Dark John Sinclair - Folge 0215
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-2974-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Ölmonster
E-Book, Deutsch, Band 215, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-2974-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Das Ölmonster.
Großalarm! Von einem Augenblick zum anderen war die Hölle los. Das nervenzerfetzende Geräusch der Sirenen jagte selbst den tiefsten Schläfer aus seinen Träumen. Die langen Korridore und Flure waren erfüllt von den schrillen Echos, die sich immer weiter fortpflanzten und durch das Riesengebäude schwangen, in dem der Scotland Yard seinen Sitz hatte.
Suko, der mir gegenübersaß, sprang wie eine Gummipuppe von seinem Stuhl hoch. Er kannte zwar die Notpläne, doch in der Praxis hatte er sie noch nicht erlebt. Und ich nur einmal, als es gegen Terroristen ging, wobei sämtliche Kräfte mobil gemacht wurden ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
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Das Ölmonster
Großalarm!
Von einem Augenblick zum anderen war die Hölle los. Da jaulten und heulten die Sirenen. Dieses nervenzerfetzende Geräusch jagte auch den tiefsten Schläfer aus seinen Träumen. Die langen Korridore und Flure waren erfüllt von den schrillen Echos, die sich immer weiter fortpflanzten und durch das Riesengebäude schwangen, in dem Scotland Yard seinen Sitz hatte.
Es gab keinen Beamten, der nicht von diesen Tönen erschreckt worden wäre. Mir fiel sogar der Kugelschreiber aus den Fingern, als ich das Heulen vernahm.
Suko, der mir gegenübersaß, sprang wie eine Gummipuppe von seinem Stuhl hoch. Er kannte zwar die Notpläne, doch in der Praxis hatte er sie noch nicht erlebt. Und ich nur einmal, als es gegen Terroristen ging, wobei sämtliche Kräfte mobil gemacht wurden …
Die Tür zum Vorzimmer flog auf. Glenda Perkins stand auf der Schwelle, blass im Gesicht, wobei ihre dunklen Augen weit geöffnet waren und wir das Erschrecken darin lasen.
»Was ist los?«, fragte sie.
»Keine Ahnung«, erwiderte ich und erhob mich ebenfalls von meinem Stuhl, wobei ich automatisch zur Jacke griff und sie überstreifte.
Suko hatte sich schon angezogen und an Glenda vorbeigedrückt. Er wartete im Vorzimmer, während wir auf dem Flur hastige Schritte hörten. Die Kollegen eilten zu den Fahrstühlen. Es gab genaue Richtlinien für diese Fälle. Auch wir mussten unser Büro verlassen und uns in der Halle sammeln.
Bevor wir den Vorsatz in die Tat umsetzen konnten, wurde die Tür bereits aufgestoßen.
Sir James Powell erschien. Er war hochrot im Gesicht, sein Mund zuckte, als er rief: »Kommen Sie. Schnell, wir haben nicht viel Zeit. So beeilen Sie sich.«
»Um was geht es denn, Sir?«, wollte ich wissen.
»Das bekommen Sie noch rechtzeitig genug zu hören«, fauchte er mich an.
»Sorry, war ja nur eine Frage.«
»Beeilen Sie sich.« Sir James wirkte sehr hektisch. So hatte ich ihn noch nie erlebt. Irgendetwas musste lichterloh brennen. Unwillkürlich warf ich einen Blick aus dem Fenster, da ich an einen Brand dachte, der sich in der Stadt ausbreitete.
Es war nichts zu sehen. Weder Rauch noch Feuerschein. Glenda bekam die strikte Anweisung, ihren Platz nicht zu verlassen, während Sir James an unserer Seite blieb, auch als wir zu den Fahrstühlen schritten, was mich wunderte.
Die Geräusche hatten sich mittlerweile ein wenig verflüchtigt, da die meisten Kollegen ihre Büros verlassen hatten und bereits in der Halle warteten.
Als sich die Fahrstuhltür hinter uns schloss, bedachte uns Sir James mit einem scharfen Blick. »Der Alarm, der ausgelöst wurde, geht Sie an, meine Herren.«
Das war ein Ding. »Uns?«, echote ich und musste wohl ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut haben, denn Sir James gestattete sich ein Lächeln.
»Ja, und ich möchte Sie in Stichworten einweihen. Es hat eine Katastrophe gegeben. Die arabische Botschaft ist überfallen worden. Allerdings nicht von Terroristen, sondern von Wesen, mit denen keiner etwas anfangen kann. Der hastigen Beschreibung nach müssen es schwarze, schleimige Monstren sein.«
Da hielt der Lift, bevor ich noch nachhaken konnte. In der Halle war es ziemlich leer, was mich wunderte. Die Erklärung gab mein Chef sofort. »Wir haben die Anti-Terrorbrigade zusammengerufen. Sie wartet im Besprechungsraum auf ihre Befehle. Ich übernehme die Leitung. Sie und Suko fahren vor und dringen in die Botschaft ein, während die übrigen Männer einen Ring um sie legen. Alles klar?«
Wir nickten.
Damit ließ uns Sir James stehen.
»Das ist wirklich ein Hammer«, meinte Suko und schüttelte den Kopf. Er sah mich an. »Oder?«
Da konnte ich ihm nur zustimmen. Dann mussten wir uns beeilen und sprinteten zum Hof, wo mein Bentley stand. Er hatte erst vor drei Tagen eine neue Zusatzausrüstung bekommen. Ich nannte sie Kojak-Sirene, denn es war mir auf die Nerven gefallen, mich bei brandheißen Einsätzen durch den Londoner Verkehr zu quälen. Mit einer Sirene auf dem Dach kamen wir schneller voran. Das hofften wir zumindest.
Ich hockte als Erster im Wagen und klemmte bereits den Haftmagneten der Sirene auf das Dach, als Suko erst die Tür aufzog. Dann saß er auch. Starten und ab.
Das Ding fing an zu jaulen.
Widerliche Töne, die über den Hof schwangen und dann hinaus auf die Straße, als wir die Einfahrt passierten. Es ist der Broadway, nicht zu verwechseln mit dem in New York. Der Londoner ist wesentlich kleiner.
Manche Autofahrer reagieren panikerfüllt, wenn sie eine Sirene hören. Das mussten wir bald feststellen. Vor uns fuhr ein Tourist aus Österreich. Er vernahm den Klang, war das Linksfahren noch nicht so gewohnt und rollte in seiner Panik auf die rechte Straßenseite, was natürlich genau falsch war, denn so geriet er dicht vor unseren Bentley.
Suko schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Ich bremste, riss das Lenkrad herum, steuerte wieder gegen, alles begleitet vom Jaulen der Sirene.
Dann waren wir vorbei.
Und zwar ohne Schramme.
Gas. Der Wagen vor uns machte jetzt Platz. Ich grinste, denn nun konnte ich beschleunigen und auch in den Mittagsstunden so schnell fahren wie sonst nur nachts.
Die Sirene war in der Tat ein Straßenfeger.
Fast eine freie Bahn. Aber da waren auch die Ampeln. Bei Gelb huschten wir über zwei von ihnen hinweg. Doch Rotlicht zwang uns abzustoppen.
Einmal raste ich mit zwei Rädern über den Gehweg, wich einer Telefonzelle aus und hatte dadurch viel gewonnen.
»Was meinst du?«, fragte Suko. »Ob an der Geschichte tatsächlich etwas dran ist?«
Ich hob die Schultern. »Wir müssen abwarten. Aber der Alte kam mir ziemlich ernst vor. Es scheint einigen Ärger gegeben zu haben, wie ich meine.«
»Monster in der Botschaft«, murmelte Suko. »Mal was ganz Neues.«
»Zudem noch in der von Saudi-Arabien. Ich befürchte Schlimmes. Das kann diplomatische Verwicklungen geben, und solche Fälle interessieren mich überhaupt nicht.«
»Wem sagst du das.«
Ich musste wieder vom Gas. Die Leute schauten meinem Silbergrauen nach. So etwas hatten sie wohl auch nicht gesehen, einen Bentley mit Polizeisirene. Wenn ich daran dachte, was es für einen Ärger gekostet hatte, bis man mir die Genehmigung gab, dann hätte ich am liebsten völlig darauf verzichtet. Nun aber machte sie sich bezahlt. Wir konnten aufdrehen.
Das Telefon meldete sich. Da ich mich sehr stark auf den Verkehr konzentriern musste, nahm Suko ab. Sein Gesicht wurde lang. Wenn er so aus der Wäsche schaute, wusste ich, dass nur einer angerufen haben konnte. Unser Chef, Sir James Powell.
»Wir sind noch nicht da, Sir. Okay, Sir, ich habe verstanden. Wir werden achtgeben und melden uns später. Danke, Sir. Gut, die wissen Bescheid.«
Suko legte auf und hatte dabei die Stirn gerunzelt. »Mann, der Knabe kann mich noch in den Sarg bringen.«
»Was wollte er denn?«
Es hat einen Toten gegeben.«
»Verdammt«. Ich verzog das Gesicht. »Und?«
»Wie?«
»Ich meine, wie er umgekommen ist.«
»Davon hat Sir James nichts gesagt. Aber unsere Gegner scheinen aufräumen zu wollen.«
»Weißt du, wie viel es sind?«, erkundigte ich mich.
»Nein, davon hat er nichts gesagt.« Suko setzte sich bequemer hin und machte auch seine Beine länger. »In dieser verdammten Botschaft scheint es drunter und drüber zu gehen. Das kommt mir noch schlimmer vor als damals in der japanischen.«
Dabei spielte Suko auf einen Fall an, der uns letztendlich zu Tokata, dem Samuras des Satans geführt hatte und auch zu dem Goldenen Samurai, er hatte Tokata gezwungen, Harakiri zu begehen. Wir waren Zeugen gewesen. Mit Schaudern dachte ich an den Fall auf dieser Zuchthaus – und Müllinsel vor der japanischen Küste.1
Ich gab meinem Partner keine Antwort. Im voraus denken wollte ich diesmal nicht. Wir hatten kaum Anhaltspunkte und mussten uns mit dem zufriedengeben, was wir in der Botschaft vorfanden.
Wie sah unsere Bewaffnung aus?
Kreuz, Beretta, Dolch, das hatte ich. Suko trug ebenfalls eine mit Silberkugeln geladene Waffe bei sich und seine so wichtige Dämonenpeitsche, auf die er ein besonderes Auge hielt, wo sie ihm vor kurzem beinahme durch den Herrn der roten Hölle, aus dessen Haut die Peitsche bestand, abhanden gekommen wäre.
Die arabische Botschaft liegt in Belgravia. Dieser Londoner Stadtteil gehörte zu den vornehmen. Hier wohnen reiche Geschäftsleute, die es sich leisten können, hohe Mieten für ihre Häuser zu zahlen,
Wir huschten an einem großen Hotel im victorianischen Baustil vorbei, fuhren an der nächsten Kreuzung rechts und mussten noch etwa 500 Yards weiter, bis wir unser Ziel erreichten.
Die Botschaft lag in einem kleinen Park. Jedenfalls hatte es den Anschein, denn hohe mit mittlerweile belaubten Ulmen verdeckten die Sicht auf das Haus.
Die weiße Mauer diente zum Schutz. Besser schützte allerdings der elektrisch geladene Draht, der auf der Mauer entlanglief. Das große eiserne Tor lief auf Rollen und war geöffnet.
Nein, ein richtiger Park war es nicht. Zwar mussten wir ein Blumenbeet umrunden und über einen mit Kies bestreuten Weg fahren, doch sehr weit hatten wir es nicht bis zum Haus. Vor dem breiten Eingang ließ ich den Bentley ausrollen und stellte auch die Sirene ab.
Als wir ausstiegen, fiel uns die Ruhe auf. Die Geräusche der Straße wurden durch die hohen Bäume gedämpft, das Haus selbst strahlte ebenfalls Stille aus. Wir hörten auch keine Schreie, Stimmen oder Geräusche, sodass mir schon der Gedanke kam, dort falsch zu sein.
Ich...




