Dark John Sinclair - Folge 1423
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8387-4188-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Flirt mit dem Satan
E-Book, Deutsch, Band 1423, 64 Seiten
Reihe: John Sinclair
ISBN: 978-3-8387-4188-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 2000 - 2009!
Zwei ungleiche Personen hockten in einem Käfig, der über einem offenen Bodenloch schwebte. Es waren Jane Collins und Justine Cavallo. Zum ersten Mal hatten sie einen Fall gemeinsam übernommen, der eigentlich recht harmlos begonnen hatte.
Nun war die Falle zugeschnappt, und selbst eine Justine Cavallo wusste keinen Ausweg mehr. Es ist eben gefährlich, wenn man sich einlässt auf einen Flirt mit dem Satan.
John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Der Flirt mit dem Satan (1. Teil)
Zuerst leckte die Zunge die Umrisse der Lippen nach. Anschließend war ein Schmatzen zu hören. Nur der hungrige Blick in den Augen der Blutsaugerin erzeugte keine Geräusche.
Justine Cavallo hatte ihre Beute voll im Blick!
Obwohl die Dunkelheit bereits ihr Tuch über die Stadt geworfen hatte, hielt sich das Objekt der Beobachtung – eine Frau – im Freien auf, auf einem schmalen Dach, geschützt durch Kamine. Sie hatte es sich in einem Liegestuhl bequem gemacht und war so gut wie nackt. Nur ein netzähnliches Etwas, ein Body, bedeckte ihren Körper wie ein Trikot …
Justine Cavallo wusste, wie die Frau hieß: Elsa Dunn. Und die Cavallo lauerte nicht grundlos in ihrer Nähe. Es gab so etwas wie einen Auftrag, und den hatte ihr Jane Collins, die Privatdetektivin, erteilt, mit der die Cavallo unter einem Dach lebte.
Jane hatte die Vampirin sogar darum gebeten, das Blut dieser Elsa Dunn zu trinken. Es war ein Vorschlag, über den Justine noch immer nachdachte. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, warum Jane ihr das gesagt hatte, obwohl ihr das natürlich entgegenkam. Um auch weiterhin nach außen hin fast als normaler Mensch existieren zu können, brauchte sie das Blut der anderen, auch wenn man es ihr nicht ansah, denn sie hatte sich inzwischen gut unter Kontrolle. Hin und wieder brach sie aus, und dann wurde es brutal. Wenn sie sich ein Opfer holte und es durch einen Biss zum Vampir machte, dann vernichtete sie es auch. Justine wollte nicht, dass London von Vampiren überschwemmt wurde, denn sie zog ihr eigenes Spiel durch. Auch für ihre Verbündete war sie noch immer ein Rätsel.
Und nun dieser Auftrag.
Elsa Dunn merkte nichts. Es war wohl die letzte warme Nacht, denn der Wetterbericht hatte eine Abkühlung angesagt. Der Himmel zeigte sich bereits voller Wolken. Gegen Morgen sollte es ein Gewitter geben.
Auf einem kleinen Hocker stand ein Glas mit einem Drink. Hin und wieder wurde es angehoben. Dann trank die Frau, und da die es schon fast geleert hatte, würde es wohl nicht mehr lange dauern, bis sie aufstand und zurück in ihre Wohnung ging.
Noch wartete sie und genoss einen Ausblick, der eigentlich keiner war. Lichter schwammen von unten her hoch. Mal sahen sie normal aus, dann wieder farbig, weil sie von irgendwelchen Leuchtreklamen stammten, die Menschen anlocken sollten, ihr Geld in Pubs oder Bars auszugeben.
Soho lag in der Nähe. Obwohl sich der alte, schaurige Nimbus nicht mehr gehalten hatte, war es noch immer ein Magnet. Hier konnte jeder sein Vergnügen finden.
Die Vampirin hatte sich einen günstigen Platz ausgesucht. Sie beobachtete Elsa Dunn von der Seite her. Sie sah das Profil der anderen Person in einem weichen Lichtstreifen, der aus dem schrägen Dachfenster einer Wohnung fiel.
Justine lächelte scharf, als sie an das Blut ihres Opfers dachte. Warmes Blut, gut zu trinken. Pulsierend und frisch. Es würde ihr verdammt gut tun und sie endlich von ihrem schon beißenden Hunger befreien.
Allerdings wurde ihr Vorfreude dadurch gedämpft, wenn sie an den Grund des Wartens dachte. Sie war mit einem Auftrag gekommen, und damit hatte sie ihre Probleme.
Was wollte Jane damit bezwecken? Warum war sie nicht selbst auf das Dach geklettert, um sich mit dieser Dunn zu unterhalten?
Es waren Fragen, auf die Justine keine Antwort wusste. Aber sie konnte sich eine holen.
Wieder griff Elsa Dunn nach ihrem Glas. Lässig setzte sie es an die Lippen und trank es leer.
Das sah auch Justine, und sie glaubte, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war, um sich zu zeigen.
Hinter ihrer Deckung, dem recht hohen Kaminaufbau, richtete sie sich auf. Sie streckte ihren Körper und hörte dabei das leise Schaben des Leders. Dieses dünne schwarze Material bedeckte ihren Körper wie eine zweite Haut. Es zeichnete fast jede Falte nach, und der tief angesetzte Ausschnitt ließ einen Teil ihrer Brüste sehen.
Wenn Justine auftrat, dann stets sehr sexy. So lenkte sie die meisten Menschen von ihren wahren Absichten ab.
Dann ging sie vor, lautlos wie eine Katze, die sich den Schutz der Dunkelheit ausgesucht hatte. Es war kein Laut zu hören und kein Schatten zu sehen.
Elsa Dunn ahnte nichts. Sie hatte sich noch mal zurückgelegt, reckte sich und stöhnte dabei wohlig. Auf ihren Lippen lag ein Lächeln, als sie die Arme wieder anzog, um die Hände als Stütze zu benutzen, weil sie sich erheben wollte.
Justine stand noch im Schatten. Sie hatte sich bisher nicht bemerkbar gemacht und tat dies erst, als sich Elsa in die Höhe stemmte. Oder stemmen wollte.
»Bleib lieber liegen!«
Die Frau mit den kurzen schwarzen Haaren war so überrascht und erschreckt, dass sie sich tatsächlich wieder zurückfallen ließ. Diesen Moment nutzte Justine Cavallo aus, um einen Schritt vorzugehen. Damit verließ sie den Schatten und trat in das am Rand zerfasernde Licht hinein. Dicht neben dem Liegestuhl blieb sie stehen.
Die Dunkelhaarige drehte den Kopf. Sie blickte dabei zu Justine hoch und war so überrascht, dass sie zunächst keinen Ton hervorbrachte. Sie schüttelte nicht mal den Kopf und blieb liegen. Nur das Zwinkern der Augen wies auf eine Reaktion hin.
»Wo kommst du her?«
»Das spielt keine Rolle.«
»Was willst du?«
»Das wirst du noch merken!«
Elsa Dunn lachte. »Du machst mir Spaß, ehrlich. Nein«, fügte sie dann hinzu, »eigentlich ist das kein Spaß. Das ist sogar eine große Scheiße.« Sie verengte leicht die Augen. »Noch mal, wo kommst du her?«
Justine gab sich locker. Die Gier nach Blut behielt sie dabei unter Kontrolle. Da sie auf dem Dach allein waren, brauchte sie nicht mal zu flüstern und sprach deshalb mit normal lauter Stimme.
»Ich habe dich beobachtet.«
»Ach ja?« Elsa grinste. »Und was hast du herausgefunden? Bist du scharf auf mich? Willst du es mit mir treiben?« Sie schaute sich Justine sehr genau an. »Ja, schlecht siehst du nicht aus. Du bist ein heißer Feger. Wir beide könnten wirklich Spaß miteinander haben.«
Justine nickte ihr zu. »Ja, du hast Recht. Ich bin wirklich scharf auf dich.«
»Dann sollten wir doch zu mir gehen. Da ist es gemütlicher. Hier wird es bald windig und kälter.« Sie wollte sich erheben, aber ein scharfer Befehl stoppte sie.
»Nein, bleib liegen!«
Das Lächeln auf Elsas Lippen verschwand. »He, das ist aber nicht nett. Was soll das alles, verdammt?«
»Ich will etwas von dir, Elsa, aber nicht das, was du denkst. Hast du gehört?«
»Klar, habe ich. Nur verstehe ich das nicht.«
»Dann sag ich es dir.« Justine beugte sich zu der anderen Frau herunter. Während dieser Bewegung wurde sie leicht aus dem Konzept gebracht.
Sie hatte damit gerechnet, das Blut der Person riechen zu können. Das traf jedoch nicht zu. Sie nahm einen anderen, einen fremden Geruch wahr und war für einen Moment irritiert.
»He, was ist?«
»Nichts«, flüsterte die Cavallo. »Im Moment noch nichts. Aber ich habe meine …«
»Hör damit auf, mir so einen Scheiß zu erzählen. Wenn du irgendeine Macke hast, dann kann ich das verstehen. Jeder Mensch ist mal durch den Wind. Aber such dir eine andere aus, mit der du deine Spielchen treiben kannst. Ich habe keine Lust. Und jetzt hau ab!«
Elsa Dunn glaubte, alles gesagt zu haben. Sie war eine Person, die sich immer durchsetzte. Sie wollte sich jetzt aufrichten. Aber das allein reichte ihr nicht. Sie streckte eine Hand aus, um Justine Cavallo aus dem Weg zu räumen. Doch da hatte sie sich getäuscht.
Die Blutsaugerin reagierte blitzschnell und knallhart. Bevor Elsa überhaupt denken konnte, befand sich ihr Handgelenk in einem Schraubstock. Der Schmerz war so scharf, dass sie aufschrie, sich dann aber zusammenriss und die Blonde nur anstarrte.
Justine ließ das Gelenk nicht los. »Alles klar so weit?«
Die Sicherheit war aus Elsas Blick verschwunden. Sie spürte plötzlich so etwas wie Angst, als sie in die Augen der Besucherin starrte.
Es waren Augen ohne jegliches Gefühl. Man konnte sie als eiskalt bezeichnen. Eine wie diese Blonde gehörte zu den Personen, die nur mit dem Mund lächelten und nicht mit den Augen.
Elsa fröstelte. Ihr Widerstand brach allmählich zusammen. Sie traute sich nicht mehr, auch nur eine Frage zu stellen.
Die ganze Situation kam ihr so irreal vor. Sie fragte auch nicht mehr, woher diese Person gekommen war, sie wollte nur, dass die Blonde wieder verschwand.
»Okay, du hast deinen Spaß gehabt. Und jetzt will ich, dass du mich in Ruhe lässt.«
»Nein!«
Elsa hatte mit der Antwort gerechnet und war nicht mal überrascht. »Was ist denn überhaupt los, verdammt? Warum machst du mich an? Wir kennen uns nicht einmal.«
»Das stimmt. Aber ich will trotzdem etwas von dir!«
»Und was?«
»Dein Blut!«
Es war eine klare Aussage. Elsa hatte sich nicht verhört. Nur wusste sie damit nichts anzufangen. Sie hatte schon viele Angebote bekommen, doch dass jemand ihr Blut haben wollte, das war ihr neu. Trotzdem hielt sich ihr Schrecken in Grenzen, und sie schaffte sogar ein hartes Lachen.
Allerdings dauerte es nicht lange. Schon nach wenigen Sekunden brach es ab. Dafür wirbelten ihre Gedanken. Die Blonde sah nicht so aus, als wäre sie gekommen, um einen Spaß zu machen. Die wollte tatsächlich ihr Blut trinken, und sie würde vielleicht ein Messer hervorholen, um ihr Wunden beizubringen.
Der erste Schock ging schnell vorbei. Elsa besann sich auf ihre eigenen Kräfte. Sie fing sogar an zu lachen.
»Gut, gut«, sagte sie dann, »du kannst mein Blut trinken. Du kannst es versuchen....




