E-Book, Deutsch, 211 Seiten
Eichler Veränderungsprozesse pädagogischer Institutionen
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-531-91044-4
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Organisationstheoretische Reflexionen vor dem Hintergrund gestiegener Anforderungen
E-Book, Deutsch, 211 Seiten
Reihe: Humanities, Social Science (German Language)
ISBN: 978-3-531-91044-4
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Dirk Eichler entwickelt auf der Grundlage verschiedener Ansätze der Organisationstheorie ein Konzept für das Verstehen und das Begleiten des Wandels von pädagogischen Institutionen. Seine Arbeit ist anwendungsorientiert und betrachtet Veränderungsprozesse in Schulen und bei freien Jugendhilfeträgern.
Dr. Dirk Eichler promovierte als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Hans Merkens an der Freien Universität Berlin. Er ist als Berater im Kompetenzmanagement der Audi Akademie GmbH tätig.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Geleitwort;6
2;Danksagung;7
3;Inhaltsverzeichnis;8
4;Abbildungsverzeichnis;11
5;1 Einführung in das Themenfeld;12
5.1;1.1 Untersuchungsanlass;12
5.2;1.2 Problemstellung;13
5.3;1.3 Zielstellungen der Arbeit;15
5.4;1.4 Forschungsrahmen;16
5.5;1.5 Aufbau der Arbeit;17
6;2 Allgemeine Annäherungen an pädagogische Institutionen;20
6.1;2.1 Erste Begriffsbestimmung pädagogischer Institutionen;20
6.2;2.2 Die Relevanz eines institutionellen Organisationsverständnisses;25
6.3;2.3 Der Ansatz offener Systeme als Diagnoseschema;27
6.4;2.4 Organisationen als vielschichtige Gebilde;41
7;3 Ausgewählte pädagogische Institutionen und ihre spezifischen Merkmale;42
7.1;3.1 Eigenschaften von Schulen;42
7.2;3.2 Eigenschaften freier Jugendhilfeträger;50
7.3;3.3 Schule und freie Jugendhilfeträger als besondere soziale Organisationen;58
8;4 Veränderte Rahmenbedingungen pädagogischer Institutionen und die Bedeutung des organisationalen Wandels;60
8.1;4.1 Veränderte globale Umweltbedingungen;60
8.2;4.2 Veränderungen in der unmittelbaren Umwelt der ausgewählten pädagogischen Institutionen;62
8.3;4.3 Organisationsentwicklung als Theorie derVeränderung?;75
8.4;4.4 Die fehlende theoretische Interpretation von Veränderungen;81
9;5 Konzept eines theoretischen Doppelansatzes derVeränderung;82
9.1;5.1 Organisationslernen als theoretischer Ansatz?;82
9.2;5.2 Die vernachlässigte Symbolik: Neo- institutionalistische Reflexionen;109
9.3;5.3 Plädoyer für einen kombinierten organisationstheoretischen Interpretationsansatz;122
10;6 Veränderungsprozesse pädagogischer Institutionen in der Praxis;124
10.1;6.1 Evaluationsforschung als Organisationsforschung;124
10.2;6.2 Erarbeitung eines Forschungsdesigns für drei Fallbeispiele;128
10.3;6.3;136
10.4;6.4;157
10.5;6.5;173
10.6;6.6 Die drei Fallbeispiele im Vergleich;190
11;7 Gesamtfazit;193
11.1;7.1 Theoretische Implikationen;194
11.2;7.2 Praktische Implikationen;199
12;8 Anhang;203
12.1;8.1 Interviewleitfäden;203
12.2;8.2 Beispiel gebildeter Indizes Fallbeispiel III;205
12.3;8.3 Fragebeispiel aus den Kurzfragebögen zu Fallbeispiel I;206
12.4;8.4 Auswertungsverfahren der Interviews;207
13;Literaturverzeichnis;208
4 Veränderte Rahmenbedingungen pädagogischer Institutionen und die Bedeutung des organisationalen Wandels (S. 63-64)
Diese Arbeit sucht nach einer Interpretation von Veränderungsprozessen in pädagogischen Institutionen, doch zuvor müssen die Anlässe zu den Veränderungsprozessen thematisiert werden. Im bisherigen Verlauf wurden die veränderten Rahmenbedingungen von pädagogischen Institutionen, auf die sie reagieren müssen, nur angedeutet. In diesem Kapitel werden die Veränderungen in der Umwelt von pädagogischen Institutionen konkretisiert, welche für diese beobachtbar und folgenreich sein können. Um sie strukturiert erörtern zu können, wird auf die im zweiten Kapitel vorgestellte Analyse der Umweltebenen rekurriert.
Demzufolge können direkte oder indirekte Einflussgrößen auf organisationale Geschehnisse identifiziert werden. So lassen sich allgemeine Umweltentwicklungen von spezielleren differenzieren und damit unterschiedliche Anforderungen qualifizieren, die auf pädagogische Institutionen wie Schulen und freie Jugendhilfeträger einwirken können. Die folgende Darstellung greift das auf, setzt sich zunächst mit allgemeineren Veränderungen auseinander und geht dann über zur Diskussion speziellerer Umweltentwicklungen. Es wird nicht beansprucht, alle Herausforderungen darzustellen, sondern vielmehr nur einige wichtige zu diskutieren, mit denen pädagogische Einrichtungen konfrontiert sind. Werden bestimmte Ereignisse als relevant identifiziert, müssen sich pädagogische Institutionen zu diesen Umweltentwicklungen verhalten bzw. sich an sie anpassen. Am Ende des Kapitels wird damit begonnen, erste Interpretationsansätze von Veränderungsprozessen zu erörtern.
4.1 Veränderte globale Umweltbedingungen
Werden die globalen Rahmenbedingungen pädagogischer Institutionen mit dem zuvor diskutierten Umweltmodell (vgl. 2.3.1) analysiert, so lassen sich gravierende Veränderungen feststellen. Spätestens seit dem Ende der Nachkriegsordnung sind weltweite Prozesse im Gange, die sich unter dem Begriff der Globalisierung subsummieren lassen. Ökonomisch betrachtet sind neue, zuvor abgeschottete, Märkte erschlossen worden und neue Wettbewerbssituationen entstanden. Davon sind Staaten oder Regionen betroffen sowie infolgedessen auch Organisationen, als relevante Bestandteile moderner Gesellschaften.
Die Umwelt ist für viele Organisationen seither weniger stabil, weniger berechenbar, sondern vielmehr dynamischer, unkalkulierbarer geworden. Sie sind mit einer fast durchgehend wachsenden Wettbewerbsintensität konfrontiert (vgl. PAWLOWSKY 1998). In einer Analyse über die Auswirkungen weltweit veränderter Wettbewerbsbedingungen für überwiegend klassische, produzierende Industriebetriebe zählen BAETHGE/BAETHGE-KINSKY (1998) einige Veränderungsaspekte auf. So sind bei spielsweise tendenziell die Produktzyklen erheblich kürzer geworden, wodurch sich die Forderung nach Innovationen in immer kürzeren Zeitabständen stellt. Ferner hat sich der Druck auf Preisbildungen der Wettbewerber erhöht, was sich auf der Einnahmenseite mit einer größeren Unsicherheit bemerkbar macht. Zudem tragen technische Entwicklungen dazu bei, z. B. in der Informations- und Kommunikationstechnologie, räumliche Distanzen zu überwinden und die Erreichbarkeit zu erhöhen.
Damit können sowohl kooperative Vernetzungen als auch intensivere Konkurrenzsituationen hervorgerufen werden. Gleichzeitig wird der Qualität von Produkten eine hohe Bedeutung beigemessen, um ihren Absatz zu gewährleisten. WALGENBACH/BECK (2000: 348) sprechen diesbezüglich, zumindest für Deutschland, von einer „sozialen Bewegung", die zur breiten Anerkennung des Qualitätsmanagements führte. Und – schließlich – hat die Herstellung von Kundennähe bzw. die Ausrichtung auf die Kundenbedarfe noch an Bedeutung gewonnen, um im Wettbewerb bestehen zu können (vgl. BAETHGE/BAETHGE-KINSKY 1998).
Das deutet sich u. a. im Konzept der Prozessorganisation an, das insbesondere auf einer ausgeprägten Kundenorientierung beruht (vgl. BEA/GÖBEL 2002), um individuellere Problemlösungen anbieten zu können. Als Konsequenz der dargelegten Entwicklungen wird für Organisationen eine Notwendigkeit gesehen, ihre Strukturen und Prozesse so zu gestalten, dass sie in hohem Maße flexibel reagieren können (vgl. z. B. BAETHGE/BAETHGE-KINSKY 1998). In diesem Kontext wird vor allem die Bedeutung der Prozesse hervorgehoben, die tendenziell hierarchieübergreifend zu organisieren seien.




