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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 432 Seiten

Reihe: Mythos Academy

Estep Frostkiller

Mythos Academy 6
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-492-96768-6
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mythos Academy 6

E-Book, Deutsch, Band 6, 432 Seiten

Reihe: Mythos Academy

ISBN: 978-3-492-96768-6
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Niemand weiß besser als Gwen Frost, wie stark Loki und seine Schnitter des Chaos sind. Sie als Champion der griechischen Göttin Nike soll eine zentrale Rolle bei seiner Vernichtung spielen. Aber niemand weiß auch besser als Gwen Frost, dass sie keine Wunderwaffe ist - nur das komische Gypsymädchen, über das alle heimlich lästern. Zwar hat sie ihre Psychometrie, ihr sprechendes Schwert Vic, ihre Freunde und vor allem den Spartaner Logan Qinn an ihrer Seite, doch Gwen wird von Vorahnungen ereilt, und die verheißen nichts Gutes. Aber für Selbstzweifel bleibt keine Zeit, als einer der ihr wichtigsten Menschen in Lebensgefahr gerät. In Gwen erwacht eine brennende Entschlossenheit - sie ist bereit, alles zu geben. Und wenn es sie das Leben kosten sollte ...

Jennifer Estep ist SPIEGEL- und internationale Bestsellerautorin und immer auf der Suche nach ihrer nächsten Fantasy-Romanidee. In ihrer Freizeit trifft sie sich gerne mit Freunden und Familie, macht Yoga und liest Fantasy- und Liebesromane. Außerdem sieht sie viel zu viel fern und liebt alles, was mit Superhelden zu tun hat. Sie hat bereits mehr als vierzig Bücher sowie zahlreiche Novellen und Kurzgeschichten veröffentlicht. Bei Piper erscheinen ihre Young-Adult-Serien um die »Mythos Academy«, »Mythos Academy Colorado«, »Black Blade«, »Die Splitterkrone« und »Gargoyle Queen« sowie die Urban-Fantasy-Reihen »Elemental Assassin«, »Bigtime« und »Section 47«.
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»Das ist unsinnig.«

Daphne Cruz, meine beste Freundin, lehnte sich vor, starrte in den Badezimmerspiegel und trug eine weitere Schicht Lipgloss auf. Magiefunken im selben Prinzessinnenrosa wie ihr Lippenstift schossen aus den Fingerspitzen der Walküre und verglühten im Waschbecken unter dem Spiegel.

»Unsinnig«, wiederholte ich. »Un. Sinnig.«

»Mmmm-hmmm.«

Daphne brummte abwesend, schloss ihren Lipgloss und ließ den Stift in die riesige Handtasche fallen, die an ihrem Arm hing. Dann griff sie in die Tiefen der Designertasche und zog eine Bürste hervor. Ohne mich zu beachten, glättete sie ihre goldenen Locken. Die natürlich bereits perfekt lagen. Daphne verließ niemals ihr Zimmer, ohne perfekt auszusehen.

»Komm schon«, sagte ich, weil ich einfach noch nicht bereit war, meine Tirade zu beenden. »Du weißt doch, dass ich recht habe. Dieser Tag wird auf jeden Fall in einer Katastrophe enden.«

Daphne beendete ihre Haarpflege und zog eine silberne Puderdose aus der Tasche. Sie trug ein wenig Make-up auf ihre grundsätzlich perfekte, dunkle Haut auf, dann musterte sie sich noch einmal kritisch im Spiegel und zupfte einen winzigen Fussel von ihrem rosafarbenen Kaschmirpullover.

Ich holte wieder Luft, um meine Schwarzmalerei fortzusetzen, doch Daphne schloss die Dose mit einem Klicken, bevor ich weiterreden konnte.

Sie sah mich im Spiegel an und suchte mit dem Blick ihrer schwarzen Augen meine violetten. »Himmel, Gwen. Entspann dich. Wir sind auf einem Date zu viert. Wir sollten … na ja … Spaß haben, statt uns ständig Sorgen zu machen, dass die Schnitter alles ruinieren könnten.«

Ich musterte meine Freundin finster. Sie mochte sich ja entspannen können, doch ich machte mir in letzter Zeit eigentlich rund um die Uhr Sorgen wegen der Schnitter.

Meine linke Hand glitt zu meinem rechten Handgelenk, dann schloss ich die Finger um das Armband, das dort hing. Das Armband selbst war einzigartig – mehrere Lorbeerblätter hingen von dünnen Strängen aus Mistelzweigen, die zu einer Kette verwoben worden waren. Alles bestand aus Silber. Ich packte eines der Blätter fester und wartete darauf, dass meine Psychometrie sich einschaltete. Doch das Einzige, was ich von dem Armband auffing, waren dieselben kühlen, ruhigen Schwingungen, die ich immer spürte, wenn ich mich auf das Silber konzentrierte.

Wenn man sich das Armband lediglich ansah, wirkte es einfach wie ein interessantes Schmuckstück. Doch es war der Schlüssel zum Sieg über Loki und seine Schnitter des Chaos. Zumindest behauptete das Nike, die griechische Göttin des Sieges. Ich diente als Nikes Champion und war damit das Mädchen, das die Wünsche der Göttin in der Welt der Sterblichen erfüllte – und die Göttin wollte Loki tot sehen. Dabei konnte mir das Armband angeblich helfen, auch wenn ich noch nicht ganz verstanden hatte, was ich wirklich damit anstellen sollte.

»Gwen?«, fragte Daphne ein wenig genervt. »Was grübelst du denn jetzt schon wieder?«

Ich spielte noch ein paar Sekunden an den Lorbeerblättern des Armbandes herum, dann schob ich das Ganze wieder unter den Ärmel meines purpurnen Kapuzenshirts.

»Ich frage mich, wie du den Schnittern so gleichgültig gegenüberstehen kannst«, sagte ich. »Hallo? Nur für den Fall, dass du es noch nicht mitbekommen hast, die Schnitter haben in den letzten Monaten so ungefähr alles auf Mythos ruiniert. Der große Schulball? Endete damit, dass ich in der Bibliothek gegen einen Schnitter gekämpft habe. Der Skiausflug zum Winterkarneval? Ein weiterer Kampf mit einem Schnitter im Hotel. Letzter Tag der Winterferien? Kampf gegen die Schnitter im Kreios-Kolosseum. Winterkonzert? Noch mehr Schnitter im Aoide-Auditorium. Ganz zu schweigen von den Vorfällen in den Eir-Ruinen.«

Ich zählte die Beispiele an meinen Fingern ab. Als ich fertig war, schenkte ich Daphne einen wissenden Blick. »Wieso sollte es heute anders sein?«

Daphne verdrehte die Augen und stemmte schwungvoll die Hände in die Hüften, sodass noch mehr pinkfarbene Funken aus ihren Fingerspitzen stoben.

»Weil es heute um uns gehen soll – um dich, mich, Carson und Logan – nicht um Schnitter«, erklärte Daphne. »Der Rest von uns hatte bis jetzt einen wirklich netten Nachmittag – obwohl du die ganze Zeit nur versucht hast, alles zu ruinieren, indem du hinter jeder Ecke nach Schnittern gesucht hast.«

»Die Walküre hat recht«, schaltete sich eine Stimme mit einem kühlen englischen Akzent ein. »Du warst heute ziemlich nervös.«

Ich griff nach unten, zog ein Schwert aus der schwarzen Lederscheide an meiner Hüfte und hielt es auf Augenhöhe. Anstelle einfacher Muster zeigte das silberne Heft ein halbes männliches Gesicht, komplett mit Hakennase, Mund, Ohr und einem purpurgrauen Auge, das im Moment auf mich gerichtet war. Vic, mein sprechendes Schwert. Die Waffe, die Nike selbst mir gegeben hatte.

»Ich dachte, du wärst ganz scharf darauf, heute ein paar Schnittern zu begegnen«, meinte ich. »Da du ja ständig nur darüber sprichst, dass du sie umbringen willst.«

Vic hatte keine Achseln, mit denen er zucken konnte, also verdrehte er stattdessen sein Auge. »Selbst ich brauche ab und zu mal ein wenig Freizeit, Gwen. Die Walküre hat recht. Du solltest die Ruhe genießen, solange sie anhält. Ich werde auf jeden Fall ein Nickerchen machen. Du kennst ja die Ansage.«

»Ja, ja«, murmelte ich. »Ich soll dich nur wecken, wenn es Schnitter zu töten gibt.«

»Genau.«

Damit schloss Vic sein Auge. Ich bedachte das Schwert mit einem schlecht gelaunten Blick, auch wenn Vic mich überhaupt nicht mehr beachtete. Mit einem Seufzen schob ich ihn zurück in die Scheide.

»Siehst du?«, meinte Daphne selbstgefällig. »Selbst Vic stimmt mir zu.«

Ich warf ihr einen bösen Blick zu, obwohl sie und Vic tatsächlich recht hatten. Ich war heute ein totaler Spielverderber. Doch es war fast zwei Wochen her, seit wir das letzte Mal etwas von Agrona Quinn, der Anführerin der Schnitter, gehört hatten, oder von Vivian Holler, dem Mädchen, das Lokis Champion und meine Erzfeindin war. Die zwei langen Wochen hatten den Schnittern zweifellos genügend Zeit gegeben, um sich neu zu ordnen – und einen weiteren schrecklichen Plan zu entwerfen, wie sie mich und jeden, der mir etwas bedeutete, verletzen konnten.

Schon allein der Gedanke daran, was die Schnitter vielleicht planten, sorgte dafür, dass mein Magen sich vor Furcht verkrampfte. Ich hatte bereits so viel an Agrona, Vivian und die anderen bösen Krieger verloren, und ich wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bevor die Schnitter wieder zuschlugen. Doch Daphne und Vic hatten recht. Es gab nichts, was ich heute gegen meine Widersacher unternehmen konnte, also sollte ich die Zeit mit meinem Freund und meinen Freunden genießen.

Weil mir vielleicht nicht mehr viel Zeit mit ihnen blieb, wenn Loki seinen Willen bekam.

»Okay, okay«, murmelte ich. »Ich werde mir für den Rest des Tages ein Lächeln ins Gesicht schrauben.«

Daphne bedachte mich mit einem scharfen Blick. »Versprochen?«

Ich zog ein X in die Luft vor meinem Herzen, genau über der Stelle, wo unter dem purpurnen Kapuzenshirt und dem grauen Pulli zwei Narben meine Haut verunstalteten. »Versprochen.«

»Gut. Dann lass uns gehen.« Daphne schnappte sich meinen Arm und setzte ihre Walkürenstärke ein, um mich zur Tür zu zerren. »Inzwischen sollte unsere Bestellung fertig sein, und ich brauche dringend eine Dosis Zucker.«

Ich seufzte wieder, bevor ich mich von ihr aus dem Raum zerren ließ.

Daphne und ich traten in den Hauptraum von Kaldis Kaffee.

In vielerlei Hinsicht war Kaldis ein typischer Coffeeshop. Ein langer Tresen an der hinteren Wand. Eine Vitrine voller sündhaft süßer Käsekuchen, Törtchen und jeder anderen Art von Dessert, die man sich vorstellen konnte. Jede Menge gepolsterter Stühle und Sofas. Schmiedeeiserne Tische. Espressomaschinen, die vor sich hin gurgelten und die Luft mit dem reichhaltigen, dunklen Aroma des Kaffees füllten, den sie aufbrühten.

Nicht so typisch war die Kundschaft im Café.

Walküren, Amazonen, Wikinger, Römer, Spartaner. Alles Jugendliche ungefähr in meinem Alter, alles Nachkommen mythologischer Krieger der Antike und alle bewaffnet. Schwerter, Dolche, Kampfstäbe, Speere. So gut wie jede Person im Raum hatte in einer Hand eine Tasse Kaffee und in der anderen etwas mit scharfer Klinge oder Spitze. Neben Morgan McDougall, einer meiner Walküren-Freundinnen, lag eine Armbrust so auf dem Tisch, dass sie auf die Tür zielte. Morgan hatte mir einmal erklärt, dass sie sich besser fühlte, wenn sie jederzeit eine Waffe griffbereit hatte. Jupp. Ich auch.

Mir blieb kaum die Zeit, Morgan zuzuwinken, bevor Daphne mich weiter zu zwei Sofas vor dem Kamin zerrte. Während wir uns durch das Café bewegten, fing hinter uns das Flüstern an. Oder vielmehr hinter mir.

»Hey, schau mal, Gwen Frost ist hier …«

»Anscheinend erholt sie sich mal von ihrem Kampf gegen die Schnitter …«

»Ich frage mich, wann sie gegen Loki kämpfen wird …«

Ich zog eine Grimasse und versuchte so zu tun, als könnte ich nicht hören, dass die anderen Schüler über mich redeten. Jeder auf der Mythos Academy wusste, dass ich Nikes Champion war und einen Weg finden sollte, uns alle vor Loki und den Schnittern zu retten. Es ging doch nichts über ein bisschen Druck, um dafür zu sorgen, dass ein Mädchen sich so richtig in seine Sorgen...



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