E-Book, Deutsch, Band 3, 576 Seiten
Reihe: Odyssey
Currie Unter der Sonne
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-14504-0
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Odyssey 3
E-Book, Deutsch, Band 3, 576 Seiten
Reihe: Odyssey
ISBN: 978-3-641-14504-0
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nachdem sie die feindlichen Drasin fürs Erste zurückgedrängt haben, haben sich Eric Weston und die Crew des Forschungsraumschiffs Odyssey auf ruhigere Zeiten eingestellt. Doch dann wird der schlimmste Albtraum zur Wirklichkeit: Die Drasin verfolgen ein Raumschiff – und rüsten sich zum vernichtenden Schlag gegen die Menschheit. Weston und die Besatzung der Odyssey versuchen das Unmögliche: Selbst als die letzten Verteidigungsposten im Sonnensystem gefallen sind, setzen sie alles daran, die Erde zu retten. Aber sie sind allein in den Weiten des Alls – und ihr Feind scheint übermächtig.
Evan Currie hat sich bereits in zahlreichen Beschäftigungen versucht, unter anderem als Hummerfischer und in der IT-Branche, doch das Schreiben war schon immer seine größte Leidenschaft. Sein Science-Fiction-Epos "In die Dunkelheit", der Auftakt einer mehrbändigen Saga, wurde als Neuentdeckung des Jahres gefeiert.
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1
Die NACS Odyssey ruhte beschaulich im Lagrangepunkt hoch über der Erde. Das Schiff war in weiten Teilen von Baugerüsten eingefasst und kaum noch zu erkennen. Wenn man genau hinsah, erkannte man die Arbeiter, die in der Mikrogravitations-Umgebung zugange waren. Sie waren mit Umbauarbeiten beschäftigt, die an dem großen Schiff durchgeführt wurden.
Die Gefechtsschäden, die sie während ihrer letzten Mission davongetragen hatten, waren längst repariert. Nun jedoch verstärkte die Nordamerikanische Konföderation ihre Verteidigungsanstrengungen, und deshalb wurde das große Schiff von Grund auf modernisiert. Die markant gestaltete Hülle wurde großflächig mit Mylarfolie und Strahlungsabsorbern verkleidet.
Captain Eric Stanton Weston ließ vom Beobachtungsdeck der Konföderations-Orbitalstation den Blick über die Szene schweifen und zählte bereits die Tage bis zum Abschluss der Modernisierungsarbeiten.
»Captain.«
Eric blickte über die Schulter und erkannte den Mann, der sich ihm näherte, sofort. »Mr. Gordon.«
Seamus Gordon, ein Geheimdienstmann, soweit Eric das zu sagen vermochte, war einmal von einem Freund als Arschloch im billigen Anzug charakterisiert worden.
Bisher hatte Eric noch nicht die Gelegenheit gehabt, diese Aussage auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, und ihm stand auch jetzt nicht der Sinn danach.
»Ich wollte mit Ihnen über Ihren Bericht sprechen«, sagte Gordon und richtete den Blick auf den Standort der Odyssey.
»Dann sprechen Sie.«
Gordon sah sich verstohlen um, schob die Hand in eine Tasche und machte erst dann wieder den Mund auf.
»Der Abschnitt, der sich mit Zentral befasst, wirkt etwas … dürftig«, sagte Gordon leise.
»Das liegt daran, dass meiner Ansicht nach die menschliche Sprache nicht über die richtigen Worte verfügt, um angemessen zu beschreiben, wie verdammt unheimlich dieses Ding ist«, erwiderte Eric höflich. »Mr. Gordon, Sie haben keine Ahnung, wie es ist, vor etwas zu stehen, das in Ihrem Bewusstsein herumstöbert, als würde es in der Sockenschublade nach seinen Lieblingsstrümpfen kramen.«
Gordon schnaubte. »Nein, obwohl ich mir schon oft gewünscht habe, über genau diese Fähigkeit zu verfügen.«
»Ich bitte um Verzeihung, wenn ich bei dieser Vorstellung keinen Freudentanz aufführe.«
Der Geheimdienstler lächelte verkniffen.« Verständlich. Ihrem Bericht zufolge erstreckt sich sein Einflussbereich auf den ganzen Planeten?«
»Es behauptete, dass sein Einflussbereich sich über den ganzen Planeten erstrecken würde«, korrigierte Eric. »Ich kann das weder bestätigen noch dementieren.«
»In Ordnung. Aber was glauben Sie?«
Eric schwieg für einen Moment und dachte nach. »Es ist wahrscheinlich die Wahrheit. Ich weiß nicht viel über planetarische Geologie. Aber wenn es auch nur ansatzweise stimmt, was es von sich behauptet, wäre es durchaus plausibel, dass es vom geomagnetischen Feld begrenzt wird.«
»Und wenn nicht?«
»Dann hätten wir das bereits festgestellt«, sagte Eric bestimmt. »Wir haben jede Frequenz, jedes Tachyon und Teilchen in diesem System beobachtet. Es gab keine Abnormität, für die wir keine Erklärung gefunden hätten.«
»Jaaa …«, sagte Gordon gedehnt. Er wandte sich leicht ab und sah an der Odyssey vorbei auf die Stelle im Raum, wo die weiß-blau marmorierte Kugel der Erde trieb. »Keinerlei Abnormität.«
Eric folgte seinem Blick und verzog das Gesicht. Er wusste genau, was der Mann dachte.
Wenn Zentral die Wahrheit sagt, haben die Priminae es nicht erschaffen. Eine omnipräsente Wesenheit. Das Ganze ist größer als die Summe seiner Teile. Hätten wir überhaupt etwas Abnormes entdecken können, wenn es eigentlich ganz normal war?
»Gut«, sagte Gordon schließlich, »wir werden uns zu gegebener Zeit noch mit dieser Frage befassen. Fürs Erste, Captain, würde ich es begrüßen, wenn Sie mich über die anderen Aspekte Ihrer letzten Mission unterrichten würden.«
»Bei allem gebotenen Respekt, Mr. Gordon«, sagte Eric betont gelangweilt, »meines Wissens sind Sie Zivilist. Sie können also keine Einsatznachbesprechung mit mir durchführen.«
Gordon grinste verkniffen und überreichte ihm eine gefaltete Karte.
Eric verzog schon das Gesicht, bevor er überhaupt einen Blick darauf geworfen hatte. Was auch immer auf der Karte stand, er war sich ziemlich sicher, dass es ihm nicht gefallen würde. Er öffnete die Karte, las sie und seufzte.
»Ich sehe Sie in einer Stunde im Büro der Admiralin«, sagte Seamus Gordon mit verzücktem Gesichtsausdruck und richtete den Blick wieder auf die Szenerie vor ihnen.
Eric blickte grimmig, sagte aber nichts und steckte die Befehle ein.
»Das ist wirklich ein tolles Schiff, das Sie da haben«, unterbrach Gordon nach kurzer Zeit das Schweigen.
»Es gibt kein besseres«, sagte Eric nach einem Moment und nachdem er zu der Überzeugung gelangt war, dass die Bemerkung des anderen ehrlich gemeint war.
»Senior Chief!«
Senior Chief Petty Officer Rachel Corrin blickte über die Schulter und nahm kaum Notiz von dem sich nähernden Offizier, bevor sie sich wieder auf ihre Arbeit konzentrierte.
»Ich bin gleich bei Ihnen, Commander.«
»Lassen Sie sich nur Zeit, Chief«, sagte Roberts, nachdem er gesehen hatte, womit sie beschäftigt war. »Ich bitte, die Ablenkung zu entschuldigen.«
»Wenn ich mich von jeder Kleinigkeit ablenken ließe, hätte ich mir schon längst meinen kleinen Hintern gegrillt, Commander«, sagte Rachel mit einem gezwungenen Lächeln und schloss die Hochspannungskabel an, mit denen sie hantierte.
Das System stand im Moment bedauerlicherweise unter Strom, denn es war Teil des Leitungsbündels, an dem auch die Lebenserhaltungs-Stromversorgung der Odyssey angeschlossen war. Man hätte den Strom unmöglich abstellen können. Ironischerweise hätte das hier in der Modernisierungswerft noch größere Probleme verursacht als sonst, denn es wuselten unzählige zivile Auftragsarbeiter im Schiff herum, die nicht mit den Notfallprotokollen der Odyssey vertraut waren.
Dann war sie fertig, brachte die Verkleidungen wieder an und verschraubte sie. Rachel klatschte in die Hände, um den – überwiegend imaginären – Staub abzuschütteln, denn die Filter des Schiffs verhinderten selbst in den weniger frequentierten Abschnitten größere Staubkonzentrationen. Sie stieß sich zum Boden ab, auf dem ihre Stiefel arretiert werden konnten.
»Was kann ich für Sie tun, Commander?«
»Ich brauche den aktuellen Stand der neuen Waffensysteme«, sagte Roberts missmutig. »Man sagte mir, sie sollten heute fertig werden, aber bisher sind mir noch keine neuen Berichte vorgelegt worden.«
»Wahrscheinlich deshalb, weil die Auftragsarbeiter im Zeitplan zurückliegen«, sagte Rachel und verdrehte die Augen. »Sie mussten unser Flugdeck aufreißen, um die neuen Systeme unter den Habitat-Zylindern zu installieren. Das stinkt dem Cap ganz besonders. Und jetzt müssen sie sie unter größtem Zeitdruck wieder luftdicht machen.«
Roberts verzog das Gesicht. »Kein Wunder, dass sie da noch keine Berichte eingereicht haben. Wie schlimm ist es denn?«
»Ich könnte es in einer Stunde erledigen, aber man bezahlt mir nicht halb so viel wie denen«, sagte Rachel schnaubend. »Solange ich keine entsprechenden Befehle bekomme, können sie meinetwegen rödeln wie die Bekloppten.«
»Achten Sie nur darauf, dass sie nichts Wichtiges zerstören, Chief.«
»Ich werde ein Auge auf sie haben, keine Sorge, Commander«, versprach sie. »Sie haben mein Wort.«
»Das genügt mir schon.« Roberts nickte, wandte sich ab und ging.
Rachel sah ihm noch für einen Moment nach. Dann schüttelte sie den Kopf und nickte einem ihrer Leute zu. »Was kommt als Nächstes?«
»Wir haben Meldungen von Stromausfällen in allen Bugsensoren, Chief.«
»Dann müssen diese Idioten beim Aufreißen des Decks wohl die Hauptleitung gekappt haben.«
Der Mann zuckte ratlos die Achseln. »Sieht so aus, Chief. Tut mir leid. Wir dachten, dass sie in der Lage wären, einen Schaltplan zu lesen.«
Rachel seufzte. »Sportsfreund, das sind zivile Auftragsarbeiter. Sie könnten einen solchen Plan nicht mal lesen, wenn man ihn ihnen mit Farbstift aufmalen würde. Was glaubst du wohl, weshalb man GPS erfunden hat?«
Ihre Männer lachten glucksend, doch sie seufzte nur.
»Also gut, dann lasst uns mal diese Kabel flicken, und dann sorgen wir dafür, dass ich das Versprechen einhalte, das ich dem Commander gegeben habe. Kommt schon, Matrosen, es liegt viel Arbeit vor uns.«
»Die Chinesen haben die Überlicht-Barriere überwunden.«
»Ja, dessen sind wir uns bewusst, Admiralin. Worauf wollen Sie hinaus?«
Admiralin Gracen ließ den Blick über die versammelte Gruppe schweifen. Sie setzte ihren strengsten Blick auf und strahlte die Autorität einer Gouvernante aus – geradezu zum Fürchten. Sie setzte sich nur ungern mit übergeordneten Zivilisten auseinander. Die verstanden nämlich nur selten, worum es überhaupt ging, und machten sich auch keine große Mühe, das zu ändern. Das wäre auch in Ordnung gewesen, wenn sie wenigstens ihre Grenzen gekannt hätten – aber auch diese Einsicht hatte sie bei einem zivilen Politiker bisher noch selten erlebt.
Sie...




