Davis | Daniel Taylor zwischen zwei Welten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 132 Seiten

Reihe: Daniel Taylor

Davis Daniel Taylor zwischen zwei Welten


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8387-2629-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 132 Seiten

Reihe: Daniel Taylor

ISBN: 978-3-8387-2629-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Digitaler Roman in drei Teilen. Teil 2. Daniel steht zwischen zwei Welten. In der einen könnte er mit Vanessa glücklich sein. In der anderen Welt, der Welt der Dämonen, könnte er große Macht besitzen. Wird Daniels dunkle Seite gewinnen und ihn dazu verleiten, für seinen Machtanspruch sogar über Leichen zu gehen? Nächster Teil. 'Daniel Taylor und das magische Zepter'

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Gänsehaut überzog seinen Körper, als Daniel mit Marla durch den Korridor schritt, tiefer und tiefer in die Unterwelt hinein, die Heimat der Dämonen, zu denen er angeblich auch gehörte, zu deren Oberhaupt er bestimmt sein sollte. Fühlte er sich deshalb so seltsam vertraut in dieser Umgebung? Die Felswände des Ganges, die Dunkelheit, in der nur die flackernden Flammen der Fackeln etwas Licht spendeten … Er schien diesen Ort zu kennen, und dabei konnte er ja nach allem, was Marla ihm erzählt hatte, noch nie hier gewesen sein. Angst hatte er trotzdem. Was ist, wenn sie mich nicht mehr gehen lassen, wie komme ich dann von hier weg? Wieso hatte er dem Ganzen überhaupt so leichtsinnig zugestimmt? Damit er Blondie Mike eins auswischen konnte? Den anderen beweisen konnte, dass er tatsächlich mit dem toten Joe Adams gesprochen hatte? Damit Vanessa ihm glaubte oder weil er einfach neugierig war?

Nein: Tief in ihm drin gab es eine dunkle Seite, die danach lechzte, mehr über die Unterwelt und seine Bewohner zu erfahren. Der Wächter in ihm rang mit dem Dämon. Noch besaß der Wächter die Oberhand. Hoffte er, denn Daniel wusste ja nicht einmal, was Wächter genau waren und welche Fähigkeiten sie besaßen. Also fragte er Marla.

»Wächter sind unsere Erzfeinde«, sagte sie, »daher wundert es mich nicht, dass dich eigentlich keiner hier haben will.«

Also waren Wächter so ähnlich wie Engel, vermutete Daniel.

Marla hatte seine Gedanken gehört. »Genau. Sie sind die Guten, wir die Bösen. In deiner Welt.«

Was war seine Welt?

Vor großen Flügeltüren blieben sie stehen. Es sah beinahe so aus, als bestünde das Tor aus einer lebenden Substanz. Beim genauen Hinsehen erkannte Daniel Tausende schwarzer Schlangen, die in wellenförmigen Bewegungen darüberglitten. Er wich zurück, wobei sein Herz heftig klopfte. Fasziniert beobachtete er, wie sich die Reptilien neu formierten und er plötzlich sein Gesicht als lebendiges Relief vor sich hatte.

»Hier musst du allein weiter«, sagte Marla.

»Allein?« Daniel fühlte sich immer weniger mutig. »Ich hab gedacht, du kommst mit?«

»Ich darf diese Hallen nicht betreten«, erwiderte sie, ohne ihn anzublicken.

Bevor Daniel sie nach dem Grund fragen konnte, öffneten sich die Flügel und gaben die Sicht frei auf eine große, von Fackeln erleuchtete Halle, die ganz aus schwarzem Marmor zu bestehen schien. Zögernd blieb Daniel stehen, aber Marla schubste ihn an und zwang ihn zum Weitergehen. Schwerfällig setzten sich seine Beine in Bewegung, wobei das Grummeln in seinem Magen heftiger wurde. Sogar sein Herz schien mit dem Pumpen nicht mehr hinterherzukommen, je tiefer er in die Halle schritt. Er war nun ganz allein in einer ihm völlig fremden Welt. Daniel hatte das Gefühl, dass er nie wieder das Tageslicht sehen würde. Ihn fröstelte.

Nachdem sich der Eingang hinter ihm beinahe geräuschlos geschlossen hatte, hörte er plötzlich Stimmen in seinem Kopf, die ihm Macht und Ansehen versprachen – andere Dämonen versuchten, sich seine Gunst durch angebotene Gefälligkeiten zu erschleimen. Und dann gab es noch einen, der ihm die ewige Verdammnis an den Hals wünschte.

»Da bist du ja endlich!«, hallte Metistakles’ Stimme durch die Gewölbe.

Marla zuckte zusammen. Sie war so sehr in Gedanken versunken gewesen, dass sie den Oberen nicht gesehen hatte, der in ihrem Gemach auf dem Bett lag. Wie die anderen Mitglieder des Hohen Rates hatte er seinen Schädel kahl rasiert und trug ein langes graues Gewand, das ihn beinahe wie einen wandelnden Leichnam aussehen ließ, wäre sein Gesicht nicht von teuflischer Schönheit gewesen.

Marla erschauderte und wunderte sich zugleich, warum er nicht bei den anderen war, die gerade ihren Bruder prüften. Sie hatte gehofft, ein wenig Zeit und Ruhe für sich zu haben, um einmal grundlegend über einige Dinge in ihrem Leben nachdenken zu können.

Metistakles winkte sie heran und Marla ging auf ihn zu, wie von einer unsichtbaren Schnur gezogen. Mittlerweile wusste sie, dass sie sich ihm nicht ohne Konsequenzen widersetzen konnte.

»Wie geht es mit Silvan voran?«, fragte er. Der Blick aus seinen eisblauen Augen brachte Marla zum Frösteln, obwohl es in ihrem Gemach angenehm warm war.

»Gut«, antwortete sie mechanisch, weil sie wusste, was jetzt kam. Sie sah es in seinen Iriden, die immer dunkler wurden, wenn er wütend war, und sich wie eine Spirale drehten.

»Gut? Das war eine glatte Lüge!«, knurrte er und versetzte ihr einen mentalen Schlag.

Ein heftiger Stich, der sie auf die Knie zwang, zuckte durch Marlas Gehirn. Sie unterdrückte einen Laut und versuchte, den beißenden Schmerz zu ignorieren, der langsam in ein dumpfes Pochen überging. Marla hatte nie gelernt, wie sie ihre Gedanken ganz vor den Oberen verschließen konnte. Die hatten dafür gesorgt, dass sich nicht alle dämonischen Fähigkeiten bei ihr entwickelten. Als Strafe für das Versagen ihrer Mutter Kitana. Daher hatte sie Metistakles nichts entgegenzusetzen.

»Silvan ist jetzt beim Hohen Rat. Warum seid Ihr nicht dort, Herr?«, wagte sie vorsichtig zu fragen. Vielleicht würde er gleich verschwinden.

Aber Marlas Hoffnungen erfüllten sich nicht.

»Ich bin hier derjenige, der die Fragen stellt!« Metistakles stand auf und zog sie zu sich, wie all die letzten Monate zuvor, seit er von ihrem Vater Obron die Erlaubnis bekommen hatte, ihre Erziehung weiterzuführen.

Marla hatte gedacht, sie dürfe von Metistakles lernen, denn außer den nötigsten Fähigkeiten, wie Portale zu erzeugen, beherrschte sie kaum dämonische Fertigkeiten. Stattdessen musste sie stillhalten, ihm Gehorsam leisten, wann immer er wollte. Er zeigte ihr, wo ihr Platz war, ließ sie lediglich niedere Arbeiten verrichten, Botengänge machen. Er hielt sie absichtlich dumm. Sie durfte nichts lernen außer Demut.

Marla kniete immer noch vor ihm, und Metistakles griff in ihr Haar, um sie grob an sich zu reißen. Sofort zog Marla sich mental ganz tief in sich zurück. Dort hatte sie sich schon vor Wochen einen Ort geschaffen, an dem sie Metistakles’ Misshandlungen überstehen konnte. Denn sie konnte nirgendwohin fliehen. Metistakles würde sie überall finden, und seine Rache wäre grausam. Marla war seine Leibeigene, eine Sklavin seines Willens. Daher fügte sie sich in ihr Schicksal, in der Hoffnung, eines Tages wie versprochen aus seinen Diensten entlassen zu werden, wenn sie ihren Auftrag erledigt hatte. Falls sich ihr Bruder dafür entschied, in der Unterwelt zu bleiben, hätte sich der erste Teil der Abmachung erfüllt. Dann galt es nur noch mit Silvans Hilfe James Carpenter ausfindig zu machen und den Mann zu töten, der Marlas Mutter und daher auch ihr all das Leid eingebrockt hatte. Denn weil Silvan zur Hälfte ein Wächter war, konnte er James trotz des magischen Horus-Amulettes, das er immer bei sich trug und das ihn für dämonische Augen unsichtbar machte, sehen. Daher war Silvan für die Dämonen doppelt wertvoll.

Es war Kitana gewesen, die James das Horusauge gegeben hatte! Marla würde alles dafür tun, um den Fehler ihrer Mutter auszubügeln, damit sie endlich eine richtige Dämonin werden konnte, eine, die sich von Seelen ernähren durfte und somit viele Hundert Jahre leben konnte.

Ja, wenn das erledigt war, wäre sie endlich frei …

Nun befand sich Marla in ihrer geistigen Welt, ihrem ganz persönlichen Raum, der wie das Turmzimmer eines Märchenschlosses aussah, wo ihre Mutter, die Marla trotz ihrer Verachtung über alles liebte, wartete, um sie in die Arme zu schließen …

Vanessa war so glücklich, als sie Danny im Pausenhof erblickte, dass sie sofort auf ihn zulief. Er stand etwas abseits hinter einem Baum verborgen und sah noch genauso gut aus wie am Tag zuvor: groß gewachsen mit breiten Schultern, und durch das eng anliegende schwarze T-Shirt zeichneten sich die Konturen seiner Brust ab. Ihm sind keine Hörner gewachsen, Gott sei Dank!, dachte Vanessa. Obwohl Daniel seine verspiegelte Sonnenbrille trug, wusste sie, dass er sie ansah. Sie spürte seine Blicke überall auf ihrem Körper. Vanessas Herz klopfte wild. Ich liebe ihn so sehr!

»Danny!« Überschwänglich fiel sie ihm um den Hals. »Ich bin so froh, dass du wieder da bist!« Er hatte nur die Vormittagskurse verpasst, doch für Nessa waren die letzte Nacht und die Stunden danach die längsten ihres Lebens gewesen. »Ich dachte, du würdest nicht mehr kommen.«

»Ach, Süße…« Dannys Küsse waren stürmisch und feucht. Er legte seine Arme um sie und drehte sich einmal mit ihr im Kreis. Vanessa scherte sich nicht darum, ob andere sie sahen. Im Augenblick existierte außer ihnen niemand sonst auf der Welt.

»Der Unnahbare und meine Freundin, hab ich’s mir doch gedacht!«, drang eine amüsierte Stimme an ihr Ohr, woraufhin sie sofort voneinander abließen.

»Colleen!« Vanessa freute sich, sie nach dem Wochenende wiederzusehen, und begrüßte sie mit einem breiten Lächeln. Sie hatten heute noch keinen gemeinsamen Kurs besucht, und Nessa platzte geradezu vor Neuigkeiten, doch zuerst wollte sie mit Daniel reden. Sie musste ihn auch fragen, wie viel sie ihrer besten Freundin verraten durfte.

»Ich wollte nur kurz Hi sagen, bin schon wieder weg, denn Liebende soll man bekanntlich nicht stören.« Colleen grinste bis über beide Ohren. »Genießt die kurze Pause, wir sehen uns ja gleich in Kunst!«

Nachdem Colleen aus ihrem Blickfeld verschwunden war, sagte Vanessa: »Erzähl, wie ist es in der Unterwelt, wie sieht es dort aus?«

»Pst, nicht so laut!« Sie zogen sich tiefer in die Schatten der Bäume zurück, wo sie sich auf eine Bank setzten. Daniel ergriff Vanessas Hand und drückte sie leicht. »Wenn die anderen...



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