Feist | Die Midkemia-Saga 1 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 512 Seiten

Reihe: Die Midkemia-Saga

Feist Die Midkemia-Saga 1

Der Lehrling des Magiers
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-641-18444-5
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Lehrling des Magiers

E-Book, Deutsch, Band 1, 512 Seiten

Reihe: Die Midkemia-Saga

ISBN: 978-3-641-18444-5
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Krieg und Intrigen, Ehre und Tod, Liebe und Hass.

Das Königreich Rillanon befindet sich im Krieg. Doch nicht nur der Feind von außen bedroht den Frieden, denn Intrigen und Verrat beherrschen den Königshof, und so wird viel zu spät auf die Invasion reagiert. Der Magierlehrling Pug und sein bester Freund, der junge Krieger Tomas, wissen nichts von den Geschehnissen bei Hofe. Für sie bedeutet dieser Krieg eine Möglichkeit, sich zu beweisen und vielleicht sogar Ruhm zu erlangen – bis sie Teil der Intrigen werden und den wahren Schrecken des Krieges begegnen.

Raymond Feist wurde 1945 in Los Angeles geboren und lebt in San Diego im Süden Kaliforniens. Viele Jahre lang hat er Rollenspiele und Computerspiele entwickelt. Aus dieser Tätigkeit entstand auch die fantastische Welt seiner Romane: Midkemia. Die in den 80er-Jahren begonnene Saga ist ein Klassiker des Fantasy-Genres, und Feist gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Fantasy in der Tradition Tolkiens.
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Der Sturm

Der Sturm war losgebrochen.

Pug tänzelte am Klippenrand entlang. Seine Füße fanden kaum Halt, während er sich seinen Weg zwischen den Prellen hindurchbahnte. Seine dunklen Augen suchten in den Tümpeln unter den Klippen nach den stacheligen Wesen, die der Sturm dorthin getrieben hatte. Seine jungen Muskeln zeichneten sich unter dem dünnen Hemd ab, als er den Sack mit den Sandkriechern und Krabben zurechtrückte, die er bereits aus diesem Wassergarten gefischt hatte.

Der Meeresschaum glitzerte in der Nachmittagssonne, und der Westwind zerzauste sein sonnengebleichtes braunes Haar. Pug stellte seinen Sack ab, vergewisserte sich, dass er fest verschnürt war, und hockte sich dann auf einen Sandflecken. Noch war der Sack zwar nicht voll, aber Pug freute sich über eine Extra-Stunde, in der er sich ausruhen konnte. Megar, der Koch, würde ihm keinen Ärger machen, auch wenn er lange fortblieb, wenn nur der Sack möglichst voll war. Den Rücken an einen großen Felsbrocken gelehnt, döste Pug schon bald in der Sonne ein.

Ein kalter, nasser Sprühregen weckte ihn Stunden später. Erschrocken riss er die Augen auf. Er wusste sofort, dass er viel zu lange geblieben war. Westwärts über dem Meer verkündeten rollende, sich ballende Wolken einen weiteren Sturm. Unter ihnen hing der Regen wie ein dunkler Schleier. Stürme waren im Frühsommer an diesem Teil der Küste sehr häufig. Im Süden ragten die hohen Zinnen von Seglers Gram empor, reckten sich gen Himmel, während die Wellen gegen die Klippen krachten. Hinter den Brechern setzten die Wogen weiße Kappen auf. Dies war ein sicheres Zeichen, dass der Sturm bald losbrechen würde. Pug wusste, dass er in Gefahr war, denn bei einem Sommersturm lief jeder, der sich am Strand befand, Gefahr zu ertrinken. Wenn sie heftig genug waren, sogar jeder auf dem Flachland dahinter.

Er packte seinen Sack und lief nordwärts, in Richtung Burg. Als er zwischen den Tümpeln hindurchlief, spürte er, wie der Wind immer kälter und feuchter wurde. Schatten senkten sich auf die Erde, als sich die ersten Wolken vor die Sonne schoben, und leuchtende Farben wurden zu mattem Grau. Draußen auf der See zuckten die ersten Blitze aus den schwarzen Wolken, und das ferne Grollen des Donners übertönte das Brausen des Meeres.

Als er das erste Stück offenen Strandes erreichte, lief Pug schneller. Der Sturm näherte sich mit größerer Geschwindigkeit, als er es für möglich gehalten hatte, und trieb dabei die steigende Flut vor sich her. Als er die zweite Reihe der Priele erreichte, erstreckten sich noch knapp drei Meter trockenen Sands zwischen dem Rand des Wassers und den Klippen.

So schnell es ging eilte Pug über die Felsen. Er sprang, verschätzte sich und kam schlecht auf. Er fiel in den Sand und umklammerte seinen Knöchel. Als hätte sie nur darauf gewartet, rollte in diesem Augenblick eine Welle auf ihn zu und verschluckte ihn vorübergehend. Blindlings schlug er um sich und fühlte, wie sein Sack fortgespült wurde. Verzweifelt grabschte er danach, warf sich nach vorn – aber sein Knöchel gab unter ihm nach. Er ging unter, schluckte Wasser. Spuckend und hustend hob er den Kopf. Er stand gerade wieder, als eine zweite Welle – höher noch als die erste – ihn hart gegen die Brust traf. Wieder fiel er um, diesmal auf den Rücken. Pug war mit dem Spiel in den Wellen aufgewachsen, aber jetzt brachten der Schmerz in seinem Knöchel und der Angriff der Wellen selbst ihn, den geübten Schwimmer, an den Rand der Verzweiflung, ja, einer Panik. Er kämpfte dagegen an und schnappte nach Luft, als die Welle zurückrollte. Halb schwamm, halb kroch er auf die Klippen hinauf.

Oben angelangt stützte er sich gegen den Stein, belastete den verletzten Knöchel so wenig wie möglich und schob sich vorsichtig vorwärts. Mit jeder Welle stieg das Wasser höher. Als er endlich eine Stelle erreichte, von der aus er auf den Weg nach oben gelangen konnte, reichte ihm das Nass schon bis zur Taille. Er brauchte seine ganze Kraft, um sich auf den Weg hochzuziehen. Danach blieb er keuchend einen Moment dort liegen. Dann kroch er über den Weg. Auf diesem schlüpfrig-steinigen Untergrund wollte er seinem geschundenen Knöchel nicht trauen.

Die ersten Tropfen fielen bereits, als er weiterkroch. Er verkratzte sich Knie und Schienbeine auf dem Felsen, bis er endlich den grasigen Gipfel erreichte. Erschöpft fiel Pug vornüber, keuchend von dem anstrengenden Aufstieg. Die vereinzelten Tropfen wurden allmählich zu einem leichten, aber ständigen Regen.

Als er wieder zu Atem gekommen war, setzte sich Pug auf und untersuchte seinen geschwollenen Knöchel. Er tat weh, aber er ließ sich bewegen. Er war also nicht gebrochen! Er würde den ganzen Weg nachhause hinken müssen, aber nachdem er gerade der Gefahr zu ertrinken entgangen war, fühlte er sich relativ wohl.

Pug würde durchnässt und unterkühlt in der Stadt ankommen. Dort würde er sich eine Bleibe suchen müssen, denn die Tore der Burg waren schon für die Nacht geschlossen. Und mit seinem verletzten Knöchel wollte er nicht versuchen, über die Mauer hinter den Ställen zu klettern. Außerdem würde nur Megar mit ihm schimpfen, wenn er warten und sich erst am nächsten Tag in die Burg schleichen würde. Sollte man ihn allerdings erwischen, wie er über die Mauer kletterte, hätten Schwertmeister Fannon oder Pferdemeister Algon bestimmt viel Schlimmeres als nur Worte für ihn auf Lager.

Während er sich ausruhte, wurde der Regen immer dichter. Der Himmel verdunkelte sich, als Sturmwolken die späte Nachmittagssonne verschluckten. Wut auf sich selbst, weil er den Sack mit den Sandkriechern verloren hatte, trat an die Stelle seiner Erleichterung. Sein Missbehagen wurde noch größer, als er über seine Dummheit nachdachte, eingeschlafen zu sein. Wenn er wach geblieben wäre, hätte er den Rückweg ohne Eile antreten können. Er hätte sich dann nicht den Knöchel verrenkt und Zeit genug gehabt, im Flussbett nach glatten Steinen zu suchen, die er für seine Schleuder so schätzte. Das konnte er jetzt vergessen, und es würde mindestens eine Woche vergehen, ehe er wieder herkommen konnte. Wenn Megar nicht statt seiner einen anderen Jungen schicken würde, was ziemlich wahrscheinlich war, da er mit leeren Händen zurückkehren würde.

Pug wurde allmählich bewusst, wie ungemütlich es war, im Regen zu sitzen. So beschloss er weiterzuziehen. Er stand auf und prüfte seinen Knöchel. Der tat immer noch weh, aber Pug konnte damit gehen. Er hinkte über das Gras zu jener Stelle, wo er seine Habe zurückgelassen hatte, und hob seinen Rucksack, seinen Spazierstock und seine Schlinge auf. Er fluchte laut, als er entdeckte, dass sein Rucksack aufgerissen war. Sein Brot und der Käse fehlten. Das waren Waschbären gewesen, möglicherweise auch Zauneidechsen, dachte er. Er schleuderte den leeren Sack zur Seite und schimpfte auf sein Pech.

Dann holte er tief Luft, stützte sich schwer auf seinen Stock und trat den Weg über die flachen Hügel an, die die Klippen von der Straße trennten. Überall standen kleine Baumgrüppchen, doch zu Pugs Bedauern gab es keinen besseren Schutz in der Nähe. Wenn er sich unter einen der Bäume stellte, würde er ebenso nass werden, als wenn er gleich bis zur Stadt weiterwanderte.

Der Wind wurde stärker. Schon fühlte ihn Pug eisig kalt an seinem nassen Rücken. Er schauderte und beschleunigte seinen Schritt, so gut er es vermochte. Die kleinen Bäume fingen an, sich im Wind zu neigen, und Pug hatte das Gefühl, eine riesige Hand stieße ihn in den Rücken. Als er die Straße erreichte, wandte er sich nach Norden. Er hörte den verwunschenen Ruf des großen Waldes im Osten. Der Wind pfiff durch die Zweige der uralten Eichen und ließ den Wald noch düsterer erscheinen. Wahrscheinlich war es im Wald jetzt nicht gefährlicher als auf der Straße des Königs. Trotzdem standen dem Jungen die Haare zu Berge, als er an die Geschichten von Gesetzlosen und anderen, weniger menschlichen Missetätern dachte.

Pug huschte über die Straße und fand ein wenig Schutz im Graben, der daneben entlangführte. Der Wind wurde noch stärker, Regen brannte in seinen Augen, und Tränen liefen über seine schon nassen Wangen. Ein Windstoß packte ihn, und vorübergehend verlor er das Gleichgewicht. Er musste vorsichtig auftreten, um nicht in unerwartet tiefen Pfützen die Balance zu verlieren.

Fast eine Stunde lang humpelte er durch den immer stärker werdenden Wind. Die Straße führte nun nach Nordwesten, und damit schlug ihm der heulende Wind fast voll ins Gesicht. Pug lehnte sich vor, sein Hemd blähte sich hinter ihm. Er schluckte kräftig, um die in ihm aufsteigende Panik zu unterdrücken. Er wusste, dass er in Gefahr war, denn der Sturm tobte weit wütender, als es sonst in dieser Jahreszeit üblich war. Große gezackte Blitze stießen auf die dunkle Landschaft herab, Bäume und Straße wurden in hartes, strahlendes Weiß getaucht. Rumpelnder Donner dröhnten über ihm. Jetzt war seine Angst vor dem Sturm ebenso mächtig wie die vor eingebildeten Räubern und Trollen. Er beschloss, zwischen den Bäumen nahe der Straße entlangzugehen. Dort würde der Wind ein wenig durch die Eichen abgehalten werden.

Als er sich dem Wald näherte, ließ ihn ein krachendes Geräusch auf der Stelle verharren. Im Dämmerlicht des Sturmes konnte er nur schwach die Gestalt eines schwarzen Waldebers ausmachen, der aus dem Unterholz hervorbrach. Das Schwein taumelte aus dem Gebüsch, stolperte und raffte sich sogleich wieder auf. Pug konnte es ganz deutlich sehen, wie es dastand und ihn anstarrte, wobei es den Kopf von einer Seite zur anderen schwenkte. Die beiden großen Stoßzähne schienen im schwachen Licht zu glühen. Regenwasser tropfte daran herab....


Feist, Raymond
Raymond Feist wurde 1945 in Los Angeles geboren und lebt in San Diego im Süden Kaliforniens. Viele Jahre lang hat er Rollenspiele und Computerspiele entwickelt. Aus dieser Tätigkeit entstand auch die fantastische Welt seiner Romane: Midkemia. Die in den 80er-Jahren begonnene Saga ist ein Klassiker des Fantasy-Genres, und Feist gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Fantasy in der Tradition Tolkiens.



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