Dark | John Sinclair - Folge 1889 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1889, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

Dark John Sinclair - Folge 1889

Das Zombie-Gericht
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7325-0217-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Das Zombie-Gericht

E-Book, Deutsch, Band 1889, 64 Seiten

Reihe: John Sinclair

ISBN: 978-3-7325-0217-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



In London hatte ich mich recht sicher gefühlt. Das aber war eines Tages vorbei, denn plötzlich saßen mir irgendwelche Verfolger im Nacken. Ich konnte sie nicht loswerden, denn sie stellten mir eine raffinierte Falle. Für mich verdunkelte sich die Welt, und als sie wieder heller wurde, fand ich mich in einem alten Verlies wieder. Ich war nicht allein. Es gab noch ein zweites Verlies. Und darin hielt man meine russische Freundin Karina Grischin gefangen. Gemeinsam sollten wir vor das Zombie-Gericht ...

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Die Dunkelheit war bereits Herrscherin über den Tag geworden, und ich musste mir etwas einfallen lassen, um sie zu stellen. Die Aktion fand mitten in London statt, doch nicht weit von mir entfernt gab es das Brachland, das bald zu Bauland werden sollte. Ich las das auf einer mehr breiten als hohen Plakatwand, die am Ende des Grundstücks zur Straße hin stand. Wenn hier gebaut wurde, dann sicherlich zu überhöhten Preisen, die man schon als schwindelerregend bezeichnen konnte. Die konnte kein normaler Mensch mehr bezahlen.

Ich erreichte die Wand, hielt vor ihr an und drehte meinen Kopf, um zurückzuschauen. Es war für mich nichts zu sehen, was relevant gewesen wäre. Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass sie noch näher gekommen waren. Sie verhielten sich geschickt. Ich sah nichts von ihnen, und es war auch nichts zu hören, was mich trotzdem nicht zufriedenstellte. Auch um diese Zeit war die Straße neben mir befahren, doch auch die Lichter der Wagen schafften es nicht, die Umgebung so zu erhellen, dass ich meine Verfolger gesehen hätte. Also musste ich mich weiterhin auf mein Gefühl verlassen.

Normal den Weg weiterlaufen oder versuchen, die anderen noch näher an mich heran kommen zu lassen? Ich wollte es wissen und entschied mich für die zweite Möglichkeit.

Auch wenn ich ein Risiko einging, es war mir in diesem Fall egal. Ich wollte sie so dicht in meiner Nähe haben, dass ich sie auch sah. Und deshalb duckte ich mich, tauchte unter der etwas hoch stehenden Plakatwand hinweg und war schon auf dem Gelände, das mit einer normalen Straße nicht zu vergleichen war. Hier war nichts eben, überall lagen Hindernisse herum. Das war Müll, den man hier entsorgt hatte, aber ich sah auch die hohen Steine, die teilweise im Boden festsaßen. Und Rinnen gab es ebenfalls, auch Löcher, die nicht aufgefüllt worden waren. Ich hätte hier am liebsten Licht gehabt, aber ich verkniff mir, die kleine Lampe einzuschalten. Diese Helligkeit hätte mich zu leicht verraten, und zu leicht wollte ich es den Verfolgern nicht machen. Wenn sie mich im Auge behalten hatten, dann mussten sie auch wissen, wo ich mich aufhielt, und so konnte ich sie vielleicht erwarten.

Dazu suchte ich mir einen guten Ort. Den Müll gab es nur am Rand des Grundstücks, in der Tiefe war er nicht mehr vorhanden. So kam ich besser voran – und hatte auch das Glück so etwas wie eine Deckung zu finden, denn im hinteren Teil hatte das Unkraut sprießen können und war an einigen Stellen sogar recht hoch gewachsen, sodass es für mich durchaus als Deckung gelten konnte.

Ich hatte es Sekunden später erreicht. Aufrecht blieb ich nicht stehen, so hoch wuchs das Unkraut nicht. Ich musste mich schon ducken, hocken oder knien, was auf die Dauer keinen Spaß machte, aber nicht zu ändern war.

Ich wartete und dachte daran, dass ich mir den Abend so nicht vorgestellt hatte. Ich war dienstlich unterwegs gewesen und hatte mir einen Vortrag anhören müssen. Es ging um Internet-Verbrechen, mit denen ich allerdings kaum etwas zu tun hatte. Deshalb wäre ich auch fast eingeschlafen und war heilfroh, als der Vortrag vorbei war und ich wieder tief durchatmen konnte. Um etwas wach zu werden, wollte ich den Weg zu Fuß zurücklegen, zumindest einen großen Teil der Strecke, und auf diesem Weg hatte ich meine Verfolger festgestellt. Ich wusste nicht, wer sie waren, konnte aber davon ausgehen, dass ich genügend Feinde hatte, die mir an den Kragen wollten und nicht nur an den, sondern auch ans Leben.

Jetzt wartete ich und lauschte in die Dunkelheit, aber nicht in die Stille, denn die herrschte nicht. Auf der Straße fuhren genügend Autos, deren Geräusche bis zu mir drangen und andere Geräusche überdeckten. Deshalb rechnete ich damit, dass die Verfolger urplötzlich auftauchten und mich angingen.

Ich starrte in die Dunkelheit. Es war wirklich ein Starren, und trotzdem schaffte ich es nicht, sie zu durchdringen. Das Licht der Straße reichte nicht bis in diese Gegend.

Ich gab mir selbst ein Limit. Zehn Minuten wollte ich warten. Wenn bis dahin nichts geschehen war, dann würde ich meinen Weg normal fortsetzen. Zehn Minuten können sehr kurz sein, aber auch sehr lang. Das war bei mir der Fall. Die Zeit zog sich hin, und das trotz der Anspannung, unter der ich stand.

Die Hälfte der Zeit war verstrichen. Ich fühlte mich immer nervöser. Bleiben oder nicht?

Ich blieb, und dann zuckte ich zusammen, denn vor mir sah ich tatsächlich eine Bewegung. Zu hören war allerdings nichts. Ich war mir auch nicht sicher, ob sich da tatsächlich ein menschliches Wesen auf den Weg gemacht hatte. Das konnte alles mögliche gewesen sein, sogar ein Tier.

Aber ich war vorsichtig geworden und zog sicherheitshalber meine Beretta, die ich auch in der Hand behielt. Das lange Hocken hatte mich steif werden lassen, und das wollte ich ändern. Ich schraubte mich wieder hoch und bekam so eine bessere Sichtperspektive.

Ja, vor mir tat sich was. Es gab in der Dunkelheit Bewegungen, aber ich sah nicht, wer sie hinterlassen hatte. Jedenfalls waren sie da, und sie würden wahrscheinlich näher kommen.

Ich stellte mich darauf ein.

Licht brauchten sie nicht. Sie fanden sich wohl auch so zurecht. Die Geräusche erreichten mich nur von vorn. Ich hörte sie jetzt gehen. Hin und wieder drang auch ein fremd klingender Laut an meine Ohren, der sich aber trotzdem anhörte wie ein krächzendes Lachen.

Ich watete. Aber die Spannung war in mir gestiegen, und jetzt wusste ich auch, dass ich es mit mehreren Personen zu tun hatte, die sich vor mir herumtrieben.

Sie gingen weiter, und damit kamen sie auch näher. Obwohl es dunkel war, konnte ich etwas erkennen. Von der Größe her waren sie mit normalen Menschen zu vergleichen. Aber wie sahen sie wirklich aus?

Das wusste ich nicht. Es war auch beim besten Willen nicht zu sehen, aber ich wollte es herausfinden. Die Lampe hatte ich nicht wieder weggesteckt, und jetzt schaltete ich sie ein. Der scharfe Strahl fächerte, so konnte er an seinem Ende mehr erfassen. Und ich hatte genau das Richtige getan, denn so erwischte das Licht nicht nur eine Gestalt, sondern auch eine zweite.

Beide glichen sich.

Beide fühlten sich gestört, wandten sich halb um, und so sah ich sie besser.

Und was ich sah, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet …

***

Nein, das waren keine Menschen, auch wenn sie so aussahen. Das waren andere Gestalten, die eine grünliche Haut aufwiesen. Auf die Kleidung achtete ich nicht, ich konzentrierte mich mehr auf ihre Gesichter, die etwas menschliches an sich hatten, aber trotzdem anders aussahen, weil ihre Haut sehr dünn war und die Gesichter mehr Totenschädeln glichen.

Was taten sie?

Zwei sah ich im Licht. Sie schauten auch hinein, so konnte ich ihre Fratzen gut sehen. Einer von ihnen trug einen Hut, der ihn fast lächerlich aussehen ließ. Allerdings hütete ich mich davor, zu lachen, denn danach stand mir nicht der Sinn.

Wie lange sie sich im Schein der Lampe aufgehalten hatten, das wusste ich nicht. Für sie jedenfalls zu lange, denn plötzlich huschten sie weg und tauchten ein in die Dunkelheit.

Wenn ich bisher noch daran gezweifelt hatte, von irgendwelchen Verfolgern beobachtet zu werden, dann gehörte das jetzt der Vergangenheit an. Sie waren da, und ich glaubte nicht daran, dass es nur zwei waren. Da konnte es sich um ein Rudel handeln. Normale Menschen waren es nicht. Für mich gab es da nur eine Lösung. Ich dachte an dämonische Wesen, die sich an eine Verfolgung gemacht hatten.

Sie mussten einen Grund haben, den ich mir allerdings nicht vorstellen konnte, und so musste ich erst mal abwarten.

Sekunden vergingen. Gesehen hatte ich sie nicht mehr, was auch nicht weiter tragisch war. Allerdings wussten sie jetzt, wo ich mich befand, und das sah ich nicht als so gut an.

Stellungswechsel! Und das so leise wie möglich, denn hier sollte keiner sofort etwas merken. Später lagen die Dinge anders. Ich huschte nach rechts hin weg, duckte mich auch, damit mir die Gewächse etwas Deckung gaben und hielt dort an, wo auch sie nicht mehr so hoch wuchsen. Wenn die Verfolger gute Augen hatten, konnten sie mich sehen. Meine waren nicht so gut, denn ich sah nichts.

Mein Plan stand fest. Ich wollte zur Straße und zusehen, dass ich dort verschwand. Und zwar so, dass mich die Bande nicht mehr bekam. Ich dachte an eine Bande, obwohl ich erst zwei von ihnen gesehen hatte.

Ich hörte nichts. Die andere Seite hielt sich verdammt geschickt. Ich bekam keine Chance, sie ausfindig zu machen, und deshalb wollte ich nicht länger warten und setzte mich in Bewegung. Mein Weg führte mich nach vorn und auf die Rückseite der Plakatwand zu.

Diesmal war ich vorsichtiger als auf dem Hinweg, ich wusste, dass Feinde in der Nähe lauerten, und war stets darauf gefasst, attackiert zu werden.

Noch hatte ich Glück. Ich kam eine gewisse Strecke voran, ohne dass etwas geschah. Ich sah auch keinen vor mir oder zur Seite weghuschen. Allerdings setzte ich nicht meine Lampe ein, denn ich wollte kein zu sicheres Ziel bieten.

Plötzlich wurde alles anders. Nicht vor mir sah ich etwas, ich hörte hinter mir was. Es war ein unbestimmtes Geräusch, aber es alarmierte mich, und so fuhr ich vor dem nächsten Schritt herum und schaltete auch die Lampe ein.

Sie traf ein Ziel. Und sie traf es genau. Es war eine dieser Gestalten, die ebenfalls eine leicht grünliche Haut hatte, die sich wie dünnes Leder über die Knochen zog. Ich sah einen großen Mund und eine breite Nase, und ich hörte einen keuchenden Laut, bevor die Gestalt auf mich zusprang.

Das war nicht mehr zu ändern, und ich handelte...



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