E-Book, Deutsch, Band 2
Reihe: Die NERO-Trilogie
Eckstein Nero. Band II
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96130-234-5
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Liebe und Macht
E-Book, Deutsch, Band 2
Reihe: Die NERO-Trilogie
ISBN: 978-3-96130-234-5
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die Kaiser-Mutter Agrippina versucht, die Beziehung ihres Sohnes Nero zu Acte zu unterbinden. Um ihren Einfluss auf ihren Sohn und damit ihre Macht zu sichern, sind der Intrigantin alle Mittel recht. Doch der ehemals beinahe bedingungslos gehorsame Nero beginnt, sich gegen seine übermächtig scheinende Mutter aufzulehnen. Als im Zuge einer Tat Agrippinas ein Unglück geschieht, verfällt der junge Kaiser zunächst in finstere Trübsal. Und dann tritt mit Poppäa eine weitere Frau an Neros Seite, die im Spiel um die Macht und Gunst des Imperators eine entscheidende Rolle einnehmen wird... Dieses ist der zweite von drei Bänden des monumentalen Werkes. Der Umfang des zweiten Bandes entspricht ca. 300 Buchseiten. DIE NERO-TRILOGIE Liebe, Macht und Wahnsinn: E. Ecksteins Nero-Trilogie entführt die Leser in das antike Rom der Regierungszeit des legendären Kaisers in den Jahren 54 bis 68 n. Chr. Er soll Rom angezündet, seine Mutter ermordet und Petrus gekreuzigt haben: Bis heute gilt Nero als Inbegriff des bösen und irrsinnigen Diktators. Doch wie verrückt war der Kaiser wirklich? Und wie wurde er zu dem vermeintlich unmoralischen Ungeheuer, von dem die Geschichten erzählen? - Ecksteins Roman-Trilogie gibt sicher keine letztgültigen Antworten auf diese Fragen, und das Nero-Bild, das er zeichnet, vermischt historische Fakten mit künstlerischer Fiktion. In jedem Fall aber zeichnet er das spannende Psychogramm eines Mannes, der - mit den besten Anlagen ausgestattet - in einen Strudel machtpolitischer Intrigen und amouröser Verwicklungen gerät, aus dem der einzige Ausweg in den Abgrund zu führen scheint. Eckstein verbindet Weltgeschichte mit Liebes-Melodram und erschafft daraus ein bildgewaltiges Epos einer vergangenen Zeit, das in seiner Intensität an die großen Dramen Shakespeares erinnert. Auf insgesamt knapp 1000 Seiten entfaltet sich ein detailreiches und farbenprächtiges Bild des antiken Roms kurz nach dem Tode Jesu.
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ERSTES KAPITEL.
Zwei Wochen später saßen im Arbeitsgemache des Flavius Scevinus sechs Personen in flüsternder Unterredung: der Hausherr; Metella, seine Gemahlin; Barea Soranus; Pätus Thrasea; die reiche Ägypterin Epicharis; und der Staatsminister Annäus Seneca. Der letztere hatte infolge der Festigkeit, mit der er sich jeder Gewaltmaßregel wider die junge Geliebte seines kaiserlichen Gebieters entgegenstemmte, so sehr die Gunst der Kaiserin-Mutter verscherzt, daß sie alles aufbot, um ihn aus seiner maßgebenden Stellung bei Hof zu verdrängen. Seneca nämlich beurteilte – trotz seiner Theorie von der Allgewalt des Naturwillens, der in der Liebe um so entschiedener zum Ausdruck gelange, je eigensinniger die Verliebtheit sich zu gebärden scheine – die Leidenschaft des Cäsars als einen vorübergehenden Rausch, der sich ohne Nachteil für Neros geistige Entwickelung austoben werde, falls man ihm Zeit lasse, im entgegengesetzten Falle jedoch die bedenklichsten Folgen nach sich ziehen könne. Noch scheute Agrippina sich vor dem Äußersten – vor der Umgehung Senecas nämlich und der Ausführung ihrer Pläne auf eigene Faust; – denn die im großen und ganzen verständige Haltung Neros nach jener letzten unangenehmen Erörterung und die strenge Zurückgezogenheit Actes flößten ihr einen gewissen Respekt ein. Auch waren die Worte der unglücklichen Octavia vielleicht nicht spurlos an ihr vorübergegangen. Dennoch glaubte der Staatsminister den Zeitpunkt ziemlich nahe gerückt, da es heißen würde: ›Dem Übermute der Agrippina Wälle entgegengetürmt!‹ »Genossen«, sprach Pätus Thrasea mit seiner herzbewegenden Stimme, »ich bin der Ansicht, daß wir, falls nicht Nero für eine entscheidende Tat sofort zu gewinnen ist, selbständig vorgehen –, wenn auch so schonend als möglich. Der heillose Vorfall bei dem Gartenfeste des Flavius Scevinus hat uns ja zur Genüge gezeigt, daß die Mörderin des Kaisers Claudius und des Britannicus ihre schmachvollen Künste noch nicht verlernt hat. Wenn unser Annäus Seneca, dem diese Missetaten von Anfang bekannt waren, nicht schon längst für die Beseitigung der Verbrecherin Sorge getragen, so ist dies lediglich eine vielleicht allzu zaghafte Rücksicht auf den pietätsvollen Sohn gewesen, der von den Freveltaten der Mutter nichts ahnte. Mehr und mehr jedoch scheint sich Nero von den Staatsgeschäften zurückzuziehen. Agrippina ist tatsächlich die Alleinherrscherin, und neben einigen klugen und verständigen Maßnahmen übt sie, wo es ihr wirklicher oder vermeintlicher Vorteil erheischt, die verruchteste Willkür aus.« »Du sagst es!« riefen Metella und die Ägypterin Epicharis zugleich. »Insbesondere«, fuhr Pätus Thrasea fort, »hat mich die schändliche Missetat gegen Flavius Scevinus empört. Ich schwieg – denn ich schweige da, wo das Reden verfrüht erscheint. Sofort aber bin ich klar darüber gewesen, daß jener geheimnisvolle Dolchstoß die Antwort Agrippinas auf den patriotischen Trinkspruch unsres herrlichen Freundes war. Viele Wochen hindurch lag Flavius Scevinus schwer krank danieder. Jetzt endlich ist er dank der Heilkunst seines redlichen Polyhymnius, wieder genesen. Ich habe im Einverständnis mit Flavius euch hier in dies Zimmer entboten; denn es erscheint mir ebensosehr eine Pflicht der Freundschaft, wie der Vaterlandsliebe, die widerwärtige Angelegenheit energisch ins Auge zu fassen.« »Du meinst, es herrsche kein Zweifel über den Täter?« wandte sich Barea Soranus an Pätus Thrasea. »Alle Welt raunt sich zu, Agrippina sei die Verbrecherin.« »Und die Beweise für ihre Urheberschaft? Ich hasse dies erbärmliche Weib, – aber ich bin ein Freund der Gerechtigkeit. Noch will mir das, was Pätus Thrasea angeführt hat, nicht vollständig einleuchten.« »Wieso?« fragte Pätus. »Nun, ich sehe zum Beispiel vollkommen die Gründe ein, weshalb Agrippina den Kaiser Claudius aus dem Wege geräumt hat. Der Tropf war ihr persönlich zum Ekel; seine schulmeisterlichen Schrullen kamen ihr überall quer; und wenn es denn in der Tat vergiftete Pilze waren, mit denen sie dem Schwächling zu Leibe ging, so will ich meinetwegen auch das alberne Witzwort glauben, das man ihr in den Mund legt: ›Pilze sind ein Gericht, das die Menschen zu Göttern macht.‹ Ich fasse das, obwohl ich es schurkisch und dirnenhaft finde. – Sie hat dann später dem edlen Britannicus vergiftetes Wasser unter den Glühwein gegossen. Auch hier muß ich einräumen, daß die Motive der Verbrecherin logisch, daß ihre Handlungen vom Standpunkte eines ehrbegierigen Schandweibes klar und verständlich waren. – Wenn sie jedoch um einiger Worte willen – die doch schließlich nur dem Cäsar zu Gemüt führen sollten, daß er aufgehört habe, ein Kind zu sein, – wenn sie, sage ich, dem Flavius Scevinus diesen harmlosen Trinkspruch mit sofortiger Abschlachtung lohnt, so bin ich ratlos über die Gründe. Man schießt doch nicht mit Katapulten nach Spottvögeln.« Es entstand eine Pause. »Pätus«, hub dann Flavius Scevinus an, »du hast mir früher schon allerlei Andeutungen gemacht, – aber die Ärzte erlaubten ja nicht, daß du öfter als dies einzige Mal meine Schwelle betratest. Ich sollte erst vollständig wieder gekräftigt sein, eh' ich dem altvertrauten Freunde die Hand schüttelte. Ich denke, daß du mehr weißt, als Barea Soranus vermutet. Wohl denn, so ergänze nun jene Andeutungen, damit auch diese hier, insbesondere der Staatsminister, alles erfahren mögen!« »Gern«, erwiderte Pätus. »Ich hätte schon angefangen, wenn nicht Freund Barea gar so rhetorisch wirksam seine Skepsis betont hätte. Seneca wird nicht staunen, denn er kennt ja die Sitten der Kaiserin und ihren ungezügelten schnöden Charakter.« »In der Tat«, bestätigte Seneca, »ihre Kühnheit entwickelt sich täglich gefahrdrohender. Ich habe ihr das Vergangene verziehen, um Neros willen, und weil ich der Ansicht bin, daß es dem wahren Philosophen geziemt, streng gegen sich selbst, mild aber gegen andre zu sein. Nun jedoch gilt es, den reißenden Strom endlich einzudämmen: sonst überschwemmt er das Reich, und die Farbe seiner Gewässer wird ein dampfendes Rot sein.« »So weit also ist es gekommen mit unsern Hoffnungen!« seufzte Flavius Scevinus. »So weit – unter dem Scepter des milden, menschenfreundlichen Nero, des glühenden Kunstschwärmers, des trunkenen Naturfreundes, der vielleicht nur den einzigen Fehler besitzt, allem, was ihn begeistert, in gar zu leidenschaftlicher Träumerei nachzuhängen.« »Wir geraten hier auf ein fremdes Gebiet«, bemerkte der finster blickende Barea. »Pätus wollte uns darlegen, was er beobachtet hat.« »Pätus Thrasea hat das Wort!« riefen drei Stimmen zugleich. »Also, mein teurer Flavius Scevinus«, begann Thrasea, »das Verbrechen, das die Kaiserin-Mutter an dir begehen ließ, war nur halb ein politisches, und als solches sogar ein äußerst unkluges und verfrühtes; denn es hat uns veranlaßt, die Gefahr, die jedem von uns über dem Haupte schwebt, ruhig und sicher ins Auge zu fassen, und die Verwirklichung unsrer Pläne mit verdoppelter Energie zu betreiben. Sie glaubte aus deinem Trinkspruch entnommen zu haben, daß auch du, den sie halb für einen Bekehrten hielt, ein Stein in der Wallmauer sein würdest, die das alte, noch ungebrochene Römertum ihr entgegenzustellen gedenkt. Und so mochte sie in ihrer plötzlichen Aufwallung stöhnen: ›Hinweg mit dem Hindernis – und je eher desto besser!‹ Ihre Aufwallung jedoch würde nicht so maßlos gewesen sein, wenn Otho, dem sie einige Tage zuvor ihre verschwiegenste Gunst anbot, ohne etwas andres zu ernten als verbindliche Ausflüchte – (Poppäa hat mir's erzählt) – wenn also Otho während des Trinkspruches nicht so vergnüglich gelächelt hätte. Das gab den Ausschlag.« »Pah«, unterbrach ihn Barea, »wer weiß, über was er grinste. Vielleicht über die hübschen Rundungen seiner Gemahlin. Vielleicht über das unverschämte Lärvchen der Acerronia.« »Ereifere dich nicht, wackerer Soranus«, fuhr Pätus fort. »Worüber Otho gelächelt hat, bleibt ja gleichgültig. Tatsache ist, daß er gelächelt, oder, wie du dich ausdrückst, gegrinst hat, daß die Kaiserin dieses Grinsen bemerkte und auf sich und ihre peinliche Situation bezog. Klar und deutlich hab' ich gesehen, wie sie bei diesem mehrfach erwähnten Lächeln erbleichte, während das Schärfste, was du gesprochen, längst doch vorüber war. Nun kochte die Wut des verschmähten, liebebedürftigen Weibes in ihr empor. Sie wollte dem Otho, den sie noch immer nicht aufgibt, zeigen, wie's dem Vermessenen ergeht, der die schönste Frau Roms – denn dafür hält sie sich doch – zu beleidigen wagt.« »Hm!« brummte Soranus. Nach einer Pause hub Thrasea Pätus wiederum an: »Ich bemerkte alsbald, daß sie irgend was plane. Vielleicht gedachte sie auch, just durch die Schnelligkeit der Bestrafung dem poppäasüchtigen Otho Eindruck zu machen. Kurz, sie benutzte den ersten geeigneten Augenblick, um dem Bevorzugten ihrer Leibwächter einen Auftrag zu geben, den dieser mit erschreckender Pünktlichkeit, aber den Göttern sei Dank, ohne rechtes Geschick ausführte.« »Auch ich gewahrte das flüchtige Zwiegespräch der Kaiserin mit einem der Centurionen«, sagte Metella. »Ich fand es der guten Sitte zuwider, aber ich dachte, es handle sich nur um ein zärtliches Liebeswort. Denn wir wissen ja durch Poppäa, daß Agrippina keinerlei Vorurteile kennt in der Wahl ihrer Liebhaber. Gestern ein senatorischer Jüngling, heute vielleicht ein wohlgewachsener Soldat: – das ist so ihre tugendsame Gepflogenheit.« »Aber...




