Dark John Sinclair - Folge 1127
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-3860-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Gothic-Vampir (1. Teil)
E-Book, Deutsch, Band 1127, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-3860-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Der Gothic-Vampir (1. Teil).
Er war ein Romantiker. Er war ein Mensch, auf den die Frauen jeglichen Standes flogen. Vor über 200 Jahren hatte Jacques Montfour seine Zeichen gesetzt. Doch sein Äußeres war nur Schein. Als die Frauen merkten, mit wem sie sich tatsächlich eingelassen hatten, da war es zu spät. Montfour zeigte sein wahres Gesicht. Aus dem Romantiker wurde der Gothic-Vampir.
Es mussten mehr als 250 Jahre vergehen, bevor er ein Problem für mich wurde. Auch deshalb, weil er mit einem gewissen Hector de Valois verwandt gewesen war ...
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Der Gothic-Vampir (1. Teil)
»O verdammt, das packe ich nicht!«
»Was?« flüsterte Johnny Conolly.
»Da runterzugehen. Das ist Wahnsinn. Da verirrst du dich in der Ewigkeit oder so.«
Johnny verdrehte die Augen. »Du solltest auch nicht da hinkriechen. Es ist einzig und allein meine Sache.«
»Ist ja gut. Außerdem bist du es gewesen, der sich das Skelett unbedingt näher anschauen will.« Kevin Lester tippte gegen seine Stirn. »So ein unheimlicher Scheiß kann auch nur dir einfallen.«
»Das ist kein Scheiß, das ist super«, flüsterte Johnny beinahe ehrfurchtsvoll. »Ich muss da einfach runter und es fotografieren. Das ist einmalig. Das kommt nie wieder.«
»Ohne mich.«
»Klar, du bleibst hier oben.«
Kevin war noch nicht fertig. »Mir gehen Skelette oder was immer am Arsch vorbei. Ich wäre lieber bei den anderen in der Kneipe. Die lassen es sich gut gehen, und was tue ich hier …?«
»Wenn du gehen willst, dann meinetwegen«, sagte Johnny. »Ich halte dich nicht auf.«
»Nein, ich bleibe. Außerdem ist der Rückweg ziemlich lang. Allein macht der auch keinen Spaß.«
Johnny nickte. »Okay, die halbe Stunde halten wir auch noch durch. Leuchte mal.«
Kevin hatte, ebenso wie Johnny, eine Stablampe mitgenommen. In dieser Umgebung standen sie allein. Beide waren noch in der Dämmerung in die alte Ruine hineingeklettert. Früher mochte der Bau mal ein stolzes Chateau gewesen sein, davon war nichts mehr zurückgeblieben. Der große Stolz lag jetzt in Trümmern, und die Natur hatte es sich nicht nehmen lassen, ihren Mantel darüber auszubreiten. Hohes Unkraut wucherte zwischen den Resten. Kleine Bäume und auch Sträucher hatten ebenfalls Lücken gefunden, um sich ausbreiten zu können. Der hohe Turm war eingestürzt. Mauern bildeten nur noch Brocken, die übereinanderlagen. Niemand hatte nach der Zerstörung je wieder daran gedacht, das Schloss neu aufzubauen. Außerdem waren die Bewohner nicht eben gut gelitten gewesen. Sie gehörten nicht der offiziellen katholischen Kirche an. Sie hatten sich abgespalten und eine eigene Gruppe gebildet. In den Chroniken war über finstere Abgründe geschrieben worden, in die die Bewohner des Schlosses hineingeraten waren. Schreckliche Dinge sollten hier passiert sein. Es hatte Opferstätten gegeben. Altäre, die mit dem Blut kleiner Kinder getränkt worden waren. Alles, was sich der menschliche Geist nur an Schrecklichem vorstellen konnte, war auf Chateau Montfour geschehen.
Wie genau die Mauern zusammengefallen waren, darüber waren sich die Menschen nie ganz klar geworden. Die einen sprachen von einer Zerstörung in einem Krieg, als die Heere aus dem Norden über das Land hergefallen waren. Wieder andere redeten davon, dass Chateau Montfour durch sein Bewohner selbst zerstört worden war. In einem Anfall von Wahnsinn, den der Leibhaftige persönlich über sie gebracht hatte.
So gingen eben die Legenden hin und her, und sie waren auch Johnny Conolly zu Ohren gekommen, der sich auf einer Klassenreise in Frankreich aufhielt.
Einmal das Schloss besichtigen. Einmal dort hineinzuklettern, wo in der Vergangenheit Wände und Böden mit dem Blut Unschuldiger getränkt worden waren.
Er war der einzige, der sich dafür interessierte, was durchaus am Erbe seiner Eltern liegen konnte und an seinem bisherigen Leben, das niemals so glatt und gerade verlaufen war. Da schlug bei Johnny schon das Erbe seines Vaters Bill durch.
Er hätte sich auch nicht von den anderen abgesetzt, wäre er nicht auf diese Geschichte gestoßen. Vor zwei Abenden hatte er sie in einer Dorfkneipe gehört, und er hatte seine Ohren verdammt weit gespitzt. Die beiden Männer am Ende der Theke hatte sich über das Erbe des Chateaus unterhalten, und sie waren überzeugt gewesen, dass in der Tiefe des Turms das Skelett liegen musste.
Das uralte und zugleich das böse Skelett. Ein Rest. Jemand, der einmal ein Herrscher gewesen war, aber trotzdem kein normaler Mensch gewesen sein sollte.
Natürlich war Johnnys Neugierde geweckt worden, aber er hatte sich nicht getraut, nachzufragen. Dafür um so besser zugehört. So hatte er einiges über die alten Zeiten und das Schloss selbst erfahren, aber nie herausbekommen, wer das im Turm versteckte Skelett nun wirklich gewesen war. Ein Name war nicht gefallen. Nur einmal hatte einer der Männer einen gewissen Jacques Montfour erwähnt, aber der andere hatte sofort seinen Finger auf die Lippen gelegt, ein Zeichen, dass es ein Tabu hier in der Gegend war, darüber zu reden.
Kevin Lester, ein Junge aus Johnnys Klasse, der auch keine Lust hatte, sich jeden Abend vollzuschütten, konnte von Johnny überredet werden, mitzukommen.
Es war gewissermaßen so etwas wie eine Abschlussfahrt, denn das Schuljahr näherte sich allmählich seinem Ende. Noch ein paar Monate, dann war die Schule für Johnny Conolly vorbei. Bisher wusste er noch nicht, was dann geschah. Er hatte sich nicht entscheiden können, ob er ein Studium oder einen Beruf aufnehmen würde, obwohl seine Mutter Sheila ihn immer wieder drängte. Aber Bill, sein Vater, nahm es recht gelassen. Erst im neuen Jahrtausend sollte sich Johnny entscheiden können.
Kevin Lester war also mit ihm gegangen, und es war ihm dabei nicht wohl gewesen, das hatte Johnny an seinem Verhalten erkannt. In der Dunkelheit fürchtete er sich. Zudem war es nicht leicht gewesen, sich auf diesem fremden Terrain zu bewegen.
Glücklicherweise hatten sie nicht zu hoch klettern müssen. Sie hielten sich noch im ehemaligen Innenhof auf und hatten nur den mächtigen Trümmern ausweichen müssen.
Sie waren sogar in den Turm hineingekommen. Als wären die einzelnen Steine beim Zerfall gelenkt worden, so hatten sie eine gewisse Stelle frei gelassen. Zwar nicht ganz, denn hohe Gewächse verdeckten den Zugang, aber Johnny hatte beim Gespräch der beiden Männer genau zugehört, sich das meiste eingeprägt, und so war es den beiden Jungen trotz der Dunkelheit gelungen, den einst so stolzen Turm zu betreten.
Um sie herum war es fast stockfinster. Nur durch einige Ritzen am Zugang drang Licht. Es war sehr fahl und bleich, denn es stammte von einem Mond, der als bleicher Kreis am dunklen Himmel stand, als wäre er aus dem Hintergrund herausgschnitten worden.
Der hohe Turm war zwar zusammengefallen, doch auf eine seltsame Art und Weise. Da waren die einzelnen Teile zwar nach innen gestürzt, aber zugleich auch etwas schräg, wie von einer anderen Kraft gelenkt, und so lag der Eingangsbereich teilweise noch frei, und hier unten musste sich auch der Zugang zu dem Verlies befinden, in dem angeblich das Skelett dahinmoderte.
Johnny hatte nicht nur seine Taschenlampe mitgenommen. Er war auch mit einer Kamera ausgerüstet. Sie gehörte nicht ihm. Sein Vater hatte sie ihm überlassen. Es war ein tolles Fabrikat. Sogar mit Restlichtverstärker versehen, damit er auch Fotos in der Dunkelheit schießen konnte. Johnny wollte den Beweis auf dem Bild festhalten und es dann seinem Vater präsentieren.
Er würde sich freuen, ebenso wie sein Patenonkel John Sinclair. Da war Johnny auf dem gleichen Weg wie die beiden. Nur seiner Mutter würde es nicht gefallen, das wusste er auch. Aber Conolly junior dachte eben anders darüber als sie.
Kevin hatte seine Lampe brennen lassen. Der lichte Kreis konzentrierte sich nicht nur auf einen Punkt, er hatte ihn immer wieder bewegt und ihn durch die Umgebung streichen lassen. So hatte er die Finsternis vertreiben können, die alten Trümmer gesehen, ihren Staub und Moder gerochen. Er hatte Kriechtiere aufgeschreckt und dicke Spinnweben hell glitzern lassen. Weiter oben hörten die beiden Jungen hin und wieder den Nachtwind, wenn er durch irgendwelche Lücken und Ritzen wehte.
Kevin war weniger forsch als Johnny. »Ich sehe den komischen Einstieg nicht. Es hat keinen Sinn. Lass uns hier verschwinden. Du hast bei den Typen in der Kneipe das Falsche gehört.« »Warte mal ab, verdammt. Wir finden was. Wir haben noch gar nicht mit der Suche begonnen.«
»Lange bleibe ich nicht hier.«
»Brauchst du auch nicht.« Johnny war es, der sich bewegte. Die Geduld und die Entschlossenheit hatte er ebenfalls von seinen Eltern geerbt. Da ließ er sich auch nicht beirren.
Bei jedem Schritt knirschte es unter seinen Sohlen. Kleine Steine scheuerten gegeneinander oder zerbrachen. Im Schein der Taschenlampe suchte Johnny besonders den Boden ab. Der alte Keller musste unter dem Turm liegen.
Er stieg über im Weg liegende Trümmerhaufen hinweg, rutschte auch mal und fluchte, weil er sich einmal beim Aufstützen den linken Handballen aufschrammte.
Kevin blieb im Hintergrund zurück. Von ihm war nur der helle Kreis der Lampe zu sehen, der wie ein einsamer Scheinwerfer in die Gegend strahlte.
Minuten waren vergangen, in denen Johnny allmählich sauer wurde. Er hatte es sich zu einfach vorgestellt.
Die wertvolle Kamera steckte in der Tasche, die er sich um seinen Bauch gebunden hatte. Wenn sie beschädigt wurde, bekam er Ärger mit seinem Vater.
»Hör doch auf!« meldete sich Kevin nach einer Weile. »Man hat uns verarscht. Hier gibt es kein Skelett.«
»Nein, hier nicht.«
»Na also.«
»Aber unten!«
»Hör auf. Der Kram hier ist zusammengebrochen. Du kommst nicht in die Keller.«
Johnny ärgerte sich, weil er beinahe selbst glaubte, dass Kevin recht behielt. So einfach wollte er nicht aufgeben. Er war davon überzeugt, dass die Männer nicht gelogen hatten. Zwar hatten sie in einer Kneipe gesessen und auch ein paar Gläser Wein getrunken, aber die Wahrheit konnte nicht so einfach vertuscht werden.
Johnny war überrascht, als der helle Lichtkreis eine alte...




