Dark | John Sinclair - Folge 1289 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1289, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

Dark John Sinclair - Folge 1289

Desteros Söhne
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-4023-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Desteros Söhne

E-Book, Deutsch, Band 1289, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

ISBN: 978-3-8387-4023-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!

Desteros Söhne.

Es lag lange zurück, dass es mir gelungen war, Destero, den Dämonenhenker, zu töten. Wir hatten ihn auch vergessen, aber er nicht uns. Vor allen Dingen der Spuk nicht, der in seinem Reich die Seelen der getöteten Dämonen auffing.

Keiner von uns ahnte, dass Destero ein Erbe hinterlassen hatte und das nicht vergessen worden war. Johnny Conolly machte als Erster die Erfahrung und lernte es kennen.

Es waren Desteros Söhne.

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Dark John Sinclair - Folge 1289 jetzt bestellen!

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Desteros Söhne


„Daddy ist tot! Mein Daddy ist tot!“ Immer wieder flüsterte Dave Norris die Worte vor sich hin. Er konnte es nicht begreifen.

Wie verloren stand er auf dem Fleck, seine Welt um sich herum. Die Glotze, der DVD-Player, die Video-Kassetten, auch die zahlreichen Bücher. An den Wänden die Poster, auf denen die Helden seines Lebens zu sehen waren. Menschen von Green Peace und Amnesty International, die sich in den Organisationen hervorgetan hatten.

Daddy ist tot!

Diesmal war es ein Schrei in seinem Innern. Grässlich und grauenhaft. Wie aus zahlreichen Monsterstimmen stammend. Etwas stieg in ihm hoch. Es machte ihn beinahe wahnsinnig. Er begriff nichts mehr. Die Leere war trotz allem vorhanden, trotz seiner Gedanken, die sich um seinen Vater drehten. Sein Vater lebte nicht mehr. Er hatte sich so toll mit ihm verstanden, und jetzt war es vorbei.

Einfach so. All die Jahre, all sein Heranwachsen. Okay, er war bereits ein junger Mann, mit knapp unter Zwanzig ist man das, aber man darf trotzdem weinen, und das tat er.

Dave weinte, ohne dass er es richtig merkte. Die Tränen hinterließen auf den Wangen schmale, feuchte Spüren. Er musste einige Male schlucken. Die Haut im Gesicht und am Hals zuckte. Dabei war Daddy noch so agil gewesen. Voll im Saft stehend. Er hatte viel gelacht. Er war immer so gut drauf gewesen.

Und nun das.

Dabei war sein Vater nie krank gewesen. Er hatte immer alles geschafft. Er war ein toller Mann gewesen. Er hatte Dave so viel beigebracht und eine Menge über das Leben gelehrt. Dave hatte von ihm profitiert, doch nun war alles dahin.

Dabei wusste er nicht mal, woran sein Vater gestorben war. Er hatte am Morgen tot in seinem Bett gelegen. Herzstillstand, musste man annehmen. Das war nicht sicher. Ein Arzt hätte hinzugezogen werden müssen, doch das hatte Daves Mutter noch nicht getan. Sie wollte es tun. Zuvor mussten sie Abschied nehmen.

Ellen Norris hatte ihren Mann tot in seinem Bett gefunden, und da lag er noch immer. Beide schliefen nicht mehr in einem Zimmer. Der Sohn kannte den genauen Grund nicht. Offiziell war das Schnarchen der Grund, aber das wollte Dave nicht akzeptieren. Die Ehe seiner Eltern war zwar nicht kaputt, aber sie war auch nicht mehr so wie vor Jahren noch. Da hatte es irgendwann mal einen Riss gegeben. Aber sie waren noch zusammen und hatten nie von Scheidung gesprochen.

Behutsam wurde gegen die Tür seines Zimmer geklopft. Dave hörte es, nur gab er keine Antwort, und so wurde hinter seinem Rücken die Tür geöffnet.

Er hörte das typische Geräusch und auch einen langen und heftigen Atemzug. „Wenn du willst, Dave, kannst du ihn jetzt sehen. Du wolltest doch zu deinem Vater – oder?“

Der Junge nickte nur, drehte sich noch nicht um. Er fühlte sich durch die Worte seiner Mutter noch stärker auf – gewühlt, und es kehrte wieder die Angst zurück, die sein Herz umklammerte.

„Oder willst du wieder allein mit dir bleiben?“

„Nein, Mum.“ Dave schüttelte den Kopf. Er drehte sich sehr langsam um und wischte dabei über die Augen, die vom Weinen gerötet waren.

Ellen Norris hatte die Tür geöffnet und war auch in das Zimmer hineingegangen. Dicht vor der Tür war sie stehen geblieben und schaute ihren Sohn an.

Er erwiderte den Blick. Nahezu forschend betrachtete er seine Mutter, die sich umgezogen hatte. Sie trug jetzt ihre dunkle Kleidung. Einen schwarzen, eng anliegenden Strickrock und darüber einen grauen Pullover. Auf irgendwelchen Schmuck hatte sie verzichtet. Ihr Gesicht war blass und gerötet zugleich. Sie hatte geweint. Das blonde Haar war gefärbt, in der Mitte des Kopfes drang die dunkle Naturfarbe durch. Es gab trotzdem einen Farbfleck in ihrem Gesicht. Das war der Mund mit den roten Lippen. Er sah aus wie eine frische Wunde.

„Hast du schon den Arzt verständigt?“

„Nein“, flüsterte Ellen.

„Warum nicht?“

„Wir wollen erst persönlich von ihm Abschied nehmen. Danach kann der Arzt kommen.“

„Ja, wie du meinst. Aber weißt du, wie er gestorben ist?“

„Nein. Woher sollte ich das?“

Dave schüttelte den Kopf. „Ich kann es einfach nicht begreifen, Mutter. Es will nicht in meinen Kopf.“ Er schlug gegen seine Stirn. „Ich komme da nicht mit. Vater war gesund. Er war nicht krank. Er hat nie geklagt, und so plötzlich hat es ihn erwischt. Wieso oder warum musste er sterben?“

„Ich weiß es nicht, Dave“, erwiderte Ellen mit kaum hörbarer Stimme. „Ich weiß es wirklich nicht.“

Dave sagte nichts. Er fragte sich, ob er seiner Mutter glauben konnte. So ganz war er davon nicht überzeugt. Möglicherweise wusste sie mehr als sie zugeben wollte und behielt es aus bestimmten Gründen für sich.

Dave hakte nach. „Bist du sicher, dass es ein normaler Tod gewesen ist?“

Ellen Norris zuckte zusammen. Danach stand sie starr. „Bitte? Was soll das denn heißen?“

„So wie ich es gesagt habe.“

„Dann müsste es eine andere Möglichkeit geben, Junge.“

„Das ist richtig.“

„Und welche?“

Dave hob die Schultern. „Es gibt nur die Alternative, dass er umgebracht wurde, Mutter. Ermordet. Ja, mein Vater und dein Mann ist ermordet worden.“

Beinahe hätte Ellen gelacht. Im letzten Augenblick hielt sie sich zurück. „Aber das ist Wahnsinn, Junge. Verrückt. Völlig aus der Luft gegriffen. Wer sollte ihn denn ermordet haben?“

„Ich weiß es nicht. Beweise habe ich nicht.“

„Komm, dann hast du es hinter dir.“

Seine Mutter hatte Recht. Dave wollte den Vater noch mal sehen, obwohl er den starren und leblosen Körper bereits betrachtet hatte. Nur einen kurzen Blick, aber der hatte ihm gereicht. Er war völlig erschreckt worden. So musste er sich innerlich auf das Bild einstellen, das ihn erwartete.

Mit langsamen Schritten ging er auf die Tür zu. Er hielt den Kopf gesenkt. Als er an seiner Mutter vorbeiging, nahm er den Geruch ihres Parfüms wahr. Sie roch wie immer sehr frisch. Darauf hatte sie also nicht verzichtet.

Sie betraten den kleinen Flur, von dem die anderen Zimmer der Wohnung abgingen. Das Bad, die Küche, die beiden kleinen Schlafräume und auch das Wohnzimmer, der größte Raum von allen.

„Kommst du mit, Mutter?“

„Wenn du willst, ja.“

„Nein, nein, ist schon gut. Ich denke, dass ich alt genug bin, um das verkraften zu können.“ Er deutete auf seine Brust. „Ich habe mich innerlich darauf einstellen können.“

„Ja, das musst du auch.“

Für Dave war das Gespräch beendet. Er holte noch mal tief Luft, dann betrat er das Totenzimmer …

*

Dave rechnete damit, von Totengeruch empfangen zu werden. Er machte sich keine Vorstellung davon, wie der Tote riechen könnte, aber irgendwie wollte das nicht aus seinem Kopf.

Wie immer knarrte die Tür etwas. Es war völlig normal und erinnerte den Jungen an das Leben, das nun hinter seinem Vater lag. Draußen war es längst hell geworden, doch Ellen Norris hatte das Rollo vor das Fenster gezogen, aber es nicht völlig geschlossen, sodass durch die Lücken genügend Licht fiel und sich im Zimmer verteilte. Der Boden hatte ein Muster aus hellen Streifen bekommen.

Es roch sogar frisch. Auch leicht nach dem Parfüm seiner Mutter. Dave fand es hier besonders unpassend, leider konnte er nichts daran ändern und näherte sich auf Zehenspitzen dem Bett, in dem sein Vater auf dem Rücken lag und sein Gesicht der Decke entgegengerichtet hatte, obwohl er nichts sah, weil Ellen ihm die Augen geschlossen hatte.

Dave musste wieder weinen. Als er neben dem Bett stehen blieb, rannen die Tränen bereits an seinen Wangen entlang.

Beim flüchtigen Hinschauen hätte er meinen können, dass sich sein Vater hingelegt hatte, um zu schlafen. Aber so war es nicht. Es gab keine Bewegung mehr in dem Gesicht seines Erzeugers. Es war und blieb starr. Es war eine Maske des Todes. Das Leben lag hinter ihm. Wenn es stimmte, dass nichts verloren gingt, befand sich seine Seele jetzt in einer anderen Welt. Irgendwo in der Ewigkeit. Möglicherweise bei Gott, und da fragte er sich in diesen Augenblicken, ob es ihn überhaupt gab. Warum war er so brutal und riss einen Mann aus der Blüte seines Lebens?

Das Gesicht sah so verändert aus. Dabei hatte es nicht mal einen anderen Ausdruck angenommen. Man hätte auch meinen können, dass sich der Mann nur zum Schlafen hingelegt hatte, doch das stimmte nicht. Er war tot, und sein Mund stand auf eine für Dave schreckliche Art und Weise offen. Wie das Maul eines Fisches, den man an Land geworfen hatte, und der nun verzweifelt versuchte, nach Luft zu schnappen.

So starr. Grauenhaft, wenn er daran dachte, dass dieser Mann gestern noch gelebt hatte und sein Vater gewesen war.

Man hätte ihm den Mund schließen sollen!, dachte Dave. Aber auch er traute sich nicht, dies zu tun. Er fürchtete sich davor, den Toten zu berühren.

Die dunklen Bartschatten, die sich auf seinem Gesicht abzeichneten, waren jetzt zu Schatten des Todes geworden. Sie verloren sich in Höhe der Augen, die nun die Freude und auch das Leid auf der Welt nicht mehr sehen konnten.

Daves Beine begannen zu zittern. Hinter seiner Stirn spürte er einen Druck und zugleich ein Pochen. Er hatte zudem den Eindruck, wegfliegen zu müssen, aber er hielt sich noch auf den Beinen. Er riss sich zusammen.

Ohne dass es ihm richtig bewusst wurde, drehte er seinen Körper zur Seite und nahm auf der Bettkante Platz. Er fühlte sich in diesen langen Momenten wie eine Marionette, die an langen Fäden von anderen Menschen im Hintergrund bewegt wurde.

Er lauschte seinem eigenen...



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