehrbändigen Saga, wurde als Neuentdeckung des Jahres gefeiert.



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