Dark | John Sinclair - Folge 0366 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 366, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

Dark John Sinclair - Folge 0366

Zigeunerliebe - Zigeunertod
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3127-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Zigeunerliebe - Zigeunertod

E-Book, Deutsch, Band 366, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

ISBN: 978-3-8387-3127-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!

Zigeunerliebe - Zigeunertod.

Kichernd tauchte der Folterknecht das Brenneisen in die Glut. Er freute sich auf seine Aufgabe und übernahm es gern, die junge Frau zu quälen. Sie lag vor ihm. Ihr Körper bildete ein großes X und war zum Zerreißen gespannt. - Die hübsche Schwarzhaarige, die sonst jedem Mann den Kopf verdrehte, war in ihren Fesseln dem Folterknecht Diablo wehrlos ausgeliefert ...

John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!

Dark John Sinclair - Folge 0366 jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Zigeunerliebe – Zigeunertod


Der Folterknecht tauchte das Brenneisen in die Glut und ließ ein hohles Kichern hören. Er freute sich auf seine Aufgabe. Seine blassen Augen leuchteten, als das Eisen allmählich eine rote Farbe annahm.

Seinen Namen hatte er vergessen. Man nannte ihn nur Diablo – Teufel! Und unter dieser Bezeichnung kannte ihn auch die Frau, die das Brenneisen zu spüren bekommen sollte. Sie lag ausgestreckt auf der harten Holzunterlage, die als Streckbank bekannt war. Der Körper bildete ein großes X. Er war zum Zerreißen gespannt. Die junge, hübsche schwarzhaarige Person, die jedem Mann, vom Jüngling bis zum Greis, den Kopf verdrehte, konnte sich in ihren Fesseln um keinen Inch bewegen  …

Diablo beobachtete, wie das Eisen immer heller wurde.

Es war die glutrote Ausstrahlung. Erst wenn das Eisen einen bestimmten Farbton angenommen hatte, war es günstig. Das wusste er von einem alten Schmied, bei dem er einmal gearbeitet hatte.

Ohne das Eisen aus der Hand zu legen, wandte er den Kopf und schaute die Frau an.

Sie lag so, dass sie ihm in sein glattes Gesicht schauen konnte, das einen fast engelhaften Ausdruck besaß. Dieser Mensch sah nicht so aus, wie man sich landläufig einen Folterknecht vorstellte. Genau das Gegenteil war der Fall.

Bleich und schmal war sein Gesicht. Die Augen blassblau, weich der Mund, ebenfalls das Kinn. Er sah immer zu, dass er seiner Haut nicht zu viel Sonne gab. Auch von der Gestalt her konnte man ihn als schlank und weich bezeichnen, ebenso wie das blonde Haar, das in wellenartiger Form seinen Kopf umrahmte.

Und dann die Hände. So lang, so schmal, nahezu mädchenhaft. Doch wenn sie einmal ans Werk gingen, so wie jetzt, brachten sie das Grauen mit.

Um sich die Hände nicht zu beschmutzen und sich die Finger nicht zu verletzen, hatte er schwarze Handschuhe übergestreift. Schwarz wie seine übrige Kleidung, die ein Kürschner ihm anfertigte. Der Handwerker durfte dabei nur weiches und makelloses Leder verwenden. Schwarz stand Diablo am besten. Es kontrastierte mit seiner hellen Haut, auf die er so stolz war.

Auch die Frau wich seinem Blick nicht aus. Sie kannte diesen verdammten Folterkeller, und sie hatte bereits schlimme Qualen hinter sich.

Entsprach Diablo auch nicht den landläufigen Vorstellungen eines Folterknechts, so war der Raum, in dem er seine »Arbeit« verrichtete, entsprechend eingerichtet.

Ein Instrument übertraf an Schrecklichkeit das andere. Und Diablo hatte sie schon alle benutzt. Wenn er jemand bekam, schaute er sich die Person an und suchte erst danach das Instrument aus.

So hatte er es auch bei Carmen, der Zigeunerin, getan.

»Deine schöne Larve werde ich nicht zerstören!«, hatte er ihr gesagt. »Auch deinen Körper nicht, denn ich bin ein Ästhet. Ich liebe schöne Menschen. Dennoch wirst du schreien, um Hilfe rufen, du wirst alle Götter anflehen, du wirst mich anbetteln, und ich schaue nur auf dich herab  …«

Carmen hatte nicht geschrien, sie hatte nicht gebettelt, sondern alles schweigend und mit zusammengebissenen Zähnen über sich ergehen lassen. Dabei war an ihrem Gesicht und ihrem Körper nichts verändert worden. Beides blieb so schön, so hellhäutig und wohlproportioniert.

Er hatte die Frau nicht ausgezogen. Nach wie vor trug sie ihre grüne Bluse und den blauen Rock. Die Bluse zeigte einen halbkreisförmigen Ausschnitt, der so weit nach unten fiel, dass der Folterknecht die Ansätze ihres Busen erkennen konnte.

Hin und wieder hatte er auch das Gummi des Ausschnitts ein wenig nach unten gezogen und dabei nur die Lippen gespitzt.

Noch immer hielt er das Brandeisen im Feuer. »Bald!«, flüsterte er, »bald wirst du reden, deinen Mund öffnen, und ich höre sehr genau zu, damit ich alles verstehen kann.«

»Das hast du mir schon einmal gesagt, Folterknecht!«, lautete die Antwort.

»Stimmt! Aber diesmal schlage ich zu. Jeder, der bisher mein Zeichen bekommen hat, schrie. Er flehte und bettelte mich an, auch du wirst dies tun.«

Den Worten folgte ein bestätigendes Nicken. Der Kopf des Mannes bewegte sich so auf und ab, dass er einmal in den Widerschein des Feuers geriet, dann wieder verschwand und nur mehr schattenhaft zu erkennen war. Über das bleiche Gesicht floss der Schein des Feuers. Die Haut bekam einen rötlichen Glanz, als würden aus zahlreichen Poren kleine Blutstropfen treten und sich schlierenartig verteilen.

In der Folterkammer herrschte der so typische Geruch. Nach verbrannten Kohlen roch es, nach heißem Eisen, auch nach Schweiß. Das alles zusammen ergab den Odem der Angst  …

Die Wände waren durch den Rauch des Feuers geschwärzt. Eine dicke Russschicht lag auf den Steinen. Man hätte mit dem Finger Figuren hineinmalen können.

Die Decke zeigte die gleiche schwarze Farbe. Hier hatte sich der Fackelruß abgesetzt und sie mit einem schmierigen Film bedeckt.

Die Fackel selbst steckte in den Wänden. Eherne Halter hielten sie wie Greifarme fest. Soldaten sorgten dafür, dass sie immer brannten und regelmäßig ausgewechselt wurden.

Im Keller der Burg hörte niemand das Schreien der Gefangenen. Und bis zum nahen Fluss war es nicht weit. Dort konnten die Leichen verschwinden und weggeschwemmt werden.

Die dunkelhaarige Carmen lag rücklings auf der Folterbank. Manchmal spiegelte sich das Licht der Fackel in ihren dunklen Pupillen. Dann schienen darin rote Sterne zu blitzen, aber es war auch der Hass, der in diesen Augen lag.

Der Tod befand sich zum Greifen nahe, doch sie war nicht bereit, ihn endgültig zu akzeptieren.

Sie wusste einfach zu viel  …

Und der Folterknecht hatte von den Geheimnissen des Lebens und des Sterbens keine Ahnung. Ihn interessierte nur der Befehl des Herzogs, der sich auf ihn voll verlassen konnte. Was sein Herr sagte, führte Diablo aus. Mit Geschick, mit Freude und mit einer nahezu teuflischen Präzision. Überlebt hatte noch keiner.

Er zog das Brandeisen aus dem Feuer. Er tat es langsam, winkelte den Arm an und schaute auf das glühende Ende, da er die Farbe des Eisens prüfen wollte.

Dann nickte er.

Diablo war zufrieden  …

Mit einer tänzerisch anmutenden Bewegung drehte er sich herum, und das Foltereisen zeigte wie die Spitze einer Lanze auf die gefesselte Zigeunerin.

»Siehst du es?«, flüsterte Diablo. »Siehst du dieses Eisen, Zigeunerweib?«

»Ja, ich sehe es genau.«

»Gleich wirst du es nicht nur sehen, auch spüren, wenn es dich berührt. Und dann höre ich dich, dann wirst du mir freiwillig sagen, weshalb du den Sohn des Herzogs umgarnt und in den Tod geschickt hast.«

Carmen lachte. »Nichts werde ich dir sagen, Folterknecht. Gar nichts. Was weißt du denn schon?«

»Viel, sehr viel. Ich weiß, dass du versucht hast, den Sohn des Herzogs für dich zu gewinnen, aber das wird dir nicht helfen. Sein Vater war dagegen, alle sind dagegen. Für dich ist kein Platz mehr auf dieser Welt. Kannst du dir vorstellen, was mit dir geschieht, wenn ich dich gezeichnet habe und du noch lebst?«

»Ich weiß es.«

»Sag es mir. Los, raus damit!« Er stach das Eisen vor. Carmen spürte die Wärme, aber die glühende Spitze, die einen Halbmond zeigte, berührte sie noch nicht.

»Ihr werdet mich töten!«

Der Folterknecht nickte. »Nicht nur töten, Zigeunerin, nicht nur töten. Wir werden dich verbrennen wie eine Straßenkatze. Die Flammen werden in dir ihre Nahrung finden, und dann wirst du vor Entsetzen schreien und nicht mehr ein noch aus wissen. Reisig brennt besonders gut, vor allen Dingen, wenn das Zeug trocken ist. Ich selbst werde es anzünden. Ich selbst, Zigeunerin. Aber zuvor beschäftige ich mich mit dir. »Noch einmal drückte er das Brandeisen ins Feuer, wartete eine halbe Minute und zog es wieder hervor.

Er ging auf sie zu.

Seine Schritte waren schleichend. Genussvoll setzte er das Brandeisen in die rechte Hand.

Carmen lag auf dem Rücken. Ihre Augen weiteten sich, als sie den glühenden Halbmond über ihrem Gesicht schweben sah und feststellte, dass der andere seinen Arm tiefer, immer tiefer drückte, wobei das Eisen nur mehr eine Fingerlänge von der Haut trennte und der erste heiße Atem über das Gesicht der liegenden Frau fuhr  …

Vor der Tür zur Folterkammer hockten die beiden Aufpasser. Ehemalige Soldaten, die wegen ihrer Brutalität besonders aufgefallen und aus dem Heer verstoßen worden waren.

Sie hatten es sich auf Schemeln bequem gemacht und aßen. Das Brot teilten sie sich. Mit einem breiten Messer schnitten sie jeweils Kanten davon ab, um die Nahrung dann zu wechseln und sich dem weißen gesalzenen Speck zuzuwenden.

Auch hier säbelten sie, schoben sich die Stücke in den Mund, schmatzten und spülten die zerkauten Speisereste mit einem Schluck Bier hinunter. Die Krüge standen neben ihnen.

Ein Aufpasser – er war besonders dick – rülpste. »Eigentlich müsste sie längst schreien.«

»Wieso?«

»Diablo ist schon lange soweit. Ich kenne ihn doch.« Ein fettes Lachen drang über die dicken Lippen des Mannes, der mit zwei schmutzigen Fingern seine Haare zerwühlte, weil er auf seiner Kopfhaut nach Läusen suchte, die er knacken konnte.

»Vielleicht macht er etwas anderes.«

»Wie meinst du, Tim?«

»Ich wüsste auch, was ich mit einer Hexe anstellte.«

»Nein, nein, das glaub mal nur nicht. Aber nicht Diablo. Der ist anders herum, weißt du?«

»Wie?«

»Na, Männer.«

Tim nickte. »Jetzt verstehe ich. Woher weißt du das denn?«

Tims Kollege bückte sich und hob seinen Humpen an. Er öffnete den Deckel, nahm einen...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.